göttlicher Auftrag
Hi,
dito
Die Begriffe „herrschen, unterwerfen“ sind, wohl im 6. Jhdt. v.Chr., aus der assyrischen Königsideologie übernommen worden;
Im 6. Jhdt. war nicht mehr viel mit Assur … und schon in den Jhdten vorher war der Kult im Reich Assur sehr bestimmt vom babylonischen (so war z.B. im 7. Jhdt Marduk als oberster Gott anerkannt)
der König im Alten Orient war aber nicht, wie Hegel dachte, der willkürliche Despot, sondern die Person, die dafür zuständig war, das göttliche Gesetz zu erhalten.
Das ist richtig - aber es betrifft dann eher die staatliche Gesetzgebung (die ja andererseits von der Herrschaftsschicht gemacht wurde - die Gottgegebenheit gehörte dabei vielmehr zum mythologisch korrekten Legitimierungsritual). Von eine Sorge um die Natur (qua göttlicher Schöpfung) als von den Göttern gestellte Aufgabe ist mir aus dem mesopotamischen Raum nichts bekannt - und die Aramäer sympathisierten mit den Assyrern ja nun ganz und gar nicht, auch nicht ideologisch. Wenn du da was hast bzw. weißt: bitte rüberbeamen, ja?
Analog ist es der Aussagesinn der Schöpfungsgeschichte, dass sie den Menschen dazu verpflichtet, die durch Gott gestiftete Schöpfungsordnung zu erhalten,
Hm - vom „Erhalten der Schöpfungsordnung“ steht weder im 1. Mythos 1.Mose 1.1.-2.4 noch im 2. Mythos 2.4ff etwas. es scheint mir eher ein modernes christliches Interpretationsschema zu sein.
Von Bebauen und Pflege ist natürlich die Rede in 2.15. Aber das bezieht sich auf den Garten (der natürlich hier die Schöpfung ist), nicht auf eine Schöpfungs_ordnung_. Eine solche ist ja eh etwas passiv Beobachtetes (Astronomie, Meteorologie, Flora, Fauna), auf das man reagieren mußte, aber nicht es beherrschen. Das Beherrschen sollte sich daher eher auf Techniken und Künste bezogen haben - Bildhauerei, Architektur, Städtebau. In den Zeiten der Niederschriften dürften dafür im fraglichen Raum also Ägypter, Babylonier, Hethiter, Phönizier zuständig gewesen sein.
Worin sollte auch die „Erhaltung der Schöpfung“ verstanden sein: In 1.28 ist immerhin von Fischen, Vögeln und "Kriech"tieren die Rede. Es ist also nichteinmal der Ackerbau und die Viehzucht mit dem „euch untertan halten“ angesprochen.
was insbesondere die Verpflichtung, für die Schwachen zu sorgen, mit einschließt.
Davon finde ich dort gar nichts!
Der 1. Schöpfungsmythos 1.1-2.4 hat starke Anlehnung an ägyptische Quellen, aber gar keine an mesopotamische. Aber auch da weiß ich nichts von der Idee eines göttlichen Naturpflegeauftrags - aber auch nicht von einem Herrschaftsauftrag.
Insgesamt scheint mir 1.Mose 1.28 ebenso wie Ps. 8.6-8 ein genuin israelitischer Gedanke zu sein … mit erheblichem Interpretationsbedarf …
Gruß
Metapher