Hilfe, ich habe Diabetes

Hallo,

habe immer eifrig hier mitgekocht und nun die niederschmetternde Diagnose: Diabetes, Typ II. Jetzt muß ich meine Ernährung umstellen (keine süßigkeiten mehr *heul*)
Weiß jemand ein paar wirklich tolle (und möglichst einfache) Rezepte, die mich aufmuntern???

Danke, Barbarella

Hallo Barbarella,

zu erst einmal mein heftiges Mitleid.

Die praktische Koch-seite: es sind weniger die Rezepte, sondern die Zutaten und da leider nicht nur und ausschließlich Zucker. Diabetiker müssen alles reduzieren, das Kohlehydrate enthält. Beziehungsweise auf die hochwertige Variante umsteigen. Also: Vollkorn- statt Toastbrot, Topinambur statt Kartoffeln, Rüben, Bohnen (außer grüne) und nicht zu vergessen Alkohol mit Vorsicht.
Gänzlich meiden mußt Du das aber auch nicht. Es kommt dabei auf die Menge an.

Bitte löchere Deinen Arzt mit Fragen. Er kann Dir genau sagen, wieviel Du wovon pro Mahlzeit zu Dir nehmen darfst. Noch ein Tip: alle Krankenkassen machen Ernährungsberatung inklusive Kochkurse speziell für die verschiedenen Diätprobleme.

Du darfst uneingeschränkt: Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch, Gewürze, Fette und Öle, Blattsalate, Kräuter.

Vorsicht vor Diabetikerprodukten und Zuckeraustauschstoffen. Nicht alle sind empfehlenswert, nicht alle Zuckeraustauschstoffe für Diabetiker geeignet, einige als Allergieauslöser/krebserregend verdächtig.

Diabetiker-Kochbücher gibt es wie Sand am Meer, deshalb empfehle ich hier keines. Ansonsten wie immer Google:
Diabetes Rezepte gibt Tausende von Suchergebnissen.

viel Spaß beim Suchen und Kopf hoch! meine Oma wurde mit Diabetes 90 und sie hat sich nicht an ihre Diätpläne gehalten.
Totzdem nicht zur Nachahmung empfohlen.

Angelika

Hallo Barbarella,

ist doch kein Grund zur Panik, und auf gutes Essen muss man deshalb schon gar nicht verzichten. Im Freundes-, Bekannten- und Verwandtschaftskreis treibt sich eine Menge Diabetiker rum, die ihr Leben in vollen Zügen genießen und sich von dieser Krankheit nicht mehr als nötig beeindrucken lassen. Ein Nachbarsjunge hat sogar beim LBA eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für seine implantierte Insulinpumpe durchbekommen und springt mit dem Ding mit dem Fallschirm vollkommen ohne Probleme.

Wichtig ist ein guter Arzt mit einem vernünftigen Konzept und vielleicht ein paar gut eingestellte Leute im Freundeskreis, die einem in der ersten Zeit die wichtigsten Tipps geben.

Erster und entscheidender Hinweis ist immer der Blick auf die Tatsache, dass es sich bei der Krankheit um eine Regulierung eines Ungleichgewichts handelt. Das Ungleichgewicht besteht zwischen Zucker auf der einen Seite und Insulin auf der anderen Seite. An beiden Schrauben kann man drehen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, und das Niveau auf dem es zum Gleichstand kommt ist relativ egal.

Am besten sind die Leute dran, die eine intensivierte Insulinbehandlung mit Spritze/Pumpe und Messgerät machen. Da wird vor jeder Mahzeit der aktuelle Blutzuckerwert gemessen (mit modernen Geräten schnell, sauber und exakt in wenigen Sekunden) und dann mit Prognose der erwarteten Kohenhydrate der nächsten Mahlzeit passend gespritzt. Mengenangaben aller anzusetzenden Lebensmittel sind dann weniger eine fixe Vorgabe (Du darfst nur 120g xy essen) sondern mehr eine Kalkulationshilfe (wenn Du 120g xy essen willst, musst Du n-Einheiten Insulin spritzen). Und damit ist auch das Bier zum Essen dann kein Problem. Mit den modernen vollautomatischen Spritzensystemen im Füllerformat geht die ganze Prozedur übrigens auch in Sekunden ziemlich schmerzfrei und sauber über die Bühne. Einige Freunde erledigen das sogar ganz nebenbei am Tisch durch das T-Shirt hindurch (wohl eher nicht empfehlenswert, aber man kann das Shirt ja auch ein paar Zentimeter aus der Hose ziehen oder kurz den Tisch verlassen). Eine Freundin meiner Schwester lebt so mit vollkommen astreinen Zuckerwerten seit Jahren, obwohl sie sich fast ausschließlcih von Süßigkeiten und Cola, etc. ernährt (und auch so aussieht, was natürlich aus anderen Gründen keineswegs gesund ist)

Zum Thema Kochen muss man einfach nur ein bißchen Gespür entwickeln, wo man problemlos Kohlenhydrate einsparen kann, wenn man dies will, wobei insbesondere bei Behandlung mit Humaninsulin (Stoffgleichheit) nun nichts gegen die Dosis spricht, die bei allen anderen am Tisch vom eigenen Körper produziert wird). Also Süßstoffe statt Zucker bzw. Zucker einfach reduzieren (geht beim Backen nicht so einfach), keine Soßenbinder und keine reine Stärke unnötigerweise einsetzen. Und auch bei der Torte immer einen Blick auf die BE-Tabelle werfen. Dann kann man mit kleiner Mathematik gut abschätzen und ausrechnen, was ein Stück mitbringen wird.

Und nicht ins Boxhorn jagen lassen mit dem ganzen Blödsinn der zu diesem Thema immer gerne verzapft wird. Vieles davon ist älter als meine Oma und reine Fabel, und hält keinerlei wissenschaftlicher Bewertung stand. Also in meinem Umfeld ist noch keiner von Kartoffeln auf Topinambur umgestiegen, und sie leben alle noch z.T. mit zig Jahren Diabetes.

Gruß vom Wiz

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Hi,

keine Bange, Du mußt nicht auf alles verzichten! Wirst Du gut eingestellt? Nicht so pi mal Daumen! Bei Frankfurt gibt es eine Klinik, dort sollte man für eine Weile hin und da kriegt man auch geübt, im Restaurant Mahlzeiten einzuschätzen und dann entsprechend Blutzucker zu messen und Insulin mit Pumpe zu dosieren.

Eine Freundin hat wie Du mit Anfang 40 Diabetes und lebt seit der Einstellung recht gut damit. Sie ißt auch gegelentlich unregelmäßig (Abendtermine, Einladungen etc.). Sicher - Du wirst Dir angewöhnen müssen, aufs Essen zu achten und vielleicht manche Gewohnheit umzustellen - aber nicht zu verzichten!

Leider koche ich nur kalorienarm und nicht diabetes-gerecht, aber ich weiß, daß es auf Amazon Lektüre ohne Ende gibt - für Süßmäuler genauso wie für Herzhaft-Esser.

Liebe Grüße

Wendy

PS: Bedauer Dich nicht! Ich glaub, es gibt keinen Grund dazu! Heute gibt es soviele geeignete Produkte und Rezepte!

Hi nochmal:

Und hier gleich als Trost ein Süß-Kochbuch:

Stevia. Sündhaft süß und urgesund. Eine Alternative zu Zucker und Süßstoffen.
von Barbara Simonsohn

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3893853103/302…

Dann hier was leckeres:

http://ndr.de/tv/schaubude/rezept20020920_1.html

Und hier ein Kuchen:
http://www.computerkochen.de/mbkb/diabetik.htm#diabe…

Wendy

Hallo,

habe immer eifrig hier mitgekocht und nun die
niederschmetternde Diagnose: Diabetes, Typ II.

  • Diabetes Typ 2 ist den sogenannten Zivilisationskrankheiten zuzuordnen, also Krankheiten, die erst in der heutigen Zeit aufgrund der Lebensbedingungen entstehen konnten.

Zu dieser Gruppe gehören z. B. auch die Gicht oder Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystemes, wie z.B. die sogenannte „Gefäßverkalkung“ oder Minderleistung des Herzens.
Da hilft nur eines: entweder konsequente Ernährunsumstellung bzw. Diät oder dosierte regelmäßige Bewegung, gerne schlechthin als Sport bezeichnet. (Ich persönlich bevorzuge letzteres und esse was ich will, meine Frau ersteres.)

Ich habe mit diesen Fragen (Zivisationskrankheiten und Bewegung) zu tun und kann bei Bedarf gerne detaillierter Auskunft geben, obwohl dieses Thema nicht oder nur bedingt hier her gehört.
Vielleicht sollte der Zusammenhang zwischen Ernährung, Bewegung und Zivilisationskrankheiten aber auch mal hier abgehakt werden.

Jetzt muß ich

meine Ernährung umstellen (keine süßigkeiten mehr *heul*)
Weiß jemand ein paar wirklich tolle (und möglichst einfache)
Rezepte, die mich aufmuntern???

  • Ja weiss ich, wie gesagt in Form von Bewegung! Gerne auch als „Rezept“ mit Anleitung, das bei konsequenter Verwendung aller Zutaten und Beachtung der „Zubereitungsdauer“ garantiert schmeckt. Man muss nur bereit sein diese „Kost“ auch mal zu versuchen. Es ist dann durchaus möglich auch mal was Süßes zu essen, ohne gleich ein schlechtes Gewissen haben zu müssen oder auf Werte zu schielen.

Viel Mut!

5jundr

Danke für Euren Zuspruch!!
Barbarella