Hilfe bei der Suche nach einer Perspektive

Hallo zusammen,

ich wende mich mit einer recht persönlichen Anfrage an euch und wäre für jede gedankliche Unterstützung von Experten und Menschen mit Erfahrung sehr dankbar !
Vor allem bin ich schon jedem Einzelnen dankbar, der sich die Mühe macht, alles durchzulesen.

Ich habe einen sehr guten Freund, dessen Lebensweg ich seit einigen Jahren bereits verfolge, er ist 50 Jahre alt und Familienvater. Vor zwei Jahren meldete die Firma, bei der er viele Jahre gearbeitet hatte Insolvenz an und er verlor seinen Arbeitsplatz. Seitdem geht es nicht mehr weiter und die Tatsache, dass er nicht aus eigener Kraft für seine Familie sorgen kann setzt ihm so sehr zu, dass er den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Ich bin der einzige Freund, mit dem er wirklich offen spricht, das erhöht natürlich für mich die innerliche Verantwortung ihm gegenüber. Ich möchte daher euch, die ihr mehr Wissen und/oder Erfahrung habt bitten, die nachfolgenden Perspektiven und Strategien kritisch zu durchleuchten.

Wir haben viele Stunden zusammen gesessen, um vielleicht das erste mal überhaupt herauszufinden, was er überhaupt möchte und wie es weiter gehen soll. Nach seiner langjährigen Tätigkeit war er zwei Jahre arbeitslos, hat sehr viele Bewerbungen geschrieben, landete aber nur bei Zeitarbeitsfirmen, die ihm innerhalb der Probezeit nach Abschluss laufender Arbeitseinsätze wieder kündigten, da sie keine weitere Arbeit anbieten konnten.

Folgende Ausgangssituation:

Arbeitsloser Familienvater, 50 Jahre, seit kurzer Zeit Empfänger von ALG 2
Ausbildung zum Elektroinstallateur musste er in seiner Jugendzeit kurz vor Abschluss abbrechen, daher ohne Ausbildung
Lange Jahre Beschäftigung bei einer Firma, die Elektronikgeräte reparierte
spricht mit Akzent fließend Deutsch, Schreiben fällt ihm jedoch schwer
Seine Ehefrau betreut das kleine Kind, arbeitet halbtags

Viele werden bei dieser Ausgangslage gerade in der heutigen Zeit die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, es ist klar, dass es nicht einfach ist, aus dieser Misere herauszukommen.

Wir haben sehr, sehr lange miteinander geredet und es ist offensichtlich geworden, dass es in der jetzigen Situation zwei Möglichkeiten gibt:

Entweder weiterhin auf einen Job hoffen, der genauso gut ist wie der alte (er war ohne Ausbildung als Facharbeiter angestellt und die Arbeit hat ihm großen Spaß gemacht), sich in der Zwischenzeit als Helfer ohne Ausbildung von Zeitarbeitsfirmen herumreichen zu lassen, in der restlichen Zeit Leistungen beziehen und hoffen, dass das Rentenalter möglichst bald kommt,

oder

tief Luft holen und noch mal so richtig ins kalte Wasser springen und etwas neues anfangen.

Mein Freund hat sich für letzteres entschieden, ohne Ausbildung und in seinem Alter kommt er sonst auf keinen grünen Zweig.

Die Frage ist, wie es jetzt weiter geht. In seinem Alter eine Ausbildung zu machen oder sich zu qualifizieren wird gerade mit Blick auf eine Förderung durch die Arbeitsagentur schwierig. Mein Freund ist jedoch ein Arbeitsloser, wie er im Bilderbuch steht :wink: er ist flexibel, fleißig, wissbegierig und sehr motiviert, sich auf etwas neues einzulassen.

Wir haben gemeinsam sehr gründlich eine Liste erarbeitet, in welchen Bereichen er gerne bis zu seiner Rente arbeiten würde.

Die konkreten Fragen sind nun:

In welchem von den genannten Bereichen gibt es die größte Chance, eine Arbeitsstelle zu finden, wo besteht eventuell sogar Personalknappheit ?

In welchem der genannten Bereiche ist es möglich, schnell und möglichst praxisbezogen einen Abschluss/eine Qualifikation zu erlangen, die es ihm ermöglichst, selbst in seinem Alter noch Fuß zu fassen ?

Manche Berufsfelder sind bis jetzt nur grob eingegrenzt, welche konkreten Berufe kennt ihr aus diesen Bereichen, in die er mit einem Mindestmass an Ausbildung reinkommen könnte ? Zu dieser Frage wird er einen Termin machen bei der Berufsberatung, diese haben ihn zwar schon mal abgewiesen und an seinen Arbeitsvermittler verwiesen, der konnte ihm jedoch zu diesen Fragen nichts sagen.

Wie wird nach eurer Erfahrung die Arbeitsagentur auf diese Vorgehensweise reagieren, wie könnte die Finanzierung einer solchen Ausbildung/Qualifikation erfolgen ? Wie stellt sich die Arbeitsagentur erfahrungsgemäß den weiteren Weg vor ?

Ich freue mich auch über alle weiteren Anregungen, Tipps, Gedanken.

Es ist eine verfahrene Situation, aber irgendeinen Weg gibt es immer, es kann nicht sein, dass mit 50 Jahren bereits der Zug abgefahren ist.

Folgende Tätigkeitsfelder/Berufe haben wir erarbeitet, für eine Beurteilung der Aussichten auf eine Ausbildung/Qualifikation und eine spätere Arbeitsstelle wäre ich sehr dankbar:

Elektronik/Elektrik (aus diesem Bereich kommt er, steht aber trotz Berufserfahrung ohne Abschluss als ungelernter Helfer da)
Alternative Energie (Solarenergie, Wasser-/Windkraft)
Gastronomie (Küche, Bar)
Einzelhandel (Verkäufer, alle Bereiche)
Industrielle Tätigkeit im weitesten Sinne (Herstellung, Reparatur)
Klima- und Kältetechnik
Fahrertätigkeit (kein Taxifahren)
Sicherheitstechnik (Alarmanlagen, Schlüsseldienst)
Altenpflege (sehr gewissenhaft durchdacht)
Krankenpflege
Behindertenbetreuung
Kinderbetreuung
Rettungsdienst, Krankentransport
Verarbeitung von Metall/Stein (z.B. Steinmetz)
Müll/Recycling
Touristik
Bestattungswesen

Vielen Dank für eure Gedanken und die damit
verbundene Unterstützung !!

thb

Auch hallo.

Nach seiner langjährigen
Tätigkeit war er zwei Jahre arbeitslos, hat sehr viele
Bewerbungen geschrieben, landete aber nur bei
Zeitarbeitsfirmen, die ihm innerhalb der Probezeit nach
Abschluss laufender Arbeitseinsätze wieder kündigten, da sie
keine weitere Arbeit anbieten konnten.

Hat er auch mal über Bewerbungen bei ausländischen Firmen nachgdacht ?
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/erfolggeld/ar…

Ausbildung zum Elektroinstallateur musste er in seiner
Jugendzeit kurz vor Abschluss abbrechen, daher ohne Ausbildung

Das könnte (brutal gesagt) das Problem sein…
Als E-Techniker sähe die Sache vielleicht anders aus (Bericht unter vdi-nachrichten.com)
Und via Internet hat er auch schon nach Stellen gesucht ? www.icjobs.de
Von den ordentlichen Bewerbungsunterlagen mal abgesehen ? www.bewerbungsbeispiele.com (allerdings ‚nur‘ 4 freie…)

HTH
mfg M.L.

Hallo M.L.,

du hast vollkommen Recht, der fehlende Abschluss ist das riesen Problem. Er hatte sich auf eine Vielzahl von Stellen beworben und auf seine Berufserfahrung verwiesen, keine Chance.
Ist auch nachvollziehbar, wenn selbst ausgebildete jüngere Leute Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden.

Als er seinen damaligen Job angefangen hatte war das alles noch nicht so zugespitzt, da hat er ohne Abschluss eine Chance bekommen.

Ins Ausland zu gehen ist auf jeden Fall ein Thema, aber die letzte Lösung, da Frau und Kind zunächst hier bleiben müssten.

Grüsse,
thb