Bedingt durch Bewusstsein ist Name und Form
Moin
Wie erklären sich die Theologen (aller Religionen) die
Herkunft/Ursprung Gottes? Irgend was oder irgend jemand muss
auch Gott geschaffen haben - wenn es ihn überhaupt gibt.
Nicht alle Religionen gehen von einem Schöpfer-Gott aus. Der Buddhismus kennt diese Vorstellung z.B. nicht (und ist somit auch der Frage enthoben, wer „Gott“ erschaffen hat).
Aber natürlich gibt es auch im Buddhismus überlegungen dazu, ob es ein „erstes Glied der Kette“ gibt.
Eine buddhistische Antwort darauf lautet ungefähr folgendermaßen:
„Bedingt durch Bewusstsein ist Name und Form…Bedingt durch Name und Form ist Bewusstsein“ (Dighanikaya 15, II 63)
Name und Form kann man hier mit der Existenz einer Persönlichkeit (von „innen“ gesehen) gleichsetzen.
In dem Augenblick, in dem es ein bewusstes Wesen gibt, dass die Welt um sich herum wahrnehmen kann, tritt für dieses Wesen die Welt als wahrgenommene Umgebung ins „Dasein“. Hier findet gleichzeitig eine Spaltung zwischen Welt und Individuum statt. Mit den Sinnen, den Gedanken etc. berührt nun wiederum das Individuum diese Welt und bedingt Gefühle, also unangenehme, angenehme oder neutrale Empfindungen. Mit diesen Empfindungen beginnt die Verstrickung. Man will das Angenehme behalten, ergreifen, das Unangenehme wegstoßen etc. Das Individuum haftet sich durch diese Empfindungen an die ständigen Veränderungen und wird somit in den Strom der Zeit gerissen/mitgerissen. Geburt, Altern und Tod sind sind Folge dieser Anhaftung und prägen somit unser zeitlich lineares Weltbild (und die Vorstellung, es gäbe einen Anfang und ein Ende).
Wie kann man aber aus dieser Vorstellung herausfinden ?
Der Buddhismus kennt das Konzept der bedingten Entstehung. Dies ist jedoch keine lineare Kausalkette, bei der jedes Glied die Ursache für das folgende und die Wirkung des vorhergehenden wäre. (Hier müsste jetzt eigentlich eine ausführlichere Erläuterung des Buddhistischen Konditional-Nexus hin). Aber am Eingangssatz, dass Bewusstsein Name und Form bedingt und Name und Form Bewusstsein bedingen, wird eigentlich schon klar, dass es sich hier nicht um eine Linearität handel kann , sondern eher um ein Beziehungsgeflecht, dass zwar insgesamt eine zeitliche Dimension, aber keine zeitliche Reihenfolge aufweist.
Am Ende dieser Überlegungen steht die Erkenntnis, dass es für all diese Prozosse, die das menschliche Dasein in ihrer Gesamtheit ausmachen, kein Subjekt in dem Sinne gibt, dass von sich behaupten könnte, es sei sozusagen der Träger oder Kern dieser Prozesse und für sich selbst nicht wandelbar.
Oder wie es so schön im Visuddhimagga heißt:
„Deshalb heißt es:
Leiden gibt es, aber keinen Leidenden,
Handlungen, aber kein Handelnder ist zu finden.
Es gibt das Erlöschen, nicht den erloschenen Mann,
Es gbit den Weg, der Gehende ist nicht zu finden.
Oder auch:
Von Beständigkeit, Schönheit und Glück leer sind die beiden ersten [Wahrheiten]
Von einem Selbst leer ist der todlose Ort,
Von Beständigkeit, Glück und Selbst ledig ist der Weg.
Bei diesen [allen ist] Leere (sunnata)“.
Gruß
Marion