Heulerei

HAllo
ich fange in manchen Situationen immer an zu heulen und kann es nicht steuern. Auch wenn ich gute Gefühle zu der Situation habe, mir gute Gedanken zurechtlegen kann,zittert meine Stimme mir wird heiss und schwindelig und ich fange an zu heulen.
In Kürze muss ich mich von einer grösseren Gruppe Personen verabschieden ( weil ich den Arbeitsplatz wechsele) und weiss jetzt schon, dass ich ,wenn ich meine Rede halten soll, kein Wort rausbekomme und da stehe, wie eine Idiotin, weil ich anfange zu heulen. Das ist der Situation total unangemessen, es ist wirklich schön, dass ich eine neue Arbeitststelle habe und ich freue mich, keine dieser Personen ist mir irgendwie an s Herz gewachsen, aber ich heule.
Es geht mir schon in viel nichtigeren Situationen so.

Ich bin eine selbstbewusste Frau, stehe mit beiden Beinen im Leben, bin tatkräftig, mutig…und so eine Heulerin (wenn ich heule, habe ich garkeinen Gedanken dazu, was jetzt traurig sein könnte, es ist einfach eine emotionale Schieflage).
Bitte um viele gute Antworten, das muss aufhören.

Gruß
G.Piggy

Ich bitte um viele gute Antworten.

Hi Piggy,

Du beschreibst Dich:

Ich bin eine selbstbewusste Frau, stehe mit beiden Beinen im
Leben, bin tatkräftig, mutig…und so eine Heulerin (wenn ich
heule, habe ich gar keinen Gedanken dazu, was jetzt traurig
sein könnte, es ist einfach eine emotionale Schieflage).

Wo bzw. Wie sind denn Deine Emotionen in derartigen Situationen? Bist Du vielleicht doch traurig, von Menschen wegzugehen? Kommen (ggf. nur ganz kurz, Blitzlicht-artig) Erinnerungen an schöne Momente hoch? Trauerst Du um Dich bzw. all die Mühen, die Du im Zusammenhang mit diesen Menschen hattest? Bist Du ggf. traurig, weil Du weggehst und es Dir nicht gelang, mit den Menschen näher in Kontakt zu kommen?

Mir fallen spontan einige Ideen ein, die mich in vergleichbaren Situationen „still werden“ ließen. Andere haben „näher am Wasser gebaut“ und fangen halt an zu weinen - wenn Du das ändern willst (obwohl es offenbar ein Teil von Dir ist, vielleicht sogar Deine emotionale Schleuse oder Dein emotionales Überdruckventil), könntest Du das mit einem Arzt oder Therapeuten besprechen.

Kein Tabu - Achtung lang!
Hallo,

ich hatte mal eine Phase, in der ich privat emotional sehr unter Druck stand. In dieser Zeit ging es mir ein bisschen wie Dir: Bei den unmöglichsten Gelegenheiten kullerten mir sehr leicht die Tränen herunter - und das war mir wirklich sehr, sehr peinlich.

Mir half damals eine TV-Sendung, in der Menschen porträtiert wurden, die sehr leicht rot wurden. Denen war ihre körperliche Reaktion ebenfalls sehr peinlich und sie litten stark darunter.
In der Sendung lernten sie damit umzugehen, indem sie das Rotwerden einfach kurz thematisierten, wenn es auftrat. Der Gesprächspartner hat dann meist kurz gelächelt und fand die Offenheit meist sehr positiv.
Mit Zeit war dann selbst das Rotwerden überhaupt kein Problem mehr, weil es sich von selbst wieder legte.

Ähnlich habe ich daraufhin agiert: Ich habe in Gesprächen - wenn ich merkte, wie mir die Tränen hochstiegen - einfach kurz innegehalten, meinen Gesprächspartner kurz angelächelt und gesagt: „Menschenskinder, jetzt bin ich so überwältigt von der Situation, dass mir sicher gleich die Tränen kommen. Mei o Mei… Denk Dir nix, ich habe einfach nah am Wasser gebaut!“
Wenn dann die Tränen kamen, dann haben die anderen zwar meistens noch ein bisschen verdutzt geschaut - doch meistens kam dann auch ein freundliches Lächeln oder ähnliches… Doch das Wichtigste für mich war: Meine Tränen waren mir nicht mehr so peinlich, nachdem ich sie zuvor angesprochen hatte! Ich durfte sie zulassen - und konnte dann auch wieder leichter aufhören…

Vielleicht hilft Dir ja dieser Text, den ich zum Thema Rotwerden gefunden habe, noch etwas besser, die Idee, die dahiner steckt, zu verstehen:

Was kann man tun, damit man nicht rot wird und stottert?
“Wenn Jungen oder Mädchen wissen, dass sie leicht rot werden und anfangen zu stottern, wenn sie sich unsicher und unter Beobachtung fühlen, hilft es ihnen im Allgemeinen nichts, wenn sie versuchen, sich zusammen zu reißen‘. Je mehr sie sich bemühen, ruhig und gelassen zu bleiben, umso angespannter und ängstlicher werden sie. Und dann sind Stottern und ein puterrotes Gesicht so sicher wie das Amen in der Kirche. Sie können diese peinliche Situation aber entschärfen und gleichzeitig aus ihrem Problem eine Stärke machen - und sogar einen witzigen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch liefern. Jetzt werde ich sicher wieder gleich rot‘ oder Ich fange leicht an zu stottern, wenn mich was stark beschäftigt‘ sind eine gute Art der Vorwärtsverteidigung‘.

Ist das Problem benannt, lässt auch die Anspannung nach. Und auf so viel Ehrlichkeit reagiert jeder Gesprächspartner positiv. Zum Glück nimmt die Neigung zum Rotwerden und Stottern aufgrund von Unsicherheit und Schüchternheit fast immer mit der Zeit ab. Je weniger man sich dieses Symptom übel nimmt und je mehr man es als vorübergehende und eher harmlose, wenn auch ärgerliche Störung akzeptiert, desto eher wird man es los.

Das war ein Auszug aus dieser Seite:http://www.scoolz.de/artikel209.htm

Liebe Grüße und Kopf hoch
wünscht die

Stefanie

Hallo,
ein bißchen kenne ich deine Situation (glaube ich). Eigentlich bin ich auch eher ne gefestigte Frau, aber irgendwann fing ich auch an bei - wie ich fand - kleinsten Gelegenheiten zu heulen und fand das extrem unangenehm und peinlich. Mittlerweile kann ich im Nachhinein in den meisten Situationen erkennen, was genau mich da so erwischt hat, ohne dass es mir wirklich bewusst war, z.B. Abschied nehmen, vor anderen gelobt werden etc. Nun habe ich mich daran gewöhnt, dass es mir einfach manchmal passiert, dass die Tränen laufen und da ich es mir erklären kann, empfinde ich es auch nicht mehr als schlimm. Und dadurch habe ich natürlich auch kaum noch Angst vor solchen Situationen. Ich bin damit sozusagen versöhnlicher mit mir geworden:wink:)

Viele Grüße und Energie für diese Phase,
Judith

P.S.: Angefangen hat es bei mir damals in der ersten, noch unbekannten Schwangerschaft:wink:…

Hallo, Golen Piggy,
nachdem sich hier bisher nur weibliche Wesen geoutet haben, auch mein Beitrag dazu:
Rührselige Filme („Wenn der Vater mit dem Sohne“, Rühmann) lassen mir regelmäßig das Wasser in die Augen schießen.
Ich lese gern Gedichte vor, aber eines kann ich nicht vorlesen: „Die Füße im Feuer“ (D.F.Meyer) - da kann ich nicht weitersprechen, das greift mich zu sehr an.

Nicht, dass ich eine Heulsuse wäre, ich kann auch knochenhart reagieren, wo es nötig ist. Aber eigentlich sehe ich keinen Grund mich dessen zu schämen. Mitempfinden zu können ist sicher eine Fähigkeit, die ich eigentlich vielen meiner Mitmenschen wünschen möchte. Unser Zusammenleben wäre oft einfacher.

Gruß
Eckard