Moin Malte,
aus gegebenem Anlass möchte ich gerne wissen, ob und wenn ja
in welchem
Umfang Heilpraktiker eine Vorbereitung auf eventuelle Notfälle
genießen - wird
da wenigstens ein normaler (= zwei Tage) Erste Hilfe-Kurs
absolviert, oder wird
sowas gar umfangreicher behandelt?
Da die HP-Ausbildung nirgendwo geregelt ist, gibt es keine einheitliche Ausbildung. Daher gibt es von quasi gar nicht (so war das in meiner Ausbildung, ich hab mir Kurse und Fachwissen aus Büchern und Internet zusammengesucht) bis exquisit (wer weiß wo) wahrscheinlich alles.
Bei der Schule an der ich unterrichte gibt es das auf folgende Art und Weise:
-
immer bei den einzelnen Organsystemen im Unterricht integriert (also bei Atmung: z.B. Spontan-Pneumothorax; bei Haut: Verbrennungen/Erfrierungen; bei Herz: Herzinfarkt; bei Kreislauf/Gefäße: akuter arterieller Verschluß), hierbei wird dann also in Pathologie der Notfall und seine Behandlung durchgesprochen. Woran erkenn ich ihn und was muß ich tun und was sollte ich tunlichst lassen.
-
dann im Rahmen von Differential-Diagnose-Übungen unterschiedlich eingestreut, eher kurz erinnert und überblickig
-
dann wird den SchülerInnen nahegelegt und die Teilnahme ermäßigt, sodaß nahezu alle daran teilnehmen ein Wochenend-Seminar Notfälle. Hierfür gibt es ein Notfälle-Skript, daß von einer unserer Dozentinnen, einer Ärztin geschrieben ist und immer auf dem neuesten Stand gehalten wird. Die Ärztin macht an dem Wochenende auch den Unterricht. Das Skript ist sehr auführlich, ich hab es hier voliegen. Soweit ich weiß, wird aber in dem Kurs nicht praktisch geübt.
-
Die gleiche Ärztin unterrichtet Injektionstechniken, wo außer den drei üblichen Techniken auch Infusionen legen geübt wird.
-
Im Prüfungsvorbereitungskurs wird wiederum anhand von Prüfungsfragen kurz über was mach ich im Notfall geredet.
-
Jedem Schüler wird äußerst dringend angeraten einen großen Erste-Hilfe-Kurs bei einer der einschlägigen Organisationen zu machen und diesen mindestens alle zwei Jahre zu wiederholen. Ein großer Teil der SchülerInnen macht das auch, wg. des Prüfungsortes den wir empfehlen. (s.u.)
Ich denke, wir sind damit im oberen Drittel, allerdings ließe sich da sicherlich noch etwas verbessern, aber man muß immer abwägen zwischen, was ist das Minimum das nötig ist und was sind die SchülerInnen noch bereit zu bezahlen, weil man es geschafft hat ihnen klar zu machen, das es prüfungs- bzw. praxisrelevant ist.
Also, über Infos freue ich mich. Mich würde auch - sofern
existent - der
entsprechende Auszug aus dem Curriculum irgendeiner Schule als
Beispiel erfreuen,
oder Prüfungsfragen o.ä., aus Urheberrechtsgründen gern (dann
ganz legal) per Mail.
Zuschicken kann ich dir nichts, weil ich dann mit meinem Chef Ärger bekomm.
Aber guck mal hier:
http://www.kreawi.de/
Hier sollen viele der schriftlichen Prüfungsfragen zu finden sein.
Die schriftliche Prüfung ist eine Multiple-Choice-Prüfung.
Die mündliche Prüfung ist noch unterschiedlicher gestaltet, als die schriftliche.
Bei dem Prüfungsort, den wir momentan hauptsächlich empfehlen (Aurich)sitzt in der Prüfungskommission ein Heilpraktiker der auch Rettungssanitäter ist. Es gibt einen Rettungsdummi und Injektion- bzw. Infusionsbesteck.
Die Prüflinge bekommen regelmäßig einen akuten Notfall, wo sie dann an dem Dummi zeigen müssen, daß sie alle relevanten Dinge auch tatsächlich durchführen können.
Wie das alles in der Praxis aussieht oder aussehen kann, dazu schreib ich gleich was, jetzt hab ich gerade was anderes zu tun.
Eine Idee aber noch.
Du stellt - aus gegebenen Anlaß, den ich nachvollziehen kann - deine Frage für HP.
Interessant fände ich auch, wie denn das mit den Ärzten ist.
In ihrer Ausbildung haben sie das alle gelernt, das ist man klar.
Aber sieht das nach ein paar Jahren Praxis, da wirklich besser aus als bei uns HP?
Gibt es da Vorschriften, daß Ärzte regelmäßig das Wiederholen und Vertiefen müssen? Oder müssen die, je nachdem welcher Fachrichtung die angehören, wenn sie plötzlich einen akuten Notfall sehen, auch länger kramen, was man denn dann machen muß?
So erstmal - bis später
Gruß
Kerstin