Heinrich Heines EInstellung zur Armee

Suche bereits seit längerem über Konkrete Hinweise zur EInstellung Heines zur Armee…leider mit weniger erfolg.
Kann mir da jemand weiterhelfen oder mich auf einen Link verweisen?

Wäre echt froh
Besten Dank
Gruss Reto

Lass mich raten …
… Du musst eine Hausarbeit zum Thema ‚Heinrich Heine‘ schreiben!

=^…^=

Servus,

das trifft vielleicht nicht grad genau das, was Du Dir von Freund Henri erwartest, aber dennoch, weils eigentlich doch zum Thema „Armee“ gehört und gar so schön ist (aus „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“, geschrieben 1834, gut hundert Jahre bevor diese erstaunlich präzise Vorahnung ihre Erfüllung erfuhr):

„Das Christentum - und das ist sein schönstes Verdienst - hat jene brutale germanische Kampflust einigermaßen besänftigt, konnte sie jedoch nicht zerstören, und wenn einst der zähmende Talisman, das Kreuz, zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten Kämpfer, die unsinnige Berserkerwut(…) Der Gedanke geht der Tat voraus wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wisst: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. Bei diesem Geräusche werden die Adler aus der Luft tot niederfallen, und die Löwen in den fernsten Wüsten Afrikas werden sich in ihre königlichen Höhlen verkriechen. Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte.“

(aufbereitet und dargereicht von HaGalil und von dort umkopiert)

In diesem Sinne

MM

Hallo!
Bekanntlich distanzierte sich Heine selbst später von vielen Aussagen dieser Schrift;
vgl. sein Vorwort zur 2. Auflage (1852):
„Ehrlich gestanden,es wäre mir lieb, wenn ich das Buch ganz ungedruckt lassen könnte. Es haben sich nämlich seit Erscheinen desselben meine Ansichten über manche Dinge, besonders über göttliche Dinge, bedenklich geändert, und manches, was ich behauptete, widerspricht jetzt meiner bessern Überzeugung. Aber der Pfeil gehört nicht mehr dem Schützen, sobald er von der Sehen des Bogens fortfliegt, […]“
Und dies, obwohl er die Schrift jetzt ohne die Entstellungen durch die Zensur in der deutschen Erstauflage erscheinen lassen konnte!
Wie war also Heines Einstellung zur Armee nach ca. 1850?
Gruß!
Hannes

Servus Hannes,

wenn ich aus dem Romanzero folgendes lese, glaube ich kaum, daß Freund Henri bei der Einnahme Rastatts durch den Kartätschenprinzen besonders begeistert war:

"XVI. Im Oktober 1849

Gelegt hat sich der starke Wind,
Und wieder stille wirds daheime;
Germania, das große Kind,
Erfreut sich wieder seiner Weihnachtsbäume.

Wir treiben jetzt Familienglück -
Was höher lockt, das ist vom Übel -
Die Friedensschwalbe kehrt zurück,
Die einst genistet in des Hauses Giebel.

Gemütlich ruhen Wald und Fluß,
Von sanftem Mondlicht übergossen;
Nur manchmal knallts - Ist das ein Schuß? -
Es ist vielleicht ein Freund, den man erschossen.

Vielleicht mit Waffen in der Hand
Hat man den Tollkopf angetroffen
(Nicht jeder hat so viel Verstand
Wie Flaccus, der so kühn davongeloffen).

Es knallt. Es ist ein Fest vielleicht,
Ein Feuerwerk zur Goethefeier! -
Die Sontag, die dem Grab entsteigt,
Begrüßt Raketenlärm - die alte Leier.

Auch Liszt taucht wieder auf, der Franz,
Er lebt, er liegt nicht blutgerötet
Auf einem Schlachtfeld Ungarlands;
Kein Russe, noch Kroat hat ihn getötet.

Es fiel der Freiheit letzte Schanz,
Und Ungarn blutet sich zu Tode -
Doch unversehrt blieb Ritter Franz,
Sein Säbel auch - er liegt in der Kommode.

Er lebt, der Franz, und wird als Greis
Vom Ungarkriege Wunderdinge
Erzählen in der Enkel Kreis -
»So lag ich und so führt ich meine Klinge!«

Wenn ich den Namen Ungarn hör,
Wird mir das deutsche Wams zu enge,
Es braust darunter wie ein Meer,
Mir ist als grüßten mich Trompetenklänge!

Es klirrt mir wieder im Gemüt
Die Heldensage, längst verklungen,
Das eisern wilde Kämpenlied -
Das Lied vom Untergang der Nibelungen.

Es ist dasselbe Heldenlos,
Es sind dieselben alten Mären,
Die Namen sind verändert bloß,
Doch sinds dieselben »Helden lobebären«.

Es ist dasselbe Schicksal auch -
Wie stolz und frei die Fahnen fliegen,
Es muß der Held, nach altem Brauch,
Den tierisch rohen Mächten unterliegen.

Und diesmal hat der Ochse gar
Mit Bären einen Bund geschlossen -
Du fällst; doch tröste dich, Magyar,
Wir Andre haben schlimmre Schmach genossen.

Anständige Bestien sind es doch,
Die ganz honett dich überwunden;
Doch wir geraten in das Joch
Von Wölfen, Schweinen und gemeinen Hunden.

Das heult und bellt und grunzt -ich kann
Ertragen kaum den Duft der Sieger.
Doch still, Poet, das greift dich an -
Du bist so krank, und schweigen wäre klüger."

In diesem Sinne

MM

Sehr schön,

MM,

und vielen Dank dafür!
Hannes