Heilerlaubnis
Hallo Inselchen,
gibt es eine Ausbildung, die jemand haben muss, um
therapeutisches Reiten anbieten zu dürfen ?
Tja - ich weiß es nicht beim Reiten, sondern mehr so grundsätzlich.
Es gibt sozusagen drei Gruppen von Menschen in Deutschland, die selbstverantwortlich und selbstständig therapieren dürfen.
Das sind Ärzte, Heilpraktiker und Menschen, die irgendwie über das Psychotherapeutengesetz zugelassen sind (im letzteren kenn ich mich nicht aus)
Alle anderen, z.B. Krankengymnasten, tun das im Auftrag. Da braucht es eine ärztliche Verschreibung. Irgendwie meine ich das das für Heilpädagogen auch gilt, da weiß ich nur den Weg nicht genau.
Hintergrund meiner Frage ist ein relativ neuer Reiterhof am
Ort, der recht geschäftstüchtig in Kindergärten und Schule
Werbung macht. Das läuft unter dem Mäntelchen von Vorträgen
für Eltern *grmpf*.
Tja so geht das!
Ich kenne die Leiterin, weil eine Freundin meiner Tochter 3x
pro Woche zum therapeutischen Voltigieren dort hingeht. Das
Kind wird von den Eltern als Indigokind betrachtet, die Mutter
ist sehr bemüht, aber in ihrer Sorge um die Tochter leicht zu
beeinflussen, und alles, was die Chefin dort sagt, ist Gebet.
Ich würde bei dem Kind ja mal eine ADS-Diagnostik empfehlen,
aber in dieser Familie gelten nur der Heilpraktiker, die
Globuli und die Reittherapeutin.
Also das muß ja nicht automatisch Scheiße sein. Mir ist Diagnostik sehr wichtig und da gibts auch mehr von, die das so sehen. Und ich finde auch, das nichts dagegen spricht, alles mögliche zu tun um gesund zu werden und nicht nur das was ein Arzt sagt.
Die Qualifikation der „Therapeuten“ ist laut Homepage:
Chefin: Diplom-Sozialpädagogin, Fachkraft für das
Heilpädagogische Reiten und Voltigieren, Ausbilderin im Reiten
als Sport für Behinderte
Also zunächst mal keine Heilerlaubnis aus eigener Verantwortung, soweit ich sehen kann.
- Chef: Vater von 4 Kindern mit Zusatzausbildung im
Pferdebereich und mehrjähriger Erfahrung mit Pferden und
Kindern
nun ebensoviel bzw. -wenig
Mitarbeiterin: Tierheilpraktikerin
ist ein völlig ungeschützter Begriff.
Darf sich jeder nennen und darf auch jeder tun, soweit ich weiß
und Mutter mit
Zusatzausbildung im Pferdebereich und mit mehrjähriger
Erfahrung im Therapeutischen Reiten und Voltigieren
tja wieder die Frage - wer ist der Auftraggeber für die Therapie, wenn es heilen und nicht nur fördern oder entspannen oder ähnliches soll, dann braucht es jemand mit Heilerlaubnis.
Wenn sie aber selber nicht behaupten zu heilen, dann reicht das glaub ich aus
um eine „Reit- und Therapieanlage“ zu führen ?
Wobei Therapie laut Roche Lexikon der Medizin wie folgt definiert ist:
„Maßnahmen zur Heilung einer Krankheit (s.a. Behandlung); als ätiotrope oder kausale Th. auf Beseitigung der Ursachen u. Auslösungsmomente abzielend (z.B. Substitutionstherapie), als symptomat. Th. nur Krankheitserscheinungen bekämpfend (s.a. Palliativbehandlung), als spezifische Th. gezielt, als unspezifische Th. nur allg. heilungsfördernd, als konservative Th. ohne Op., v.a. medikamentös, als operative Th. durch chir. Eingriff; ferner Strahlen-, Ernährungs- (Diät), Funktionstherapie, Hormontherapie, physikal. Th., manuelle Th. (Chiropraktik), intermittierende Th. (mit behandlungsfreien »Pausen«), Psychotherapie.“
Das dürften sie also, wenn ich nicht ganz schief liege, mit ihren Qualifikationen nicht auf eigene Verantwortung, sondern nur in Auftrag eines Arztes.
Können da große Schäden entstehen?
Uff - das ist schwer zu beantworten.
Wenn die Heilversprechen machen und die nicht halten und andere Behandlung oder sogar schon diagnostik bleibt aus - - - tja - wahrscheinlich schon, aber das können die anderen aus dem Bereich Psych sicher besser beurteilen.
Das Gebaren der Chefin hat
für mich etwas guruhaftes, aber ich bin nicht objektiv, denn
ich habe es gewagt, ihr zu widersprechen, daher mögen wir uns
nicht 
Ja da muß ich mich auch oft streiten.
Das Problem, das ich sehe ist folgendes:
Das erscheint irgendwie unkoscher und darauf reagiert ein geschädigter Teil von mir immer relativ restriktiv.
Auf der anderen Seite, könnte es sein, daß sie im Rahmen dessen was sie tun und dürften, hilfreich sind. Sollte es allerdings tatsächlich so sein, daß sie konkrete Heilversprechen machen und die Eltern dadurch einlullen, dann…
Ich fang an zu schwafeln, tut mir leid…
Hoffe dir mit den Info oben geholfen zu haben.
Gruß
Kerstin
(die so jemanden nicht in ihrem Kindergarten würde haben wollen.)