Hesses steppenwolf

hallo,

ich kenn das buch nicht und find im netz auch keine kurze zusammenfassung.

wie soll man den buchtipp in zusammenhang verstehen mit einer schwierigen beziehungsphase von mann & frau?

wer kann mir hierzu kurz was sagen, bzw. mir fundstellen im netz verlinken?

danke und gruss

showbee

Hei, showbee,

Hesse war fast fünfzig Jahre alt, seine erste Ehe war geschieden worden, seine zweite steckte in einer Krise, die dann ebenfalls zur Scheidung führte, - daher der Hinweis auf die Beziehung Mann und Frau - , er hatte Säuferallüren angenommen, fragte sich, ob er nicht - wie Stifter - bei Rasieren verunglücken sollte, er wurde wegen seiner pazifistischen Haltung während des ersten Krieges in Deutschland massiv angegriffen, seine Bücher verkauften sich schlecht, er sah zugleich das Heraufkommen des Faschismus und des zweiten Weltkrieges voraus.

Er steckte in einer existenziellen Krise; und er sah eine historische Krise um sich her; der Steppenwolf ist eine „Dokumentation“ dieser beiden Krisen und ein Hinweis auf ihre Bewältigung.

Manchmal klingt sein Ton ein wenig - na sagen wir mal - predigerhaft, aber es ist erträglich.

Soviel fürs erste. Und noch ein Tipp: Lies das Buch! Du wirst es nicht bereuen.

Wenn du mehr Hesse genießen willst: Lies vorher den Demian!

Gruß Fritz

Liebes showbee, ich weiss nicht, wie alt Du bist, aber als ich mit 17 Demian gelesen habe, hat sich meine Welt verändert. Die anderen aus meiner Stufe fanden es furchtbar.

Jetzt an der Uni begegne ich aber immer mehr erstsemestern, die Herman Hesse definitv als ihren Lieblingsautoren bezeichnen. Cool, oder?

Ich kann mich Fritzens Meinung nur anschließen, lies es oder stirb. :wink:

Mira

@mia und fritz
danke an euch beiden, dann werde ich mal gucken, wann ich ein wenig zeit gewinnen kann. ein blick in meine vika, verrät den grund der zeitknappheit… gruss vom showbee

Na, dann setz noch
„Narziß und Goldmund“ und „Siddharta“ auf die Liste.

Auch das „Glasperlenspiel“ gehört dazu, aber das finden viele „zu abgehoben-esoterisch“, obwohl es das nicht ist.

Nachmals Gruß
Fritz

Hallo!
Ob der Steppenwolf ein explizit für Beziehungskrisen nützliches Werk ist, das bezweifle ich nun doch. Das Buch selbst ist gewiss ein highlight der deutschen Literatur. Hesses Scheidung beruhte auch hauptsächlich auf dem Umstand, dass seine Ehefrau an Geisteskrankheit litt (Schizofrenie) und in einer psychiatrischen Klinik untergebracht war.
Im Buch selbst geht es, wie Fritz schon andeutete um das innere Aufräumen eines frustrierten, in kulturloser Zeit sich anachronistisch fühlenden Wesens. Das nun nicht nur den aufkeimenden Nationalismus vorhersieht, sondern sich doch europäisch-global kritisch äußert. Hesse setzt aber bei diesen „Aufräumarbeiten“ nicht bei der so sehr verachteten Gesellschaft an, sondern ganz wagemutig bei sich selbst. Die Lösung steckt dann auch kausal und folgerichtig in ihm selbst, nicht in der Anklage und das könnte den Querverweis zu der erwähnten Geschlechterproblematik implizieren. Das Problem nicht projizieren, sondern aufrichtig selbstkritisch reflektieren und dabei die Tatsache nicht außer acht lassen, dass der Mensch nun mal kein perfektes Wesen ist und Fehler auch verzeihbar sind bzw. zwangsläufig sein müssen! (Um zu einem Ergebnis zu kommen!) Schlussendlich geht es um einen geistigen Fortschritt durch Mut zur Aufrichtigkeit. In sofern kann man das natürlich auch auf eine Beziehung projizieren. Ist aber eher blosse Projektion, denn eine Beziehung besteht aus zwei gleichberechtigten Partnern, die zwangsläufig paritätisch aufeinander zugehen müssen. Während die Gesellschaft diesen Schritt nicht tun muss um dem „Ganzen“ Sinn zu geben, diesen schafft er eben selbstständig und eigendynamisch. Die Gesellschaft könnte sich Harry Haller (d.Steppenwolf) vielleicht zum Vorbild nehmen und ebenfalls selbstkritisch reflektieren…
Wiewohl im Buch aus neutraler Sicht eines aussenstehenden erzählt wird, was den Grad der Aufrichtigkeit ausmacht.
Dass dazu sehr viel Mut gehört ist gewiss, besonders dann, wenn man das Ganze auch noch öffentlich publiziert und jedermann zugänglich macht! Das allerdings braucht es in einer Beziehung nicht! :wink:
Zu lesen lohnt es sich aber allemal!

Gruss
HC

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Lieber HC, erlaube die Einfügung:

Hesses Scheidung beruhte auch hauptsächlich auf dem Umstand,
dass seine Ehefrau an Geisteskrankheit litt (Schizofrenie) und
in einer psychiatrischen Klinik untergebracht war.

Seine erste Frau!

Seine zweite Ehe mit Ruth Wenger dauerte von 1924 bis 1927 und ist wohl die hier virulente.

Ansonsten stimme ich dir zu.
Fritz

Hallo Fritz!
Du hast recht! Nur glaube ich, dass man nicht innerhalb von 3 Jahren zum Steppenwolf wird, sondern, dass dies ein Entwicklungsprozess ist, der schon im Kindesalter initiiert wurde. So wurde Hesse mit 15 Jahren von seinen Eltern in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, u.a. weil er schon damals unbedingt Dichter werden wollte, was man ihm als Größenwahn ausgelegt hat!
Will man ihn wirklich verstehen (soweit das möglich ist selbstredend), kommt man an seinem Entwicklungsroman und Alterswerk „das Glasperlenspiel“ nicht vorbei.
Schön finde ich, dass es immer noch zahlreiche Hessefans (wie ich) gibt! Auch in Studentenkreisen, wie man liest! :smile:
Trotz der schon etwas antiquierten Sprache, scheint er zeitlos!
Auch ich schwärmte dereinst romantisierend für Demian, Narziss und Goldmund etc.

Seid herzlich gegrüßt
HC

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off topic!
Liebe Mira,

ging mir damals genauso!
Demian ist einfach eines der Bücher, die, wenn man sie zur rechten Zeit in seinem Leben liest, die Welt verändern!
Ebenso das berühmtere Narziss & Goldmund.

Und es ist toll, daß sich Hesse durch alle Generationen bewegt.
Das schönste Erlebnis in meiner Hesse-Phase hatte ich, als ich mit einer Freundin nach dem Abi Insel-Hopping auf Griechenland machte. Dort lasen wir uns abends vorm Zelt Narziß & Goldmund vor. Und wie das Leben so spielt trafen wir auf Anti-Paros unseren Goldmund. In einem Cafe. Er war um die 50 Jahre alt. Engländer, der in Frankreich im Winter Englisch unterrichtete und die andere Hälfte des Jahres in seiner Dachwohnung auf Anti-Paros. Im Cafe redeten und diskutierten wir viel über Hesse. Dann lud er uns zu sich nach Hause ein - um 12.00 Nachts. Dort sprachen wir kaum mehr, sondern genossen die Sterne in den vielen Hängematten auf seiner Dachterasse und lauschten Enya.
Als wir ihn fragten, warum er uns eingeladen hatte, sagt er, daß er mit 17 von zu HAuse fortgegangen sei und durch Europa tinglete. Es gab viele Menschen, die ihn für ein paar Tage bei sich aufgenommen hatte, und wenn er nun Menschen trifft, mit dem er etwas teilen möchte, so lädt er sie ein. Dadurch gibt er das, was andere ihm gaben, ihm Zyklus des Lebens zurück…
Irgendwo hab ich noch seine Adresse, ich weiß nur nicht wo. Weggeworfen hab ich sie nie. Und ich weiß, daß er Allen hieß.
Aber für meine Freundin und mich war er eindeutig Goldmund.

Alles Liebe,
Andrea