Heuschreckensystem?

Hallo Experten,

ich hab zwar BWL studiert, doch irgendwie blick ich es nicht, wie die mittlerweile so titulierten Heuschrecken das ganze anstellen.

Eine dieser Kapitalgesellschaften, die Gesellschaft Z, bringt einen Betrag X auf für das Unternehmen A. Sagen wir 1 Mrd. €. Das entspricht dem Kaufpreis von 100% von A.

A ist finanzstark, hat einen guten Umsatz und erwirtschaftet jährlich Gewinn. Und nun buche ich diese 1 Mrd. Euro vermutlich als Verbindlichkeiten in die Bilanz gegenüber Z. Würde nicht klappen, weil da ja kein Geldfluss entsteht bzw. ja nur durch diese Buchung der Gläubiger noch nicht sein Geld bekommen hat. Und das soll ja scheinbar passieren. Und die Gegenbuchung würde fehlen.
Also muss doch noch die Kasse/Bank belastet werden oder Häuser überschrieben werden oder oder oder…

Letztlich blick ich es nicht ganz, weil… wenn das Geld quasi direkt wieder zurückfließt, dann entsteht doch nur eine Papierbuchung. Das würde doch bedeuten, dass ich zur Bank hinlaufen könnte… kaufe mir Unternehmen Y, zahle die bisherigen Besitzer aus, nehme das Geld dort wieder aus der Kasse (und schmälere die Substanz?) und habe das Unternehmen für lau erworben…

Und das wäre mir irgendwie zu einfach. :smile: Weil dann weiß ich, was ich ab morgen machen werde. :smile:

Gruß
Marco

Auch hallo.

Der Vergleich von Geldgebern und Heuschrecken hat teilweise auch populistische Gründe (NRW-Wahl). Zumindest ist das zu vermuten. Und was macht eine (Wander-)Heuschrecke ? Richtig: alles ratzekahl fressen und weiterziehen -> http://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecke
Und genau diese Eigenschaft wird mit fremden Kapitalgebern, die in D investieren, assoziiert…

Eine dieser Kapitalgesellschaften, die Gesellschaft Z, bringt
einen Betrag X auf für das Unternehmen A. Sagen wir 1 Mrd. €.
Das entspricht dem Kaufpreis von 100% von A.

Macht erstmal 1 Mrd. Euro Miese für Z.

A ist finanzstark, hat einen guten Umsatz und erwirtschaftet
jährlich Gewinn. Und nun buche ich diese 1 Mrd. Euro
vermutlich als Verbindlichkeiten in die Bilanz gegenüber Z.
Würde nicht klappen, weil da ja kein Geldfluss entsteht bzw.
ja nur durch diese Buchung der Gläubiger noch nicht sein Geld
bekommen hat. Und das soll ja scheinbar passieren. Und die
Gegenbuchung würde fehlen.
Also muss doch noch die Kasse/Bank belastet werden oder Häuser
überschrieben werden oder oder oder…

Letztlich blick ich es nicht ganz, weil… wenn das Geld quasi
direkt wieder zurückfließt, dann entsteht doch nur eine
Papierbuchung. Das würde doch bedeuten, dass ich zur Bank
hinlaufen könnte… kaufe mir Unternehmen Y, zahle die
bisherigen Besitzer aus, nehme das Geld dort wieder aus der
Kasse (und schmälere die Substanz?) und habe das Unternehmen
für lau erworben…

Damit wird man zum Anteilseigner (Aktionär) des Unternehmens.
Und die Bank sollte wissen, wieviel Geld sich auf dem Konto des Kunden befindet.

Und das wäre mir irgendwie zu einfach. :smile: Weil dann weiß ich,
was ich ab morgen machen werde. :smile:

Genug Kleingeld vorausgesetzt ist das tatsächlich möglich…
Aber im Ggs. zur zitierten Heuschrecke lässt Du das Unternehmen ja noch stehen und bleibst im Land

Viel Spass beim Sattfressen :smiley:
mfg M.L.

Hi Markus,

das das populistisch ist, vermute ich auch mal… weil letztlich steigern sie den Unternehmenswert und das käme z.B. auch Minderheitsteilhabern in Form von Versicherungen zu Gute und davon profitieren bekanntlich ca. 80% aller Deutschen.

Und da ich eine langjährige, gute Beziehung zu meiner Bank pflege, weiß sie sicher, was auf meinem Konto liegt. Aber ich vermute, ein kurzfristiges Darlehen ist durchaus mal drin, oder? :smile:

Gruß
Marco

PS: Wäre das nicht eine gute Geschäftsidee?

Hallo Experten,

Tach auch.

Eine dieser Kapitalgesellschaften, die Gesellschaft Z, bringt
einen Betrag X auf für das Unternehmen A. Sagen wir 1 Mrd. €.
Das entspricht dem Kaufpreis von 100% von A.

Buchung: Beteiligungen an Bank 1 Mrd.

A ist finanzstark, hat einen guten Umsatz und erwirtschaftet
jährlich Gewinn. Und nun buche ich diese 1 Mrd. Euro
vermutlich als Verbindlichkeiten in die Bilanz gegenüber Z.
Würde nicht klappen, weil da ja kein Geldfluss entsteht bzw.
ja nur durch diese Buchung der Gläubiger noch nicht sein Geld
bekommen hat. Und das soll ja scheinbar passieren. Und die
Gegenbuchung würde fehlen.
Also muss doch noch die Kasse/Bank belastet werden oder Häuser
überschrieben werden oder oder oder…

A bucht in diesem Fall überhaupt nicht (A ist eine Kapitalgesellschaft). Es ändert sich nur der Eigentümer des Kapitals.

Letztlich blick ich es nicht ganz, weil… wenn das Geld quasi
direkt wieder zurückfließt, dann entsteht doch nur eine
Papierbuchung. Das würde doch bedeuten, dass ich zur Bank
hinlaufen könnte… kaufe mir Unternehmen Y, zahle die
bisherigen Besitzer aus, nehme das Geld dort wieder aus der
Kasse (und schmälere die Substanz?) und habe das Unternehmen
für lau erworben…

Ja, theoretisch würde das funktionieren. Allerdings, warum sollten die Besitzer von A zu einem Schleuderpreis verkaufen, der dem Wert des Unternehmens entspricht? Normalerweise laufen solche Übernahmen preislich deutlich über dem Wert des übernommenen Unternehmens. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Wenn A einen Wert von 1 Mrd. hätte, warum sollten die Eigentümer verkaufen?
Das was mit dem Heuschrecken Bild gemeint ist, sind sogenannte „Raider“. Die kaufen eine Firma als ganzes, und verkaufen sie wieder in Teilen oder legen unprofitable Teile still.
Mal angenommen A produziert die Waren O und P. Geschäftsbereich O ist profitalbel, der Bereich alleine 1,3 Mrd. wert. P ist defizitär. Der Raider A für 1 Mrd., verkauft P an einen Konkurenten für 1,3 Mrd. und macht P dicht. Dafür entstehen Aufwendungen von 200 Mio., bedeutet 100 Mio. für den Raider.

Und das wäre mir irgendwie zu einfach. :smile: Weil dann weiß ich,
was ich ab morgen machen werde. :smile:

Was denn? Banken suchen, die dir sowas finanzieren?
Ich glaube, da brauchst du ein wenig mehr als ein BWL Studium :smile:

Gruß
Marco

Grüsse
Joshua

Hi,

Eine dieser Kapitalgesellschaften, die Gesellschaft Z, bringt
einen Betrag X auf für das Unternehmen A. Sagen wir 1 Mrd. €.
Das entspricht dem Kaufpreis von 100% von A.

das ganze funktioniert folgendermaßen: Die Investoren bringen 300 Mio. auf, der Rest wird über Banken finanziert. Zu diesem Zwecke wird ein neues Unternehmen gegründet, das von den Übernehmern mit dem Kapital von 300 Mio. Euro (also Kasse und Eigenkapital jeweils 300 Mio.) ausgestattet wird und die fehlenden 700 Mio. Euro als Kredit aufnimmt (Kasse an Verbindlichkeiten). Das neugegründete Unternehmen erwirbt die Anteile am Zielobjekt (Beteiligungen und Firmenwert an Kasse) und wird anschließend mit dem Zielobjekt verschmolzen. Dabei werden u.a. die Beteiligung mit dem Eigenkapital des Zielobjektes verrechnet und am Ende bleiben netto Firmenwerte und die Bankverbindlichkeiten übrig.

Das Ergebnis des neuen Unternehmen wird durch die Abschreibungen auf die Firmenwerte in den nächsten Jahren erheblich belastet und die hoffentlich erzielten Cashflows werden zur Schuldentilgung verwendet. Üblicherweise werden auch Forderungen und Vorräte stringenter bewirtschaftet, so daß sich auch daraus Cashflows erzielen lassen. Die Bankverbindlichkeiten werden somit zügig getilgt (meist 5-7 Jahre).

Die eigentliche Rendite ergibt sich nicht durch Ausschüttungen, sondern aus dem gesteigerten Unternehmenswert, der dann bei einem späteren Verkauf realisiert wird. Das Risiko für die Investoren ist also auf die eingebrachten 300 Mio. begrenzt, während die Banken den überwiegenden Teil des Risikos tragen, aber nur ein auf die Zinserträge begrenztes Ertragspotential haben.

Das Zielobjekt hingegen hat im Zweifel nichts von der Übernahme, haftet aber mit seiner Existenz für das Gelingen der ganzen Operation.

Soviel zur Grundstruktur einer solchen Übernahme. Da sind jetzt sicherlich neue Fragen aufgekommen. Nur raus damit!

Gruß,
Christian

Soviel zur Grundstruktur einer solchen Übernahme. Da sind
jetzt sicherlich neue Fragen aufgekommen. Nur raus damit!

Hallo,
kann ich dann davon ausgehen, wenn bei der HypoVereinsbank-Übernahme durch die Italiener, es auf genau dieses Thema hinausläuft, da die UNICREDITO diese Übernahme ja nicht etwa mit Geld sondern mit eigenen Aktien (die wohl in der Menge sonst keiner haben will?) finanziert?

Die Unicredito übernimmt, ohne einen Euro dafür aufwenden zu müssen die HypoVereinsbank baut deren Arbeitsplätze in München ab und verlegt die Europazentrale nach Wien!

Gruß
elite

kann ich dann davon ausgehen, wenn bei der
HypoVereinsbank-Übernahme durch die Italiener, es auf genau
dieses Thema hinausläuft, da die UNICREDITO diese Übernahme ja
nicht etwa mit Geld sondern mit eigenen Aktien (die wohl in
der Menge sonst keiner haben will?) finanziert?

Der Fall HVB ist anders gelagert, weil es sich hier um einen strategischen Investor handelt, der nicht kurzfristig exorbitante Gewinne durch Weiterveräußerung erzielen will, sondern seine Marktposition in Mitte- und Osteuropa stärken möchte und damit langfristig Geld verdienen will. wird im Zweifel nicht klappen, aber das soll nicht mein Problem sein.

Gruß,
Christian