Liebe/-r Experte/-in,
„Die Tür öffnet automatisch“ lese ich in der Bahn, wenn ich von einem Wagen in einen anderen gehe. Ist das eigentlich gutes Deutsch? Nach meinem Sprachgefühl müsste es heißen: „Die Tür öffnet sich automatisch.“
Ähnliches erlebe ich in der S-Bahn, wenn mich eine freundliche Stimme aus dem Lautsprecher informiert: „Türen öffnen links.“
Denn eine Tür kann nicht öffnen; sie kann aber geöffnet werden oder sich öffnen.
Da man im Englischen oft nicht zwischen transitiven und reflexiven Verben unterscheidet, vermute ich, dass sich hier ein heimlicher Anglizismus eingeschlichen hat. Oder?
Herzliche Grüße
Martin
Hallo Martin
Du hast sicherlich Recht, dass die Sprache in den von dir beschriebenen Fällen einer Vereinfachung unterliegt, alleine schon das Weglassen von „Der, Die oder Das“ weist darauf hin.
Allerdings wäre im Fall „Türe öffnet automatisch“ die Ausdrucksweise nicht unbedingt verkehrt, da die Türe durch Elektronik gesteuert tatsächlich öffnet oder -bei Störungsfällen- eben nicht, das liegt dann meist an der vorrichtungseigenen Elektronik der Türe.
Liebe Grüße, MayaLuna
Liebe Grüße, MayaLuna
Hallo, MayaLuna,
vielen Dank für deine Antwort auf meine Frage!
Das Anliegen ist zu meiner Zufriedenheit erledigt. Ich wollte nämlich wissen, ob die Formulierung „Die Tür öffnet…“ nicht nur meinem, sondern auch dem Sprachgefühl anderer widerspricht. Ergebnis: Viele finden diesen Ausdruck völlig in Ordnung, andere haben wie ich was dran auszusetzen. Das ist normal, denn jeder von uns hat sein eigenes Sprachgefühl und soll es auch haben.
Meine zweite Frage, nämlich die, ob es sich dabei um einen Anglizismus handelt, ist auch nicht geklärt, sie ist aber auch kaum zu entscheiden. Ich habe nach wie vor diesen Verdacht. Begründung: Anglizismen bestehen nicht nur aus einzelnen Wörtern, die vom Englischen ins Deutsche übernommen werden, sondern auch aus größeren sprachlichen Einheiten. Beispiel: Bei Zeitabgaben schleichen sich Präpositionen ein, wo die deutsche Sprache ohne diese auskommt. Mein englischer Freund schreibt, er habe „in 1972 geheiratet“. Besseres Deutsch wäre: „Ich habe 1972 geheiratet.“
Vom Englischen beeinflusste Leute sagen: „An Ostern verreisen wir.“ Es hätte genügt zu sagen: „Ostern verreisen wir.“ Dass das Anglizismen sind, meint auch pfiffige Sprachbeobachter Eike Christian Hirsch.
Und der Anglizismus im Beispiel von der Tür, die öffnet, besteht meiner Ansicht nach darin, dass hier, wie im Englischen, kein Unterschied zwischen transitivem uns intransitivem bzw. zwischen transitivem und reflexivem Gebrauch des Verbs gemacht wird.
Mit freundlichen Grüßen
Martin