suche was zum obigen Thema. Ich finde zwar etliches im Netz, aber alles nur so Wicca-Kram, nix historisch brauchbares.
Es geht um die Darstellung einer ma Heilkundigen: Wie sahen sie aus, aus welcher Bevölkerungsschicht kamen sie, was mußten sie können/wissen, welche Utensilien brauchten sie etc.
ein bisschen am Rand, aber vielleicht als Stichwort brauchbar: Der Hortulus des Walafrid Strabo. Walafrid war ein für seine Zeit relativ hochgebildeter Mann, aber der Hortulus nimmt sich doch (etwa im Vergleich zu den Kenntnissen der Antike) eher ärmlich aus. Ob da „unterhalb“ seines Niveaus noch viel übrig bleibt?
Freilich dürfte ein Unterschied zwischen dem 9. und vielleicht dem 13. Jahrhundert sein. Unter dem Einfluss der Kontakte zur arabischen Welt kann viel passiert sein.
Der „hortulus“ ist auf der Insel Reichenau „nachgepflanzt“.
Sprich, da ist ein kleines Gärtlein hinter der Kirche von Mittelzell, in dem alle Pflanzen, die Walafried beschreib, wachsen.
noch ein Hortus
Der Hortus eychstaettensis ist ebenfalls nachgepflanzt und beinhaltet so ziemlich alle Pflanzen, die ein Heilkräuterkundiger kennen sollte, auch wenn er eher frühe Neuzeit ist.
Auch der Klosterplan von Sankt Gallen bietet einen Einblick in die Anlage des GArten (was wurde wo gepflanzt)
Ansonsten sind im Mittelalter noch immer die antiken Lehrbücher relevant so das Pflanzenbuch des Dioskurides:
Volltest hier: www.tiscalinet.ch/materiamedica
Dann ist natürlich Hildegard von Bingen ein leuchtendes Vorbild für eine Kräuterkundige Frau, aber zu Ihr gibt es auch jede Menge esoterischen und Hildegardmanischen Dünnsinn. Ihre Werke (Causae et curae und Physica) zeugen ebenfalls von einer intensiven Kenntnis griechischer Quellen, neben Dioskurides auch Plinius Naturgeschichte (historia naturalis).
Insgesamt kann man also nur Aussagen zu gebildeten Kräutrkundigen treffen, sei es an der Universität ausgebildete Ärzte oder die etwas volksnäheren Mönche und Nonnen. Manches haben sie evtl aus der Überlieferung in ihrer Region übernommen, was aber das kleine Kräuterweiblein wusste bleibt Legende.
Schöne Grüße
Susanne
in Aachen hat Karl der Große einen Musterkräutergarten anlegen lassen.
Ich erinner mich düster an meine Grundschulzeit, als wir diesen Garten zum Thema hatten.
Die Lehrerin hatte recht umfangreiches Material dazu, es sollte also Bücher oder anderes Material dazu geben.
Ev. mal in Aachen bei der Kurverwaltung oder Geschichtsverein etc. nachfragen.
nicht nur aachen, sondern jede der rund 400 pfalzen karls des großen mußte einen kräutergarten nach genauen vorgaben anlegen und pflegen.
trpm hat im anschluß an seine KdG-biografie mal die quellen ausgewertet und ein kräuterbüchlein verfaßt (ISBN 3795112818 Buch anschauen). leider ist es nur noch antiquarisch erhältlich.
beschäftige Dich mal ausführlicher mit der heiligen Hildegard von Bingen. Da gibts auch gute Literatur drüber, aber auch von Ihr selbst sind, glaube ich, noch Fragmente von Schriften erhalten.
Ich weiß nicht, für welchen Zeitraum du dich interessierst - für das frühe Mittelalter würdest du sicher hier etwas finden:
Edith Ennen: Frauen im Mittelalter, 1999.
Gerhard Baader: Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Frümittelalter, in: Werner Affeldt/Annette Kuhn: Frauen in der Geschichte VII.
Hier sind noch ne ganze Menge andere themenverwandte Aufsätze drin.
Hans-Werner Goetz: Weibliche Lebensgestaltung im frühen Mittelalter, 1991.
Peter Ketsch: Frauen im Mittelalter, hg. v. Annette Kuhn, Bd. 1: Frauenarbeit im Mittelalter. Quellen und Materialien.
Ich glaube, hier gab es auch Bildmaterial zu dem Thema.
Falls du irgendwie an eines dieser Bücher kommst: Meines Wissens beschäftigen sie sich alle irgendwo mit dem Thema Frauen und Heilkunde.
Viel Erfolg,
Lilia
Ansonsten: Auch das Kloster Lorsch hat zwei Kräutergärten nachgestaltet: Einen nach dem Vorbild Walafrid Strabos, den zweiten nach dem des Lorscher Arnzeibuchs, welches für die mittelalterliche Auffassung von Heilkunde bahnbrechend war.
Ist in jedem Fall einen Besuch wert.
du hast die beiden wichtigsten Quellen genannt, Plinius und Dioskurides denn diese beiden Autoren wurden immer wieder abgeschrieben und kamen auch über arabische Vermittlung wieder nach Europa. Wichtig wäer auch der Pseudo-Apuleius. (Danke für den Dioskurides-Link!)
Der Begriff „Hildegardmanischer Dünnsinn“ gefällt mir sehr gut. Allerdings habe ich Hildegards Physica einmal anhand der einen oder anderen Pflanze durchexerziert, und fand dass suie gerade nicht auf die antike Medizintradition zurückgeht, vielmehr hatte ich da den Eindruck, es seien Visionen oder freie Assoziationen von ihr.