Herzkreise/Schneeballsystem

Hallo zusammen,

eine Freundin hat trotz tagelangen Einredens bei einem Herzkreis-Spiel teilgenomen. Das Spiel läuft wie folgt ab 8 Teilnehmer „beschenken“ jemanden nach zwei weiteren „Beschenkungen“ von neuen Mitspielern werden die 8 Teilnehmer beschenkt. Rein rechnerisch ist das Spiel nach 6 Runden zuende bei einer Stadt mit ca 500.000 Einwohner (8 hoch 6). Ich meine daher auch schonmal gehört zuhaben, das diese Art von „Spiel“ illegal ist. Weiss vielleicht jemand die juristische Begründung und §? Und wenn es illegal ist wer macht sich strafbar?

Wobei ich die finanziellen Schäden gar nicht so gravierend finde, sondern vielmehr die Psychologischen. Meine Freundin ist seitdem nicht mehr ganz auf der Höhe.

Viele Grüße

Tim

Hi Tim,

[Schneeballsysteme]

Infos und weiterführende Links findest du u.a. hier:
http://www.tu-berlin.de/www/software/hoax.shtml#8.1

Gruß,
Macky

Hi,
ich habe mal in einem anderen Forum von diesen Herzkreisen gelesen, da gab es einen Link, und den Text von der Seite (den Link habe ich leider nicht mehr) habe ich mir gespeichert:

„Gier frisst Hirn“
Für Verbraucherschützer Lovis Wambach sind die Herzkreise schlicht Betrug.

Bremen. Verbraucherschützer raten davon ab, in den Herzkreisen oder
ähnlichen Zirkeln mitzumachen. Lovis Wambach, Jurist in der Bremer
Verbraucherzentrale, hält die Zirkel sogar für rechtswidrig.

KURIER am SONNTAG: Was halten Sie von den Herzkreisen?

Wambach: Dahinter verbirgt sich ein Schneeballsystem. Und das ist eine ganz
alte Masche.

Masche klingt nach Betrug.

Das ist es in meinen Augen auch: Einige wenige, die früh einsteigen, machen
einen großen Reibach. Die große Masse, die zu spät einsteigt, ist einfach
nur ihr Geld los.

Betrug ist strafbar.

Schneeballsysteme sind in der Tat strafbar. Der Veranstalter eines solchen
Systems muss sich gerade vor dem Landgericht Bremen verantworten.

Hinter den Herzkreisen steht aber kein zentraler Veranstalter. Die Treffen
werden von immer anderen Frauen privat organisiert.

Das macht den Fall juristisch kompliziert. Zu den so genannten
Selbstläufern unter den Schneeballsystemen ist die Rechtsprechung
uneinheitlich.

Dann sind die Herzkreise legal?

Das müsste man genau prüfen. Ganz klar: Ich halte sie für sitten- und damit
rechtswidrig. Die dezentrale und private Organisation in einzelnen Zirkeln
würde es allerdings schwer machen, jemanden konkret zur Verantwortung zu
ziehen. Das ist schon schlau gemacht: Die Grenzen zwischen Täter und Opfer
sind fließend.

Nehmen wir an, ich hätte 5000 Euro bezahlt und würde nun lange vergeblich
auf 40.000 Euro warten. Könnte ich das Geld mit richterlicher Hilfe
einfordern?

Die 40.000 Euro gewiss nicht, die 5000 Euro vielleicht.

Immerhin hätte die von mir „Beschenkte“ eine Schenkungsurkunde.

In einer gerichtlichen Auseinandersetzung wäre diese Urkunde meines
Erachtens kaum relevant. Denn dort zählt nicht, was die Parteien
schriftlich oder mündlich festgehalten haben, sondern was objektiv
vereinbart wurde. Was die Parteien wirklich wollten, ermittelt das Gericht
durch Auslegung: Dass Sie einer Ihnen womöglich völlig unbekannten Frau
5000 Euro „geschenkt“ haben, ohne etwas dafür zu erwarten, das glaubt kein
Mensch ? und ein Richter schon gar nicht.

Wenn alle, bei denen das System nicht mehr funktioniert, die von ihnen
beschenkte Frau verklagen würden, würde die ganze Pyramide von hinten
aufgerollt?

Wenn alle klagen würden und Recht bekämen, ja.

Schwer vorstellbar, dass frau sich in einem solchen Zirkel strafbar machen
könnte. Schließlich läuft da alles freiwillig, und einzahlende Frauen
sollten sich des Risikos bewusst sein …

… sollten, sind es aber nach den Erfahrungen der Verbraucherschützer oft
nicht. Es haben sich schon viele Menschen mit offensichtlichem Unsinn
finanziell ruiniert, weil ihnen gewaltige Gewinnversprechen gemacht wurden.
Da gilt dann oft: Gier frisst Hirn.

Aber doch nicht nur bei Frauen?

Ganz bestimmt ist das kein frauenspezifisches Problem. Auf
Schneeballsysteme fallen Männer genauso herein. Allenfalls die „Verpackung“
dieser Kreise kann man vielleicht frauenspezifisch nennen. Da ist ja von
Geschenken, Solidarität und Sicherheit die Rede.

Viele Frauen leihen sich das Geld für ihren Herzkreis sogar.

Auch dieses Phänomen kennen die Verbraucherschützer aus anderen
Schneeballsystemen. Bemerkenswerter finde ich da schon den extrem hohen
Einsatz …

… der doch eigentlich als eine hohe Hemmschwelle wirken müsste?

Ja, die wird aber offenbar überkompensiert. Ich vermute, das liegt an der
flachen Pyramide: Der Gewinn scheint zum Greifen nah. Auch das esoterische
Drumherum und die Gruppendynamik werden dabei eine Rolle spielen.

Sie raten also ab, da mitzumachen?

Ja, ganz dringend. Jede Teilnehmerin muss sich darüber im Klaren sein, dass
sie ihre 5000 Euro womöglich nie wieder sieht. Und selbst wenn’s für sie
noch läuft und sie 40.000 Euro bekommt, muss sie wissen, dass am Ende ganz
viele andere Frauen ihr Geld verlieren. Mit Herz und Hilfe hat das verdammt
wenig zu tun. Selbst wenn das System juristisch nicht angreifbar sein
sollte: Nicht alles, was legal ist, ist auch in Ordnung.

Gruß
Nelly

Vielen Dank an Euch! Ihr habt mir sehr weiter geholfen.

Dein Artikel, Nelly, beschreibt ziemlich genau die Art Schneeballsystem, bei dem meine freundin mitgemacht hat.

Gruß

Tim