Kritische Anmerkung zu Behandlung und
zu
Na ja, die Chinesen selbst scheinen da wohl auch noch gewisse
Wissenslücken zu haben:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,82…
Moin,
so spektakulär die Fälle in Belgien oder bei der Balkan-Nephropatie seinerzeit waren, die lapidaren Schlussfolgerungen sind durchaus kritisch zu betrachten.
Aristolochiasäure (AS) ist als kanzerogen „eingestuft“ und bislang nur durch Tierversuche mit Überdosen bestätigt. Eine sichere Aussage hinsichtlich Kanzerogenität besteht bis heute nicht.
Balkan-Nephropatie: Zum Selbstnachlesen
http://de.wikipedia.org/wiki/Balkan-Nephropathie
Deutlicher Hinweis auf Nephropathie durch AS. Weniger dagegen der Fall in
Belgien: Die Hintergründe zu diesen Fällen in einer Schlankheitsklinik lassen Zweifel an einer richtigen Behandlung und Sorgfalt aufkommen. Behandelt wurden dort Patienten von zwei Ärzten, wobei bei 48% der PatientInnen des einen Arztes Nephropathie auftrat, beim anderen Arzt waren es 1% (von 1700 PatientInnen gesamt). Bei ca. 2000 weiteren Patienten in Frankreich, welche die gleichen Schlankheitspillen eingenommen hatten, kam es zu 2 Fällen mit Nephropathie (= 1 %0). Alle hatten die gleichen Schlankheitspillen eingenommen, die neben AS auch andere Zusätze (Appetitzügler) enthielten. Ein direkter Zusammenhang AS und Kanzerogenität liegt nahe, aber nicht mehr. Die unterschiedliche Häufigkeit von Erkrankungen je nach behandelnden Ärzten sowie Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten wurden seinerzeit nicht untersucht oder zumindest nicht veröffentlicht.
Ebenso wenig ist bekannt, welche Pflanzenarten den verwendeten Arzneien (Mu Tong * und Fangji) zugrunde gelegen haben. Vermutlich gab es seinerzeit eine fatale Verwechslung bei der Herstellung/Verwendung aus Rohpflanzen. Die beiden kritisierten Arzneien werden aus verschiedenen Pflanzen hergestellt, manche davon gehören der Gruppe der AS-haltigen an wie Aristolochia manshuriensis (==> Guan Mu Tong) oder Aristolochia fangchi (==> Guan Fangji). Diese Produkte dürfen in Deutschland wie alle anderen AS-haltigen Medikamente/Produkte bereits seit 1981 nicht mehr verwendet werden (Ausnahme hochverdünnte Verabreichung in der Homöopathie).
Aus Sicht der TCM: AS-haltige Pflanzen und Mittel wurden in der chin. Medizin seit jeher verwendet. Allerdings war man sich der Dosierungen und Risiken auch bewusst. Die schwächende Wirkung der Arzneien („kalt“) auf das Nieren-Yang ist seit Jahrhunderten bekannt. Die Tatsache, dass man Übergewicht (Milzschwäche im Sinne der TCM) trotz dieser Kenntnis mit Guan Mutong oder Guan Fangji behandelt hat, ist umstritten und wohl eher einer westlichen Schlankheitswahnphilosophie zu verdanken. Ernährungsumstellung stünde weiter vorne in einer Behandlungsstrategie nach TCM.
Wie bei nahezu jedem Kraut kann ein Inhaltsstoff heilsam oder toxisch wirken. Das haben schon Paracelsus und andere festgestellt. Daher wurde früher meist AS-freies Mu Tong verwendet, von welchem auch keine Berichte hinsichtlich Nierenerkrankungen bekannt sind. Guan Mu Tong ist erst seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts auf dem Markt, aus Kostengründen.
Franz
* Mu Tong auf Basis AS-freier Radix Clematidis Armandii (Chuan Mu Tong) ist beispielweise frei erhältlich