Speicher oder Durchflußerwärmer…
Hallo Marcus!
Die Leistung eines Durchflußerwärmers (Durchlauferhitzer) muß nach dem höchsten auftretenden Durchfluß bemessen werden. Für eine Erwärmung des Leitungswassers von 15°C auf 40°C braucht der Durchlauferwärmer eine Leistung von 1,75 kW für einen Durchfluß von 1 Liter Warmwasser pro Minute. Eine Dusche braucht 10 … 15 l Wasser pro Minute und damit 17,5 … 26,25 kW Heizleistung. Gleichzeitige Warmwasserentnahme an einer anderen Zapfstelle erfordert einen leistungsfähigeren Durchlauferwärmer oder man ordnet einzelnen Zapfstellen oder Gruppen von Zapfstellen jeweils eigene Durchflußerwärmer zu.
Demgegenüber ist die Brennerleistung bei einer Warmwasserbereitung mit Speicher unabhängig vom höchsten Durchfluß. Das Speichervolumen muß groß genug sein und genügend Zeit zum Aufheizen muß zur Verfügung stehen. Ein Speichererwärmer ist also eher geeignet, Verbrauchsspitzen aufzufangen. Wenn man diese Puffereigenschaft nicht braucht, weil es sich um eine kleine Gruppe von Zapfstellen handelt, die nicht alle gleichzeitig benutzt werden, kommt man mit einem Durchflußerwärmer zurecht.
Bei zu großer Dynamik des Durchflusses, wenn sowohl 5 als auch 50 Liter pro Minute auftreten können, ist die Verwendung eines Speichers sinnvoll. An einem Speicher führt auch bei solarer Unterstützung kein Weg vorbei. Ein Speicher muß thermisch gut isoliert sein. Um Wärmeverluste klein zu halten, sollten sämtliche Leitungen und Zirkulationsleitungen so kurz es irgend geht gehalten werden. Gibt es einzelne Verbrauchsstellen in größerer Entfernung, kann es sinnvoll sein, die entfernten Verbrauchsstellen mit einem eigenen Durchflußerwärmer zu versorgen und dort, wo der Verbrauchsschwerpunkt liegt, über einen Speicher zu versorgen. Das kann günstiger sein, als über einige zig Meter quer durch ein großes Haus Zirkulationsleitungen zu legen.
Gas-Durchlaufwasserheizer gibt es bis zu einer Wärmeleistung von 27,9 kW, sog. 16-Liter-Geräte. Solches Gerät bringt bei einem Volumenstrom von 16 l/min eine Temperaturerhöhung um 25 K. Wenn man aufgrund kurzer Leitungen auf Zirkulationsleitungen verzichten kann und wenn sich ohne störende Einschränkungen der Nutzbarkeit eine Gleichzeitigkeit größeren Verbrauchs vermeiden läßt (z. B. im 1-Personen-Haushalt), kann man auf einen Speicher verzichten.
Solche Verhältnisse hat man aber nicht überall. Wenn mehrere Familienmitglieder morgens gleichzeitig duschen/baden wollen, würde einer dem anderen das warme Wasser wegnehmen, weil die Leistung des Durchflußerwärmers nicht reicht. In solchem Fall ist es nicht vernünftig, die Warmwasseranlage nach dem kurzzeitig auftretenden Spitzenbedarf mit einem gewaltigen Brenner auszulegen. Abgesehen davon sind mir keine Gasbrenner für mehr als 16 l pro Minute bekannt. Ein Brenner mit vergleichsweise kleiner Leistung und einem passend dimensionierten Speicher ist dann die bessere Lösung. Das Speichervolumen ist von der Anzahl der Bewohner und deren Verbrauchsgewohnheiten abhängig. Will eine 8-köpfige Familie binnen einer Stunde unter die Dusche(n), kann ein 500-l-Speicher zu klein sein, während ein 150-l-Speicher für einen kleinen Haushalt reichen kann.
Gruß
Wolfgang