Hexenverbrennung

Hallo,

hab grad einen Roman über Hexenverbrennung gelesen. Dabei ist mir folgende Frage gekommen:

In der Regel wurden die Beschuldigten ja gefragt, wer noch bei den „Messen“ teilgenommen hat. Gab es in der Geschichte welche, die Ihren Peiniger oder gar den Papst bezichtigt haben?
Wenn ja, wieso wurden diese nicht verfolgt?

Und wieso gab es manchmal zwei/drei Jahre Ruhe bevor es von vorn losging?

Gruß Eyeseen

Hallo Eyseen,

In der Regel wurden die Beschuldigten ja gefragt, wer noch bei
den „Messen“ teilgenommen hat.

Daß sie danach ‚gefragt‘ wurden, ist wohl gewaltig untertrieben… Die sogenannte ‚peinliche Befragung‘ hat ja nichts mit Peinlichkeit in unserer - d. h. moderner - Auslegung des Wortes ‚peinlich‘ zu tun; sie ist wörtlich zu nehmen und bedeutet schlicht Folter.

Gab es in der Geschichte
welche, die Ihren Peiniger oder gar den Papst bezichtigt
haben?

Ja, zumindest geben es zahlreiche Quellen an. Es dürfte allerdings verdammt schwierig werden, das zu beweisen, weil nur wenige Hexenprozesse wirklich lückenlos dokumentiert sind. Verhörprotokolle hat man seinerzeit für nicht wirklich notwendig erachtet, zumal die wenigsten Hexen einen Strafverteidigter hatten. Warum? Weil Hexenanwälte als sogenannte ‚Zugewandte‘ galten; sie wurden also nicht direkt der Hexerei beschuldigt, aber sie paktierten mit Hexen und schon das konnte sie auf den Scheiterhaufen bringen (ein Ketzer konnte widerrufen - eine Hexe war von Vornherein zum Tode verurteilt und landete unweigerlich auf dem Scheiterhaufen, ganz egal, was sie tat).

Nun ist es so, daß man unter Folter vieles sagt, egal ob es stimmt oder nicht. Es kam also häufig vor, daß die Beschuldigten auf die ‚Frage‘, wer noch an den Messen teilgenommen hat, die ersten Namen nannten, die ihnen in diesem Moment einfielen - da konnte es auch schon den Papst und/oder den Schlächter im Namen Gottes Inquisitor bzw. den ‚Vernehmenden‘ erwischen.

Wenn ja, wieso wurden diese nicht verfolgt?

Grundsätzlich galten Hexen nicht nur als böse sondern auch als geistesgestört (so richtig mit Diagnose, denn Ärzte, denen die Hexen vermeintlich Konkurrenz machten, agierten bei den Hexenprozessen als medizinische Gutachter) - und wer hört schon auf das Gerede einer Irren? Die Aussagen ‚Der Papst/der Inquisitor war es‘ wurden schlicht als Lüge, Halluzinationen (ein Beweis für Geisteskrankheit), als Folgen der ‚Befragung‘, etc., abgetan.

Ein weiterer Punkt ist, daß das Christentum (zumindest was die römisch-katholische Fraktion angeht) eine dogmatische Religion ist. Daß die Kirche und somit der Papst als ihr Oberhaupt unfehlbar sind, wurde zwar erst Jahrhunderte später (anläßlich des 1. Vatikanischen Konzils 1870) ganz offiziell verkündet, aber das war reine Kosmetik - bis dahin berief man sich in puncto Unfehlbarkeit auf bestimmte Aussagen aus den Evangelien.

Die Peiniger (also Inquisitoren), die ja vom Papst ernannt wurden, wiederum wurden nicht verfolgt, weil sie zwar nicht als unfehlbar galten, dafür aber von den Hexen nur aus Rache und in schädigender Absicht bezichtigt wurden…

Und wieso gab es manchmal zwei/drei Jahre Ruhe bevor es von
vorn losging?

Du meinst die Hexenverfolgungswellen? Es gibt mehrere Gründe…

  1. Es gab schon immer sowohl in der Kirche (Bischöfe hatten damals zum Beispiel in ihren Diözesen wesentlich mehr Macht als die heutigen Bischöfe) als auch in der Politik (vor allem die Fürsten) Menschen mit gesundem Menschenverstand, die Hexenverfolgung nicht nur kategorisch ablehnten sondern auch öffentlich heftig kritisierten. Da kam es schon mal vor, daß der Fürst der Kirche die großzügige Spende verweigerte oder der Bischof, wie zum Beispiel dieser hier: http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv… den päpstlichen Inquisitor dreizehnkantig aus seiner Diöseze schmiss.

  2. Es gab Hexenprozesse, die verdammt hohe Wellen schlugen, weil es zum Beispiel um Kinder ging: die Bad Homburger Werwolfprozesse oder die Kinderprozesse in der Schweiz zum Beispiel. Zu den Schweizer Prozessen:

Noch in der Zeit der Aufklärung gab es vereinzelt Hexenprozesse. In der Schweiz wurden in zwei Fällen sogar Gruppen von Kindern der Hexerei bezichtigt und einem Gericht vorgeführt. Erst nachdem Inquisitoren aus Rom intervenierten wurden (beim ersten Prozess) die Kinder frei gelassen.
Bei dem zweiten Hexenprozess wurden die Eltern vom weltlichen Gericht dazu gezwungen entweder ihre Kinder ziehen zu lassen und eine Bescheinigung über ihren Tod vorzulegen oder ihre Kinder selbst zu vergiften. Es stellte sich heraus dass viele Eltern tatsächlich ihren Kindern Gift verabreichten.

Quelle: http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Hexenprozesse.html /// Hervorhebungen durch mich

  1. Ich weiß nicht, wie flott Du in Geschichte bist: schau Dir an, wann die Hexenverfolgung aufflammte… Es sind stets wie auch immer geartete, tiefgreifende Veränderungen und/oder Katastrophen. Ob nun Hungersnöte aufgrund schlechter Ernte, Revolutionen/Aufstände/Revolten, Seuchen, Kriege, etc.

Reicht es fürs Erste oder soll ich noch weiter ausholen? :wink:

Grüße
Renee

Danke!!! *****
Das reicht mir. Das mit den Kinder war ein guter Tip (davon hatte ich auch mal gelesen (und dann wieder vergessen *g*)). Mit den Infos kann ich mich weiter reinlesen.