Hesse/Schrader vs. Winkler

Hallo zusammen,

seit einigen Tagen lese ich mich durch Bewerbungsliteratur und gestalte meinen Lebenslauf um mich als Trainerin in der Personalentwicklung zu bewerben. Sowohl Hesse/Schrader als auch Winkler (jova-nova.com) sind mir empfohlen worden - an einigen Stellen (Aufbau des Lebenslaufs, 3. Seite, persönliche Stärken mit anführen etc.) finde ich komplett widersprüchliche Aussagen. Ist das einfach nur Geschmackssache? Was bewährt sich in der Praxis?

Lieben Dank für eure Meinungen,

Leeka

Hallo,

leider sind mir die beiden Autoren nicht bekannt.

Aber vielleicht kannst du ja die widersprüchlichen Aussagen bzw. deine Frage noch etwas konkretisieren.

Bzgl. der persönlichen Stärken würde ich dir auf jeden Fall empfehlen, diese aufzunehmen, weil man gerade als Trainerin im PE-Bereich über Stärken wie Konflikt-, Krititfähigkeit, Empathie, Rhetorik usw. verfügen muss. Die Frage ist nur, inwieweit man solche Fähigkeiten/Kompetenzen als Stärken definiert…

Grüße

Hallo Leeka,

ich kenne mich zwar nicht mit unterschiedlichen Autoren von Bewerbungsratgebern aus, aber ich behaupte einfach mal, dass vieles was dort behauptet oder empfohlen wird Unsinn ist.

Vor kurzem bin ich zum ersten Mal aus der Perspektive des Arbeitgebers mit Bewerbungen konfrontiert worden. Wir hatten damals jemanden im Bereich IT gesucht.

Die Bewerbungen waren alle sehr unterschiedlich aufgebaut. Ich habe mir fast nur die Lebensläufe angeschaut, um Zeit zu sparen. Obwohl wir nur sehr wenige Bewerbungen bekamen (vielleicht 30 Bewerbungen in 4 Monaten), habe ich mich im Schnitt vielleicht 2 Minuten mit einer Bewerbung aufgehalten.

Mir war vor allem wichtig, dass der Lebenslauf übersichtlich, kurzgefasst und aussagekräftig war. Ein roter Faden musste erkennbar sein, und das Bewerberprofil mit der ausgeschriebenen Stelle übereinstimmen. Wenn aus dem Lebenslauf nicht hervorging, dass der Bewerber die erforderlichen Kenntnisse mitbringt, waren die restlichen Bewerbungsunterlagen vollkommen uninteressant.

Solche Sachen wie die 3. Seite, Hobbies bzw. Stärken/Schwächen in den Bewerbungsunterlagen spielen zumindest bei mir keine Rolle. Ich habe keine Zeit und Lust mich durch lange Texte zu quälen. Die Hobbies sind für mich auch kein Grund jemanden, der nicht auf die Stelle passt, zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Bei Stärken/Schwächen schreiben die Bewerber eh immer nur das, was die Arbeitgeber gerne lesen möchten.

Fazit: Wenn du die gefordertern Qualifikationen halbwegs mitbringst, dann sind übersichtliche Bewerbungsunterlagen ohne viel „Blabla“ optimal. Wenn du die geforderten Qualifikationen nicht hast, dann bringt Dich auch die beste Bewerbung nicht zum Ziel.

MfG
Stephan

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Mach ich gerne:

Ich stolpere u.a. über die Frage Deckblatt ja oder nein. Laut Hesse/Schrader (und die werden hier im Forum, an anderen Stellen im Netz und auch an Unis häufig als die ‚Bewerbungspäpste‘ propagiert) ein Muss, das schick aussieht und professionell wirkt. Ich finde schick aussehen ist ja nicht die höchste Priorität in einer Bewerbung, sondern Funktionalität - und so ein Deckblatt bringt nichts ausser mehr Papiermüll und einmal mehr Umblättern müssen.

Die dritte Seite wird ebenfalls von Hesse/Schrader dringend ans Bewerberherz gelegt. Ist auch wieder sowas: sieht schick aus, liest sich irgendwo zwischen nett und peinlich, aber sagt doch nicht viel aus (abgesehen davon, ob der Bewerber a) ein paar Zeilen nett formulieren kann (und das zeigt sich ja schon im Anschreiben) oder b) aus Bewerberratgebern abschreiben oder aus dem Netz kopieren kann).

Gleiches für das Benennen persönlicher Stärken - natürlich sind die für den Job erforderlich, aber aufschreiben kann da auch jeder das, was in der Stellenausschreibung steht oder grundsätzlich im angestrebten Bereich wichtig ist. Da würd ich mich als Personaler doch Fragen womit sich diese Behauptung denn untermauern lässt!

Ich will dem zuständingen Personaler einfach gerne zutrauen, dass er sich anhand der Fakten in meinen Unterlagen auch eine Vorstellung von den damit verbundenen Fähigkeiten macht - und sich dann, wenn alles stimmt, im Vorstellungsgespräch davon persönlich überzeugt.

Oder ist diese Hoffnung völlig an der Praxis vorbei?

Danke, das stimmt mit meinem Gefühl überein, dass Struktur, Fakten und einfache Handhabung Vorrang haben vor beeindruckend klingenden Floskeln :wink:.
Jetzt muss ich mich bei der Gestaltung des Anschreibens nur selbst noch dran erinnern mich nicht versehentlich doch selbst zur ein oder anderen Worthülse hinreißen lasse :wink:.

Auch hallo

Sowohl Hesse/Schrader als
auch Winkler (jova-nova.com) sind mir empfohlen worden

Man muss sich einfach vorstellen was passiert, wenn der Personalmensch fast ein- und dasselbe vllt. 30x am Tag liest. Richtig: irgendwann schaltet der ab ("Ach, schon wieder jemand, der schreibt in was für einer tollen Firma ich arbeite. Und wieder einer der seine Sportlichkeit durch Teilnahme an einem Marathonlauf unter Beweis stellt. usw ") und die Argumente in der Bewerbung werden -bei häufigem Gebrauch- zur Massenware…
Aber als weiterer Verweis: http://www.schinka.com

mfg M.L.

Hi,

bei deinen Stärken und Schwächen solltest du allerdings wirklich darauf achten was du da rein schreibst. Versuche irgendwas aus deinen „ICH“ zu zaubern, dass zu dem Job passt. Ein Beispiel: Wenn du dich als Analyst bewirbst und als Stärke Malen schreibst bringt das nicht so viel… Eine bessere Stärke wäre „Zahlenaffinität“.

Auch bei den Hobbys solltest du ein wenig mit „Kopf“ dran gehen. In der letzten Bewerbung die ich auf dem Tisch hatte wurden folgende Hobbys angegeben: „Onlinemultiplayerrollenspiele, Naturmultiplayerrollenspiele und Computer reparieren“. Bei diesen drei Hobbys konnte der eine noch so gute Vita haben, er hat es noch nicht mal bis ins Vorstellungsgespräch geschafft…

Danke für deine Rückmeldung. Ich stolpere allerdings immernoch über die gleiche Frage.

Zu „Hobbys mit Kopf drangehen“ - klar, aber da so viele Bewerber mit Kopf und Bewerberratgeber drangehen liest man als Personaler mit schöner Regelmäßigkeit Reisen, Kultur, eine Ausdauersportart, eine Teamsportart,… - frag mich bei wievielen Bewerbern das wirklich zutrifft und dementsprechend wie weit Personaler das wirklich noch aufmerksam durchlesen. Natürlich, wer was ganz Beklopptes schreibt schießt sich raus.
Bei den Stärken in meinen Augen gleiches Problem: Da ich natürlich für den Bereich Personalentwicklung nicht drauf aufmerksam machen würde, dass ich auch ganz toll Häkeln und Blockflöte spielen kann, sondern idealerweise was schreibe, was eben genau dem gewünschten Profil entspricht, liest man da sicher auch immer wieder das Gleiche.

Meine Frage: Im Lebenslauf lieber ausschließlich Fakten oder ist so eine unbelegbare Selbstdarstellung echt gewünscht?