Hey,
ich habe mir den Hexenhammer besorgt,
und würde ihn gerne lesen, aber davor
ist so ein ellenlanges Voooorwooort,
über 80 Seiten, glaube ich.
Ich habe angefangen, aber ich fürchte,
das ist einfach zu viel! Ist es notwendig,
das Vorwort komplett zu lesen, oder kann
man auch einfach direkt mit dem
Hexenhammer beginnen?
Rat wäre super
Liebe Grüße
Fury
Hallo Fury,
ich habe mir den Hexenhammer besorgt,
und würde ihn gerne lesen, aber davor
ist so ein ellenlanges Voooorwooort,
über 80 Seiten, glaube ich.
Ich habe angefangen, aber ich fürchte,
das ist einfach zu viel! Ist es notwendig,
das Vorwort komplett zu lesen, oder kann
man auch einfach direkt mit dem
Hexenhammer beginnen?
Rat wäre super
grundsätzlich gibt es keine Pflicht Bücher komplett zu lesen.
was willst Du denn mit dem Lesen des Hexenhammers erreichen?
Dient er Dir im Rahmen Deines Studiums zur Information über Zeit/Methode/Geisteshaltung?
Dann ist das Vorwort zu empfehlen. Wobei auch hier gilt: Bücher sind geduldig. Man kann sie immer wieder zuklappen und neu öffnen, wenn man Zeit, Lust, Kraft dazu hat.
Außerdem kann man Vorworte auch hinterher lesen, sofern man dann der Meinung ist, es fehlt dem Gesamteindruck etwas, wenn man das Vorwort nicht kennt.
Im Übrigen gibt es den schönen Brauch, dass Wissenschaftler Sekundärliteratur zu Primärquellen verfassen. Womöglich hilft es Dir, wenn Du erst einmal dort einsteigst und Dir ein paar Meinungen ansiehst.
viele Grüße
Geli
Hi Fury,
ich muß mal - als ‚Betroffene‘ - etwas weiter ausholen…
Du hast DEN Hexenhammer, also ‚Malleus Maleficarum‘ (Institoris (aka Kramer) und Sprenger) vor Dir? Falls ja, dann ist es kein Vorwort im eigentlichen Sinne, sondern die „päpstliche“ Bulle ‚Summis desiderantes (affectibus)‘, auch als ‚Hexenbulle‘ bekannt.
Das Pikante an dieser Bulle ist, daß Institoris, der nicht nur eine Urkundenfälschung auf dem Kerbholz hatte, sondern durch Beziehungen eine Haftstrafe aus anderen Gründen nicht absitzen mußte uuuuuuuuuuuuuund - aber dies nur ganz am Rande - ein Judenverfolger war, sie selbst verfasst und damit 1484 zum Innozenz VIII. (unter uns: dieser Papst war eine unselbständige Arschgeige, die nichts allein auf die Reihe gekriegt hat) marschiert ist, der das Ding mehr oder weniger freiwillig unterschrieben hat. Ob der - gesundheitlich arg angeschlagene - Papst wirklich wußte, was er da tut, wird man wohl nicht mehr klären können; es spricht einiges dagegen. Der Papst ist bekanntlich unfehlbar, also war die Hexenverfolgung durch die Unterschrift des noch so unfähigen Papstes auf diesem Wisch legal. Die Verfolgung von ‚Ketzern‘ inclusive des Scheiterhaufens gab es natürlich schon wesentlich früher, aber das ist eine andere Geschichte.
Nun eine kurze ‚time line‘:
Institoris (ob Sprenger bereits damals mit von der Partie war, ist umstritten, obwohl es einige Quellen bestätigen) versuchte schon 1474 , Hexenverfolgung im großen Stil zu starten und flog mächtig auf die Nase.
1478 wird er Inquisitor per totam Alemaniam superiorem und läßt gegen erheblichen Widerstand von Kirche und Politik jahrelang Hexen im gesamten deutschsprachigen Raum abschlachten (also auch Böhmen, Elsaß, Österreich und Teile der Schweiz).
Im Dezember 1484 hält er dem Papst den Wisch unter die Nase.
1485 erlebt er - trotz der Bulle in der Hand - einen Reinfall, der sich gewaschen hat: ein Hexenprozess in Innsbruck platzt, der Verteidiger der angeklagten ‚Hexe‘ beantragt seine Verhaftung, der dortige Bischof erklärt seine Inquisitionsvollmacht für die Diözese kurzerhand als erloschen und fordert ihn zur Herausgabe der Bulle auf (es passierte letztendlich nicht, aber es ging dennoch lustig weiter). Der Trottel bleibt weiterhin in Innsbruck und versucht den Bischof (einen Mann mit gesundem Menschenverstand!) zur Hexenverfolgung zu bewegen. Der Bischof hat aber ziemlich schnell die Faxen dicke und läßt ein Schreiben überbringen, in dem er Kramer a) zur sofortigen Ausreise auffordert und b) unmißverständlich klarstellt, daß für Kramers Schutz vor Übergriffen der Familien, Freunde & Co. der abgeschlachteten Frauen nicht übernommen werden kann. Daraufhin hat man wohl nur noch qualmende Pferdehufe von hinten gesehen. 
1487 kommt der Hexenhammer raus und wird erst einmal zum Ladenhüter.
Um auf Deine Frage zurückzukommen: Du mußt das ‚Vorwort‘ nicht unbedingt lesen, empfehlen würde ich es Dir dennoch, weil es Kramers Wahn - und vielleicht auch den Hass, der aus dem gesamten Hexenhammer spricht - plausibler macht. Du kannst es aber auch erst nach der Lektüre des Hexenhammers lesen oder zwischendurch, oder wann auch immer. Zum Verstehen des Inhalts selbst ist es nicht unbedingt erforderlich. Es gilt auch als sicher, daß die Bulle nur deswegen als Prolog verwendet wird, weil die Autoren darin namentlich erwähnt werden - also quasi ‚Die Anleitung zur Hexenvernichtung mit päpstlichem Segen‘.
Du hast leider eine leere ViKa, aber ich vermute, daß Du vielleicht gerade einmal 16, 17, 18 bist. Deswegen die Warnung: Der Hexenhammer ist kein Buch, das ich Dir als allgemeine Info zum Thema Hexenverfolgung empfehlen würde - wenn es Dir nur darum geht, empfehle ich Dir gerne leichtere Kost, die Dich genauso umfassend informiert. Es ist kein verträumt-verklärter Roman, bei dem es ein Happy End gibt - das ist realistische Anleitung zur Folter, die auch in der Realität stattgefunden hat. Es ist ein Buch, das verdammt starke Nerven erfordert und einen nicht losläßt. Ich habe es vor Jahren einmal im LK Latein (10. Klasse) als Thema vorgeschlagen - uuuuuuiiii… So liberal unser Lehrer war: sehr verboten!
Das ist jedenfalls Stoff für jemanden, der sich ernsthaft und dauerhaft mit dem Thema zu beschäftigen gedenkt, nicht für Mädels, die im Rahmen der Identitätsfindung gerade auf dem Hexentrip sind.
Grüße
Renee
Danke!
Hey
vielen Dank für die beiden Antworten 
LG
Fury