Heuschnupfenimpfung

Hallo,

kann man sich gegen Heuschnupfen impfen lassen, z. B. im Herbst oder Winter?

Ich meine keine Hypo- oder Desensibilisierung!

Bitte um eure Antworten.

Vielen Dank im Voraus.

Schöne Grüße

Hi!

Impfen ist möglich, wenn Erreger ins Spiel kommen. Da beim Heuschnupfen keine Erreger beteiligt sind, fällt das wohl flach.

Gruß,
Sharon

Hallo jerry006,

es gibt jetzt noch eine andere Möglichkeit der Hyposensibilisierung:

ein für Dich speziell hergestelltes Präprat jeden Tag zur gleichen Zeit
unter die Zunge tropfen in vorgegebener Dosierung!

Macht mein Sohn seit ca. 1 1/2 Jahren und übersteht damit die für ihn schlimmste Zeit (Gräser- und Roggenblüte) viel besser.

LG Doreen

H wie Hola.

Dann doch lieber Desensibilisierung. Drei Jahre, beginnend im Winter, sieben Impfungen direkt hintereinander, jede Woche eine. Sprich sieben Wochen im Winter eine kleine Spritze :smile:

MfG

Ergänzung
Hi!

Impfen ist möglich, wenn Erreger ins Spiel kommen. Da beim
Heuschnupfen keine Erreger beteiligt sind, fällt das wohl
flach.

Beim Impfen werden die Erreger in nicht-krankmachender-Form in den Körper gebracht, damit dieser den Erreger kennenlernen kann und sich dessen Struktur und Aufbau merkt. Kommt dann irgendwann der echte Erreger, erkennt der Körper den viel schneller und kann ihn auch sogleich ohne Verzögerung bekämpfen, da er bereits vorher schon die Antikörper produziert hat. Da nach beim Geimpften die „Lernphase“ beim richtigen Erregerkontakt wegfällt, hat der Erreger keine Zeit und Chance, sich zu vermehren und Unsinn zu treiben, bis er bekämpft wird. Die Infektion wird also gleich im Keim erstickt.

Die Hypo-/Desensibilisierung funktioniert so ähnlich.
Hier ist aber kein Erreger das Problem, sondern ein „übereifriges“ Immunsystem. Man geht hier auch ähnlich wie beim Impfen vor: man verabreicht winzige Mengen in steigender Dosierung des allergieauslösenden Stoffes, um dem Immunsystem beizubringen, eben NICHT mehr so heftig zu kämpfen.

Man kann also sagen, daß die Hypo-/Desensibilisierung die „Impfung“ gegen Allergien ist :wink:

Gruß,
Sharon

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kann man sich gegen Heuschnupfen impfen lassen, z. B. im
Herbst oder Winter?

Jein. Eine Impfung macht folgendes:

Man bringt einen toten oder abgeschwächten oder nachgebauten Erreger ins Blut. Dein Immunsystem erkennt den Partikel als fremd und potentiell gefährlich. Also werden spezielle Zellen ausgebildet, die spezifisch auf genau diesen Erreger (oder ein Teil von ihm) „abgerichtet“ sind. Bei einer tatsächlichen Infektion ist der Körper dann schon mit den passenden „Wachhunden“ ausgerüstet und kann sofort reagieren - und nicht erst nach ein paar Tagen wie bei einer normalen Infektion. Diese 2-3 Tage Vorsprung sind eigentlich schon alles, was eine Impfung bewirkt - klingt nach nicht viel, ist aber entscheidend.

Bei einer Pollenallergie sind die Dinge aber irgendwie genau verkehrt rum. Dein Körper erkennt an sich harmlose Pollen als potentiell gefährlich und geht auf die Dinger los - und zwar mit an sich für andere, echte „Feinde“ vorgesehenen Abwehrwerkzeugen, den Immunglobulinen. Dabei schütten auch noch bestimmte Zellen, die Mastzellen, Warn- und Botenstoffe aus, welche den „Fehlalarm“ noch verstärken - das bekannteste ist das Histamin. Ein an sich sinnvoller Stoff wird hier bei den Allergikern zur Qual.

Prinzipiell gibt es nun 4 Wege, gegen eine Allergie vorzugehen:

  1. Symptome bekämpfen
    Macht man mit Antihistaminika, Kortisonpräparaten u.ä., ändert aber nichts an der „falschen“ Abwehr deines Körpers.

  2. Dem Körper beibringen, daß Pollen nicht gefährlich sind.
    Versucht man durch die gängigen Hyposensibilisierungen zu erreichen. Der Körper wird so lange mit dem vermeindlichen „Feind“ gefüttert, bis er nicht mehr darauf reagiert. Funktioniert bei einigen Menschen sehr gut, bei anderen gar nicht. Auch diese neuen Wunderpillen aus Gras basieren auf diesem Prinzip. Zulassung in Deutschland aber wohl nicht vor 2007(?).

  3. Die Immunglobuline ausschalten
    Zumindest die, die für die gängigen Allergien verantwortlich sind. Dazu gibt es einige interessante Ansätze und man kann das tatsächlich mit einer Anti-Impfung vergleichen. In der Presse wurde dieser Therapieansatz auch wohl öfters als Impfung bezeichnet, obwohl es eigentlich keine ist. Diese neueren Verfahren sind aber noch eher in den Labors zu finden, keine Ahnung, ob die schon wesentlich darüber hinaus sind. Bisher ist mir nur eine Studie mit humanisierten monoklonalen Antikörpern rhuMAb-E25 (Omalizumab) bekannt. Wirksam ja, aber viel zu wenig erforscht, als daß man schon jubeln könnte. Sollte es einmal möglich sein, IgE (Immunglobulin E, das wichtigste bei Allergien) wirksam und gezielt zu blockieren, wäre man aber bei vielen Allergien tatsächlich ein gutes Stück weiter. Das als „Impfung“ zu bezeichnen, ist aber falsch und missverständlich - auch wenn es öfters so genannt wird.

  4. Wiederherstellung der natürlichen Funktion von Immunglobulinen
    Ein völlig anderer Ansatz geht davon aus, daß Allergien nur dadurch enstehen, daß das Immunsystem „nichts zu tun hat“ und seine Waffen nicht gegen die natürlichen Feinde richten kann (z.B. Parasiten wie Würmer) und quasi aus Langeweile dann z.B. Pollen als Ziel aussucht. Es deutet einiges darauf hin, daß da etwas dran ist und man hat z.B. sehr erfolgreiche Therapien gegen eine bestimmte Form des Reizdarms gemacht, bei dem der Körper die eigene Darmschleimhaut angreift (eine Autoimmunkrankheit also). Die Therapie besteht darin, den Patienten gezielt mit Spulwürmern (allerdings recht harmlosen) zu infizieren. Alle paar Wochen muss man Wurmeier trinken und ertragen, daß es auf dem Klo „ab und zu mal krabbelt“… Das ist für diese Patienten aber viel besser zu ertragen, als 10x am Tag wegen „explosiven“ Durchfalls auf’s Klo zu rennen. Man versucht nun herauszufinden, warum und wie die Würmer den Darm wieder beruhigen können und wie die falsch geleitete Abwehr (hier eine Autoimmunabwehr; prinzipiell aber mit vielen Allergien zu vergleichen) funktioniert hat. Eventuell kann man dann durch „Wurmstücke“ den gleichen Effekt erzielen - wie auch immer diese „Stücke“ aussehen werden. Einige Foscher glauben, daß diese Würmer eben nicht mehr wirklich als Parasiten anzusehen sind, sondern daß der Mensch im Laufe der Jahrtausende eher eine Art ungewollte Symbiose eingegangen ist. Die moderne Hygiene zerstört aber diese Art von Gleichgewicht und läßt den Körper verrückt spielen. Das Ganze ist noch weitgehend Spekulation und unerforschtes Gebiet.

Fazit: Eine klassische Impfung geht nicht, da ein Heuschnupfen ja irgendwie schon eine völlig sinnlose „Impfung gegen Pollen“ ist. Es gibt aber durchaus vielversprechende neue Therapieansätze. Das hilft den Patienten zwar nicht mehr dieses Jahr, aber eventuell in ein paar Jahren.