Heizung EFH

Hallo Heizexperten,
wir überlegen uns zu bauen und da bin ich jetzt beim Thema Heizen angelangt. Zum Einen halte ich Holz für sinnvoll (nachwachsend, billig, unabhängig, wenns keine Pellets sind) zum Anderen finde ich Blockheizkraftwerke ganz reizvoll. Das Ergebnis ist dann eigentlich ein Blockheizkraftwerk mit Holzvergaser. Gibt es etwas in der Art und wenn ja wer kennt die entsprechenden Firmen etc.?
Gruß
Stefan

Hallo !

Holz billig???

Wo gibt es das?? Wir haben einen Doppelkessel. Eine Seite Gas, die andere Holz, Koks, Brikett.

Wenn ich nicht selbst durch Versuch erfahren hätte, dass Holz dreimal teurer als Gas ist, würde ich sofort wieder mit Holz anfangen.

Holz muß man kaufen, hat man selbst keinen nachwachsenden Wald. Holz gekauft ist, leicht übertrieben, Gold wert.

Kauf Dir einen Gaskessel und setz in die Wohnung einen Ofen, das ist die einzige gute Lösung. Alles andere mit Blockheizkraftwerk usw ist ein Traum. Ein Traum für den, der Dir das verkauft.

Gruß Max

Hallo Stefan,

solche Gedanken hatte ich mir während der vielen Monate Planung für meine bescheidene Hütte auch gemacht. Am einfachsten ist es, man geht an die öffentliche Gasversorgung, falls eine solche vorhanden ist. Geht das nicht, stellt man sich einen Tank für Öl oder Flüssiggas hin. Wenn man ein durchschnittliches EFH zu heizen hat, sind das vermutlich die im Moment kostengünstigsten Lösungen. Das kann man noch solar unterstützen, aber an den Größenordnungen insbesondere der jährlichen Betriebskosten wird sich nichts ändern.

Am Niedrigenergiestandard führt beim Neubau kein Weg vorbei. Das kann man auf die Spitze treiben und mit sorgfältiger Planung, bester Isolierung und automatischer Belüftungstechnik mit Wärmetauschern zu geringen Betriebskosten kommen. Dafür muß man aber in Planung und Technik investieren. Mit 08/15-Schubladenentwürfen kommt man dabei nicht weit.

Falls es aber um etwas mehr als ein normales EFH geht, wenn außerdem genügend Platz auf dem Grundstück zur Verfügung steht, kann man an eine Holzheizung mit automatischer Beschickung denken. Manuell beschickte Holzheizungen für Scheitholz halte ich für nicht zeitgemäß. Mehrmals täglich einen Kessel zu befüllen ist für den berufstätigen Menschen (irgendwann wird man auch mal alt und klapperig oder ganz einfach krank) nicht akzeptabel. Automatische Beschickung hat einen ähnlichen Komfort wie etwa eine Öl- oder Gasheizung. Allerdings sind Investitionen erforderlich, die sich für eine kleine Heizungsanlage nicht amortisieren. Für die automatische Beschickung braucht man entweder Holzpellets oder Hackschnitzel. Und man braucht einen Silo mit einer Schneckenförderung des Brennstoffs in den Heizkessel. Als Faustregel kann man im Vergleich zu leichtem Heizöl das 10-fache Volumen an Hackschnitzeln annehmen. Für ein Gebäude mit einem jährlichen Heizölbedarf von 5000 Litern braucht man also ca. 50 m³ Hackschnitzel. Die Hackschnitzel dürfen eine bestimmte Restfeuchte nicht überschreiten, müssen deshalb vor dem Verheizen gelagert werden.

Hackschnitzel müssen aus minderwertigem Restholz erst einmal erzeugt werden. Man braucht also einen Schredder. Darunter darf man sich nicht das Spielzeug für den Schrebergarten vorstellen. Ein erwachsenes Gerät, das ganze Bäumstämme schluckt, muß es schon sein. Hat man keinen eigenen Wald, muß man das Holz aus frischem Einschlag am billigsten selbst im Wald abholen. Dabei sind je nach Region etwa 10 €/Raummeter fällig. 1 Raummeter ergibt ca. 2 m³ Hackschnitzel. Damit kosten 1 m³ Hackschnitzel 5 €. Für diesen Preis hat man ein Brennwertäquivalent von 100 l Heizöl. Für einen 5000 L Heizöl entsprechenden Brennwert zahlt man also nur unschlagbare 250 €. Aber: Arbeitsaufwand ohne Ende, bis man die Hackschnitzel im Silo hat und dann im Wohnzimmer am Thermostaten drehen kann. Außerdem hat man satt 5stellige Investitionen für das Silo, für den Schredder und die automatische Kesselbeschickung getätigt.

Hat man so viel Geld erst einmal ausgegeben, kann man natürlich leicht auf die Idee kommen, die Technik durchgängig an 365 Tagen im Jahr zu benutzen und nicht nur Wärme zu erzeugen. Mit Holzgas lassen sich handelsübliche Verbrennungsmotore betreiben und damit kann man einen Generator antreiben und el. Energie ins öffentliche Netz einspeisen. Dann kannst Du nicht nur im Wohnzimmer am Thermostaten die gewünschte Temperatur einstellen, sondern sogar die Füße hochlegen, während die Anlage Geld verdient, von dem sich leben läßt.

Das ist aber alles nichts für das Einfamilienhaus in der Stadt. Neben viel Geld, um die Technik zu erstellen, braucht man viel Platz. Es läuft auf ein eigenes Gebäude für Technik und Werkstatt hinaus, auf einen eigenen Schredder, einen Unimog oder Traktor, Anhänger, Hebezeuge, Hilfspersonal…

Eine Hackschnitzelheizung mit weniger Aufwand funktioniert in Gegenden mit vorhandener Infrastruktur für die Hackschnitzelversorgung. Das findet man in einigen Gebieten Süddeutschlands, in Österreich und in der Tschechei. Dann kommt man mit wenig Lagerraum aus, mit überschaubarer Technik, hat aber unter dem Strich nur geringfügig niedrigere Heizkosten als bei heutigen Heizölpreisen. Dafür hat man aber einigermaßen stabile Preise. Man kann getrost davon ausgehen, daß Heizöl auf längere Sicht teurer wird.

Was auch immer man treibt, hat man es mit einiger Technik zu tun, an der man nur wenig Freude haben wird, wenn man für jeden Handschlag eine Firma beauftragen muß. Man muß also die Bedingungen des Einzelfalls betrachten.

Ein konketer Fall ist mir gut bekannt: Waldreicher Naturpark, Wasserschutzgebiet, nicht eingedeichtes Überschwemmungsgebiet der Elbe, es gibt keine Gasversorgung und keine Chance auf Genehmigung von Öltanks. Diese Bedingungen schreien geradezu nach einer Holzheizung. Wer dort die Hackschnitzelversorgung für den Eigenbedarf aufzieht, wird bald Interessenten haben, die auch mit Hackschnitzeln versorgt werden wollen.

In anderen Gebieten sind Holzpellets eine Alternative. Verdichtet, trocken, mit gleichmäßigem Brennwert, hat man einen höherwertigen Brennstoff als Hackschnitzel und man braucht im Vergleich mit Hackschnitzeln weniger Lagervolumen. Pellets werden in Tankwagen transportiert und je nach Gegebenheiten in den Vorratsraum geschüttet oder eingeblasen. Pellets sind aber so teuer, daß sie nach meiner Einschätzung keine brauchbare Alternative sind. Investitionen in Anlagen müssen sich in überschaubaren Zeiträumen rechnen, wenn die Sache nicht zur teuren Spielerei werden soll. Amortisationszeiten im Bereich von Jahrzehnten halte ich für unsinnig.

Zusammenfassung: Für große Anlagen, etwa für Gewerbebetriebe, insbesondere Tischlereien, die sonst viel Geld für die Entsorgung von Holzabfällen bezahlen müßten, aber auch für größere Wohngebäude ab etwa 500 qm Wohn- und Nutzfläche oder ca 1500 m³ beheizten Raums rechnen sich die Investitionen für die Hackschnitzelerzeugung, sofern das Holz in der Region anfällt. Für das normale EFH ist der Aufwand zu hoch. Dort ist die automatisch beschickte Holzheizung eine Alternative, wenn es in unmittelbarer Nähe eine zuverlässige Liefermöglichkeit mit Hackschnitzeln gibt. Transportwege, die den Aktionsradius eines Traktors von wenigen Kilometern überschreiten, verteuern den Brennstoff.

Unabhängig von der Art des Holzbrennstoffs hat man es mit Volumina in der Größenordnung vieler Kubikmeter zu tun, die angeliefert werden müssen. Grundstück und Zuwegungen müssen also die Befahrbarkeit mit schweren Fahrzeugen ermöglichen.

So, ist lang aber noch lange nicht erschöpfend geworden. Wenn Du mehr Informationen brauchst, laß es mich wissen.

Gruß
Wolfgang

der liest sich ja wirklich gut.

Hallo Stefan,

solche Gedanken hatte ich mir während der vielen Monate