Hermetisch

Hallo Forum,

ich würde nur zu gerne mal wissen, was „hermetisch“ wirklich heißt. Klar: Wenn etwas hermetisch verschlossen, verriegelt oder abgeriegelt ist, dann kann aus dem verschlossenen Raum oder Gebiet weder etwas rein noch raus. Aber wo kommt der Begriff „hermetisch“ her? Hat es was mit dem griech. „Hermes“ zu tun? Wenn ja, wie würde das zusammenhängen? Ich kenne mich in der Mythologie leider nur wenig aus. Ich habe zu meinem Erstaunen auch schon mal was von einem hermetischen Zusammenhang gelesen, erinnere mich aber nicht mehr, worum es in dem Text ging. Wer kann meine hermetischen Gehirnwindungen erleuchten?

Gruß
Huttatta

Hallo,

mein Wörterbuch sagt, dass es von Hermes Trismegistos, einem sagenhaften ägyptischen Weisen, kommt, der die Kunst erfunden haben soll, eine Glasröhre mit einem geheimnisvollen Siegel luftdicht abgeschlossen zu haben.

Ein früher Otto von Guericke! :smile:

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo, ihr,

Hermes Trismegistos, einem sagenhaften ägyptischen Weisen

und dieser dreimal große Hermes, ist die gräzisierte Form von „Thot“, des ägyptischen Mondgottes der Weisheit, Schriftkunst und Zauberei, der meist als Pavian abgebildet wird, bisweilen auch als Ibis.

_Hermes Trismegistos, griech. Name für Thot. Ihm wurden astrolog. und okkulte sowie theol. und philos. Schriften zugeschrieben (hermetische Literatur).

© Meyers Lexikonverlag._

Gruß Fritz

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Hallo Fritz,

du kannst dir sicher denken, dass mich so etwas nicht ruhen lässt :smile:

Ich habe mal ein bisschen in meiner Bibliothek vor allem in verschiedenen Lexika geschmökert und gefunden, dass die Zuordnung von Hermes T. und Thot zwar vorgenommen wird, aber dass auch die Behauptung existiert, Hermes sei unabhängig von Thot (in wenigen Fällen).

Die hermetischen Schriften sind nun nach meinen Ergebnissen anonyme Schriften zwischen 100 und 400 n. Chr. und werden von den einen dem Neuplatonismus zugerechnet, während die anderen ganz vehement diesen Zusammenhang bestreiten und sie der Gnosis zuordnen. Interessant, finde ich.

Weiterhin habe ich gefunden, dass die hermetischen Schriften heute nicht mehr wegen ihres Inhalts rezipiert werden, wohl aber wegen ihrer Neuentdeckung durch Marsilio Ficino im 15. Jahrhundert, und dass diese Rezeption für so unterschiedliche Leute von Interesse ist wie Umberto Eco (wegen des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit) und Theodor Adorno (in der Ästhetik).

Ich denke, an dem Thema werde ich mal dranbleiben. Unsere Universitätsbibliothek hier ist - abgesehen von ihrer ohnehin schlechten Bestückung - in den nächsten zwei Wochen wegen Umzugs geschlossen. Aber danach werde ich mal genauer nachsehen.

Herzliche Grüße

Thomas

Hallo, Thomas,

ich merke, dass ich in diesem Punkt auch nur sehr oberflächlich informiert bin.
Also werde ich auch ein wenig kramen.
Ich werde, wenn ich was finde, selbstverständlich Laut geben.
Wie du wohl auch.:wink:

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

ich habe noch die Daten der maßgebenden Ausgaben anzumerken:

  • Corpus Hermeticum, hg. v. A.-J. Festugière und A. D. Noack, 4 Bde., Paris 1945-53 (griech./franz.)

  • Hermes Latinus. Editio critica, hg. v. P Lucentini, Turnhout 1944 ff. (lat., Corpus Christianorum. Continuatio Medievalis, Bde. 141-148)

  • Das Corpus Hermeticum, hg. v. C. Colpe und J. Holzhausen, Stuttgart 1997 (deutsch, mit Bibl.)

Herzliche Grüße

Thomas

Corpus Hermeticum

Hallo, ihr,

Hallo, ihr auch,

zunächst: es ist richtig, daß der Ausdruck „hermetisch“
abgeleitet wurde von dem „magischen Siegel“ des Hermes
Trismegistos. mit dem er Gefäße luftdicht verschließen konnte.

@Thomas: er hat die Gefäße aber dann nicht luftleer gepumpt, um
damit, wie der magdeburger Guerricke, zu beweisen, daß Luft ein
Gas ist, das Druck ausübt :smile:)

Hermes Trismegistos ist nun nicht die „gräzisierte Form“ des ägyptischen Gottes Thot, sondern er ist der in den ersten Jahrhunderten u.Zt. in Ägypten mit Thot identifizierte griechische Hermes.

So wurde jedenfalls in der Antike vermutet. In Wirklichkeit sind die im sog. „Corpus Hermeticum“ zusammengefaßten Schriften, die zwischen dem 1. und 4. Jhdt. in Ägypten nach und nach entstanden, eine Sammlung künstlicher Mythen von völlig unbekannten Autoren.

Die Hauptteile dieser Sammlung bestehen aus dem sog. „Poimandros“ und dem sog. „lateinischen Asclepius“.

Poimandros ist darin ein (sonst nicht erwähnter) schöpferischer Geist, der dem Hermes Trismegistos eine Offenbarung vermittelt über so ziemlich alles, was damals in ägytischen, griechischen, persischen Geheimkulten sowie in christlichen und gnostischen Mythologien von Bedeutung war - vor allem kosmogonische und Geist-Spekulationen.

Hermes T. ist zunächst der Empfänger dieser Offenbarung. Er gibt diese dann in verschiedenen Formen (Dialoge, Briefe) an seinen Sohn Tat , griech. Τατ, und an seinen Schüler Asklepios weiter. Ferner gibt Asklepios die Weisheiten dann weiter an den König Ammon , der mit dem ägyptischen Götterkönig Amun zusammenfällt.

Der andere Hauptteil, der „lateinische Asclepius“, ist eine lat. Übersetzung eines ursprünglichen griech. Textes, der den Titel λογος τελειος, also „vollendete (oder vollkommene) Lehre“. In diesem Text versammeln sich Hermes, Asclepius, Tat und Ammon zu einer Unterredung, die ebensolche Inalte hat wie oben beschrieben.

Gut kommentiert ist die Ausgabe (Übersetzung) von Colpe und
Holzhausen, die ich benutze und die Thomas schon erwähnte.

Grüße

Metapher

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Hallo Metapher,

klar hätten wir dich auch gleich fragen können, aber so macht es vielleicht ja mehr Spaß … *ggg*

@Thomas: er hat die Gefäße aber dann nicht luftleer gepumpt,
um damit, wie der magdeburger Guerricke, zu beweisen, daß Luft
ein Gas ist, das Druck ausübt :smile:)

Das war mir schon klar, dass es die Hermetiker nicht so mit dem „Beweisen“ haben … *g*

Im Ernst: Klasse ergänzende Erklärung! Ich habe noch ein paar Nachfragen, weil ich - wie geschrieben - hier und im Moment insbesondere nicht so einfach an die Texte herankomme.

über so ziemlich alles, was damals in
ägytischen, griechischen, persischen Geheimkulten sowie in
christlichen und gnostischen Mythologien von Bedeutung war -

Ist diese Heterogenität vielleicht der Grund dafür, dass die Texte von den einen für den Neuplatonismus und von den anderen für die Gnosis in Anspruch genommen werden? Vielleicht beziehen sich ja die einen nur auf einen bestimmten Teiltext und die anderen auf einen anderen.

Herzliche Grüße

Thomas

P. S.
Die wichtigste Frage: Sind wir jetzt dem Asclepius einen Hahn schuldig? :smile:

Hermes Offtopikos

Ist diese Heterogenität vielleicht der Grund dafür, dass die
Texte von den einen für den Neuplatonismus und von den anderen
für die Gnosis in Anspruch genommen werden? Vielleicht
beziehen sich ja die einen nur auf einen bestimmten Teiltext
und die anderen auf einen anderen.

keineswegs - das Gedankengut ist äußerst homogen. Aber die Wurzeln sind sehr weitreichend. Frühes Neuplatonisches ist darin (Plutarch, Alkinoos), Bezüge zu den zarathustrischen Gathas, aber auch eine Nähe zu Philo Alexandrinus und Johannes-Ev. Hellenisch-jüdische Einflüsse sind darin (mit u.a. vielen Genesis-Bezügen), aber der Kern ist zweifellos christlich bzw. christl.-gnostisch, und die Vermutung, daß es sich um eine vor-gnostische Gedankenwelt handelt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Nun ja … es ist interessant, aber etwas offtopic hier …

Grüße

Metapher