Hilfe auf dem Weg ins eigene Leben gesucht

Hallo,

ich suche Hilfe für eine Frau (50 Jahre) die nach der Trennung von ihrem Mann nach 30 Jahren Ehe und einer gleichzeitigen Krebserkrankung Unterstützung benötigt.
Sie ist sehr unselbständig und kennt das „Leben da draußen“ kaum. Sie hat keine Freunde und sucht verweifelt eine Wohnung in einer anderen Stadt.
Zudem ist sie sehr „eigen“, was die Kontaktaufnahme zu anderen Leuten erschwert.

Welche Organisation / Person / Therapeut kann sie an die Hand nehmen und ins eigene Leben einführen?
Wer ist dafür zuständig?
Ich suche einen Begriff, mit dem ich für die entsprechende Region googeln kann.

Gibt es sogar passende Wohnhäuser, die für sie (mit eigener Wohnung) geeignet wären? Nur so eine Idee, ich habe zwar noch nie davon gehört, was aber nicht heißt, dass es so etwas nicht gibt.

Gruß
Tato

Hallo zurück,

da hab ich mich ja fast erschrocken - vor 3 Monaten hätte diese Beschreibung exakt auf meine Mutter gepasst.

Wir haben 6 Monate gekämpft und gelitten, weil sie kaum in der Lage war, allein weiter zu leben, alles, aber wirklich alles negativ und als Katastrophe gesehen hat und sich pro Tag mindestens 2 Std. telefonisch „ausgeheult“ hat. Am Anfang hatte sie noch 3 Leute aus der näheren Verwandschaft, bei denen sie sich gemeldet hat. Später waren die anderen ALLE „doof“ und ich bin übrig geblieben.

Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten, meine eigene Beziehung hat gelitten, meinen Job konnte ich kaum noch machen.

Ich habe ihr dann zigmal sehr freundlich gesagt, daß es so nicht weiter geht und sie professionelle Hilfe braucht. Das hat nichts geholfen, da hab ich zur Bedingung für weiteren Kontakt gemacht, daß sie sich behandeln lässt. War sehr hart und böse - hat aber geholfen.

Ich habe im Netz dann nach Verhaltenstherapeuten in ihrer Nähe gesucht und auch gefunden. Es gibt auch Tagesklinken, die empfehlen sich in den ersten Wochen. Danach ist eine regelmäßige Behandlung duch einen Verhaltenstherapeuten notwendig. Ihr wird vor allem geholfen, mit der Situation UMZUGEHEN - das Verarbeiten, Ursachenforschung etc. kommt erst im zweiten Schritt. Zusätzlich hat meine Mutter Medikamente bekommen (Antidepressiva), welche sie inzwischen schon wieder absetzen konnte. Du musst ihr die Angst vor diesen Medikamenten nehmen, sie helfen wirklich über die erste Zeit. Und dann ist es wichtig, sehr konsequent zu bleiben und die eigenen Interessen zu verfolgen und sich selbst vor den Belastungen durch starkes „Jammern“ des anderen zu schützen. ich habe in der Zeit selbst Hilfe durch einen (anderen) Verhaltenstherapeuten gehabt, der mir geholfen hat, bei mir selbst bleiben zu können. Die Betroffenen (meine Mutter) fand das zuerst ganz schlimm und grausam - es ist aber der einzige Weg für beide. Inzwischen geht es ihr wieder sehr gut - sie hat neue Hobbys, Lust neue Leute kennenzulernen und ist mehr unterwegs als ich selbst.

einige Links, die weiter helfen könnten:

http://www.dgvt.de/

http://www.daevt.de/therapeuten.htm

http://www.psychiatrie.de/website/index.php?/f,11639…

http://www.kleinrensing-goedecke.de/pt.htm

Viel Erfolg und Geduld

Björn

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Hallo Tato,

Welche Organisation / Person / Therapeut kann sie an die Hand
nehmen und ins eigene Leben einführen?
Wer ist dafür zuständig?

Sie selbst! Wenn sie nicht will bzw. nicht aus dem Arsch kommt, wird ihr weder eine Organisation noch eine andere Person, noch ein Therapeut helfen können.

Wenn Du sie ans Händchen nehmen willst, dann such eine Selbsthilfegruppe - gibt es heutzutage für fast jede Erkrankung und/oder Lebenssituation - und begleite sie meinethalber das erste Mal (als moralische Unterstützung) zu einem Treffen. Den weiteren Weg muß sie allerdings weitgehend allein packen.

Grüße

Renee

Hallo Björn,

Danke für deine Antwort.
Deine Antwort hat mir wieder einmal vor Augen gehalten, dass ich sie zu keiner Therapie überreden kann. Wusste ich zwar schon, aber ich bin etwas durch den Wind…Was nützen meine Vorschläge und Angebote, wenn sie nichts annimmt?
Meine Güte, was habe ich schon für sie getan…
Jetzt bin ich zwar schlauer, aber kann ihr trotzdem nicht weiterhelfen.
Wahrscheinlich brauche ich bald eine Therapie, weil sie keine machen will.

Ideen? Wahrscheinlich nicht *auch schon depri werd*

Gruß
Tato

Hallo Tato,

ich kenne dein gefühl gut! Zu einer therapie wirst du sie dann niemals „überreden“ können. und selbst wird sie es nie schaffen, sich wieder in den griff zu bekommen. was tun? Wende „gewalt“ an, zwing sie! hört sich im ersten moment schlimm und böse an, aber was solls. mit kinden machen wir es auch so. wenn kinder nicht tun, was die eltern sagen, werden konsequenzen angedroht und im idealfall auch durchgezogen. so lernen kinder. erwachsene menschen in dieser situatiuon haben etwa das gleiche verständnis für notwendige/nicht notwendige dinge wie kinder.

also droh ihr doch konsequenzen an, wenn sie sich nicht binnen zwei wochen zu einer therapie anmeldet. und wenn es soweit ist, zieh die konsequenzen durch. ich habe 2 monate (!) wieder aufgelegt, sobald meine mutter am telefon war. sie hat mit selbstmord gedroht und was weiß ich noch alles. und irgendwann hat sie angerufen und gesagt „leg nicht auf - ich hab eine therapie angefangen“. wichtig ist nur, daß du die konsequenzen vorher klar ankündigst und benennst.

und dann - geh auch selbst zu einer therapie und lass dir helfen. was nützt es, wenn erst sie und dann du fix und fertig bist? du bist ja noch bei klaren gedanken - dir zu helfen dürfte sehr einfach sein. du musst nur lernen, dich von ihren sorgen und problemen (die ja nicht deine sind) abzugrenzen.

ich drück dir die daumen - sei hart zu ihr - und gerecht zu euch beiden. niemand hat das recht, jemand anderes dermassen runter zu ziehen.

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sorry, das sehe ich ganz anders. der beschriebene zustand ist nah an einer krankhaften depression - da kommt niemand alleine wieder raus. da kann nur - und ich meine wirklich nur - ein therapeut helfen. depression kann und muss behandelt werden. das lässt sich nicht mit gesundem verstand lösen. in solchen zuständen laufen bei den leuten filme ab, die wir uns nicht im entferntesten vorstellen können.

selbsthilfegruppen empfinde ich dabei sogar als kontra-produktiv. was soll es helfen, sich das geheule von anderen auch noch anzuhören? ohne professionelle anleitung, aus diesem teufelskreis der negativen gedanken wieder rauszukommen.

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mutig, mutig
Hallo Björn,

sorry, das sehe ich ganz anders. der beschriebene zustand ist
nah an einer krankhaften depression

Ich halte es für ausgesprochen gewagt anhand von 5-6 Sätzen und einem eigenen Erleben eine Diagnose zu stellen.

Sie mag richtig sein, es sind aber durchaus noch andere Ursachen denkbar. Deine Tiops, die Du Tato direkt gibst, finde ich dagegen gut.

Ciao maxet.

Hallo,

in unserer Region (Nürnberg) wären zwei Anlaufadressen gut:

  • für das Akute der „Ambulante Krisendienst“ und
  • für alle möglichen Fragen für Koordination, Unterbringung, Hilfestellung wie auch bei seelischen Krisen der „Sozialpsychiatrische Dienst“.

Beides, glaube ich, müsste es auch bundesweit geben. Der Soz.psych. Dienst läuft oft auch unter Caritas.

mipiace

Danke!

Als sie auf der Kur war, wurde sie psychologisch betreut. Danach nicht mehr. Sie war einmal bei einer Philosophin (mit irgendwelchen Zusatzausbildungen) aber das „brachte ihr nicht genug“ - wie auch, sie war einmal dort. Wenn sie wieder Bedarf hat, wollte sie dort hin gehen.

Das Problem ist, dass sie nicht mobil ist. Sie will eine Therapeutin vor Ort. Doch der Ort ist nicht sehr groß und umliegende Therapeuten haben eine lange Wartezeit. Eine hervorragendes Argument für sie.

Also sie kann und will nicht weit fahren (große Städte in 60-90km sind ihr deutlich zuweit) und sie will auf keinen Fall stationär aufgenommen werden (kann ich irgendwie verstehen).
Jetzt gilt es einen geeigneten Therapeuten zu finden (Verhaltenstherapie???), der in der Nähe wohnt oder sogar ins Haus kommt.
Wenn ich diesen gefunden habe, kann ich ihr das anbieten.

Sie wollte vielleicht eine Selbsthilfegruppe aufsuchen, wenn sie umgezogen ist - bis es soweit ist dauert es noch.
Zwar schaut sie jedes Wochenende in die Zeitung und sucht nach Wohnungen und sie ruft auch brav bei den Anzeigen aus dem Internet an (die ich ihr sage) aber es kommt nicht dabei heraus. Sie besichtigt sogar die Wohnungen, hat aber viel zu hohe Ansprüche an Größe, Preis, Ausstattung, Fliesenfarbe, Balkonlage, Lage und Etage…

Gruß
Tato

Hi,

Respekt, leider haben nicht viele Depressive so engagierte Verwandte wie dich. Bin beeindruckt - das meine ich Ernst.

Gruss Jan

PS: vergiss den andern Artikel von mir falls du denn per Mail bekommen hast, ich hab denn hier erst nachher gelesen.

Hi Jan,

PS: vergiss den andern Artikel von mir falls du denn per Mail
bekommen hast, ich hab denn hier erst nachher gelesen.

Meinst du mich? Ich habe bis jetzt nichts bekommen.

Gruß
Tato