Hallo Barbarella,
ist doch kein Grund zur Panik, und auf gutes Essen muss man deshalb schon gar nicht verzichten. Im Freundes-, Bekannten- und Verwandtschaftskreis treibt sich eine Menge Diabetiker rum, die ihr Leben in vollen Zügen genießen und sich von dieser Krankheit nicht mehr als nötig beeindrucken lassen. Ein Nachbarsjunge hat sogar beim LBA eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für seine implantierte Insulinpumpe durchbekommen und springt mit dem Ding mit dem Fallschirm vollkommen ohne Probleme.
Wichtig ist ein guter Arzt mit einem vernünftigen Konzept und vielleicht ein paar gut eingestellte Leute im Freundeskreis, die einem in der ersten Zeit die wichtigsten Tipps geben.
Erster und entscheidender Hinweis ist immer der Blick auf die Tatsache, dass es sich bei der Krankheit um eine Regulierung eines Ungleichgewichts handelt. Das Ungleichgewicht besteht zwischen Zucker auf der einen Seite und Insulin auf der anderen Seite. An beiden Schrauben kann man drehen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, und das Niveau auf dem es zum Gleichstand kommt ist relativ egal.
Am besten sind die Leute dran, die eine intensivierte Insulinbehandlung mit Spritze/Pumpe und Messgerät machen. Da wird vor jeder Mahzeit der aktuelle Blutzuckerwert gemessen (mit modernen Geräten schnell, sauber und exakt in wenigen Sekunden) und dann mit Prognose der erwarteten Kohenhydrate der nächsten Mahlzeit passend gespritzt. Mengenangaben aller anzusetzenden Lebensmittel sind dann weniger eine fixe Vorgabe (Du darfst nur 120g xy essen) sondern mehr eine Kalkulationshilfe (wenn Du 120g xy essen willst, musst Du n-Einheiten Insulin spritzen). Und damit ist auch das Bier zum Essen dann kein Problem. Mit den modernen vollautomatischen Spritzensystemen im Füllerformat geht die ganze Prozedur übrigens auch in Sekunden ziemlich schmerzfrei und sauber über die Bühne. Einige Freunde erledigen das sogar ganz nebenbei am Tisch durch das T-Shirt hindurch (wohl eher nicht empfehlenswert, aber man kann das Shirt ja auch ein paar Zentimeter aus der Hose ziehen oder kurz den Tisch verlassen). Eine Freundin meiner Schwester lebt so mit vollkommen astreinen Zuckerwerten seit Jahren, obwohl sie sich fast ausschließlcih von Süßigkeiten und Cola, etc. ernährt (und auch so aussieht, was natürlich aus anderen Gründen keineswegs gesund ist)
Zum Thema Kochen muss man einfach nur ein bißchen Gespür entwickeln, wo man problemlos Kohlenhydrate einsparen kann, wenn man dies will, wobei insbesondere bei Behandlung mit Humaninsulin (Stoffgleichheit) nun nichts gegen die Dosis spricht, die bei allen anderen am Tisch vom eigenen Körper produziert wird). Also Süßstoffe statt Zucker bzw. Zucker einfach reduzieren (geht beim Backen nicht so einfach), keine Soßenbinder und keine reine Stärke unnötigerweise einsetzen. Und auch bei der Torte immer einen Blick auf die BE-Tabelle werfen. Dann kann man mit kleiner Mathematik gut abschätzen und ausrechnen, was ein Stück mitbringen wird.
Und nicht ins Boxhorn jagen lassen mit dem ganzen Blödsinn der zu diesem Thema immer gerne verzapft wird. Vieles davon ist älter als meine Oma und reine Fabel, und hält keinerlei wissenschaftlicher Bewertung stand. Also in meinem Umfeld ist noch keiner von Kartoffeln auf Topinambur umgestiegen, und sie leben alle noch z.T. mit zig Jahren Diabetes.
Gruß vom Wiz
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