Hallo,
http://www.lugbz.org/documents/smart-questions_de.html
Manche Menschen denken so - und wenn Du Dich an diesen sehr
hohen Ansprüchen misst, wirst Du merken, was passiert ist.
Ich finde es eher traurig, wenn das, was unter dem Link zu
lesen ist, als „sehr hoher Anspruch“ betrachtet werden muß.
Wenn man ein paar wenige Details der dortigen „Forderungen“
weglässt und sich die Grundaussage ansieht, halte ich das eher
für Selbstverständlichkeiten, die zudem überhaupt nichts
Internet-spezifisches sind.
(hier beginnt der OffTopic Teil
)
Wir sind im Brett „Internet allgemein“, so daß wir ganz und gar nicht offtopic sind, denke ich 
Ich habe beruflich ziemlich viel mit dem, was ich gerne den
Durchschnittsuser nenne zu tun.
Ich auch. Fast alle meiner Kunden sind genau solche Durchschnittsuser, und im Freundeskreis spiele ich auch oft genug „Hotline“.
Und inzwischen verstehe ich, wenn so jemand in einer
Notsituation nicht die Geduld und das Verständnis der
Situation aufbringt, sich mehr Mühe zu geben als „Hilfe!“ zu
rufen.
Hm, das fällt mir etwas schwer. Okay, wenn eine Freundin anruft und sagt „Hilfe, das Internet geht nicht!“, dann hab ich dafür auch Verständnis, allerdings kann diese mir am Telefon dann auch unmittelbar eine genauere Beschreibung geben. Außerdem erlebe ich solche Anrufe so gut wie nie.
Der Normalfall ist eher sowas wie „Du, mein Internetzugang geht nicht. Die Lampe „SYNC“ am DSL-Modem leuchtet grün, und den Computer von meinem Freund erreiche ich auch, aber Webseiten bauen sich nicht auf mit einer Fehlermeldung und eMails kann ich auch nicht abrufen. Du weisst ja, wir haben so einen Router.“
Das ist immer noch eine sehr unvollständige Fehlerbeschreibung, aber sie zeigt: Da hat jemand wenigstens schonmal nachgedacht, und im Rahmen seiner Möglichkeiten rumprobiert.
Die meisten dieser Menschen möchten überhaupt keinen Computer
haben.
Sie möchten die Kiste, von der in der Aldi-Werbung und bei der
Windows-Installation gesagt wurde, dass sie das Leben schöner
macht, weil man damit ins Internet kann, seine Digi-Fotos
verwalten und drucken, fernsehen und DVDs gucken.
Yep, haben sie auch. Um zudem mal wieder den beliebten Autovergleich heranzuziehen: Ich will auch kein Auto. Ich will eine Kiste, die mich möglichst schnell von A nach B bringt. Trotzdem hab ich mir vorher die Bedienungsanleitung durchgelesen, einen Führerschein gemacht, bezahle ADAC-Beiträge und weiß, wo Radkreuz, Abschleppseil und Grundwerkzeug liegen.
Das hat mit den Computern mit denen Du und ich und vermutlich
auch die Verfasser der smartQuestions zu tun haben nichts zu
tun - ausser, dass es verhängnisvollerweise prinzipiell die
gleichen sind 
Natürlich nicht. Allerdings haben der verlinkte Text und das Problem hier auch rein gar nichts mit Computern zu tun, sondern mit Menschen. Dazu unten mehr.
Niemand hat Bock auf conf-, ini- oder log-Dateien, auf die
Registry oder eine Kommandozeile. Muss er ja auch nicht, hat
er ja auch nie gewollt.
Erwartet auch niemand - ich übrigens auch nicht, und sowas hab ich auch nirgends geschrieben.
Aber ich glaube auch, dass wir „Wissenden“ uns alle Mühe geben
sollten, auch auf verschiedene Fragenniveaus einzugehen.
Wir waren (und sind auf anderen gebieten) ja auch unwissend
und ahnen gar nicht, welche Fehler wir da machen.
Die Probleme in Fällen wie diesem entstehen nicht aufgrund des fachlichen Niveaus der Frage.
Sie entstehen aufgrund des sozialen Niveaus des Fragestellers. Von mir aus kann eine Frage noch so „low level“ sein, und wenn sie nur lautet „Was ist ein Computer?“ - wenn, ja wenn dann z.B. so Sachen dazugehören wie „Ich hab schon im Lexikon nachgesehen, aber die Erklärung hab ich nicht verstanden.“
Es sind die einfachen Dinge, die ich (und andere) erwarten, daß sie der Fragesteller für sich klärt:
WAS will ich eigentlich wissen?
WAS kann ich selbst tun, um mir zu helfen (in angemessenem Rahmen)?
WAS kann ich an evtl. wichtigen Rahmeninformationen liefern?
WAS hab ich gemacht, bevor es zu meinem Problem kam?
Weißt Du, Du gehst ja auch nicht zu Karstadt und sprichst eine Verkäuferin an mit „Hallo, Hilfe, Hunger!“, sondern fragst entweder „Guten Tag, wo finde ich denn die Lebensmittelabteilung?“ oder wenn’s dringend ist „Guten Tag, wo ist denn hier das Bistro?“. Ebenso gehst Du nicht ohne Auto zu einer KFZ-Werkstatt und sagst „Hilfe, kaputt!“.
Ich wundere mich bloß stetig, daß solche im „real life“ von allen als selbstverständlich akzeptierten Dinge im Internet auf einmal „hoher Anspruch“ sind, denn es ist genau dasselbe. Aber nein, man kann ja einfach mal ne Pseudo-Frage hinrotzen, auf Nachfragen nicht antworten und das Ganze dann noch als „dringend“ klassifizieren. Sowas akzeptieren noch nicht einmal kommerzielle Hotlines. Warum sollte es dann also in einem kostenlosen Forum okay sein? Ich empfinde so etwas als grobe Unverschämtheit denen gegenüber, die Fragen beantworten. Viel mehr Unfreundlichkeit und vor allem Respektlosigkeit kann man eigentlich kaum noch in einen Beitrag (in Foren, im Usenet, auf Mailinglisten…) verpacken.
Natürlich gibt es bei all dem immer eine „Toleranzzone“, natürlich gibt es Situationen, in denen Fragesteller aus welchen Gründen auch immer ein bischen durch den Wind sind und n Haufen ihrer Vorleistung vergessen. An sich kein Problem. Für mich persönlich entscheide ich nach Bauchgefühl, ob so etwas wohl vorliegen mag oder ob es wirklich Gedankenlosigkeit ist; man kann das ja anhand des Verhaltens bei Nachfragen oder z.B. an begleitenden Sätzen wie „Das ist für mich ganz furchtbar wichtig, weil… und ich bin ganz wuschig, weil ich nciht weiß, was ich jetzt machen soll!“ erkennen.
Wer mich kennt und als „Supporter“ mal erlebt hat, der wird auch wissen, daß ich der geduldigste Mensch auffe Welt (na okay, fast
) sein kann - dafür erwarte ich nicht viel, nur, daß _wenn_ ich schon den Karren aus dem Dreck ziehe, es auch nach _meinen_ Spielregeln läuft. Ich stelle konkrete Fragen und erwarte konkrete Antworten, und wenn es nur ist „Was siehst Du jetzt gerade? Lies mir vor, was in welchem Fenster steht.“ - dann will ich nicht hören „Da ist so ein Fenster, keine Ahnung.“, sondern das, wonach ich gefragt habe.
Dieses Vorgehen hab ich in zig Stunden Support - sowohl an Kunden für entsprechendes Geld als auch privat für lau - erprobt, und es scheint mir das einzige, welches zeitnah zum Erfolg, nämlich der Lösung des Problems des Fragestellers, führen kann.
Du siehst, es hat noch nicht mal so arg viel mit eigenem Ego zu tun, oder mit Arroganz, die ja immer gerne unterstellt wird, sondern mit Zielorientiertheit.
Gruß,
Malte.