Hallo Literaturfreunde!
Kürzlich habe ich Hesses Demian gelesen. Die Erzählung ist aus der Ich-Perspektive heraus geschrieben. Kann man daraus schließen, dass der Demian zum Teil autobiographisch ist? Ich komme auch deshalb darauf, weil ich meine, aus meiner Schulzeit dunkel in Erinnerung zu haben, dass Hesse ein Internat ( Kloster Maulbronn; spielt glaube ich eine Rolle in Narziss und Goldmund ) besucht hat und im Demian der Emil Sinclair auch ein Internat besucht.
Noch etwas: Den tieferen Hintergrund der Geschichte konnte ich irgendwie nicht erfassen. Klar sind viele Romane auch religiös oder philosophisch angehaucht. Dass die Erzählung aber über weite Strecken davon handelt, wie jemand im Gespräch mit anderen oder in Gedanken nach dem tieferen Sinn sucht, ist aber doch eher ungewöhnlich.
Gar nicht klar gekommen bin ich mit dem letzten Kapitel. War Hesse nicht Pazifist? Beim Lesen des letzten Kapitels hatte ich eher den Eindruck, dass Sinclair den Marsch in den Krieg gar nicht abwarten kann. Da ist mir ein wenig zu viel von Schicksal und zu wenig von Auflehnung oder auch nur Angst vor dem Kommenden die Rede.
Auch tauchte für meine Begriffe Demians Mutter etwas unvermittelt auf. Ich hätte eher erwartet, dass eine so zentrale Figur vorher bewusster und nicht nur so nebenbei eingeführt wird. Als ich las, dass Sinclair in Beatrices Gesicht auch Demians Gesicht erkennt, glaubte ich, dass Sinclair homoerotische Neigungen verspürt. Darauf, dass dass Gesicht auch das Gesicht von Demians Mutter sein könnte und Demian deshalb ähnlich sieht, wäre ich nicht gekommen, weil Demians Mutter bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Rolle gespielt hat.
Dies soll keine Rezension sein. Mich interssiert nur, wie es anderen bei der Lektüre von Demian ergangen ist.
Gruß
Christoph