Die Frage wirkt auf den ersten Bilck hinfällig.Wenn man sich allerdings die häufigsten Nachnamen in Deutschland ansieht, fällt auf:
Es sind (fast) allesamt Berufs- und Amtsbezeichnungen, allen voran Müller und Schmidt/-tt. Das führt erst einmal zu der Annahme, Bauer müßte eigentlich der häufigste Name sein, war doch der Bauer über Jahrhunderte der weitaus häufigste Beruf. Er findet sich aber nicht einmal unter den ersten zehn.
Es ist also davon auszugehen, daß ein häufiger Name zwei Voraussetzungen erfüllen muß: Er muß nach einer Eigenschaft benannt sein, die in möglichst jedem Gemeinwesen vorhanden ist, aber innerhalb des Gemeinwesens so ungewöhnlich, daß er als Erkennungsmerkmal gelten kann.
Diese Überlegung führt zu meiner Frage. Der Bauer war doch sicher so allgegenwärtig, daß man durch die Bezeichnung als solcher kaum innerhalb seines Umfelds bestimmt werden konnte. Wie kam der Nachname Bauer dann überhaupt zustande?
Diese Überlegung führt zu meiner Frage. Der Bauer war doch
sicher so allgegenwärtig, daß man durch die Bezeichnung als
solcher kaum innerhalb seines Umfelds bestimmt werden konnte.
Wie kam der Nachname Bauer dann überhaupt zustande?
Du unterschätzt die Tatsache, dass man früher in kleinen Dörfern wohnte und noch lange nicht jeder Landarbeiter eigenes Land besaß. So gab es in einer Ortschaft möglicherweise nur einen tatsächlichen Bauern (das ist auch eher eine Standesbezeichnung als eine Berufsbezeichnung). Gab es mehrere im selben Ort, wurde ein anderes Merkmal gewählt. Das lief ja nicht so ab, dass man sich überlegte „OK, der X ist Bauer, also muss der jetzt Bauer mit Nachnamen heißen. Oh, das ist ja blöd, es gibt ja 2 Bauern hier im Ort, wie unterscheide ich die?“.
Du unterschätzt die Tatsache, dass man früher in kleinen
Dörfern wohnte und noch lange nicht jeder Landarbeiter eigenes
Land besaß. So gab es in einer Ortschaft möglicherweise nur
einen tatsächlichen Bauern (das ist auch eher eine
Standesbezeichnung als eine Berufsbezeichnung).
Ich bin jetzt vom Bauer als Tätigkeitsbezeichnung ausgegangen - als Standsbezeichnung wäre es ja noch allgemeiner. Daß die Bezeichnung Bauer an eigenen Landbesitz gebunden gewesen sei, war mir nicht bekannt. Daher habe ich es nicht bedacht.
das nicht jeder Feldarbeiter gleich Bauer war, wurde ja schon genannt, auch, daß in vielen Fällen Flur oder Hausnamen vergeben wurden.
Das ist z.B. meinen Großeltern/meiner Mutter passiert, als sie aus Schlesien vertrieben in einem Dorf in Oberfranken landeten. Dort lebten sie in einem Haus, das einen Namen hatte und sie wurden wie selbstverständlich mit diesem Namen angesprochen. Selbst viele Jahre später, als ich mit meiner Mutter dieses Dorf noch mal besuchte, wurde sie mit ihrem Vor- und Hausnamen angesprochen.
Zudem ergab sich die Notwendigkeit Nachnamen zu vergeben/verwenden erst ab einer gewissen Größe der Siedlung. In Dörfern wurden die Menschen mit ihrem Vornamen angesprochen und nur in Zweifelsfällen wurde ein Zusatz verwendet, aus dem sich dann in vielen/einigen Fällen der offizielle Nachname entwickelte.
Familiennamen enstanden in Deutschland ca. ab dem 12. Jahrhundert und zwar zuerst in den Städten.
Die Städte waren bevölkert von Handwerkern und Dienstleistern, während die Bauern eher auf dem Land wohnten.
Bauer war damit zwar der häufigste Beruf insgesamt, in den Städten aber durchaus nicht, so dass hier die Bezeichnung „Bauer“ sehr gut als Abgrenzungskriterium herangezogen werden konnte.
Es ist davon auszugehen, dass die meisten Familien Bauer auf einen städtischen Vorfahren zurückgehen.
Auf dem Lande erhielten die Bauern dann eher Familiennamen nach dem Hofnamen (Berghofer, Waldhofer), wurden nach der Örtlichkeit des Hofes benannt (Waldbauer, Oberbauer, Niederbauer), nach körperlichen Merkmalen (Jungbauer), nach dem Tätigkeitsschwerpunkt (Drescher), nach dem hauptsächlich Angebauten (Gerstner, Höpfner, Malzer) oder nach einem Nebenberuf (Beckenbauer, der buk nebenher auch Brot und verkaufte es).