Von wo leitet sich die Henkersmahlzeit ab, bzw. welchen tieferen Sinn hat sie?
Wolfgang Fischer
Wunderburgstr. 39, A 4810 Gmunden
Von wo leitet sich die Henkersmahlzeit ab, bzw. welchen tieferen Sinn hat sie?
Wolfgang Fischer
Wunderburgstr. 39, A 4810 Gmunden
ich denke du meinst einfach die henkersmahlzeit im sinne iener letzten mahlzeit, wohl in diesem sinne (ich bin kein experte, einfach was ich denke:smile: :
vor iener hinrichtung hat man eine letzte mahlzeit, also die mahlzeit vor dem „gehenktwerden“ ,und das wurde einfach so übertragen… also eben… hoffe du verstehst was ich meine
thierry
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ich denke du meinst einfach die henkersmahlzeit im sinne iener
letzten mahlzeit, wohl in diesem sinne (ich bin kein experte,
einfach was ich denke:smile: :
vor iener hinrichtung hat man eine letzte mahlzeit, also die
mahlzeit vor dem „gehenktwerden“ ,und das wurde einfach so
übertragen… also eben… hoffe du verstehst was ich meine
thierry
Oh, ich meinte die Ableitung, aus der die Quelle des Essensgebens vor der Hinrichtung herstammt, und was es für eine Symbolik enthält.
Worin ist der Vorteil des Henkers wenn er einem Delinquenten Labung für den Weg ins Jenseits(?) mitgibt…
Soweit mir bekannt ist dieser Ritus tausende Jahre alt…
Von wo leitet sich die Henkersmahlzeit ab, bzw. welchen
tieferen Sinn hat sie?
Hi Wolfgang
Soweit ich das gelesen habe, ist es ein Besänftigungsritual. Der Delinquent soll „guten geistes“ ins Jenseits übergewechselt werden, auf das sein Unsterbliches sich dahin trollt, wo es (nach göttlichem ratschluss) hingehört und nicht die lebenden, insbesondere die Richter und Henker quält.
Dieses Ritual scheint tatsächlich weltweit verbreitet zu sein, auch wenn es z.T auf eine „letzte Zigarette“ reduziert wird. Hängt vermutlich damit zusammen, dass das bewusste Töten eines Menschen DAS große Tabu überhaupt ist.
Gruß
Mike
Von wo leitet sich die Henkersmahlzeit ab, bzw. welchen
tieferen Sinn hat sie?
Hallo Wolf
Mike hat es schon gut beschrieben, die wurzelt im Aberglauben, hier ist eine ausführliche Erklärung:
Der älteste überlieferte Bericht von einem Henkersmahl in Deutschland stammt aus dem Jahre 1435. Damals erhielt ein Verurteilter in Frankfurt - wohl zur Beruhigung - Wein. Eine richtige Mahlzeit schrieb der Magistrat erst ab 1479 vor. Bis ins 18. Jh. waren diese Essen sehr opulent, für die meist bitter armen Delinquenten, Bettler, Kleindiebe, „Hexen“, wahre Festmähler. Einige Gemeinden verwöhnten sie mehrere Tage lang mit Köstlichkeiten, überall gab es reichlich Alkohol. So erhielt eine im 17. Jh. in Leisnig wegen „Hexerei“ verurteilte Frau 3 ½ Kannen Wein und 2 ½ Kannen Most, ein als Totschläger 1718 in Burgbernheim verurteilter Offizier neben einer unbekannten Menge Schnaps 2 Maß Wein und 16 ½ Maß Bier. Gelegentlich kam es vor, dass ein Verurteilter zur Hinrichtungsstätte getragen werden musste.
Henkersmahlzeiten scheint es zu allen Zeiten in allen Kulturen gegeben zu haben. Nach Plato soll Sokrates, wegen angeblicher Gottlosigkeit zum Tode verurteilt, von seinem Kerkermeister auf diesen Brauch hingewiesen worden sein: „Auch weiß ich, dass andere gar spät den Kelch geleert haben, nachdem es ihnen angekündigt worden, und dass sie vorher viel gegessen und getrunken, ja dass einige sogar der Liebe gepflogen haben, mit all denen, wonach ihr Sinn begehrte.“ Doch ist es ein Irrtum zu glauben, der Brauch der Henkersmahlzeit wäre aus Erbarmen mit den Opfern entstanden. Er sollte vielmehr die rechtschaffenen Täter, den Henker, die Richter, das gaffende Volk schützen. Schon bei den altgriechischen Tieropfern wurde dem Opfertier vor dem Schlachten, der Hinrichtung also, Gerste zum Fraß vorgeworfen.
Jede Tötung, mag sie juristisch oder aus Ernährungsgründen noch so gerechtfertigt scheinen, wird von den meisten Menschen als Frevel empfunden. Heute lassen wir Tiere und Menschen außerhalb unserer Sichtweite töten, weil wir den Anblick des Schlachtens nicht mehr ertragen. (Öffentliche Hinrichtungen, wie sie u. a. in China üblich sind, dienen daher nur der qualvollen Disziplinierung der Lebenden.) Wäre uns der Vorgang wirklich gleichgültig, würden wir ihn nicht verdrängen. Aber auch die bis ins 19. Jh. üblichen Schlacht- und Hinrichtungsfeste waren nicht Ausdruck unbeschwerter Fröhlichkeit. Wenn beim letzten großen Galgenfest in Wien 1868 um die bis zum Morgengrauen hängen gelassene Leiche das Volk an hunderten Buden zechte, jubelte und sang, geschah dies nicht aus Lust, sondern zur Verdrängung von Angst, die frevelhafte Tat des Tötens könne die Lebenden gefährden.
Die Henkersmahlzeit war wie die Fütterung des Opfertieres der Versuch, das Opfer gnädig zu stimmen. Hans von Hentig („Vom Ursprung der Henkersmahlzeit“, Tübingen 1958) stellte fest: „Wer immer das Henkersmahl annimmt, schließt schweigend Urfehde mit denen ab, die Schuld an seinem Tode tragen.“. Diese Urfehde, also den beschworenen Verzicht auf Rache, ließen sich die knauserigsten Städte einiges kosten, weil teure Henkersmahlzeiten auch in Zeiten der Aufklärung nur eine Art Versicherung waren vor vielleicht doch drohendem Unheil. Mit dem Essen sollte der Zorn der alsbald Getöteten beschwichtigt, mit den alkoholischen Getränken jeder Widerstand gebrochen werden. Die Henkersmahlzeit ist also keine Geste des Wohlwollens gegenüber den Hinzurichtenden, sondern das Erkaufen der eigenen Gewissensruhe und damit so pervers wie die Todesstrafe selbst.
In Nürnberg um 1700 bekam eine „Malefitz-Person“, also ein zum Tode Verurteilter, an den drei Tagen vor der Hinrichtung folgende Mahlzeiten angeboten:
In der Nacht vor der Hinrichtung erhielt der Delinquent 12 Hefeküchlein, 2 Maß Wein und eine Schachtel „Pfaffenfutter und Marsellen“. Als Frühstück waren vorgesehen 5 Bratwürste, Weinsuppe und Semmeln, auf dem Weg zur Richtstatt wurde ihm noch eine Flasche spanischer Wein mitgegeben.
(Nach Mehler/Zöllner, Henkersmahlzeiten, Frankfurt 1986)
Gruß
Rainer