Heimweh und Einsamkeit(lang)

Hallo, liebe Experten,

ich wohne jetzt seit 2 Monaten im Ausland (Spanien) und muss zugeben, dass ich wahnsinniges Heimweh habe nach Muenchen (sieht man wohl an meinem Nick). Mein groesstes Problem ist wohl, dass ich meine Freunde so vermisse und hier kaum jemanden kenne - auch spanisch konnte ich bisher noch nicht so lernen, weil ich ziemlich viel arbeite. Ich versteh aber auch nicht, warum ich mich hier nicht richtig einlebe, ich bin schon so oft umgezogen, auch ins Ausland und hatte da bisher kaum Probleme. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in der letzten Zeit in Muenchen so wohl gefuehlt habe? Die paar Leute, die ich hier kenne, sind ja auch alle ganz nett, aber ich bin irgendwie von Grund auf so deprimiert drauf, dass ich natuerlich nicht gerade einen Riesenspassfaktor bringe… Und wenn ich dann doch mal weg bin, dann betrink ich mich gleich total, dass es mir dann die naechsten 2 Tage noch schlechter geht und dann kann es auch schon mal passieren, dass ich mich an manches gar nicht mehr erinnere - auch kein tolles Gefuehl, vor allem weil mir das dann auch extrem peinlich ist, wo ich doch sowieso schon kaum jemanden kenn, mich dann so darzustellen. Ausserdem bin ich ploetzlich so nah am Wasser gebaut, dass ich fast die ganze Zeit heulen koennte etc… Liegt das wirklich nur an dem Heimweh? Das schlimme ist auch, dass ich gar nicht weiss, was ich lieber moechte - dass meine Freunde sich oft melden, damit ich viel von ihnen hoere (wennn sie mir dann aber erzaehlen, was sie so alles machen, werd ich ja gleich wieder deprimiert) oder dass sie sich nicht melden (dann denk ich aber gleich wieder, man denkt nie an mich)…
Das kann vor allem kaum jemand glauben alles, die sagen alle - „Mensch, jetzt hast Du so einen neuen Superjob und wohnst auch noch direkt am Strand, ist doch alles super - ich wuerd sofort mit Dir tauschen“ - ja, ist ja auch so, aber trotzdem wuerd ich mich am liebsten in den naechsten Flieger setzen… Letztes Wochenende war ich daheim und hab meine alte Wohnung aufgegeben, da gings mir erst recht schlecht. Ich moechte ja auch hierbleiben - wenigstens fuer ein Jahr, aber es ist halt einfach wirklich verdammt schwer. Ausserdem bin ichs von vorher gewoehnt, jeden Tag mindestens 1-2 Stunden mit Freunden zu telefonieren, das faellt natuerlich auch weg, weil das sonst wirklich irrsinnig teuer ist…Irgendwie habe ich auch gar nicht so die Kraft, irgendwelche leute neu kennenzulernen, ich bin halt mies drauf und vielleicht ist es mir auch zu anstrengend - bis man dann richtige Freunde gefunden hat, dauerts ja doch ziemlich lange.
Tja, und jetzt weiss ich nicht, was ich machen soll. Das Wochenende steht bevor und ausser Schlafen und Lesen faellt mir nicht viel ein, noch nicht mal am Strand, weil das Wetter schlecht ist. Hey, das glaubt mir echt keiner, wenn ich das jemandem erzaehle, ich war immer auf Achse, kannte die ganze Stadt, geil und lustig drauf - und jetzt versinke ich im Selbstmitleid und Erinnerungen und Trauer… Vielleicht weiss jemand von Euch Rat?

Lieben Gruss,
M.

Liebe M.,
darf ich dir ein, zwei, drei Fragen zum besseren Verständnis stellen? Was hat dich nach Spanien geweht?
Das wär’s eigentlich schon. Deine Antwort wird wahrscheinlich die anderen Fragen auslösen.
Vorerst alles Liebe
Irene

Hallo Irene!

Danke fuer Deine Antwort und Deine Frage :wink:
War in der Gegend schoen oefter im Urlaub, weil auch meine Mutter da gewohnt hat (jetzt 3 Std. entfernt) und hab ein Jobangebot bekommen, dass ich eigentlich wirklich nicht ausschlagen konnte - in Deutschland haette ich niemals die Chance dazu gehabt… Tja, deshalb bin ich hier - ging auch ziemlich schnell, innerhalb von 2 Wochen musste ich hier anfangen - inzwischen bin ich seit 2 Monaten da - weiss gar nicht, ob ich das geschrieben hatte…

Lieben Gruss,
M.

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Also das ist ja schon mal was
Liebe M.,
Wie ich an deiner Antwort sehe, gab es wirklich gute Gründe, nach Spanien zu gehen. Du hast wahrscheinlich nicht genug Zeit gehabt, die Fürs und Widers intensiv durchzugehen, da es, wie du schreibst, sehr schnell gehen musste. Solche Entscheidungen, die mit einer umfassenden Veränderung einhergehen - wenn man nicht von Haus aus ein Hansdampf in allen Gassen ist - brauchen halt eine gewisse Zeit, um getroffen zu werden. Wahrscheinlich hast du die emotionale Annäherung und das „voll und ganz zu deiner Entscheidung stehen“ nicht wirklich leben können (eben, weil es so schnell gehen musste). Dies ist jedoch ein wichtiger Schritt. Vielleicht kannst du diesen langsam und behutsam nachholen. Versuche einmal so vorzugehen: schreib dir die Situation vor deinem Weggehen aus München auf so ungefähr nach diesem Muster: was war? wie war es? was gab es für (andere) Möglichkeiten? was spielte noch mit? mit wem sprachst du darüber und wie waren die Meinungen? hast du etwas gemacht oder hast du das Gefühl, es wurde mit dir etwas gemacht? Und - letzten Endes - halte dir immer vor Augen: es kann auch wieder anders werden. Rein theoretisch hast du die Möglichkeit, jederzeit zurück zu kommen. Was wäre, wenn…
Dann gibt es auch noch die Methode „ein Vor in der Zeitachse“. Wie siehst du dich und deine Situation in 1, 2, 3 Jahren, in 10 Jahren?
Ich glaube, mit solchen Überlegungen, die du ganz für dich allein anstellen kannst, kommst du erstmal aus dem „Sumpf der Wehklage“ heraus (klingt vielleicht gemein, ist aber nicht so gemeint *g*).
Würde mich freuen, wieder von dir zu hören.
Alles Gute! Irene

Hallo Irene!

Danke fuer Deine Antwort und Deine Frage :wink:
War in der Gegend schoen oefter im Urlaub, weil auch meine
Mutter da gewohnt hat (jetzt 3 Std. entfernt) und hab ein
Jobangebot bekommen, dass ich eigentlich wirklich nicht
ausschlagen konnte - in Deutschland haette ich niemals die
Chance dazu gehabt… Tja, deshalb bin ich hier - ging auch
ziemlich schnell, innerhalb von 2 Wochen musste ich hier
anfangen - inzwischen bin ich seit 2 Monaten da - weiss gar
nicht, ob ich das geschrieben hatte…

Lieben Gruss,
M.

Hallo Irene,

es gab natuerlich gute Gruende nach Spanien zu gehen. Schon alleine der neue Job… - und ich hatte auch kaum „Widers“ - klar, super Job, Strand, Sonne, neue Sprache lernen, neue Leute etc… - da fallen einem erstmal nicht so viele „Widers“ ein…
Ich habe auch schon jede Menge Ueberlegungen angestellt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich auf jeden Fall 1 Jahr bleiben will - schon alleine weil das sonst so schlecht fuer den Lebenslauf ist, wenn man gleich wieder abhaut. Wie ich mich in mehreren Jahren sehe, kann ich nicht sagen - keine Ahnung. Aber hier auf jeden Fall schon mal nicht, da bin ich mir ziemlich sicher. Vielleicht wird es besser, wenn ich hoffentlich bald meine eigene Wohnung habe - wohne gerade noch bei einem Bekannten einer Freundin von mir und bei seinem Vater und fuehle mich da nicht so besonders wohl - vielleicht weil da noch einmal auffaellt wie anders alles ist und ich nicht das Gefuehl habe, ich koennte mich frei bewegen. Da fuehlt mich sich dann leicht noch einsamer als sowieso schon. Naja, haette ja auch nie gedacht, dass mir sowas mal passiert, so oft wie ich den Wohnort gewechselt habe - teilweise sogar von einem Tag auf den anderen (immer job-bedingt).
Um nochmal auf Deine Fragen zurueckzukommen - es war auf jeden Fall meine eigene Entscheidung und es hat mir auch wirklich keiner davon abgeraten - wie auch, wenn wirklich gar nichts dagegen spricht, objektiv gesehen. Und fuer mich hatte ja auch nichts dagegen gesprochen - im Gegenteil, ich hab mich so drauf gefreut - und jetzt ist irgendwie alles anders… - Naja, vielleicht muss ich auch mal damit klarkommen, dass nicht immer alles so laeuft wie ich mir das vorstelle…
Danke auf jeden Fall fuer Deine Antwort!

Lieben Gruss,

M.

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hi,

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in der
letzten Zeit in Muenchen so wohl gefuehlt habe?

ja, das ist es wohl. dort wo man glücklich ist, da ist das zuhause. und dorthin hat man dann heimweh. anscheinend mußtest du zuviel aufgeben, als du weggegangen bist.

Ausserdem bin ichs von
vorher gewoehnt, jeden Tag mindestens 1-2 Stunden mit Freunden
zu telefonieren, das faellt natuerlich auch weg, weil das
sonst wirklich irrsinnig teuer ist…

mit netmeeting dürfte das doch zu machen sein!

Irgendwie habe ich auch
gar nicht so die Kraft, irgendwelche leute neu kennenzulernen,
ich bin halt mies drauf und vielleicht ist es mir auch zu
anstrengend - bis man dann richtige Freunde gefunden hat,
dauerts ja doch ziemlich lange.

hast du die sprache jemals richtig gelernt? ohne das ist es natürlich besonders schwer sich zu integrieren. und das ausgeschlossensein macht depressiv. m.e. ist die sprache der schlüssel zu anderen menschen. am anfang würde ich mich mit leuten in ähnlicher situation arrangieren, also zb. englischsprachige einwanderer. der gemeinsame background macht stark.

Weiß jemand von Euch Rat?

hm. werde dir klar darüber was dir wichtiger ist. ein job ist es letztendlich nicht wert, daß du in depressionen und alkohol versinkst (das ist ja ein alarmzeichen!) ich glaube nicht, daß es ein größeres problem wäre wenn du wieder zurückgehst. spanien ist ja nicht in australien und außerdem EU-Gebiet. du bist ja praktisch eh noch in „deinem Land“ :wink:

sonstige ratschläge habe ich keine auf lager. das gefühl „heimweh nach dem geburtsort“ hatte ich nie. aber ich hatte auch keine freunde dort und war auch nicht sonderlich glücklich.

machs gut
datafox

hallo!
danke fuer deine antwort. leider hatte ich noch nicht richtig die chance, spanisch zu lernen. arbeite jeden abend bis um ca. 20 uhr und es ist kaum moeglich, danach noch unterricht zu bekommen. ausserdem nehmen mein mitbewohner und sein vater mich abends immer in beschlag, weil sie unbedingt mit mir „dinner“ haben muessen - wenn ich mal laenger arbeite wird schon gefragt, wo ich bleibe - das setzt mich auch immer ziemlich unter druck.
das problem hier ist, dass die einwanderer wirklich fast ausschliesslich proletige, fette, alte englaender und deutsche sind - um es mal wirklich krass auszudruecken. ist natuerlich bloed, dass mein neuer arbeitsplatz gerade in so einem ort ist, aber es laesst ich nun mal nicht aendern. und ich hab wirklich keine lust, mich grossartig mit denen zu umgeben, nur weil gerade kein anderer da ist. das ist auch nicht meine art eigentlich. naja, und bei den „juengeren“, spanischen leuten hier ist es wirklich hauptsaechlich so, dass dir irgendwelcher kram hinterhergerufen wird, weil du halt blond bist, etc… - kann mir manchmal echt extrem die laune verderben…
uebrigens - muenchen ist ja gar nicht mein geburtsort - hab da nur die letzten 2-3 jahre gewohnt. mein geburtsort gibt mir auch nicht sonderlich viel, war letztens mal wieder da.
ach ja - mein problem, wenn ich wieder zurueckgehen wuerde waere ausserdem, dass ich dann erstmal keinen job haette - und es momentan in meinem beruf nicht gerade viele moeglichkeiten gibt. aber ich denke immer noch staendig darueber nach…

danke auf jeden fall fuer deine hilfe!

m.

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Hi,
ich hab Deinen Artikel nur ‚ueberflogen‘, und ich krieg fast Panik, weil ich mich Anfang naechsten Jahres in der gleichen Situation befinden werde wie Du - neues Land, kenne niemanden, will mit meinen Freunden in engem Kontakt bleiben, aber… ist halt anders, wenn man vom Ausland telefoniert.
Aber: In Spanien gab’s mal vor ein paar Jahren ein Angebot (und wenn’s noch existiert, dann besorg Dir das!!!), das hiess ‚Europa 15‘, eben ‚quince‘ auf Spanisch. Das kostete ca EUR7 im Monat, und dafuer konntest Du TAEGLICH 15 Minuten kostenlos nach Europa telefonieren.
Ich lebe in Dublin, und die Mutter einer spanischen WG Genossin rief JEDEN Abend an - fuer genau 15 Minuten. That’s how I happen to know about ‚Europa 15‘.
Aber Du wirst Dich auch in Spanien eingewoehen! Dauert halt ne Weile.
Gibt’s vielleicht ne Moeglichkeit, dich mit anderen Auslaendern/ ex-pats/ neu Zugezogenen zu treffen, sozusagen ‚Gleichgesinnte‘, die sich in ner aehnlichen Situation befinden? Hilft manchmal.
Gruss aus Dublin,
Isabel

hallo
deine gefühle kenne ich, nur zu gut…
aber jetzt zu dir: wie isses mit kollegen, nimmt dich da niemand mal mit ? oder sport treiben ? sprachprobleme : egal, einfach drauflosplappern (auch englisch, deutsch, egal, mit händen und füssen), die fremdsprache kommt schneller als man denkt :smile:
oder setz dich in ein café, geh einkaufen, mach alles wozu du sonst nie zeit hattest (bücher lesen, spazieren gehen, etc), nimm dein auto (so du eins hast) und erkunde die gegend, klappere alle museen, austellung etc ab > ablenken halt. abgesehen verschafft man sich so gesprächsstoff mit einheimischen…

sag dir es ist zeitbegrenzt, das hilft ! und - wenn es nicht besser wird, weg, zurück, nach hause.
ich hab’s 8 monate ausgehalten, dann half nichts mehr und ich habe gekündigt. die erfahrung war’s aber trotzdem wert !
tschüssli, fred

Hallo Fred!
Danke fuer Deine Antwort. Leider hab ich in dem Sinne nur 2 Kollegen und da kann ich alle 2 Wochen mal mit dem einen Fussball schauen und das wars - und klar, ich mach meine Strandspaziergaenge und jogg auch mal am Strand und es ist ja auch nicht so, dass sich keiner mit mir unterhaelt, aber das ist wirklich fast immer diese plumpe Anmachart und sich dann nicht richtig verteidigen koennen - puuh! ich kann ja auch schon ein bisschen spanisch, so ist es nicht. Aber wie gesagt, diese Art der Kontaktaufnahme geht mir inzwischen so auf die Nerven, dass ich schon mal gar keinen Bock mehr habe, dass mich jemand anquatsch, weil eh meist das gleiche kommt :wink:
Leider ist es bei mir nicht zeitbegrenzt - was natuerlich nicht heisst, dass ich nicht wieder weg kann, wenn ich will:wink:
Naja, vielleicht ist es echt besser, wenn ich dann meine eigene Wohnung habe…

Danke und lieben Gruss,
M.

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kostenlos telefonieren
Ja, dieses Angebot 15 Minuten in Europa kostenlos zu telefonieren gibt es noch! Wievel es kostet weiß ich leider nicht.
Wenn Du also erstmal eine Wohnung hast, in der Du Dich wohl fühlst und in der Du tun kannst, was Du möchtest, dann besorg Dir doch diesen Anschluß. Im eigenen Heim, mit Kontakt „nach Hause“, dann geht es Dir bestimmt bald besser.
Ich wünsche es Dir jedenfalls.

Sonja

Aber: In Spanien gab’s mal vor ein paar Jahren ein Angebot
(und wenn’s noch existiert, dann besorg Dir das!!!), das hiess
‚Europa 15‘, eben ‚quince‘ auf Spanisch. Das kostete ca EUR7
im Monat, und dafuer konntest Du TAEGLICH 15 Minuten kostenlos
nach Europa telefonieren.

Hallo ‚Muenchen‘,
ich weiss gar nicht, ob du deinen thread noch verfolgst - nur haette ich, wenn
ich Zeit gehabt haette, wohl noch ein paar Dinge dazugesagt, wie zB, dass Du
Dich eben wahrscheinlich in deiner Wohnsituation auch nicht so superwohl fuehlen
kannst, weil Du da eben nicht unabhaengig genug bist.
Aber: Ich wuerde Dir (falls Dir das liegt) dringend raten, nicht alleine
irgendwo in eine kleine Wohnung zu ziehen - falls es Dir moeglich waere, in ne
nette WG zu ziehen. Da hat man wenigstens ab und an jemanden zum schwatzen, zum
Spanischueben, und auch die Moeglichkeit, mal irgendwelche dummen Fragen zu
stellen, ob’s jetzt um Kultur, Buerokratie oder sonstwas geht.
Hoffe zumindest, dass Du dich, wenn Du Dich nicht mehr so als ‚Gast‘ fuehlst,
Dich irgendwann einlebst.
All the best,
Isabel

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