Heilpädagogisches Reiten

Liebe Fachleute,

gibt es eine Ausbildung, die jemand haben muss, um therapeutisches Reiten anbieten zu dürfen ?

Hintergrund meiner Frage ist ein relativ neuer Reiterhof am Ort, der recht geschäftstüchtig in Kindergärten und Schule Werbung macht. Das läuft unter dem Mäntelchen von Vorträgen für Eltern *grmpf*.

Ich kenne die Leiterin, weil eine Freundin meiner Tochter 3x pro Woche zum therapeutischen Voltigieren dort hingeht. Das Kind wird von den Eltern als Indigokind betrachtet, die Mutter ist sehr bemüht, aber in ihrer Sorge um die Tochter leicht zu beeinflussen, und alles, was die Chefin dort sagt, ist Gebet.

Ich würde bei dem Kind ja mal eine ADS-Diagnostik empfehlen, aber in dieser Familie gelten nur der Heilpraktiker, die Globuli und die Reittherapeutin. Und über diesen Weg wirbt die Dame zunehmend Kinder an. Sie tritt sehr bestimmt auf und gibt sich als Fachfrau für Kinderseelen aus. Ganz besonders liegen ihr unruhige, unkonzentrierte Kinder am Herzen - ein großer Markt…

Die Qualifikation der „Therapeuten“ ist laut Homepage:

Chefin: Diplom-Sozialpädagogin, Fachkraft für das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren, Ausbilderin im Reiten als Sport für Behinderte

  1. Chef: Vater von 4 Kindern mit Zusatzausbildung im Pferdebereich und mehrjähriger Erfahrung mit Pferden und Kindern

Mitarbeiterin: Tierheilpraktikerin und Mutter mit Zusatzausbildung im Pferdebereich und mit mehrjähriger Erfahrung im Therapeutischen Reiten und Voltigieren

Reicht das, um eine „Reit- und Therapieanlage“ zu führen ?

Können da große Schäden entstehen ? Das Gebaren der Chefin hat für mich etwas guruhaftes, aber ich bin nicht objektiv, denn ich habe es gewagt, ihr zu widersprechen, daher mögen wir uns nicht :wink:

Danke und viele Grüße,

Inselchen (die das auch als Elternbeirat fragt - falls unser Kiga die Dame einladen will…)

Das Kind wird von den Eltern als Indigokind betrachtet

Wenn ich mich nicht irre repräsentieren Indigokinder einen Evolutionssprung, haben ein vier- oder fünfdimensionales Bewusstsein, haben Probleme mit absoluter Autorität, Indigo-Kinder haben eine Aura, die verstärkt die Farbe Indigoblau enthält; und die Indigo-Kinder haben Eigenschaften, die ihnen (und der Gesellschaft) Schwierigkeiten bereiten.

Nun verlassen wir die Esoterik, denn eigentlich sind diese Kinder zappelig, unruhig und sprunghaft etc. - kurz sie leiden an ADHS, der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung.

Gruss
Armin

Heilerlaubnis
Hallo Inselchen,

gibt es eine Ausbildung, die jemand haben muss, um
therapeutisches Reiten anbieten zu dürfen ?

Tja - ich weiß es nicht beim Reiten, sondern mehr so grundsätzlich.
Es gibt sozusagen drei Gruppen von Menschen in Deutschland, die selbstverantwortlich und selbstständig therapieren dürfen.
Das sind Ärzte, Heilpraktiker und Menschen, die irgendwie über das Psychotherapeutengesetz zugelassen sind (im letzteren kenn ich mich nicht aus)
Alle anderen, z.B. Krankengymnasten, tun das im Auftrag. Da braucht es eine ärztliche Verschreibung. Irgendwie meine ich das das für Heilpädagogen auch gilt, da weiß ich nur den Weg nicht genau.

Hintergrund meiner Frage ist ein relativ neuer Reiterhof am
Ort, der recht geschäftstüchtig in Kindergärten und Schule
Werbung macht. Das läuft unter dem Mäntelchen von Vorträgen
für Eltern *grmpf*.

Tja so geht das!

Ich kenne die Leiterin, weil eine Freundin meiner Tochter 3x
pro Woche zum therapeutischen Voltigieren dort hingeht. Das
Kind wird von den Eltern als Indigokind betrachtet, die Mutter
ist sehr bemüht, aber in ihrer Sorge um die Tochter leicht zu
beeinflussen, und alles, was die Chefin dort sagt, ist Gebet.

Ich würde bei dem Kind ja mal eine ADS-Diagnostik empfehlen,
aber in dieser Familie gelten nur der Heilpraktiker, die
Globuli und die Reittherapeutin.

Also das muß ja nicht automatisch Scheiße sein. Mir ist Diagnostik sehr wichtig und da gibts auch mehr von, die das so sehen. Und ich finde auch, das nichts dagegen spricht, alles mögliche zu tun um gesund zu werden und nicht nur das was ein Arzt sagt.

Die Qualifikation der „Therapeuten“ ist laut Homepage:

Chefin: Diplom-Sozialpädagogin, Fachkraft für das
Heilpädagogische Reiten und Voltigieren, Ausbilderin im Reiten
als Sport für Behinderte

Also zunächst mal keine Heilerlaubnis aus eigener Verantwortung, soweit ich sehen kann.

  1. Chef: Vater von 4 Kindern mit Zusatzausbildung im
    Pferdebereich und mehrjähriger Erfahrung mit Pferden und
    Kindern

nun ebensoviel bzw. -wenig

Mitarbeiterin: Tierheilpraktikerin

ist ein völlig ungeschützter Begriff.
Darf sich jeder nennen und darf auch jeder tun, soweit ich weiß

und Mutter mit
Zusatzausbildung im Pferdebereich und mit mehrjähriger
Erfahrung im Therapeutischen Reiten und Voltigieren

tja wieder die Frage - wer ist der Auftraggeber für die Therapie, wenn es heilen und nicht nur fördern oder entspannen oder ähnliches soll, dann braucht es jemand mit Heilerlaubnis.
Wenn sie aber selber nicht behaupten zu heilen, dann reicht das glaub ich aus

um eine „Reit- und Therapieanlage“ zu führen ?

Wobei Therapie laut Roche Lexikon der Medizin wie folgt definiert ist:
„Maßnahmen zur Heilung einer Krankheit (s.a. Behandlung); als ätiotrope oder kausale Th. auf Beseitigung der Ursachen u. Auslösungsmomente abzielend (z.B. Substitutionstherapie), als symptomat. Th. nur Krankheitserscheinungen bekämpfend (s.a. Palliativbehandlung), als spezifische Th. gezielt, als unspezifische Th. nur allg. heilungsfördernd, als konservative Th. ohne Op., v.a. medikamentös, als operative Th. durch chir. Eingriff; ferner Strahlen-, Ernährungs- (Diät), Funktionstherapie, Hormontherapie, physikal. Th., manuelle Th. (Chiropraktik), intermittierende Th. (mit behandlungsfreien »Pausen«), Psychotherapie.“
Das dürften sie also, wenn ich nicht ganz schief liege, mit ihren Qualifikationen nicht auf eigene Verantwortung, sondern nur in Auftrag eines Arztes.

Können da große Schäden entstehen?

Uff - das ist schwer zu beantworten.
Wenn die Heilversprechen machen und die nicht halten und andere Behandlung oder sogar schon diagnostik bleibt aus - - - tja - wahrscheinlich schon, aber das können die anderen aus dem Bereich Psych sicher besser beurteilen.

Das Gebaren der Chefin hat
für mich etwas guruhaftes, aber ich bin nicht objektiv, denn
ich habe es gewagt, ihr zu widersprechen, daher mögen wir uns
nicht :wink:

Ja da muß ich mich auch oft streiten.

Das Problem, das ich sehe ist folgendes:
Das erscheint irgendwie unkoscher und darauf reagiert ein geschädigter Teil von mir immer relativ restriktiv.
Auf der anderen Seite, könnte es sein, daß sie im Rahmen dessen was sie tun und dürften, hilfreich sind. Sollte es allerdings tatsächlich so sein, daß sie konkrete Heilversprechen machen und die Eltern dadurch einlullen, dann…

Ich fang an zu schwafeln, tut mir leid…

Hoffe dir mit den Info oben geholfen zu haben.

Gruß
Kerstin
(die so jemanden nicht in ihrem Kindergarten würde haben wollen.)

Hallo Armin,

ich fand den Begriff der „Indigo-Kinder“ sehr treffend für die Grundhaltung der Eltern der Freundin meiner Tochter :smile:

Und ich fürchte auch, jemand, der den Indigoquatsch glaubt, ist anfällig für verlogene Heilsversprechen.

Deshalb stört mich, dass diese Möchtegerntherapeutin sich so massiv an Schulen und Kindergärten am Ort ihre neuen Anhänger sucht.

Und daher habe ich hier gefragt, um möglichst viele haltbare Kritikpunkte zu erhalten, denn als Mutter von hochbegabten ADHS-Kindern bin ich ja einfach nur verblendet von der drogenverschreibenden Zunft, dabei müßte ich mich einfach nur auf die Aura einlassen… Nein, im Ernst, wenn alle örtlichen Erzieherinnen und LehrerInnen am Ort so auf den Stall abfahren, brauche ich Laie schon schwere Argumente, warum ich diese Dame NICHT an unserem Kindergarten-Elternabend hören möchte !

Solange mit dem Reiterhof nur Geld gemacht wird, ist es mir ja egal, jedem sein wirtschaftlicher Erfolg, aber da hier tatsächlich Heilsversprechen gegeben werden (bei der Freundin - die Mutter erzählt mir alles haarklein), und dies nicht ergänzend, sondern statt einer seriösen Diagnostik, runzelt sich heftigst meine Stirn - im Kindergarten meines Sohnes hängt auch schon ein Zettel, der Werbung für einen Vortrag in einem anderen örtlichen Kindergarten macht *grmpf*.

Indigoblaue Grüße :wink:,

Inselchen

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Liebe Kerstin,

danke für die Infos. Es ist also ein recht schmaler Grat, auf dem die Nicht-wirklich-Therapeutin sich da bewegt. Die Infos stammen ja direkt von der Homepage, dann gehe ich davon aus, dass tatsächlich nicht mehr Qualifikation da ist.

Die Frage nach dem Auftraggeber läßt sich in den meisten Fällen recht einfach beantworten: Es ist nicht der Arzt, sondern eine gute Freundin, die der besorgten Mutter einen Besuch dort empfiehlt, oder der Heilpraktiker, oder die Lehrerin - der Reiterhof hat offiziell im letzten Schülerferienprogramm etwas angeboten, also für oberflächliche Beobachter mit dem „Segen“ der Schulleitung - kommt ja gut :frowning:

Die Stunden sind recht teuer, aber man hat dann das Gefühl, dass man ALLES für sein Kind tut.

Ich würde bei dem Kind ja mal eine ADS-Diagnostik empfehlen,
aber in dieser Familie gelten nur der Heilpraktiker, die
Globuli und die Reittherapeutin.

Also das muß ja nicht automatisch Scheiße sein. Mir ist
Diagnostik sehr wichtig und da gibts auch mehr von, die das so
sehen. Und ich finde auch, das nichts dagegen spricht, alles
mögliche zu tun um gesund zu werden und nicht nur das was ein
Arzt sagt.

Da widerspreche ich überhaupt nicht. Wir bewerfen leichtere Befindlichkeitsstörungen gerne mit Globuli, auch leichtere Verwirrzustände unserer älteren Tochter (die keine Medikamente wg. ADHS bekommt) werden mit Globuli behandelt, aber mehr auch nicht.

Ich stehe auf dem Standpunkt, wer heilt (oder hilft), hat recht. Wer aber Hilfe verweigert, und dazu gehört auch, dass eine Diagnostik verhindert wird, handelt unverantwortlich. Die Freundin meiner Tochter rastet nach dem Reiten völlig aus (ist überflutet), aber ihre Mutter schwört trotzdem auf die „Therapeutin“ mit dem goldenen Händchen :frowning:((

Wobei Therapie laut Roche Lexikon der Medizin wie folgt
definiert ist:
„Maßnahmen zur Heilung einer Krankheit (s.a. Behandlung); als
ätiotrope oder kausale Th. auf Beseitigung der Ursachen u.
Auslösungsmomente abzielend (z.B. Substitutionstherapie), als
symptomat. Th. nur Krankheitserscheinungen bekämpfend (s.a.
Palliativbehandlung), als spezifische Th. gezielt, als
unspezifische Th. nur allg. heilungsfördernd, als konservative
Th. ohne Op., v.a. medikamentös, als operative Th. durch chir.
Eingriff; ferner Strahlen-, Ernährungs- (Diät),
Funktionstherapie, Hormontherapie, physikal. Th., manuelle Th.
(Chiropraktik), intermittierende Th. (mit behandlungsfreien
»Pausen«), Psychotherapie.“
Das dürften sie also, wenn ich nicht ganz schief liege, mit
ihren Qualifikationen nicht auf eigene Verantwortung, sondern
nur in Auftrag eines Arztes.

Ja, das macht mich sehr nachdenklich…

Können da große Schäden entstehen?

Uff - das ist schwer zu beantworten.
Wenn die Heilversprechen machen und die nicht halten und
andere Behandlung oder sogar schon diagnostik bleibt aus - - -
tja - wahrscheinlich schon, aber das können die anderen aus
dem Bereich Psych sicher besser beurteilen.

Vielleicht kommen noch Antworten *hoff*.

Das Problem, das ich sehe ist folgendes:
Das erscheint irgendwie unkoscher und darauf reagiert ein
geschädigter Teil von mir immer relativ restriktiv.

Ich weiß nicht, wie ich das mit dem „geschädigten Teil“ verstehen soll: schlechte Erfahrungen von Dir selbst, oder generell wunde Punkte ? Sprich, da die „Therapeutin“ in einem Bereich aktiv ist, der mir aus persönlicher Betroffenheit naheliegt, reagiere ich empfindlicher ? Ist natürlich so !

Auf der anderen Seite, könnte es sein, daß sie im Rahmen
dessen was sie tun und dürften, hilfreich sind.

Keine Frage, wenn sie gesunde, nur „normal“ zappelige Kinder ruhiger macht, prima. Reiten an sich ist ja auf jeden Fall eine schöne Beschäftigung :smile:

Sollte es

allerdings tatsächlich so sein, daß sie konkrete
Heilversprechen machen und die Eltern dadurch einlullen,
dann…

Das DANN interessiert mich brennend !

Ich fang an zu schwafeln, tut mir leid…

Nein, Du hörst auf, wenn es interessant wird :wink:

Hoffe dir mit den Info oben geholfen zu haben.

Auf jeden Fall, danke.

Viele Grüße,

Inselchen

Konsequenzen??
Hallo Inselchen

danke für die Infos.

gerne

Die Frage nach dem Auftraggeber läßt sich in den meisten
Fällen recht einfach beantworten: Es ist nicht der Arzt,
sondern eine gute Freundin, die der besorgten Mutter einen
Besuch dort empfiehlt, oder der Heilpraktiker, oder die
Lehrerin - der Reiterhof hat offiziell im letzten
Schülerferienprogramm etwas angeboten, also für oberflächliche
Beobachter mit dem „Segen“ der Schulleitung - kommt ja gut :frowning:

Also wie gesagt, für Heilung reicht das nicht, nur für Förderung und Entspannung.

geschädigter Teil von mir immer relativ restriktiv.

Ich weiß nicht, wie ich das mit dem „geschädigten Teil“
verstehen soll:

Das ist ein Teil meiner eigenen Geschichte. Ich bin vor vielen Jahren im Ruhrgebiet mal in eine psychotherapuetische Praxis gelangt, die wie ich hinterher herausgefunden habe, deutlich sektenähnliche Züge hatte. Und obwohl ich das Glück hatte von selbst wieder rauszukommen, habe ich lange überlegt die anzuzeigen.

Sollte es

allerdings tatsächlich so sein, daß sie konkrete
Heilversprechen machen und die Eltern dadurch einlullen,
dann…

Das DANN interessiert mich brennend !

Ja was könnte das dann sein.
Das könnte z.B. eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Heilpraktiker-Gesetz sein. Das HPG deshalb, weil wenn man nicht Arzt oder HP ist, man nicht heilen darf und das in diesem Gesetz ausdrücklich steht.
Oder das könnte zuerst auch mal ein Gespräch mit dem Gesundheitsamt sein, indem du deine Sorgen erläuterst und herausfindest, wie die das sehen, die sind nämlich soweit ich weiß für die Einhaltung des HPG zuständig.

Wie gesagt, ich finde das eine schwere Entscheidung - auch so aus der Ferne.
Meine Tochter voltigiert auch und das tut ihr sehr gut.

Noch ein Wort in eigener Sache:
Man kann übrigens mit Homöopathie durchaus mehr heilen, als nur kleine Befindlichkeitsstörungen, aber halt meiner Ansicht nach wirklich nur, wenn man auch tatsächlich klinisch und in Zusammenhängne denkt und nicht nur das Gemüt behandelt.

Schluß jetzt
Ich drück dir die Daumen, daß du einen Weg findest, mit deinem Mißbehagen etwas positives anzufangen.
Gruß
Kerstin

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Nunja auf dem Psychomarkt tummeln sich etliche schwarze Schafe, lässt sich auch ne Menge Geld damit verdienen.

Damit die Argumente nicht zu schnell ausgehen:

Heilpraktikergesetz:
http://www.juracafe.de/ressourcen/eigene/gesetze/hpg…
(Fragt sich nur wo man auf die schnelle den Stellvertreter des Führers auftreiben kann :wink: )

Seiten zum Thema Psychomarkt:
http://www.agpf.de/inhalt.htm
http://www.relinfo.ch/index/esoterik.html

englisch:
http://www.quackwatch.org/

Artikelsammlung zum Bereich Medizin:
http://www.evibase.de/

freidenkerische Grüße
Armin

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Hallo,

als Heilpädagoge, bzw. Sozialpädagoge mit heilpädagogischem Schwerpunkt kann ich selbstverständlich heilpädagogisch arbeiten - also auchmit ADHS-Kindern und anderen Auffälligkeiten.

Ob sich das Ganze Therpie nennen darf, weiß ich nicht.

Für ADHS gibts allerdings keine Therapie die heilt! Somit ist jedes Heilsversprechen Heuchelei und Geldschneiderei. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, über verstärkte Zuwendung, verschiedene Übungen, feste Rituale und Entspannungtechniken eine Verbesserung der Situation für das Kind, bzw. für das Umfeld zu erreichen. Die Wege dorthin können vielfältig sein und viele Eltern suchen lange, eh sie das für ihr Kind richtige finden. Dem einen hilft Ergotherapie, dem anderen heilpädagogisches Schwimmen oder Reiten etc.

Andere wählen den einfachen Weg und passen die Persönlichkeit ihres Kindes medikamentös an die Gesellschaft an. Allerdings können auch Medikamente nicht heilen, sondern wirken nur bei Einnahme „beruhigend“ auf das Kind.

Ich denke Reiten kann durchaus eine Form sein, auffällige Kinder zur Ruhe zu führen - hier gibts ja auch nachgewiesene positive Wirkungen mit behinderten Kindern.Und auch „normale“ Kinder finden Ruhe und Entspannung - dazu muss das Reiten noch nicht mal heipädagogisch oder therapeutisch sein. Ich wäre froh, wenn so etwas zu erschwinglichen Preisen bei uns angeboten würde - hier gibts nur eine Reitschule mit Voltigiergruppe, die 20 Euro pro Stunde nehmen und wo effektiv jedes Kind nur max. 15-20 min auf dem Pferd sitzt.

Übel ist es natürlich immer, wenn die Angebote überteuert sind und den hoffenden Eltern mit falschen Versprechungen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Krankenkassen lassen Eltern oft allein, ebenso andere Stellen.

Eltern, die die Kraft haben, das Anders-sein ihrer Kinder zu akzeptieren imponieren mir sehr. Ich habe im eigenen Bekanntenkreis miterlebt, wie zermürbend das Zusammenleben auf Dauer sein kann, wieviel Kraft es kostet und wie wenig Hilfen es gibt.

Gruß anna

Halber Einspruch !
Hallo Annabeii,

Für ADHS gibts allerdings keine Therapie die heilt! Somit ist
jedes Heilsversprechen Heuchelei und Geldschneiderei. Es gibt
aber durchaus Möglichkeiten, über verstärkte Zuwendung,
verschiedene Übungen, feste Rituale und Entspannungtechniken
eine Verbesserung der Situation für das Kind, bzw. für das
Umfeld zu erreichen. Die Wege dorthin können vielfältig sein
und viele Eltern suchen lange, eh sie das für ihr Kind
richtige finden. Dem einen hilft Ergotherapie, dem anderen
heilpädagogisches Schwimmen oder Reiten etc.

Stimmt. In „leichteren“ Fällen - es gibt verschiedene Ausprägungen von ADHS - genügen obige Maßnahmen und/oder eine VT.

Andere wählen den einfachen Weg und passen die Persönlichkeit
ihres Kindes medikamentös an die Gesellschaft an. Allerdings
können auch Medikamente nicht heilen, sondern wirken nur bei
Einnahme „beruhigend“ auf das Kind.

Gute Frau, bevor man sich in einem Expertenforum äußert, sollte man schon wissen, wovon man schreibt !

  1. Methylphenidat wirkt nicht beruhigend, sondern aufputschend. Nur bei ADHS-Kranken ist die Wirkung so, dass der Kranke seine Gedanken besser sortieren kann, sozusagen sein Aufmerksamkeitsdefizit in den Griff bekommt. Er WIRKT dadurch ruhiger, tatsächlich aber ist er nur konzentrierter. Das gerne kolportierte Bild des fröhlichen Tausendsassas, der unter „Drogen“ apathisch und „brav“ wird, ist völliger Quatsch, kommt nur gut als Zeitungs- oder TV-Story.

  2. Die Persönlichkeit eines Menschen ändert sich dadurch überhaupt nicht, im Gegenteil, manchmal kann der Patient gerade durch die Medikation überhaupt zeigen, was in ihm steckt. Das Sozialverhalten wird besser, weil der Mensch plötzlich bemerkt, wo er durch unüberlegte Äußerungen andere verletzt, Gesprächen kann besser gefolgt werden, Termine werden eingehalten, usw.

  3. Ein Anpassen an die Gesellschaft klingt schön griffig, aber in erster Linie geht es darum, dem Kranken zu sich selbst zu helfen, das Chaos im Kopf etwas zu beruhigen. Diese Verwirrtheit mindert nämlich - je nach Ausprägung - die Lebensqualität ganz erheblich.

  4. Der einfachere Weg ist das ganz sicher nicht - aber ein sehr einfacher Angriffspunkt beispielsweise für unseriöse Heiler, den besorgten Eltern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Eltern, die die Kraft haben, das Anders-sein ihrer Kinder zu
akzeptieren imponieren mir sehr. Ich habe im eigenen
Bekanntenkreis miterlebt, wie zermürbend das Zusammenleben auf
Dauer sein kann, wieviel Kraft es kostet und wie wenig Hilfen
es gibt.

Es kostet übrigens auch Kraft, wenn man den medikamentösen Weg nimmt - die Medizin wirkt nur wenige Stunden, das Kind ist dadurch ja nicht geheilt (darin sind wir uns ja einig). Keineswegs ist es so, dass Eltern, die Medikamente einsetzen, ihre Kinder in ihrem Anders-Sein nicht akzeptieren - ohne Akzeptanz der im übrigen „schillernden“ ADHS- Menschen (*angeb*) geht in solchen Familien sowieso nichts.

Es grüßt Dich trotzdem

Inselchen (übrigens mit schwerem ADS, aber nicht unter „Drogen“ *g*)