Hallo,
Ich suche jegliche Informationen über das Thema Hexenverbrennung/ Hexenverfolgung vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Auch über berühmte verbrannte „Hexen“ (wie z.B. Jeanne D’Arc) und über berühmte Leute, die sich der Hexen verbrennnung etgegen gestellt haben.
Merci et au revoir
Fynn
Hallo,
Ich suche jegliche Informationen über das Thema
Hexenverbrennung/ Hexenverfolgung vom Mittelalter bis zur
Neuzeit. Auch über berühmte verbrannte „Hexen“ (wie z.B.
Jeanne D’Arc) und über berühmte Leute, die sich der Hexen
verbrennnung etgegen gestellt haben.
Ein sehr schönes Beispiel sind die Hexenverbrennungen in Salem USA. Darüber gibt es auch einen guten Dokumentarfilm, bei ZDF oder so lief der letztens.
http://de.wikipedia.org/wiki/John_Wise
http://de.wikipedia.org/wiki/Salem_%28Massachusetts%29
http://en.wikipedia.org/wiki/Salem%2C_Massachusetts
http://en.wikipedia.org/wiki/Salem_witch_trials
Denn Hexenhammer kennst du?
http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer
Lies dich erstmal durch Wikipedia durch, da findest du schon mal sehr viele Informationen.
Merci et au revoir
Dobry źeń! Jan
Mensch, sei vorsichtig,
bevor du dir einen solchen Schmarrn wie die Seite
antust. Da werden Mythen wiedergekäut, die schon ewig und drei Tage widerlegt sind. Beispiele:
„Millionen wurden umgebracht, zu fast 90 Prozent Frauen.“
„Und vor allem angeklagt wurden Frauen, die in enger Verbindung mit der Natur standen, über Heilkünste verfügten…“
Also zum einen Argumente aus der antireligiösen Propaganda des 19. Jahrjunderts, zum anderen der Mythos von den „Weisen Frauen“.
Schau dir lieber den Katalog http://www.dhm.de/ausstellungen/hexenwahn/
an; in dem Artikel von Rita Voltmer und Franz Irsigler: „Die europäischen Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit - Vorurteile, Faktoren und Bilanzen“ findest du präzise Informationen (http://www.dhm.de/ausstellungen/hexenwahn/aufsaetze/…).
Dort findest du auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem seit Mitte der Achtziger Jahre grassierenden Mythos der Weisen Frauen.(http://www.dhm.de/ausstellungen/hexenwahn/aufsaetze/…)
Also, wenn du was Seriöses suchst, weisst du, wo’s langgeht. Wer heutzutage zu Hexen forscht, ist dort vertreten. Und dort findest du auch weitere Links und Literatur.
Bernhard
Hallo Fynn,
hier findest Du ebenfalls viel Wissenswertes:
http://www.hexenforschung.historicum.net/
Gruss
Eve*
Hallo, Fynn,
die Mutter Johannes Keplers, ja genau, DER Kepler!, wurde der Hexerei angeklagt und ihr Sohn erreichte in einem langjährigen Gerichtsverfahren - vermutlich auf Grund seiner Stellung als kaiserlicher Hofastrologe/astronom - ihren Freispruch.
Eine knappen Bericht dazu findest du in:
Arthur Koestler, Die Nachtwandler, Kap. Der Hexenprozeß; ISBN 3-518-37079-0 Buch anschauen
Beste Grüße
Fritz
Hallo,
das, finde ich, ist eines der wichtigsten Themen der Geschichte, und sollte neben dem Dritten Reich immer auch behandelt werden, um zu zeigen, dass das Geschehen leider in der „Bestie Mensch“ begründet liegt und nicht in irgendwelchen besonderen sozialen Bedingungen.
Ein vollständiges und ausführliches Buch ist von Kurt Baschwitz, „Hexen und Hexenprozesse“. Er beginnt bei den Albigenser- und Katharerverfolgungen, beleuchtet auch reihenweise Leute wie Dr. Wierus den Hexenanwalt, König Jacob I, der extreme Hexenangst hatte, den historischen Faust (warum konnte der sich als Zauberer wichtig machen und es geschah ihm nichts), macht einen Erklärungsversuch, wie es zum Hexenglauben kommen konnte, und wie die regionalen Unterschiede in Europa auch unterschiedliche Formen der Hexenverfolgung nach sich zogen.
Dann war da die Inquisition in Spanien, die merkwürdigerweise keine Hexen verbrannt hat: Es galt ihr nämlich als Ketzerei, an Hexen zu glauben, da diese nirgendwo in den Schriften belegt sind. Es gab auch einen spanischen Inquisitor, der nach Frankreich herübergeschickt wurde, denn die Suprema machte sich natürlich Sorgen über dieses Hexenunwesen jenseits der Pyrenäen. Der Mann brachte es fertig, sich dieses ganze wüste Treiben der Scheiterhaufen anzuschauen und zur Schlussfolgerung zu gelangen, man mache zwar viel Wind in Frankreich, er aber habe nicht einen echten Hinweis auf Hexen entdecken können. Das fand ich schon bemerkenswert…
Es waren die Holländer, die flüchtenden Hexen Asyl gewährt haben und von wo die ersten Prediger kamen, die gegen den Hexenglauben als solchen argumentierten, etwa Balthasar Bekker. Da war die berühmte Hexenwaage von Oudewater. Verdächtige wanderten manchmal monatelang in den kleinen Marktort, um sich wiegen zu lassen. Eine Hexe ist nämlich für ihre Statur zu leicht, damit sie fliegen kann. Die Obmänner der Hexenwaage (eigentlich nur die gewöhnliche geeichte Marktwaage) kamen aber immer zum Schluss, das Gewicht der Angeklagten sei „angemessen“. Das ist Händlervernunft…
Die letzte Hexe wurde etwa zur Zeit der französischen Revolution hingerichtet - das kopernikanische Weltbild fest etabliert, der Blutkreislauf entdeckt, die Phlogistontheorie wiederlegt, und trotzdem!
Ich halte das Buch dieses Historikers für das Beste, was für Laien zu haben ist, und es ist auch gut zu lesen. Ich habe es schon mehrfach durch, da ich es immer wieder ermutigend finde, dass auch innerhalb der wüstesten Massenpsychose immer noch Leute da sind, die ihren klaren Verstand behalten und versuchen, etwas gegen die Verhältnisse zu unternehmen.
Gruß, Claudia
Weil das Buch doch vergriffen zu sein scheint,
hier der Text des kleinen Kapitels.
Ich glaube man kann daran einige Aspekte erkennen.
- Wie es zu Anklagen kam.
- Dass manche Angeklage einfach bloß nicht der gängigen Norm entsprachen.
- Dass man als Angeklagte von vorn herein für schuldig galt.
- Dass nur Protektion vor der Verurteilung schützte.
- Dass sich Staat und Kirche gleicherweise die Hände schmutzig machten.
- Dass Menschen oft unendlich dämlich sind.
Hier aber der Text:
_Arthur Koestler, Die Nachtwandler
Der Hexenprozeß
Der Wahnsinn der Hexenverfolgungen, der im sechzehnten Jahrhundert ständig zugenommen hatte, erreichte seinen Höhepunkt im siebzehnten, und zwar gleicherweise im katholischen wie im protestantischen Deutschland. In Weil der Stadt, Keplers verträumtem Geburtsort mit einer Bevölkerung von zweihundert Familien, wurden in den Jahren 1615 bis 1619 achtunddreißig Hexen verbrannt. Im benachbarten Leonberg, einem nicht größeren Städtchen, wo Keplers Mutter nun lebte, wurden allein im Winter 161 5 sechs Hexen verbrannt. Es war einer der Wirbelstürme des Wahns, die von Zeit zu Zeit über die Welt hereinbrechen und offenbar zum Wesen des Menschen gehören.
Keplers Mutter war nun ein häßliches altes Weiblein, dessen Sucht, sich in fremde Angelegenheiten zu mischen, und böse Zunge, im Verein mit seiner Herkunft, es zum gegebenen Opfer machten. Sie war, wie wir wissen, die Tochter eines Wirts und von einer Tante aufgezogen worden, die angeblich auf dem Scheiterhaufen endete. Ihr Mann, ein Soldat, verschwand, nachdem er mit knapper Not dem Galgen entgangen war. Im Jahr 1615, in dem der Hexenwahn in Leonberg ausbrach, hatte Katharina Streit mit einem anderen alten Scheusal, ihrer ehemals besten Freundin, der Frau des Glasermeisters Jakob Reinbold. Das wurde ihr Verderben. Die Glasermeisterin klagte nämlich Katharina an, ihr einen Hexentrank gegeben zu haben, der zu dauernder Krankheit führte. (In Wirklichkeit kam das Leiden von einer Abtreibung.) Mit einem Male erinnerte man sich, daß verschiedene Bürger Leonbergs erkrankt waren, nachdem ihnen die Keplerin einen Trunk aus dem Zinnkrug angeboten hatte, den sie für ihre Besucher gastfreundlich bereithielt. Das Weib Bastian Meyer war daran gestorben, und der Schulmeister Beutelspacher blieb gelähmt. Man erinnerte sich auch, daß die Keplerin einmal vom Totengräber den Schädel ihres Vaters verlangte, um diesen in Silber zu fassen und einen Trinkbecher für ihren Sohn daraus machen zu lassen - den Hofastrologen, der selber ein Meister der Schwarzkunst war! Mit ihrem bösen Blick habe sie Siechtum und Tod der Kinder des Schneiders Daniel Schmidt herbeigeführt; man wußte, daß sie durch versperrte Türen gehen konnte und einmal ein Kalb zu Tod geritten habe, um ihrem anderen Sohn, Heinrich, dem Landstreicher, einen Braten zu bereiten.
Katharinas ärgste Feindin, das Weib des Glasermeisters, hatte einen Bruder, der Hofbarbier des Herzogs von Württemberg war. In diesem verhängnisvollen Jahr 1615 kam der Sohn des Herzogs, Prinz Achilles, nach Leonberg zur Jagd, und in seinem Gefolge befand sich der Hofbarbier. Nachdem dieser sich mit dem Untervogt der Stadt betrunken hatte, ließen beide die Keplerin in das Amtshaus bringen. Dann setzte der Barbier ihr die Spitze seines Schwertes auf die Brust und verlangte, sie solle das Leiden, das sie seiner Schwester angehext habe, durch Hexenkünste heilen. Katharina war so vernünftig, die Zumutung abzuweisen; denn sonst hätte sie sich selbst überführt. Um die Mutter zu schützen, reichte die Familie eine Klage wegen Verleumdung ein. Doch der Untervogt schob diese Klage auf die lange Bank, indem er in aller Form ein Verfahren wegen Hexerei gegen die Keplerin einleitete. Den Vorwand dazu gab ihm ein zwölfjähriges Mädchen, das Ziegel zum Brennen trug, dabei auf der Straße an Mutter Kepler vorbeikam und einen plötzlichen Schmerz im Arm verspürte, der daraufhin eine Zeitlang gelähmt blieb.
Derartige plötzliche, stechende Schmerzen in Schulter, Arm oder Hüfte spielten eine große Rolle im Prozeß gegen Katharina und andere; bis heute werden ja Lumbago (= lateinisch: Hexenschuss) und steife Hälse als Hexenschüsse bezeichnet.
Der erschütternd armselige Rechtsgang zog sich lange hin. Keplers jüngerer Bruder, Christoph, Drillmeister der Miliz von Leonberg, und sein Schwager, der Pfarrer, distanzierten sich zu verschiedenen Malen von der alten Frau, zankten über die Kosten der Verteidigung und wären offenbar ganz froh gewesen, wenn man die Mutter verbrannt und ihnen endlich ihre Ruhe gelassen hätte, sofern dadurch nicht ein Schatten auf ihre eigene spießige Wohlanständigkeit gefallen wäre. Wie immer, so mußte Kepler auch diesmal allein, ohne Hilfe, für eine unpopuläre Sache eintreten. Er begann mit einem Gegenangriff, klagte die Verfolger seiner Mutter an, vom Teufel aufgehetzt zu sein, riet dem Rat der Stadt mit Nachdruck, sich vorzusehen, nicht zu vergessen, daß er, Kepler, der Hofmathematiker Seiner Römisch-Deutschen Majestät sei, und verlangte Abschriften aller Dokumente, die sich auf den Fall seiner Mutter bezogen.
Dieser Ton tat die gewünschte Wirkung. Der Untervogt, der Barbier und deren Anhang gingen nun bedachtsamer vor und sahen sich nach mehr Beweismaterial für die formelle Anklageschrift um. Dieses liefert Mutter Kepler dienstfertigerweise selbst, indem sie dem Untervogt einen Silberbecher als Bestechung anbot, falls er bereit wäre, den Bericht über den Vorfall mit dem kleinen Mädchen, das Ziegel trug, zu vertuschen. Hierauf entschieden der Sohn, die Tochter und der Schwiegersohn, jetzt gäbe es nichts anderes mehr als die Flucht, und schickten die Mutter zu Johannes nach Linz, wo sie im Dezember 1616 ankam. Nachdem das geschehen war, schrieben Christoph und der Pfarrer der herzoglich! Kanzlei, sollte sich die Anklage des Vogts als begründet erweisen, würden sie die Mutter verleugnen und dem Recht seinen Lauf lassen.
Die alte Frau blieb neun Monate in Linz, dann packte sie das Heimweh und sie kehrte zu ihrer Tochter Margarete und dem Pfarrer zurück, Scheiterhaufen hin oder her. Kepler folgte ihr und las auf der Reise das Zwiegespräch über antike und modere Musik von Galileis Vater. Zwei Monate blieb er in Württemberg, schrieb Eingaben und erreichte dennoch nicht mehr als die Erlaubnis, seine Mutter mit sich nach Linz zurücknehmen zu dürfen. Doch die halsstarrige alte Frau weigerte sich, Österreich gefiel ihr nicht. Kepler mußte ohne sie zurückkehren.
Hierauf geschah zwei Jahre lang nichts – es waren die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges – außer daß Kepler neue Eingaben schrieb und das Gericht neues Material sammelte, das bereits etliche Bände füllte. Schließlich, in der Nacht des 7. August 1620, wurde Mutter Kepler Pfarrhaus ihres Schwiegersohnes verhaftet. Um Aufsehen zu vermeiden, brachte man sie in einer eichenen Truhe in das Gefängnis von Leonberg Sie wurde vom Vogt verhört und bestritt, eine Hexe zu sein; da wurde ein Termin für ein zweites Verhör festgesetzt, nach dem zur Folter geschritten werden sollte.
Margarete sandte erneut einen Hilferuf nach Linz, worauf Kepler sich sofort wieder auf den Weg nach Württemberg machte. Das unmittelbare Ergebnis seines Eingreifens war, daß der Oberrat Mutter Kepler sechs Wochen zur Vorbereitung ihrer Verteidigung zugestand. Sie lag angekettet in einer Stube im Stadttor, Tag und Nacht von zwei Wächtern bewacht. Diese mußten, ebenso wie die Unmengen Brennholz, das sie verbrauchten, von der Verteidigung bezahlt werden. Kepler, der eine neue Astronomie auf die Kleinigkeit von acht Bogenminuten aufgebaut hatte, unterließ es nicht, derartige Einzelheiten in seinen Eingaben anzuführen. Er wies darauf hin, ein Wächter würde für eine dreiundsiebzigjährige Frau in Ketten genügen, und die Kosten des Brennholzes sollten gerechter verteilt werden. Unbezähmbar, unermüdlich, leidenschaftlich und genau, blieb er sich in allen Lagen selber treu. Wie die Behörden ihn sahen, verrät ein Wörtchen in einem Protokoll des Gerichtsschreibers: „Die Verhaftin erscheint leider mit Beistand ihres Herrn Sohns, Johann Keplers Mathematici“.
Das Verfahren zog sich noch ein Jahr hin. Die Anklage umfaßte neunundvierzig Punkte, nebst einer Anzahl „Additionsartikel“; beispielsweise, daß die Angeklagte, als man sie mit Stellen aus der Heiligen Schrift ermahnte, keine Tränen vergoß (dieser Beweis spielte eine wichtige Rolle bei Hexenprozessen), worauf Mutter Kepler aufgebracht erwiderte, sie habe so viele Tränen in ihrem Leben vergossen, daß ihr keine geblieben seien.
Die Anklageschrift wurde im September verlesen und einige Wochen später durch Keplers und des Verteidigers Kontestationsschrift (= Widerlegungsschrift) beantwortet; diese wiederum wurde durch eine Akzeptationsschrift der Anklage erhebenden Behörde im Dezember verworfen; im Mai des nächsten Jahres unterbreitete die Verteidigung eine Exzeptions- und Defensionsschrift; im August antwortete der Anklagevertreter mit einer Deduktions- bzw. Konfutationsschrift. Den Abschluß bildete die Konklusionsschrift der Verteidigung, ein zum größten Teil von Kepler selbst geschriebenes, hundertachtundzwanzig Seiten umfassendes Schriftstück. Hierauf wurde der Fall, auf Anordnung des Herzogs, an die juristische Fakultät nach Tübingen geschickt – an Keplers Universität. Diese fand, Katharina sei peinlich zu befragen, empfahl aber, es bei der territio zu belassen, der Befragung unter Androhung der Folter.
In Befolgung des für derartige Fälle vorgeschriebenen Verfahrens wurde die alte Frau in die Folterkammer gebracht und dem Henker gegenübergestellt, der ihr die Folterinstrumente zeigte und deren Wirkung mit allen Einzelheiten beschrieb, worauf man ihr eine letzte Möglichkeit gab, die Schuld zu bekennen. Der Schreck, der von der Kammer ausging, war so groß, daß die meisten Opfer zusammenbrachen und sich schuldig bekannten. Die Wirkung auf Mutter Kepler beschreibt der Vogt in einem Bericht an den Herzog folgendermaßen:
„… Da ich dann nach publiziertem Urteil im Beisein dreier des Gerichts und des Stadtschreibers anfangs die Verhaftin im Torstüblein in Güte nach Notdurft besprochen, nachgehend auch auf all ihr Widersprechen und Verleugnen sie an den gewöhnlichen und zur Tortur bestimmten Ort führen lassen, ihr auch allda den Nachrichter (= Henker bzw. Folterknecht) unter Augen gestellt, dessen Instrumenta vorgezeigt, damit ernstlich und nach Notdurft die Wahrheit anzuzeigen und ihr selbst vor großem Schmerz und Pein zu sein erinnert. Hat sie jedoch ohngeachtet aller ernstlicher Erinnerung und Bedrohungen weder geständig sein noch bekennen wollen und gemeint, man mache mit ihr, was man wolle, und da man ihr schon auch eine Ader nach der andern aus dem Leib herausziehen sollte, so wüßte sie doch nichts zu bekennen, womit sie auf die Knie nieder gefallen, ein Vaterunser gebetet und darauf vermeldet, Gott solle allda ein Zeichen tun, wenn sie eine Hexe oder Unholdin sei und jemals mit der Hexerei zu tun gehabt habe. Sie wolle auch darauf sterben, Gott werde die Wahrheit an den Tag bringen und nach ihren Tod offenbaren, daß ihr Unrecht und Gewalt geschehe, dem sie alles wolle befohlen haben; denn sie wisse, Er werde Seinen Heiligen Geist nicht von ihr nehmen, sondern ihr Beistand sein … Hat also auf vielfältiges Erinnern und Bedrohen nichts bekennen wollen, sondern auf ihrem jederzeit Widersprechen und Verneinen, daß sie der Hexerei halber in Haft sein solle, pure et constanter verblieben, deswegen ich sie dann wiederum in ihr custodiam führen lassen.“
Eine Woche später, nach vierzehn Monaten Gefängnis, wurde Mutter Kepler freigelassen. Nach Leonberg konnte sie nicht zurückkehren, da der Pöbel sie dort zu erschlagen drohte. Sechs Monate später starb sie.
Unter solchen Umständen schrieb Kepler die Harmonie der Welt, in der er seinen lieben Zeitgenossen das Dritte Planetengesetz schenkte._
Hallo Claudia,
Dann war da die Inquisition in Spanien, die merkwürdigerweise
keine Hexen verbrannt hat:
Mir erscheint das gar nicht so merkwürdig. Ziel der Spanischen Inquisition war es, nach dem Fall Granadas die Einheit im Glauben und damit die Einheit des Reiches zu etablieren und sichern und die „Neuen Christen“ („freiwillig“ konvertierte Juden und Muslime) zu disziplinieren. Andere Massnahmen waren der Aufbau eines zentral organisierten Staates, Kastilisch als Hofsprache (wir sagen „Spanisch“ und meinen heute „Kastilisch“) und dazu eine kastilische Grammatik. Dazu gehört auch die immer stärker werdende Verfolgung der Juden (Sefarden) und später auch die Conquista, in der die mit Ende der Reconquista frei werdenden Kräfte glenkt werden konnten. Insofern unterscheiden sich die Spanische Inquisition (=die Verfolgung politisch nicht erwünschter „Ketzer“) und die mitteleuropäische - oder besser gesagt deutsche - Hexenverfolgung (=Die Verfolgung von Zauberern aufgrund einer Massenhysterie) fundamental.
Ciao
R.