Als Ausgleich… (ups, länger geworden)
Und dann wundern sich die Eltern, daß viele Kinder bei der
Einschulung es nicht mal schaffen 10 Sekunden auf einem Bein
zu stehen. Tssssss…
Neneee, dafür haben sie die Woche der lieben Kleinen völlig verplant mit Ergotherapie (dort lernt das Kind auf einem Bein zu stehen), Kinder-Yoga, Kinderturnen und diversen streng von Eltern überwachten und Sicherheitsüberprüften Tätigkeiten.
Die Erfahrung mache ich hier fast täglich. Im Hort konnte ich es immer nicht glauben, dass die Erzieherinnen sich bei mir entschuldigen, weil mein Kind grüne Knie hatte. Bis ich eines Tages eine entsetzte Mutter traf, die gar nicht mehr damit fertig wurde, sich zu echauffieren, warum denn ihre Tochter keine Buddelhose und Gummistiefel anhatte (es waren so um die 20°C) „Jetzt sind die neuen Schuhe (natürlich hellrosa) kaputt“ - Sie waren halt sandig!
Ich habe den Erzieherinnen daraufhin einzeln und mehrfach versichert, dass ich sehr glücklich bin, wenn ich ein dreckiges Kind aus dem Hort abhole. Dann weiss ich wenigstens, dass er ordentlich draussen getobt hat.
Dann die Story von den Müttern mit ihrer völlig überzogenen Zecken- und Fuchsbandwurmangst, die das gar nicht gern sehen, wenn der Kindergarten mal einen Waldausflug macht. In einem Fall bin ich mir sicher - ist das eine Mutter, die ihr Kind regelmäßig ungesichert im Auto transportiert. Das nenn ich realistische Risikoeinschätzung.
Dann diese WErbung, in der das Kind ein wenig ins Klos reinrutscht und die Mutter sagt:„Zum Glück habe ich gerade mit Sagrotan geputzt“. Meine Freunding darauf:„Ich würd mir erst richtig Sorgen machen, wenn ich vorher mit so einem Zeug geputzt hätte“
Der Markt für allerhand antibakteriellen Blödsinn wächst weiter, die Leute kaufen’s.
Versucht mal , einen etwas außergewöhnlichen Spielplatz in Deutschland zu bauen. War jemand auf der BUGA in Gera? Da gab es einen Spielplatz der Fa. Bergmann (http://www.kulturinsel.de/ übrigens ein tolles Ausflugsziel - aber vorsicht, der Begriff Abenteuer wird da noch ernst genommen) mit Tunnels und Schlupflöchern. Und innerhalb kürzester Zeit einen großen Haufen Beschwerden und ein Warnschild, dass das Ding für Kinder unter 5 (glaub ich) nicht geeignet sei. Selbstverantwortung = Null! Irgendwer muss doch schuld sein, wenn meinem Kind etwas zustößt.
Ich finde, es wird heutzutage nicht zu viel Wert auf Sicherheit gelegt, sondern eher auf die falschen Dinge (siehe das Beispiel mit den Zecken und dem Autotransport). Die Bedingungen haben sich eben auch geändert. Im Sandkasten in der Stadt finden sich u. U. allerhand wirklich gefährliche Dinge (alte Spritzen oder so), der Verkehr läßt es kaum noch zu seine Kinder zu Fuss durch die Ortschaften zu schicken. „Was denn? Radfahren? Ich? Bei dem Verkehr?“.
Wir setzen unsere Kinder ganz anderen Risiken aus: Bewegungsmangel, räumliche Orientierungslosigkeit, fette und süße Ernährung, eine Vielfalt an Lebensmittelzusatzstoffen, Chemikalien in Körperpflege- Reinigungsmitteln, Verblödung durch übermäßigen Medienkonsum etc. Aber das wäre ja anstrengend, dagegen was zu übernehmen. Da schützen wir unsere Kinder lieber vor der bösen Zecke und gehen nicht in den Wald.
So, Dampf abgelassen
Grüsse
kernig