Higgs-Teilchen/ Cern/ Quantenphysik für Dummies

Hallo Physiker,
ich habe gestern „News & Stories“ geguckt und, wie der Titel schon verrät, ging es um das Projekt in Genf.

Leider habe ich von dieser Quanten- oder Teilchenphysik? keine Ahnung und will einiges wissen (am besten für doofe erklärt):

  1. Was ist das Ziel des zentralen Cern- Projektes? Wenn es das Finden des Higgs-teilchens ist- was hat dessen Entdeckung dann mit der Frage nach der Entstehung der erde/ der Existenz Gottes zu tun?

  2. Was ist ein Higgs-Teilchen, wo existiert es und wie kommt man dazu von seiner Existenz auszugehen?

  3. Welchen Sinn macht die Idee der Antagonisten zu Proton, Elektron, etc.? Wie kommt man darauf und hat das Ganze mit der Idee einer Parallelwelt zu tun?

und schließlich am wichtigsten:

Wird das Projekt bald (wie ein Teilchenphysiker mit Doktortitel gestern in besagter Sendung stolz verkündet hat) Antwoerten und/ oder Ergebnisse liefern und werden die schon solcher Natur sein, dass man damit eine aussage zum anfang der Erde oder Sinn des Lebens etc. treffen kann? Der DOktor beteuerte nämlich, dass ein nichtssagerndes Ergebnis ausgeschlossen sei.

Bitte nehmt Rücksicht auf die Neugier eines Schülers, der Physik so früh, wie möglich abgewählt hat!

Danke schonmal :smile:

Hi,

  1. Was ist das Ziel des zentralen Cern- Projektes? Wenn es das
    Finden des Higgs-teilchens ist- was hat dessen Entdeckung dann
    mit der Frage nach der Entstehung der erde/ der Existenz
    Gottes zu tun?

Also mit der Existenz Gottes eher wenig würd ich sagen. Interessant an der Sache ist, dass du zustände erzeugst, die Ähnlichkeit mit der Situation zum Beginn des Universums haben, daher kann man diese erforschen. Aber ich glaube es geht wirklich Hauptsächlich um das Higgs Boson, also um die Frage, warum Materie Masse hat, das versucht man herauszufinden.

  1. Was ist ein Higgs-Teilchen, wo existiert es und wie kommt
    man dazu von seiner Existenz auszugehen?

Ja das ist die Frage. Von seiner Existenz geht man aus, weil Materie Masse hat. Man vermutet halt, dass ein Teilchen dafür verantwortlich ist.

und schließlich am wichtigsten:

Wird das Projekt bald (wie ein Teilchenphysiker mit
Doktortitel gestern in besagter Sendung stolz verkündet hat)
Antwoerten und/ oder Ergebnisse liefern und werden die schon
solcher Natur sein, dass man damit eine aussage zum anfang der
Erde oder Sinn des Lebens etc. treffen kann? Der DOktor
beteuerte nämlich, dass ein nichtssagerndes Ergebnis
ausgeschlossen sei.

Also mit Sinn des Lebens, da erwartetst du dir zu viel. das ist nicht das Ziel, da wird Physik betrieben, weniger Philosophie. Ich weiß, manchmal überschneidet sich das, aber der Sinn des Lebens ist echt nicht mehr Physik.

Bald ist relativ, im moment ist das Projekt pausiert. Bis die Unmengen an Daten, die die ersten Experimente liefern werden

(tatsächlich laufen da mehrere in verschiedenen Dedektoren
(LHCb,CMS, Atlas, Alice,) und auch verschiedener Art. Im Moment startet man mit Protonen, später sollen auch Ionen zur Kollision gebracht werden)

ausgewertet sind, kann es noch länger dauern. Außerdem ist es sehr wohl möglich, dass das Higgs Boson nicht gefunden wird. Das bedeutet aber, dass unsere bisherigen Theorien sehr daneben liegen und man sich was ganz neues ausdenken muss. Also ist ein „nichtssagende Ergebnis“ nicht möglich. In der Praxis wird man aber am Experiment zweifeln, nicht an der Theorie.

Bitte nehmt Rücksicht auf die Neugier eines Schülers, der
Physik so früh, wie möglich abgewählt hat!

Danke schonmal :smile:

Ich habs verscuht, bitte
lg
Alexander

Teilantworten

Hallo Physiker,
ich habe gestern „News & Stories“ geguckt und, wie der Titel
schon verrät, ging es um das Projekt in Genf.

Hat’s das auch im Indernetz zum gucken? Ich sammle nämlich alles für’s nächste Jahr, wenn ich mich an das Buch von Lisa Randall rantraue (http://de.wikipedia.org/wiki/Lisa_Randall).

Leider habe ich von dieser Quanten- oder Teilchenphysik? keine
Ahnung und will einiges wissen (am besten für doofe erklärt):

Richard P. Feynman (Nobelpreisträger für QED - Quantenelektrodynamik) sagte, dass niemand QED „versteht“, er selbst auch nicht, aber man damit sehr präzise Vorhersagen berechnen und dann auch experimentell überprüfen kann.

  1. Was ist das Ziel des zentralen Cern- Projektes?

Nach Jahrzehnten theoretischer Physik jetzt endlich wieder richtige Experimente zu machen um die errechneten Aussagen durch Ergebnisse aus Versuchen zu belegen oder zu widerlegen.

Wenn es das Finden des Higgs-teilchens ist-

Das Higgs-Boson (http://de.wikipedia.org/wiki/Higgs-Boson) müsste es nach den Vorhersagen der theoretischen Physik geben, es liess sich aber mit den alten Teilchenbeschleunigern nicht nachweisen. Dafür waren die zu „klein“. Daher ein neuer, noch größerer und stärkerer.

was hat dessen Entdeckung dann mit der Frage nach der Entstehung der erde/ der Existenz Gottes zu tun?

Nichst. Das ist eine Erfindung von … Journalisten(?), Forschungsgeldsammlern … Blabla.

  1. Was ist ein Higgs-Teilchen, wo existiert es und wie kommt
    man dazu von seiner Existenz auszugehen?

Siehe oben.

Hmm. Da habe ich keinen guten Link auf die Schnelle, aber der bessere Suchbegriff ist „Bosonen“ und auch „Quarks“. Da hat es mit etwas Glück eine übersichtliche Tabelle, die die Zusammensetzung von Elektronen, Protoenen und Neutronen aufzeigt. Leider ist die deutsche Wikipedia da didaktisch ziemlich unbrauchbar. In einem Video über Astrophysik von TTC (http://teach12.com) wurde das über 3 Stunden ziemlich detailliert dargestellt.

Hmm. http://de.wikipedia.org/wiki/Quark_(Physik)

  1. Welchen Sinn macht die Idee der Antagonisten zu Proton,
    Elektron, etc.? Wie kommt man darauf und hat das Ganze mit der
    Idee einer Parallelwelt zu tun?

Ich nehme an, du meinst die zugehörigen Anti-Teilchen. Da hört dann meine bisherige oberflächliche Kenntnis gänzlich auf.

Wird das Projekt bald (wie ein Teilchenphysiker mit
Doktortitel gestern in besagter Sendung stolz verkündet hat)
Antwoerten und/ oder Ergebnisse liefern und werden die schon
solcher Natur sein, dass man damit eine aussage zum anfang der
Erde oder Sinn des Lebens etc. treffen kann?

Tja nun, die Hoffnungen der Physiker sind groß (meine auch).

Der Doktor beteuerte nämlich, dass ein nichtssagerndes Ergebnis ausgeschlossen sei.

Nun ja, selbst wenn man nichts „Neues“ findet, wird man auf jeden Fall über das, was man schon kennt präzisere Daten erhalten. Und so manches Detail, das bisher nur als Formel auf Papier existierte in der Wirklichkeit zu Gesicht bekommen.

Bitte nehmt Rücksicht auf die Neugier eines Schülers, der
Physik so früh, wie möglich abgewählt hat!

Eigenlich schade, schließlich ist die Physik das Fundament aller Naturwissenschaften. Wenn man das leider nicht anschaulich genug vermittelt bekommt … immerhin bis zur Lorenz-Transformation geht das noch ganz gut, aber danach bei der allgemeinen Relativitätstheorie wird es schwierig. Und bei den Quanten ist dann meist endgültig Feierabend. Mal sehen, ob ich irgendwann die Feynman-Diagramme wenigstens mal lesen kann.

Gruß

Stefan

Hallo,

  1. Was ist das Ziel des zentralen Cern- Projektes?

der LHC ist eine recht grobe Maschine, mit der man in neue Energiebereich vordringen kann, um neue Effekte erstmals zu sehen. Einer davon ist das Higgsteilchen, von dem man sich ziemlich sicher ist, dass man es finden wird – interessant wird aber sein, wie es genau aussieht.

Außerdem erhofft man neue Effekte und Teilchen, die man vielleicht überhaupt noch nicht vorausgesehen hat. Wenn man die dann entdeckt hat, wäre eine feinere Maschine (der ILC) gut, mit der man die Eigenschaften genauer untersuchen kann.

Wenn es das Finden des Higgs-teilchens ist- was hat dessen
Entdeckung dann mit der Frage nach der Entstehung der erde/ der
Existenz Gottes zu tun?

Eher nichts. Das Higgsteilchen ist der letzte Baustein, welcher aus dem Standardmodell der Elementarteilchenphysik noch nicht nachgewiesen wurde.

  1. Was ist ein Higgs-Teilchen, wo existiert es und wie kommt
    man dazu von seiner Existenz auszugehen?

Wenn man das Standardmodell der Elementarteilchenphysik aufstellt, ergibt es sich, dass aus Gründen der mathematischen Konsistenz keines der Teilchen, die darin vorkommen (Elektronen, Neutrinos, Quarks), eine Masse haben kann. Wir beobachten aber, dass diese Teilchen eine Masse haben.

Eine Lösung dieses Problems hat Herr Higgs gefunden: wenn es ein Feld gibt, welches das Universum ganz ausfüllt, kann ein ähnlicher Effekt auftreten, wie man ihn auf einer Party erleben kann: wenn ein beliebter Gast den locker gefüllten Raum betritt drängen sich alle um ihn herum, weil sie sich mit ihm unterhalten wollen – das bremst ihn in seinem fortkommen; er hat das Gefühl, er sei viel schwerer, weil er die Wolke von Bewunderern mit sich schleppt.

Das was wir als Masse von Teilchen wahrnehmen ist also bloß die Wechselwirkung mit dem allgegenwärtigen Higgsfeld. Die Existenz dieses Feldes erklärt also die Massen der Teilchen. Wenn es aber so ein Feld gibt, dann müsste man quasi darin Wellen schlagen können, wenn man nur fest genug hineinschlägt – diese Wellen erscheinen uns dann als Higgs-Teilchen. Daraus folgt, dass, wenn der Higgs-Mechanismus für die Massen verantwortlich ist, wir in der Lage sein müssen, Higgs-Teilchen zu erzeugen (d. i. Wellen im Higgs-Feld zu schlagen).

  1. Welchen Sinn macht die Idee der Antagonisten zu Proton,
    Elektron, etc.?

Meinst du jetzt Antimaterie?

Wenn man die Quantenmechanik mit der speziellen Relativitätstheorie verbinden will, tauchen in der Theorie Teilchen mit negativer Energie auf. Die Möglichkeit von Teilchen negativer Energie würde bedeuten, dass unsere Welt nicht stabil wäre, denn es würde Energie frei, wenn man beliebig viele dieser Teilchen erzeugte.

Mit Hilfe des sogenannten Dirac-Sees kann man dieses Problem vermeiden: das, was wir als leeres Vakuum wahrnehmen ist in Wirklichkeit ein Raum, in dem alle Zustände negativer Energie vollständig besetzt sind. Wenn wir jetzt ein Teilchen aus dem See, also von einem Zustand negativer Energie anheben auf einen Zustand positiver Energie, so haben wir ein Teilchen mit positiver Energie.

Ferner fehlt gegenüber dem Vakuum (dem „leeren“ Raum) ein Teilchen negativer Energie – das Fehlen eines Teilchens negativer Energie ist aber das gleiche als wäre dort ein weiteres Teilchen positiver Energie. Da aber das Fehlen einer negativen Ladung dem Vohandensein einer positiven Ladung entspricht, muss dieses zusätzliche Teilchen gerade die umgekehrten Ladungen haben, wie das ursprüngliche – es handelt sich um ein Antiteilchen.

Wie kommt man darauf und hat das Ganze mit der Idee einer
Parallelwelt zu tun?

…oder meinst du die supersymmetrischen Partnerteilchen?

Die Naturgesetze unterliegen offenbar gewissen Symmetrien.

  • Die Naturgesetze ändern sich nicht, ob man das Experiment hier oder an einem anderen Ort ausführt oder den Aufbau dreht. Sie ändern sich selbst dann nicht, wenn man das Experiment in einem sich bewegenden Labor durchführt.

  • Darüberhinaus gibt es noch innere Symmetrien – die einfachste davon ist etwa, dass sich nichts ändert, wenn man die Wellenfunktion mit einer Phase (also einer komplexen Zahl vom Betrag 1) multipliziert.

In unseren heutigen Theorien operieren diese beiden Symmetrietypen völlig getrennt nebeneinander – jede Operation lässt sich problemlos zerlegen, eine Mischung findet nicht statt.

Bei einer Zusammenfassung dieser beiden Symmetrietypen in einer umfassenden Supersymmetrie (SUSY) werden Symmetrieoperationen eingeführt, die Bosonen (Wechselwirkungsteilchen) und Fermionen (Materieteilchen) miteinander verknüpfen. Es muss dann zu jedem Fermion ein Boson geben, das sonst genau dieselben Eigenschaften hat, denn die Theorie darf sich ja unter dem Austausch von diesem Fermion mit dem durch die SUSY-Operation erhaltenen Boson nicht verändern. Umgekehrt muss jedes Boson einen Fermionpartner haben, der sich wiederum nur durch den Spin unterscheidet. Diese Teilchen, die durch eine SUSY-Operation miteinander verknüpft sind, nennt man Superpartner.

Im bekannten Teilchenspektrum kommen keine Superpartner vor – so gibt es etwa offensichtlich kein Boson mit der Masse und Ladung des Elektrons. Daher kann SUSY in der Natur nicht exakt realisiert sein. Wenn die Natur supersymmetrisch ist, so muss es einen Mechanismus geben, der (mindestens) die Hälfte der existierenden Teilchen vor uns verbirgt – etwa indem sie durch irgendeinen Mechanismus eine so große Masse erlangen, dass sie für unsere Beschleuniger nicht sichtbar sind. Es gibt also neben den uns bekannten Teilchen noch einen kompletten, versteckten Sektor gleichartiger aber schwererer Teilchen (quasi eine Parallelwelt).

Wird das Projekt bald (wie ein Teilchenphysiker mit
Doktortitel gestern in besagter Sendung stolz verkündet hat)
Antwoerten und/ oder Ergebnisse liefern und werden die schon
solcher Natur sein, dass man damit eine aussage zum anfang der
Erde oder Sinn des Lebens etc. treffen kann?

Die Physik stellt die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht und erwartet daher keine Antwort darauf.

Es besteht jedoch die berechtigte Hoffnung, dass die Ergebnisse des LHC helfen werden, unser Modell dafür, was die Welt im Innersten zusammen hält, zu verbessern.

Der DOktor beteuerte nämlich, dass ein nichtssagerndes Ergebnis
ausgeschlossen sei.

Es wäre für die theoretische Physik eine mittlere Katastrophe, wenn der LHC absolut nichts Neues finden würde. Völlig ausgeschlossen ist es deshalb aber nicht – es ist nur keine besonders erfreuliche Aussicht aber auch keine wahrscheinliche.


PHvL

Hallo,

falls Du in der Schule in Emglisch etwas besser aufgepasst hast, will ich Dir dies hier wärmstens ans Herz legen: http://www.youtube.com/watch?v=j50ZssEojtM

Beste Grüße

=^…^=

Hallo!

Eine Lösung dieses Problems hat Herr Higgs gefunden: wenn es
ein Feld gibt, welches das Universum ganz ausfüllt…

Hatten wir das nicht schon mal? Damals nannte man es Äther. Da schlägt man dann Wellen und nennt die Wellen „Teilchen“.

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Wissenschaftler heute von Quantenphysik so viel verstehen, wie die Wissenschaftler vor Zweitausend Jahren von den Planetenbewegungen verstanden haben.

Grüße

Andreas

Hallo Physiker,

Hallo Mensch :wink:,

Leider habe ich von dieser Quanten- oder Teilchenphysik? keine
Ahnung und will einiges wissen (am besten für doofe erklärt):

Ich würde von Hochenergiephysik sprechen, aber da sind keine klaren Abgrenzungen möglich.

  1. Was ist das Ziel des zentralen Cern- Projektes?

In Genf, am CERN, dem europäischen Kernforschungszentrum, wurde ein Teilchenbeschleuniger gebaut, der Teilchen auf sehr hohe Geschwindigkeiten beschleunigen kann. Dazu ist eine immense Größe (ca. 27km) nötig. Protonen (u.a.) werde beschleunigt und innerhalb von Detektoren(z.B. CMS oder ATLAS) zur Kollision gebracht. Hierbei entstehen neue Teilchen (aufgrund komplexer Teilchenprozesse); eines davon könnte das Higgs-Boson sein.

  1. Was ist ein Higgs-Teilchen, wo existiert es und wie kommt
    man dazu von seiner Existenz auszugehen?

Sieh Dir hierzu folgenden Link an:
http://modernephysik.blogspot.com/2009/01/elementart…
Hier habe ich versucht Laien die moderne Physik etwas näher zubringen.

  1. Welchen Sinn macht die Idee der Antagonisten zu Proton,
    Elektron, etc.?

Du sprichst von sogenannten Antiteilchen. Diese haben dieselben Eigenschaften, wie die eigentlichen Teilchen, nur ist deren Ladung mit (-1) multipliziert. Teilchen und Antiteilchen annihilieren einander, d.h. sie vernichten einander unter Abgabe von Photonen.

und schließlich am wichtigsten:
Wird das Projekt bald (wie ein Teilchenphysiker mit
Doktortitel gestern in besagter Sendung stolz verkündet hat)
Antwoerten und/ oder Ergebnisse liefern und werden die schon
solcher Natur sein, dass man damit eine aussage zum anfang der
Erde oder Sinn des Lebens etc. treffen kann? Der DOktor
beteuerte nämlich, dass ein nichtssagerndes Ergebnis
ausgeschlossen sei.

Aussagen über den Sinn des Lebens sind immer so eine Sache :smiley:. Mithilfe der hohen Energien am LHC in Genf wird es möglich sein Verhältnisse und Begebenheiten in der Zeit kurz nach dem Urknall besser zu verstehen bzw. nachzuvollziehen.
Über Sinn und Unsinn der Naturgesetze oder unseres Daseins macht die Physik meiner Meinung nach sowieso keine Aussagen; sie beschreibt nur die Mechanismen, mit denen Prozesse stattfinden möglichst genau - die Frage nach einem höheren Grund versuchen Menschen aus anderen Fakultäten zu beantworten.

Gruß.

Hallo.

Eine Lösung dieses Problems hat Herr Higgs gefunden: wenn es
ein Feld gibt, welches das Universum ganz ausfüllt…

Hatten wir das nicht schon mal? Damals nannte man es Äther.

Nein, der Äther soll ein Medium für Licht darstellen. Das Higgsfeld wechselwirkt nicht mit Photonen – es kann also die elektromagnetischen Wellen nicht tragen.

Der Äther zeichnet ein Bezugssystem aus, nämlich sein Ruhesystem. Das Higgs ist ein Lorentz-Skalar und tut dies daher nicht.

Da schlägt man dann Wellen und nennt die Wellen „Teilchen“.

Im Standardmodell gibt es nur Felder und das, was wir „Teilchen“ nennen, sind Anregungen („Wellen“) dieser Felder (die immer im ganzen Universum existieren). Damit erklärt sich der Welle-Teilchen-Dualismus: weder Welle noch Teilchen sind „wirklich“ sondern beides sind nur unterschiedliche Idealisierungen ein und desselben fundamentalen Feldes.

Übertragen auf ein Schwimmbad ist bei einer Welle das Becken gleichmäßig mit Wasser gefüllt und gerade Wellenberge und -täler laufen mit konstanter Geschwindigkeit von links nach rechts. Dagegen ist bei einem Teilchen das Becken komplett leer und das gesamte Wasser in einer dünnen hohen Säule konzentriert. Die Wirklichkeit liegt irgendwo dazwischen: hier und da gibt es zumindest für einige Zeit Bereiche, in denen halbwegs parallele Wellenberge und -täler laufen – in anderen Bereichen bewegen sich isolierte Hügel auf dem Wasser näherungsweise so wie die Wassersäule.

Dies ist nicht neu – und hat auch nichts mit dem Higgs-Mechanismus zu tun – sondern ist schlicht die Weiterentwicklung der Quantenmechanik auf Vielteilchensysteme oder Systeme mit Feldern.

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Wissenschaftler heute
von Quantenphysik so viel verstehen, wie die Wissenschaftler
vor Zweitausend Jahren von den Planetenbewegungen verstanden
haben.

Ich habe keine Ahnung, was du damit ausdrücken willst und worauf du dich konkret beziehst.


PHvL

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Es wäre für die theoretische Physik eine mittlere Katastrophe,
wenn der LHC absolut nichts Neues finden würde. Völlig
ausgeschlossen ist es deshalb aber nicht – es ist nur
keine besonders erfreuliche Aussicht aber auch keine
wahrscheinliche.

Ein Großteil der Experimente dreht sich ja auch darum, dass man versucht, die bisher theoretischen Überlegungen durch Experimente zu überprüfen. Wenn man das Higgs-Teilchen findet (das rechne ich jetzt nicht unter „neu“ ein) dann zeigt das zumindest, dass die Theorien des Standard-Modelles relativ gut sind und wir bis zu einem gewissen Grad schon sehr viel verstehen.
Selbst wenn man also nichts oder nichts bahnbrechendes „Neues“ findet, kann uns das LHC zumindest sagen, wie gut unsere bisherigen Theorien und damit unser Verständnis vom Aufbau der Materie bis hin zur Entwicklung des Kosmos sind.

Hallo!

Vielen Dank für die Erklärungen, die sehr gut und anschaulich sind. Ganz verstanden habe ich die Quantenphysik damit zwar immer noch nicht, aber das wird schon.

Ich habe keine Ahnung, was du damit ausdrücken willst und
worauf du dich konkret beziehst.

Damals hatten die Astronomen auch eine Vielzahl von Theorien aber einen großen Mangel an Beweisen. Und erst Kepler hat Klarheit in das ganze gebracht. Beim Ätherwind gab es auch viele Theorien, aber erst Einstein brachte die wirkliche Aufklärung. Und ich habe den Eindruck (der nicht unbedingt richtig sein muss), dass wir bei der Quantenphysik auf diesen Kepler oder Einstein noch immer warten.

Grüße

Andreas

Hatten wir das nicht schon mal? Damals nannte man es Äther.

Nein. Der Äther war ein Medium, in dem die Wellen laufen sollen, also als Art Dichteschwankungen. Heute weiß man, dass das nicht stimmt und das es eben kein solches Medium gibt. Quasi alle heutigen Theorien der Kräfte sind Feld-Theorien. Genauso wie du elektromagnetische Felder hast, gibt es eben das Higgs-Feld. Mit Äther hat das ganze nichts zu tun.

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Wissenschaftler heute
von Quantenphysik so viel verstehen, wie die Wissenschaftler
vor Zweitausend Jahren von den Planetenbewegungen verstanden
haben.

Du kannst beruhigt sein, dass die Wissenschaftler am CERN ziemlich genau wissen, nach was sie suchen müssen und nach was nicht. Da man bisher quasi alle vom Standard-Modell vorhergesagten Teilchen auch später wirklich gefunden hat können die Theorien so falsch nicht sein.

Wenn man es mal anders sieht ist es sogar ziemlich erstaunlich, wie viel wir bereits von Quantenphysik verstehen und wie radikal und schnell sich unser physikalisches Weltbild in den letzten 100 Jahren gewandelt hat. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt dass sich uns viele der Effekte in unserem Alltag entziehen und viele Aspekte der Quantentheorie überhaupt nicht mit unseren „normalen“ Vorstellungen erfassbar sind.

Hallo,

Ein Großteil der Experimente dreht sich ja auch darum, dass
man versucht, die bisher theoretischen Überlegungen durch
Experimente zu überprüfen. Wenn man das Higgs-Teilchen findet
(das rechne ich jetzt nicht unter „neu“ ein) dann zeigt das
zumindest, dass die Theorien des Standard-Modelles relativ gut
sind und wir bis zu einem gewissen Grad schon sehr viel
verstehen.

das Higgs ist noch nicht nachgewiesen. Sollte tatsächlich nichts auftauchen, was die elektroschwache Symmetriebrechung erklärt (also ein irgendwie geartetes Higgs – es muss ja nicht fundamental sein), dann bedeutet das eher, dass wir garnichts verstanden haben.

Selbst wenn man also nichts oder nichts bahnbrechendes „Neues“
findet, kann uns das LHC zumindest sagen, wie gut unsere
bisherigen Theorien und damit unser Verständnis vom Aufbau der
Materie bis hin zur Entwicklung des Kosmos sind.

Von theoretischer Seite aus kann das Standardmodell nicht das letzte Wort sein – es handelt sich offensichtlich nur um eine effektive Theorie, bei der wir sehr viel noch nicht verstanden haben, warum es so ist, wie es ist. Nichts außer der Standardmodell-Vorhersage als Ergebnis ist daher eine recht unangenehme Vorstellung – man wüsste garnicht, wie man weitermachen soll und könnte wohl auch schlechter Geld für den nächsten Beschleuniger auftreiben.


PHvL

Damals hatten die Astronomen auch eine Vielzahl von Theorien
aber einen großen Mangel an Beweisen.

Das ist aber nichts neues und wird immer so sein. Gäbe es keinen Mangel an Beweisen dann gäbe es auch nicht eine Vielzahl von Theorien, da die Beweise dann alle Theorien bis auf eine widerlegt hätten.

Und erst Kepler hat Klarheit in das ganze gebracht.

Auch Keppler hat keine Klarheit gebracht. Die Merkur-Bahn lässt sich mit Kepplers Gleichungen nicht erklären.

Beim Ätherwind gab es auch
viele Theorien, aber erst Einstein brachte die wirkliche
Aufklärung.

Auch Einstein hat nur einen Teilaspekt gelöst. Seine Theorien sind nach wie vor klassische Theorien, die die Vorgänge auf kleinster Ebene nicht abbilden können.

Und ich habe den Eindruck (der nicht unbedingt
richtig sein muss), dass wir bei der Quantenphysik auf diesen
Kepler oder Einstein noch immer warten.

Man wartet immer auf ein Genie, dass uns den nächsten Schritt weiter bringt. Das ist doch nicht verwunderlich und schon gar nichts schlimmes. Würde man auf kein Genie mehr warten, dann würde das bedeuten dass wir ALLES verstanden haben und die Physik somit „fertig“ ist. Dies wird aber höchstwahrscheinlich nie eintreffen.

Ein Großteil der Experimente dreht sich ja auch darum, dass
man versucht, die bisher theoretischen Überlegungen durch
Experimente zu überprüfen. Wenn man das Higgs-Teilchen findet
(das rechne ich jetzt nicht unter „neu“ ein) dann zeigt das
zumindest, dass die Theorien des Standard-Modelles relativ gut
sind und wir bis zu einem gewissen Grad schon sehr viel
verstehen.

das Higgs ist noch nicht nachgewiesen.

Deshalb schrieb ich aber „das rechne ich jetzt nicht unter ‚neu‘ ein“. Das Higgs-Teilchen ist ja vorhergesagt und damit bekannt. Was fehlt ist der experimentelle Beweis, dass dies auch stimmt. Wenn man es findet, dann wird man sich zwar freuen, aber man ist nicht überrascht.

Sollte tatsächlich
nichts auftauchen, was die elektroschwache Symmetriebrechung
erklärt (also ein irgendwie geartetes Higgs – es muss ja
nicht fundamental sein), dann bedeutet das eher, dass wir
garnichts verstanden haben.

Richtig. Deshalb schrieb ich ja das man durch Finden bzw Nicht-Finden des Higgs erkennen kann, bis zu welchem Grad wir das ganze verstanden oder eben nicht verstanden haben. Es ist sozusagen ein Test für unser Verständnis von der Welt.

Von theoretischer Seite aus kann das Standardmodell nicht das
letzte Wort sein

Sicherlich. Das habe ich auch nirgends bestritten.

Ich wollte nur sagen, dass, wenn man nichts Neues - und unter neu verstehe ich hier Dinge, die noch nirgends vorhergesagt wurden und daher wirklich „neu“ sind - findet, dass dies nicht so schlimm ist, weil man vorrangig ja erstmal bestimmte bekannte Vorhersagen der Theorien überprüfen will.

Hallo.

Ich habe keine Ahnung, was du damit ausdrücken willst und
worauf du dich konkret beziehst.

Damals hatten die Astronomen auch eine Vielzahl von Theorien
aber einen großen Mangel an Beweisen.

Meine Frage zielte schon darauf ab, dass du die Quantenphysik – also eine physikalisch-mathematische Theorie – verglichen hast mit den Planetenbahnen – also experimentellen[1] Befunden. In dieser Form ergibt deine Aussage für mich garkeinen Sinn.

Beim Ätherwind gab es auch viele Theorien, aber erst Einstein
brachte die wirkliche Aufklärung.

Das Standardmodell ist das einzige Modell und anerkannt. Es ist, was die Erklärung experimenteller Befunde angeht weit besser als je erwartet.

Noch viel deutlicher ist die Quantenmechanik wohlverstanden und etabliert. Selbst in Fragen der Interpretation setzt sich langsam die Viele-Welten-Interpretation durch, so dass auch diese geklärt sind.

Und ich habe den Eindruck (der nicht unbedingt richtig sein
muss), dass wir bei der Quantenphysik auf diesen Kepler oder
Einstein noch immer warten.

…vielleicht im Bereich der großen Vereinheitlichung oder der Kombination mit der Gravitation – aber in der Quantenphysik an sich eher nicht. Und diese Bereiche sind ja bislang auch experimentell unzugänglich.

[1]Als Kosmologe verwende ich die Worte Experiment und Beobachtung synonym – wissend, das es qualitativ unterschiedliche Dinge sind.


PHvL

Hallo.

weil man vorrangig ja erstmal bestimmte bekannte Vorhersagen
der Theorien überprüfen will.

das war meines Erachtens bei LEP der Fall, welcher ja als Lepton-Maschine zu Präzisionstests besser geeignet ist.

Beim LHC ist der Focus eher darauf, etwas Neues zu finden (man spricht von einer „discovery machine“) – als Hadron-Maschine eignet er sich eben weniger dazu Phänomene präzise auszumessen. Man nimmt den „ganzen Dreck“ auf Grund der hadronischen Natur der Protonen doch eigentlich nur deshalb in Kauf, weil man mit den deutlich schwereren Protonen leichter in neue Energiebereiche vordringen kann.

Sicher will man auch bekannte Vorhersagen prüfen, aber das ist nicht vorrangig das Ziel. Für die Präzisionsmessungen danach hätte man dann wieder gerne eine saubere Lepton-Maschine: den „International Linear Collider“ (ILC).


PHvL