Hallo zusammen!
Ich gehe mal davon aus, dass ich nicht in der Minderzahl bin mit einem 15-, fast 16-jährigen Sohn, der sich unmöglich aufführt, aber meiner ist extrem: Er verweigert sich komplett. Vorgeschichte: Aufnahmeprüfung zum Gymnasium knapp verpasst (aufgrund einer Deutschnote), Besuch der Wirtschaftsschule ab 6. Klasse (nach Aufnahmeprüfung, ich bin in Bayern, hier werden Kinder ja besonders gründlich vorsortiert!). Anfangs lief es gut. Aber mein Sohn war nicht gewillt, was für die Schule zu tun, wir hätten uns den A… aufgerissen dafür, dass er die Schule schafft, es wäre ihm egal gewesen. Er ist dann nach der Hälfte des Realschuljahrs zurück in die 7. Klasse der Hauptschule, ist dann sitzen geblieben, hat das Jahr wiederholt und hat die Schule jetzt nach der „ewigen“ 7. Klasse verlassen - im Herbst muss er einmal i.d.Woche in die „Jungarbeiterklasse“. Ich habe ihn vorhin zum x-ten Male gefragt, wie er sich denn seine Zukunft vorstellt - er meinte sinngemäß, er wolle nicht arbeiten, sondern lieber sterben. Hatte ihm einen Zeitungsartikel gezeigt, nachdem in einer hiesigen Einrichtung Schüler den Hauptschulabschluss oder sogar den Quali nachmachen können, 80 Prozent schaffen es (wahrscheinlich hatten sie einfach den Willen dazu!) - Ich habe noch einen Sohn von 23 Jahren, der ist ganz anders!
Mein „Kleiner“ kommt immer später nach Hause, habe ihm vorhin gesagt, dass ich um Mitternacht die Tür abschließen werde und es dann sein Problem ist, wo er bleibt, er soll spätestens bis dann nach Hause kommen, so gehts nicht, sagte ich ihm. Außerdem hat er so oft die Schule geschwänzt, dass er gerichtlich 80 Stunden aufgebrummt bekommen hat - habe gesagt, ich komme dafür nicht auf. Wenn er das nicht macht, wird er für ca. eine Woche eingesperrt. Jeden Morgen bin ich um 7 Uhr aufgestanden und habe mich bemüht, ihn pünklich aus der Wohnung zu schieben - zeitweise haben wir ihn auch mit dem Auto an der Schule abgeladen. Hätte Lust, denen zu sagen, dass sie ihn lieber ein paar Wochen behalten sollen, eine Woche reißt er doch so ab. Gewalttätig ist er nicht, betrunken kommt er nicht nach Hause, auch hat er in der Schule nicht gestört, er war einfach absolut desinteressiert. Was kann ich noch tun? Kann man überhaupt noch etwas tun, wenn er nichts tun will? So kann es doch nicht weitergehen!
Wir waren schon beim Jugendamt, bei der Familienberatung mit ihm - er macht dort den Mund nicht auf. Bin mit meinem Latein am Ende!
Sorry, es ist lang geworden, aber ich hoffe, Ihr lest es trotzdem, und Danke für Eure Antworten!
Hallo Susanne,
Deine Verzweiflung kann ich ganz gut verstehen, hatte vor ca. 8 Jahren auch so einen netten Nachwuchs zu Hause (aber in weiblicher Form). Zu machen war da nicht viel. Ich war beim schulpsychologischen Dienst, hab versucht mit Lehrern zu sprechen etc. alles ohne Erfolg. Mal ganz abgesehen von den vielen Gespräch mit dem „Kinde“.
Acuh beim Jugendamt war ich, mit der Hoffnung, dort Hilfe zu bekommen. Dort bekam ich die Auskunft: ‚Wir sind für Jugendliche mit Problemen mit ihren Eltern da, nicht umgekehrt, schicken Sie ihre Tochter her…‘
Da war ich auch ziemlich verzweifelt.
Nun die gute Nachricht: bei meinem Nachwuchs hat sich das irgendwann, ich glaube wirklich ernsthaft, dann mit ca. 19 hat sich das in kleinen SChritten verändert. Sie ist von zu Hause ausgezogen, hat eine Ausbildung angefangen und ‚plötzlich ging es‘ - was nicht bedeutet, die Sorgen waren vorbei. Keineswegs. Sie hatte ebenso plötzlich vorsichtig ausgedrückt ziemlich komische Freunde und es passierten eigenartige Dinge… (Details möchte ich jetzt hier nicht so erzählen - es war auf jeden Fall auch zwischen 19 und 21 nicht wenig aufregend mit ihr). Evtl. hat sie begünstigend dann mit 21 noch den „richtigen“ Freund dazu bekommen.
Heute ist sie selber Mutter, hat ihre Ausbildung nach drei Jahren planmäßig abgeschlossen und könnte sich für ihre Faulheit, Unwilligkeit und Null-Bock-Haltung von früher in den Hintern beißen… tja!
Auch wenn die Jahre, die sie allein wohnte, ich also keine Kontrolle mehr über sie hatte, sehr anstrengend für mich waren (nicht wirklich eine Erleichterung im Vergleich zu der täglichen Auseinandersetzung vorher) teilweise ganz übel für mich waren (ich bin manchmal schier innerlich Amok gelaufen, wenn ich sie nicht erreichen konnte, habe mich dann immer gefragt, ob sie überhaupt noch ihre Ausbildung macht etc.), es war u.U. der richtige Weg: sie loszulassen, SIE Verantwortung für ihr Leben übernehmen zu lassen.
Nun ist dein Sohn ja erst knapp 16. Was ich damit nur sagen will, du wirst mit all deiner Aktion nicht viel erreichen, befürchte ich mal (war bei mir und meinen Eltern allerdings ganz genauso!). Du kannst ihn nicht ändern…
Vermutlich ist es doch ein bisschen zu viel, was Muttern sich manchmal kümmert. Versteh mich nicht falsch, ich will dir keineswegs sagen, dass du ihn vor die Tür setzen sollst. Aber vielleicht wäre es für ihn mal ganz brauchbar, wenn er merken würde, DU tust nix mehr für ihn. Wenn ER nicht weiß, was er will und sich nicht selbst bemüht, dann sollten ihm die Folgen von seinen Verhalten klar werden.
Ein wenig Halt hat es mir manchmal gegeben, wenn ich mit Eltern von FReunden sprechen konnte und von denen z.B. durchaus auch sehr positive Dinge über mein Kind gehört habe. Das verändert dann einfach das Bild in dir ein wenig. Ist dann nicht mehr ganz so negativ.
Ich wünsch dir viel Kraft und Durchhaltevermögen!
LG
Demenzia
Hallo!
Es gibt günstige OneWayTickets nach Amerika…
Das ist jetzt kein Scherz. Vielleicht kannst Du ihn für einen längeren Auslandsaufenthalt begeistern. (Schüleraustausch etc…).
Eencockniedo
Hallo Susanne,
einen Rat mit Erfahrung kann ich Dir leider nicht geben, aber ich hatte damals auch so eine Zeit zwischen 15 und 17, da habe ich einfach nicht das getan, was meine Eltern wollten, egal, was sie wollten. Man wusste ja alles besser! Man wollte seine eigenen Erfahrungen machen und Schule wurde nach den Jahren auch nicht interessanter, also hab ich teilweise so richtig schlechte Zeugnisse nach Hause gebracht, weil ich mich damals lieber rumgetrieben habe und mich durch die Schule nur irgendwie „durchmogeln“ wollte.
Als ich dann meinen Realschulabschluß hatte (ich wusste damals noch nicht, dass man die Schule auch früher verlassen kann usw., von solchen Abenteuern hatte ich keine Ahnung), dann war ich froh, die Schule hinter mir lassen zu können und hing erst mal rum. Dann hatte ich auch noch falsche Freunde und insbesondere einen falschen Freund, gegen den meine Eltern mit allen ihnen zur Macht stehenden Mittel rebellierten, mit Anwalt etc., aber ich war überzeugt, dass ich durchblicke und auf dem richtigen Weg bin. Absolut resistent gegen gut gemeinte Ratschläge.
Ab 19 dann wusste ich, dass das alles falsch war, mir wurde bewusst, was meine Eltern mit mir durchgemacht haben und wie anstrengend und sorgenvoll das für sie gewesen sein muß, und ich bereue mein Verhalten von damals auch. Nun muß ich mein Abitur halt am Abendgymnasium nachholen - hätte ich es früher schon gemacht, wär es sicherlich etwas besser gewesen, aber hinterher merkt man es halt erst. Die Eltern sagen es einem ja, aber man will es ja nicht wahr haben.
Ich denke also, man kann wirklich nicht viel machen, wenn es nichts hilft, an den Verstand des Jugendlichen zu appellieren. Vielleicht ist ihm im Inneren auch klar, dass er Fehler macht, aber es ist ja undenkbar, dass er das zugibt.
Wenn er nicht völlig auf die schiefe Bahn gerät, müsste es mit zunehmender Reife auch wieder in die richtige Richtung gehen. Er muß halt auch Erfahrungen machen, und er möchte das ja auch so - ich denke, irgendwie mag es auch naturgewollt sein, dass derartige Reibungen entstehen, weil sich das Kind ja von den Eltern „abnabeln“ muß.
LG und alles Gute,
Schnägge
Hallo Susanne,
auch ich kann den anderen nur zustimmen. Fast gleiche Erfahrungen, ebenfalls mit einem Sohn. Und plötzlich mit 21, wurde er verantwortungsbewußt, hat sich um eine Ausbildung bemüht. War bei allen in der Firma wegen seines Einsatzes etc. total beliebt. Wurde übernommen, etc. Heute will er von „den alten Geschichten“ nichts mehr hören - sie sind ihm peinlich.
Was Dir zu tun bleibt sind starke Nerven und absolute Konsequenz (siehe meine Vorrednerin) und viel viel Kraft an den Tag legen. Alles andere wird nichts bringen.
Ich weiß, das ist furchtbar schwer und macht einen total fertig. Ich wünsch’ Dir die Kraft durchzuhalten und viel Langmut!
Viele liebe Grüße
Maria