Heißhunger auf Süßes

Hallo Experten!

Mein Vater hat schon seit Jahren Übergewicht (recht großer „Bierbauch“) und Bluthochdruck (er nimmt Medikamente dagegen), in seiner Jugend und bis ca. 40 war er aber absolut schlank. Und er hat seit ein paar Jahren totalen Heißhunger auf Süßigkeiten. Das ist so schlimm, dass wir mittlerweile viele Süßigkeiten in einem anderen Zimmer „verstecken“, denn eigentlich möchte er abnehmen und legt sich selbst ab und an strenge Diättage (also: gar nichts oder kaum was essen) an. Dann geht das Theater aber von vorne los. Ich weiß gar nicht, wann er es schafft, aber die Süßigkeiten verschwinden im Extremtempo. Da er unter Schlaflosigkeit leidet, steht er häufig auch nachts auf und bedient sich aus dem Süßigkeitsvorrat. Ich könnte gar nicht so viel essen, mir würde schlecht werden, obwohl ich schon eine ziemliche Naschkatze bin. Aber er kann nicht anders.

Nun die Frage: Ich vermute ja, dieser Heißhunger auf Süßes weist auf Diabetes hin. Angeblich wurde er vor ein paar Jahren auf Blutzucker getestet und es ist nichts dabei herausgekommen. Aber normal kann das ja nicht sein. Deshalb die Frage: Habt ihr eine Idee, was jetzt noch untersucht werden sollte, außer vielleicht noch einen Blutzuckertest zu machen?

Grüße,
Anja

PS: Er hat außerdem Probleme mit Wirbelsäule und Bandscheibe, aber ich denke, das tut hier nichts zur Sache.

Hallo Anja,

wenn der Test auf Diabetes „vor ein paar Jahren“ gemacht wurde, dann würde ich diesen jetzt doch noch einmal wiederholen lassen. Vielleicht bei einem anderen Arzt. Es dauert eben manchmal eine Weile, bis eine Diagnose gestellt wird.

Ansonsten würde ich sagen: Warum müssen immer so viele Süßigkeiten im Haus sein? Klar ist es bequem, einmal in der Woche oder noch seltener einen Großeinkauf zu machen und dann einen Vorrat zu haben. Wenn das dann aber die Möglichkeit zu unbegrenzten Fressattacken schafft, dann würde ich weniger kaufen. (Vielleicht jede Packung Süßigkeiten einzeln kaufen und zu Fuß zum Laden gehen oder mit dem Rad hinfahren?)

Und: Ist eigentlich auch immer etwas Gesundes zum Knabbern im Haus? Also Obst und Gemüse? Klar ist es einfacher, eine Tüte Haribo aufzumachen als ein paar Erdbeeren zu waschen, die Stiele abzuschneiden, sie vielleicht durchzuschneiden, wenn sie zu groß sind und die matschigen auszusortieren.

Aber das mit den Erdbeeren lohnt sich, auch wenn es Arbeit ist.

Schöne Grüße

Petra

Hallo Petra,

ja, Früchte haben wir immer genügend da und wir machen auch keinen wöchentlichen Großeinkauf, weil wir gar nicht erst ein Auto haben. Wenn z.B. eine Packung Kekse da liegt, dann ist sie innerhalb von einem, max. zwei Tagen weg, ohne dass ich oder meine Mutter sie angerührt hätten.

Aber die Ernährungsfrage möchte ich an dieser Stelle nicht ausdiskutieren. Es geht mir allein um die medizinische Seite des Problems.

Grüße,
Anja

Hallo Anja,
ich möchte dir gerne aus drei Sichten antworten. Du kannst davon nehmen was du möchtest.

  1. schulmedizinisch - deine Frage:
    Die Leitsymptome von Diabetes mellitus sind: Polyurie (also häufiges Wasserlassen) und Polydipsie (also großer Durst). Sollte er die beiden Dinge auch haben, sofort zum Arzt und testen lassen.
    Ansonsten macht es schon Sinn, das er zum Arzt geht und diesen bittet eine gute Diabetes-Diagnostik zu machen. Nur den Urin sticksen würde z.B. nicht reichen.
    Denn würde er Zucker im Urin ausscheiden, hätte er die Leitsymptome.
    Das heißt ein einfacher Nüchternblutzuckertest wäre ein guter Anfang. Den kann er, falls er nicht zum Arzt gehen möchte auch mit dem Gerät eines befreundeten Diabetikers machen oder in der Apotheke. Anschließend könnte er beim Arzt einen Oralen Glukose Toleranz Test machen und/oder der Arzt könnte das Blut auf Langzeitzucker untersuchen. (Guck mal weiter unten, da gab es gerade ein Posting zu.)
    Allerdings wenn er zunimmt von dem Süßen, dann ist Diabetes eher unwahrscheinlich.
    Schulmedizinisch fällt mir sonst nicht viel zu dem Problem ein, aber vielleicht bin ich gerade auch vernagelt, denn…

  2. traditionelle chinesische Medizin:
    Dieses Medizinsystem, das auf der jahrtausendealte chinesisch-philosophischen Sicht der Medizin basiert, würde hier als mindeste Diagnose eine Milz-Qi-Schwäche stellen. Den Begriff Qi kennst du wahrscheinlich aus anderen Zusammenhängen. Wenn er also schulmediznische durchgescheckt wäre und sich nichts finden ließe, dann wäre sein Ungleichgewicht womöglich mit Akupunktur oder chinesischen Kräutern zu beheben.
    Wenn du darüber mehr wissen möchtest, melde dich gerne.

  3. psycho-sichtig
    Wenn etwas im Leben sich deutlich ändert, dann ist es ja immer interessant die Frage zu stellen: Gab es einen Auslöser? Und wenn diese Frage sich nicht so leicht beantworten läßt: Was war in der Zeit vor oder am Anfang der Änderung?
    Diese Fragen sind gerade auch bei massiven Änderungen von Eß- und Schlafverhalten interessant.
    Andere mögliche Fragen wären z.B.: was muß er schlucken, was er sich versüßen muß? oder Was treibt ihn aus dem Bett?

Ich hoffe, das hat ein wenig geholfen.
Wenn du mehr wissen willst: gerne hier oder per mail
Gruß
Kerstin

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Aber die Ernährungsfrage möchte ich an dieser Stelle nicht
ausdiskutieren. Es geht mir allein um die medizinische Seite
des Problems.

Grüße,
Anja

Servus Anja,
die Ernährungsfrage ist aber möglicherweise hier die entscheidende und muß durchaus diskutiert werden:
Erstens muß Dein Vater zum Hausarzt zum checkup wegen Blutdruck, Blutzucker, Gewicht.
Nachdem Hausärzte nicht immer genug Zeit haben, sollte er sich dann auch wegen einer Ernährungsberatung an seine Krankenkasse wenden. Es kann zum Beispiel funktionieren, daß bei vermehrter Kohlenhydratzufuhr (z.B. Nudeln) der Heißhunger auf Süß geringer wird. Dazu gehört aber eben auf jeden Fall die Untersuchung des Blutzuckers.

Um es deutlich zu machen: diese Untersuchung ist möglicherweise lebenswichtig -
Diabetes kann die Augen ruinieren, er kann einen auch Zehen oder den Fuß kosten. Mit anderen Worten, es hat nicht so viel Zeit, daß man die süßen Osterfladen noch mitnimmt und dann irgendwann einmal in den sauren Apfel des Arztbesuches beißt.

Laß Dich nicht von ihm austricksen!
Kai

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Hi!

Schulmedizinisch fällt mir sonst nicht viel zu dem Problem
ein, aber vielleicht bin ich gerade auch vernagelt, denn…

Dem Schulmediziner fällt in so einem Zusammenhang mal als Verdachtsdiagnose ein Insulinom ein, dh, ein idR. gutartiger Tumor, der Insulin produziert und somit den Blutzuckerspiegel senkt, wodurch es zu Heißhungerattacken kommen kann.

Gruß
Peter

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Hallo Kai,

er hat eine Ernährungsberatung im Rahmen einer Kur hinter sich und ein ganzes Rezeptheftchen mitbekommen, anhand von dem zwar nicht immer, aber schon häufiger gekocht wird. Er kennt sich ja mit der ganzen Kaloriegeschichte, gesunden Ernährungsweise etc. aus, das ist nicht der Punkt.

Beim Hausarzt ist er natürlich regelmäßig, allein schon, weil er dort die Rezepte für die Blutdrucksenker und Jod für die Schilddrüse (ja, mir fällt gerade ein, dass da auch Probleme vorliegen) bekommt.

Dazu gehört aber eben auf jeden Fall die
Untersuchung des Blutzuckers.

Ich werde ihn mal darauf ansprechen, dass er sich noch einmal darauf untersuchen lässt. Aber gibt es noch etwas außer Blutzucker, was bei seinen Symptomen getestet werden sollte?
Man muss dazu sagen, dass sein Vater, soviel ich weiß, Diabetiker war, ich weiß allerdings nicht, welcher Diabetes-Typ. Trotzdem nehme ich an, dass er damit sowieso zu der Risikogruppe gehört, oder?

Laß Dich nicht von ihm austricksen!

Wie gesagt, ist schon schwierig. Einerseits weiß er besser als wir über Kalorien etc. bescheid und nimmt sich auch immer vor, wieder abzunehmen, veranstaltet auch schon mal ein paar Hungertage, und dann kommt wieder das andere Extrem. Wir haben mit ihm schon viel darüber geredet, aber das bringt einfach nichts. Deswegen werden Süßigkeiten mittlerweile einfach versteckt. Denn wenn keine da sind, kann er ja auch keine essen. Und er kauft sich nie selber welche, sondern isst das, was eben da ist. Nur, die Symptome an sich sind ja trotzdem beunruhigend.

Grüße,
Anja

Hallo Kerstin,

danke für deine ausführliche Antwort.

Alles, was zur alternativen Medizin gehört, scheidet aus zwei Gründen aus: Er ist da sehr skeptisch und er kann sich auch finanziell nichts leisten, was die Krankenkasse nicht übernimmt.

Was die Psyche angeht, ist das alles eine komplizierte Geschichte, bei der sich etwas getan hat im Rahmen der übrigen Behandlung, zur grundlegenden Änderung bedarf es imho einen Wechsel der Lebensumstände, der zurzeit nicht möglich ist, aber angestrebt ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Mich interessieren nur die schulmedizinischen Aspekte.

Die Leitsymptome von Diabetes mellitus sind: Polyurie (also
häufiges Wasserlassen) und Polydipsie (also großer Durst).

Das könnte durchaus sein, ich werde ihn mal direkt darauf ansprechen.

Das heißt ein einfacher Nüchternblutzuckertest wäre ein guter
Anfang. Den kann er, falls er nicht zum Arzt gehen möchte auch
mit dem Gerät eines befreundeten Diabetikers machen oder in
der Apotheke. Anschließend könnte er beim Arzt einen Oralen
Glukose Toleranz Test machen und/oder der Arzt könnte das Blut
auf Langzeitzucker untersuchen. (Guck mal weiter unten, da gab
es gerade ein Posting zu.)
Allerdings wenn er zunimmt von dem Süßen, dann ist Diabetes
eher unwahrscheinlich.

Ok, danke für die Tipps.

Schöne Grüße,
Anja

Hallo Peter,

vielen Dank für deinen Tipp, davon hatte ich noch nie etwas gehört!

Viele Grüße,
Anja

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Hallo Anja,

Beim Hausarzt ist er natürlich regelmäßig, allein schon, weil
er dort die Rezepte für die Blutdrucksenker und Jod für die
Schilddrüse (ja, mir fällt gerade ein, dass da auch Probleme
vorliegen) bekommt.

Wieso bekommt dein Vater Jod? Ist er auf Antikörper für Autoimunthyreoditis getestet worden? Also meiner Ansicht nach sind unsere heutigen Lebensmittel ausreichend zwangsjodiert, daß man kein zusätzliches Jod braucht. Und falls er eine Autoimunthyreoidits hat, wäre es ganz falsch Jod zu geben. Einen Bluthochdruck kann auch eine kranke Schilddrüse hervor rufen.

Und zum Zucker hier noch ein Zitat:
"Typ-1-Diabetiker haben oft Hashimoto
Jeder Vierte mit spät auftretendem Typ-1-Diabetes hat Schilddrüsen-Antikörper
BELO HORIZONTE (hbr). Bei LADA-Diabetes (Late Onset Autoimmune Diabetes in Adults) sollte immer auch nach einer Autoimmun-Thyreoiditis gesucht werden. Das empfehlen brasilianische Forscher aufgrund einer eigenen Studie.

Autoimmunkrankheiten der Schilddrüse wie Hashimoto-Thyreoiditis treffen gehäuft mit LADA-Diabetes zusammen, so die Kollegen („Diabetes Care“ 28, 2005, 496). LADA ist die erst im Erwachsenenalter auftretende Spätform des Typ-1-Diabetes. Die Mediziner untersuchten 108 Patienten, deren Diabetesdiagnose höchsten zwei Jahre zurücklag.

Jeder vierte der 54 LADA-Diabetiker hatte Antikörper gegen die Schilddrüsen-Peroxidase (TPO-AK). Diese Antikörper sind bei etwa neun von zehn Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis zu finden. Dagegen hatten nur drei der 54 Typ-2-Patienten in der Vergleichsgruppe TPO-AK. Der Unterschied war signifikant. Von den Patienten mit Antikörpern hatten außerdem bereits 25 Prozent der LADA- und 33 Prozent der Typ-2-Diabetiker erhöhte TSH-Werte.

Der LADA-Anteil bei den neuen Diabetesmanifestationen wird auf zehn bis 15 Prozent geschätzt. Betroffene haben Glutamatdecarboxylase- und zytoplasmatische Inselzellantikörper. Das unterscheidet sie von Typ-2-Diabetikern. Bei Typ-1-Diabetikern sollte generell einmal jährlich nach TPO-AK gefahndet werden, empfehlen deutsche Schilddrüsen-Spezialisten."

Viel Erfolg noch bei der Diagnosefindung.

Gruß Elke

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Hallo Elke,

das ist ja interessant, danke!

Schöne Grüße,
Anja

Hallo,

ich habe ihn noch mal gefragt, was das genau ist, wogegen er Jod einnimmt. Die Fachbezeichnung kennt er nicht, er hat es aber so verstanden, dass es eine Entzündung sei und dass sich in der Schilddrüse Gewebeknötchen bilden. Außerdem ist sie vergrößert. Laut Hausärztin (die einen kompetenten Eindruck macht) lässt sich da gar nichts machen, außer Jodtabletten einzunehmen.
Hm, habt ihr eine Idee, was das sein soll?

Grüße,
Anja

Hallo Anja,

ich habe ihn noch mal gefragt, was das genau ist, wogegen er
Jod einnimmt. Die Fachbezeichnung kennt er nicht, er hat es
aber so verstanden, dass es eine Entzündung sei und dass sich
in der Schilddrüse Gewebeknötchen bilden. Außerdem ist sie
vergrößert. Laut Hausärztin (die einen kompetenten Eindruck
macht) lässt sich da gar nichts machen, außer Jodtabletten
einzunehmen.
Hm, habt ihr eine Idee, was das sein soll?

Ja genau, gerade bei einer Entzündung sollte er kein Jod nehmen. Und die Aussage der Ärztin sagt mir leider eindeutig, daß sie von Schilddrüsen keine Ahnung hat. Es kann ja sein, das sie auf ihrem Gebiet kompetent ist, aber ganz bestimmt nicht bei der Schilddrüse. Dein Vater sollte bitte einen Schilddrüsenspezialisten (Endokrinologen) aufsuchen. Hier findet ihr vielleicht einen in eurer Umgebung: http://www.schilddruesenspezialisten.de

Die Gewebeknötchen können schon, Knoten sein. Es sollte mit einer Szintigraphie abgeklärt werden, ob es kalte oder heiße Knoten sind. Kalte Knoten können zu ca. 6% bösartig sein. Und heiße Knoten setzen vermehrt Schilddrüsenhormon frei.

Hier kannst du dir ein paar Infos anlesen: http://schilddruesenforum.de

Gruß rene

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