Heilpraktiker - für Notfälle gewappnet?

Hallo,

aus gegebenem Anlass möchte ich gerne wissen, ob und wenn ja in welchem
Umfang Heilpraktiker eine Vorbereitung auf eventuelle Notfälle genießen - wird
da wenigstens ein normaler (= zwei Tage) Erste Hilfe-Kurs absolviert, oder wird
sowas gar umfangreicher behandelt?

Also, über Infos freue ich mich. Mich würde auch - sofern existent - der
entsprechende Auszug aus dem Curriculum irgendeiner Schule als Beispiel erfreuen,
oder Prüfungsfragen o.ä., aus Urheberrechtsgründen gern (dann ganz legal) per Mail.

Gruß,

Malte

Hallo,

Umfang Heilpraktiker eine Vorbereitung auf eventuelle Notfälle
genießen

Es gibt jede Menge Bücher und CDs mit den gesammelten Fragen der amtsärztlichen Heilpraktikerprüfungen der letzten Jahre. Schau rein, da wirst du reichlich Prüfungsfragen finden, die sich mit Notfällen beschäftigen, ob nun Verbrennung, Herzinfarkt oder Diabetes-Koma. Und das wird natürlich vorher auch durchgenommen.

wird da wenigstens ein normaler (= zwei Tage)
Erste Hilfe-Kurs absolviert

den sollte sowieso jeder haben

oder Prüfungsfragen

s.o.

Gruß Steffi

Hallo!

wird da wenigstens ein normaler (= zwei Tage)
Erste Hilfe-Kurs absolviert

den sollte sowieso jeder haben

Das hat mit Sollen ja recht wenig zu tun. Die Mehrzahl hat vor 1.000.000 Jahren mal einen Kurs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort“ gemacht. Es gibt nicht so viele Menschen, die je einen Erste Hilfe-Kurs gemacht haben.

Gruß, Stefan

Moin Malte,

aus gegebenem Anlass möchte ich gerne wissen, ob und wenn ja
in welchem
Umfang Heilpraktiker eine Vorbereitung auf eventuelle Notfälle
genießen - wird
da wenigstens ein normaler (= zwei Tage) Erste Hilfe-Kurs
absolviert, oder wird
sowas gar umfangreicher behandelt?

Da die HP-Ausbildung nirgendwo geregelt ist, gibt es keine einheitliche Ausbildung. Daher gibt es von quasi gar nicht (so war das in meiner Ausbildung, ich hab mir Kurse und Fachwissen aus Büchern und Internet zusammengesucht) bis exquisit (wer weiß wo) wahrscheinlich alles.
Bei der Schule an der ich unterrichte gibt es das auf folgende Art und Weise:

  • immer bei den einzelnen Organsystemen im Unterricht integriert (also bei Atmung: z.B. Spontan-Pneumothorax; bei Haut: Verbrennungen/Erfrierungen; bei Herz: Herzinfarkt; bei Kreislauf/Gefäße: akuter arterieller Verschluß), hierbei wird dann also in Pathologie der Notfall und seine Behandlung durchgesprochen. Woran erkenn ich ihn und was muß ich tun und was sollte ich tunlichst lassen.

  • dann im Rahmen von Differential-Diagnose-Übungen unterschiedlich eingestreut, eher kurz erinnert und überblickig

  • dann wird den SchülerInnen nahegelegt und die Teilnahme ermäßigt, sodaß nahezu alle daran teilnehmen ein Wochenend-Seminar Notfälle. Hierfür gibt es ein Notfälle-Skript, daß von einer unserer Dozentinnen, einer Ärztin geschrieben ist und immer auf dem neuesten Stand gehalten wird. Die Ärztin macht an dem Wochenende auch den Unterricht. Das Skript ist sehr auführlich, ich hab es hier voliegen. Soweit ich weiß, wird aber in dem Kurs nicht praktisch geübt.

  • Die gleiche Ärztin unterrichtet Injektionstechniken, wo außer den drei üblichen Techniken auch Infusionen legen geübt wird.

  • Im Prüfungsvorbereitungskurs wird wiederum anhand von Prüfungsfragen kurz über was mach ich im Notfall geredet.

  • Jedem Schüler wird äußerst dringend angeraten einen großen Erste-Hilfe-Kurs bei einer der einschlägigen Organisationen zu machen und diesen mindestens alle zwei Jahre zu wiederholen. Ein großer Teil der SchülerInnen macht das auch, wg. des Prüfungsortes den wir empfehlen. (s.u.)

Ich denke, wir sind damit im oberen Drittel, allerdings ließe sich da sicherlich noch etwas verbessern, aber man muß immer abwägen zwischen, was ist das Minimum das nötig ist und was sind die SchülerInnen noch bereit zu bezahlen, weil man es geschafft hat ihnen klar zu machen, das es prüfungs- bzw. praxisrelevant ist.

Also, über Infos freue ich mich. Mich würde auch - sofern
existent - der
entsprechende Auszug aus dem Curriculum irgendeiner Schule als
Beispiel erfreuen,
oder Prüfungsfragen o.ä., aus Urheberrechtsgründen gern (dann
ganz legal) per Mail.

Zuschicken kann ich dir nichts, weil ich dann mit meinem Chef Ärger bekomm.
Aber guck mal hier:
http://www.kreawi.de/
Hier sollen viele der schriftlichen Prüfungsfragen zu finden sein.
Die schriftliche Prüfung ist eine Multiple-Choice-Prüfung.
Die mündliche Prüfung ist noch unterschiedlicher gestaltet, als die schriftliche.
Bei dem Prüfungsort, den wir momentan hauptsächlich empfehlen (Aurich)sitzt in der Prüfungskommission ein Heilpraktiker der auch Rettungssanitäter ist. Es gibt einen Rettungsdummi und Injektion- bzw. Infusionsbesteck.
Die Prüflinge bekommen regelmäßig einen akuten Notfall, wo sie dann an dem Dummi zeigen müssen, daß sie alle relevanten Dinge auch tatsächlich durchführen können.

Wie das alles in der Praxis aussieht oder aussehen kann, dazu schreib ich gleich was, jetzt hab ich gerade was anderes zu tun.

Eine Idee aber noch.
Du stellt - aus gegebenen Anlaß, den ich nachvollziehen kann - deine Frage für HP.
Interessant fände ich auch, wie denn das mit den Ärzten ist.
In ihrer Ausbildung haben sie das alle gelernt, das ist man klar.
Aber sieht das nach ein paar Jahren Praxis, da wirklich besser aus als bei uns HP?
Gibt es da Vorschriften, daß Ärzte regelmäßig das Wiederholen und Vertiefen müssen? Oder müssen die, je nachdem welcher Fachrichtung die angehören, wenn sie plötzlich einen akuten Notfall sehen, auch länger kramen, was man denn dann machen muß?

So erstmal - bis später
Gruß
Kerstin

Hi,

zuerst schonmal vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Das was Du berichtest,
ist so das, was ich mir auch ungefähr als „Standard“ vorstellen resp. wünschen würde.

Interessant fände ich auch, wie denn das mit den Ärzten ist.
In ihrer Ausbildung haben sie das alle gelernt, das ist man
klar.

Keineswegs - Ärzte machen im Grundstudium eine Art „erweiterten Erste Hilfe-Kurs“, und das war’s dann erst mal. Ansonsten ist Notfallmedizin eine Veranstaltung unter „ferner liefen“, und wer sich nicht speziell dafür interessiert, hat als approbierter Arzt von Erster Hilfe ziemlich wenig Ahnung. Vieles ergibt sich zwar tatsächlich aus dem allgemeinen Studium, aber auch das nur, wenn man sich dafür interessiert.

Tatsächlich ist der Wissensstand des durchschnittlichen niedergelassenen Arztes spätestens in Bezug auf Notfälle außerhalb seiner Fachrichtung desolat bis gefährlich.

Meine Lieblingsgeschichte ist die eines Hausarztes, der bei einer Reanimation meinte anordnen zu müssen „Nix Defibrillator, schnell Krankenhaus!“, dicht gefolgt von einer Hausärztin, die uns wegen Herzinfarktes alarmierte und die Patienten regelmäßig allein (und liegend) im Untersuchungszimmer ließ, während sie dann in Ruhe weitergearbeitet hat. Sowas kam zu häufig vor, als dass es als Ausnahme abgetan werden könnte.

Bei Niedergelassenen, die selbst mal im Rettungsdienst tätig waren o.ä. sieht das natürlich ganz anders aus.

Unter’m Strich sind Ärzte da also schon besser drauf als der Normalbürger, aber nicht so gut, wie man es von ihnen erwarten würde. Leider sehen viele von ihnen das nicht ein, schließlich sind sie ja Arzt.

Gruß,

Malte

Lange Rede kurzer Sinn: Die Wahrscheinlichkeit einen zu treffen, der mehr Ahnung hat als irgendein anderer nichtmedizinisch ausgebildeter Mitbürger tendiert gegen Null. Denn es gehört Erfahrung dazu und die kann er nicht haben und was erwartest Du von einem HP in Notfallsituationen?? Er darf keine fachgerechte medizinische Hilfe geben.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

In Bezug auf die vorklinischen Semester hast Du sicherlich recht, alledings nimmt die Erfahrung im Laufe der Ausbildung immer mehr zu. Das ist ja auch Sinn einer Ausbildung. In den „exotischen“ Fächern sicher eher weniger (Augenheilkunde etc…) in den anderen eher mehr.
Dann ist es eine Frage des Werdeganges - Die Erfahrung nimmt mit Abnahme der „Übungsfälle“ eher ab, das ist schon richtig und ein FeldWaldWiesen Hausarzt sollte seine Grenzen diesbezüglich schon kennen und berücksichtigen bzw. Auffrischungskurse mitmachen. Im Augenblick sicher sehr ratsam, da sich ja gerade jetzt die Standards grundlegend geändert haben.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  • Jedem Schüler wird äußerst dringend angeraten einen großen
    Erste-Hilfe-Kurs bei einer der einschlägigen Organisationen zu
    machen und diesen mindestens alle zwei Jahre zu wiederholen.
    Ein großer Teil der SchülerInnen macht das auch, wg. des
    Prüfungsortes den wir empfehlen. (s.u.)

Hallo,

das kann ich bestätigen. Auch bei uns gibt es die Richtlinie von seiten der HP-Schulen den Notfallkurs aller zwei Jahre zu wiederholen. Diese Kurse werden meist von Rettungsorganisationen oder Ärzten durchgeführt und gehen weit über einen Erste-Hilfe-Kurs hinaus.
Ohne den Schein bekommt man bei Problemen keine Unterstützung vom Berufsverband. Ein bestimmte Anzahl von Weiterbildungen/Fortbildungen (in den Therapiearten in welchen man praktiziert) innerhalb von 3 Jahren sollte man auch nachweisen können.

Gruß Kerstin

Hallo Malte,

zumindest an den Paracelsus-Heilpraktikerschulen sind Notfälle bzw. Notfallmedizin und ein Praxistraining Bestandteil der HP-Ausbildung. Die Seminare werden übrigens nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Möchtegern-Experten abgehalten, sondern von Leuten, die sich mit sowas auskennen: von Notfallmedizinern und Rettungssanitätern.

Ach ja, das gewünschte Beispiel:

Lehrinhalte Basislehrgang:
Terminologie - Zelle - Gewebe - Embryologie; Organsystem - Topographie - Allg.Anatomie/Physiologie; Allg.Pathologie/Anatomie/Physiologie; Blut; Herz/Kreislauf/Gefäße; Respirationstrakt; Niere/harnableitendes System; Wasser-, Elektrolyt-, Säure- und Basenhaushalt; Verdauungsapparat; Leber-/Gallensystem; Stoffwechsel- und Magenerkrankungen; Skelettsystem; Muskelsystem; Hormonsystem Nervensystem; HNO - System; Auge; Haut; Allg. Mikrobiologie und Infektionslehre; Immunologie u. Immunpathologie, Milz; Infektionskrankheiten; Geschlechtsorgane; Injektionstechniken; Labordiagnostik; Anamnese und körperliche Untersuchung; Notfallmedizin / Notfälle in der Naturheilpraxis; Rechts- und Berufskunde / Praxisführung; Erste Hilfe Kurs; Onkologie (Bösartige Neubildungen); Degenerative Erkrankungen; Allergische Erkrankungen

Quelle: http://www.paracelsus.de/frames.html?/ausbildung/hp/… (Hervorhebungen durch mich)

Grüße
Renee