Hallo an alle Miteinander,
vorab zwei Sachen: Erstens muss ich gestehen, dass ich selbst nicht so recht weiß, ob das hier richtig aufgehoben ist und seriös behandelt wird (es ist mir ein todernstes Anliegen), zweitens entschuldige ich mich vorab für den Roman, der im Anschluss folgt (aber auch hier wieder die Entschuldigung: Es ist mir todernst damit).
Ich verzweifle. Ernsthaft, ich verzweifle. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, „feiere“ ich dieses Jahr, mit 25, mein 10-jähriges Jubiläum: Mit ca. 15 Jahren schlichen sich gesundheitliche Probleme ein, die bis heute anhielten und sich seither kontinuierlich verschlimmert haben.
Ich kann gar nicht betonen, wie erschöpft ich bin, mich selbst mit diesem Thema auseinanderzusetzen, da jeder, aber auch jeder Versuch in den letzten 10 Jahren, der Sache Herr zu werden, damit endete, dass irgendein Arzt mir sagte: „Ja, Sie haben etwas, ja, das ist in der Tat alles andere als normal für einen so jungen Menschen, aber nein, ich kann Ihnen nicht sagen, was das ist.“ Dass sich die Probleme inzwischen so sehr verschlimmert haben, dass ich mich schon mit suizidalen Gedanken erwischt habe, ist da nicht gerade förderlich.
Noch etwas: Wer jetzt meint, mir gehe es hier nur um Aufmerksamkeit („Oh ja natürlich, umbringen will er sich auch schon…!“), der höre bitte direkt auf zu lesen. Seit 10 Jahren geht es bergab, und seit 10 Jahren gibt es Leute (in erster Linie waren es damals Schulkameraden und Lehrer), die meinten, ich simuliere. Dazu sei gesagt, dass ich trotz allem generell gerne, soweit es geht, Sport treibe und auf viele einen (ersten) sportlichen Eindruck mache. Doch was nützt schon ein Eindruck, wenn man nach zehn Treppenstufen erstmal einen Platz zum Sitzen und 5 Minuten zum Verschnaufen braucht? Ich kann also nachvollziehen, dass man vielleicht nicht auf den ersten Blick vermutet, dass ich mit so etwas zu kämpfen habe, aber glaubt mir bitte, ich habe diese Beschwerden wirklich.
Zur Sache:
Ich kann dazu sagen (wie die Überschrift schon verheißt), dass ich nach all den Jahren der Arztodyssee nun zumindest wohl einen Anhaltspunkt habe, was mir fehlen bzw. was ich haben könnte: Borreliose. Entsprechendes ließ sich anhand von Blutwerten letztes Jahr nachweisen, obgleich direkt mit der Einschränkung, dass eine Erkrankung schon lange zurückliege. Falls Borreliose, dann eine chronische, hieß es.
Tut mir Leid, ich rede und rede und rede hier in einer Tour um den heißen Brei. Alles, was ich möchte, sind ein paar (bitte: ernstgemeinte) Meinungen zu meinem Fall, vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht, vielleicht ist jemand medizinisch versiert. Bitte, irgendetwas würde mir schon unendlich helfen.
Ich versuche mal, den Kern des Problems kurz zu fassen: Ich hatte als Kind, das jeden Tag im Wald und in hohen Gräsern gespielt hat, gerade im Sommer fast jeden Tag mindestens eine Zecke. Und nein, wir haben auch nicht jeden Tag immer nachgesehen, es ist also gut möglich, dass da durchaus auch mal ungebetene Gäste übersehen worden sein könnten.
Als Kind war ich schon sehr sportlich, fit und lebendig, bin stundenlang geschwommen (ich bin auf einer Nordseeinsel aufgewachsen), habe viel Fußball gespielt, das Übliche. Mit 12 bin ich mit meiner Mutter aufs Festland gezogen und plötzlich schlichen sich, seit ich wie gesagt ca. 15 bin, zunehmend gesundheitliche Probleme ein, deren Ursache mir mein Hausarzt nicht erklären konnte. Zu der ganzen Batterie an scheinbar unerklärlichen Problemen zählen in erster Linie:
akute Atemnot, generell Kurzatmigkeit und oft das Gefühl, durch einen Strohhalm zu atmen, vor allem unter (jeder Art) von Belastung;
nervliche Beschwerden bis hin zu Lähmungserscheinungen/starken Krämpfen (beim (!) Joggen schlafen meine Beine komplett ein, fast täglich schlafen Arme oder Beine auch im Ruhezustand ein, gelegentlich habe ich Krämpfe, die manchmal so stark sind, dass ich z.B. die zur Faust geballten Finger nicht mehr öffnen kann, Gefühl von Taubheit und Prickeln überall);
Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf;
Beeinträchtigungen der Wahrnehmung (Doppeltsehen, Erinnerungslücken, gestörtes Zeitempfinden);
emotionale Störungen (plötzliche und unerklärliche Aggressionen, extreme Stimmungsschwankungen, starke Depressionen);
starkes, oft völlig unerklärliches Schwitzen (ich besitze nur 2 Pullover, die ich nie trage, auch im Winter trage ich nur T-Shirts in der Hoffnung, nicht allzu schnell zu schwitzen);
Gelenkschmerzen (vor allem im Knie und in der Hüfte);
Muskel- oder sonstige unerklärliche Schmerzen (z.B. im Beckenbereich oder im Rücken);
Herzrasen und -schmerzen.
Meine Mutter und ich haben damals in meiner Schulzeit bis zum Abitur im dritten Stock gewohnt, und zu Beginn waren die Treppenstufen nie ein Problem. Irgendwann aber, so schätzungsweise eben mit 15, bekam ich zunehmend Atemprobleme beim Treppensteigen. Da begann das ganze Desaster. Über die folgenden Jahre wurden die Probleme immer schlimmer und ich fing an, potenziell „gefährlichen“ Situationen aus dem Weg zu gehen: Ich fuhr nicht mehr Fahrrad, ging nicht mehr laufen, stattdessen konzentrierte ich mich auf Kraftsport, da man da viele kleine kurze Verschnaufpausen machen kann. Zugegeben, ein Teufelskreis. Mit 18, kurz vor dem Abi, war es dann aber so schlimm, dass mein Vater (Physiotherapeut und Sportler) mich zum Sportarzt gefahren hat, wo ich nach 10 Kniebeugen einen so hohen Puls hatte und rot angelaufen bin, dass dieser die Hände überm Kopf zusammengeschlagen hat. Er hat mich daraufhin an einen Kardiologen und einen Lungenfacharzt verwiesen, beide haben aber lediglich festgestellt, dass sowohl Herz als auch Lunge einwandfrei funktionieren – ungeachtet der Tatsache, dass ich bei beiden Ärzten das Belastungs-EKG auf dem Fahrrad vorzeitig abbrechen musste, wegen Schwindel, Atemnot, Herzrasen etc.
Da niemand eine klare Antwort hatte, kam ich zu dem Schluss, dass es wohl doch nur ein Konditionsproblem sein müsse. Unter anderem deshalb entschied ich mich dazu, zur Bundeswehr zu gehen. Ich hatte die Hoffnung, dass ich vielleicht nur jemanden brauchte, der mir in den Hintern trat und mich an meine Grenzen trieb, dann käme die Ausdauer schon ganz schnell von allein. Ein böser Irrtum. Äußerlich zählte ich zu den Sportlichsten, leistungstechnisch war ich immer der Letzte. Nicht selten durften meine Kameraden meinetwegen eine Ehrenrunde extra mitlaufen. Es war wie in der Schule, nur noch schlimmer: Fast jeder hielt mich für einen Simulanten, nur dass dieses Mal auch andere darunter leiden mussten. Folglich meldete ich mich fast jeden Tag krank und machte mich auch beim Stabsarzt unbeliebt, ich wollte aber weder, dass andere unter meiner erbärmlichen Leistung zu leiden hatten, noch, dass sie mich noch mehr hassten. Die Probleme wurden auch hier, beim Bund, immer schlimmer und eines (glücklichen) Tages war besagter Kasernenarzt im Urlaub. Seine Stellvertreterin war zur Abwechslung mal eine sehr einfühlsame, nette Frau. Ich wollte eigentlich wie jedes Mal bloß meine üblichen Beschwerden runterrattern, um vom Sport und Ähnlichem freigestellt zu werden. Doch als diese Ärztin die Schilderung meiner Probleme hörte, wurde sie ganz komisch und fragte hinterher nur: „Hatten Sie schon einmal eine Zecke?“ Ich wusste nicht, was so eine blöde Frage sollte und meinte wahrheitsgemäß: „Klar, hunderte als Kind.“
Dann ging alles ganz schnell und schon am nächsten Tag saß ich im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz, wo ich – mit Verdacht auf Borreliose – auf verschiedene Weise getestet werden sollte. Ich kam in die Röhre, bekam elektrisch geladene Nadeln in die Waden gepiekst und eine Lumbalpunktion (da zapfen sie einem mit einer gigantisch langen Nadel etwas von der Flüssigkeit aus dem Rückenmark ab). Aufgrund meiner nervlichen Beschwerden (beim Laufen, Wandern etc. schliefen mir ständig die Beine ein und ich sah dauernd doppelt) lautete der Verdacht Neuroborreliose. Dieser ließ sich nicht bestätigen, mir wurde aber versichert, dass ich wohl einmal eine Form der Borreliose gehabt hätte. Ich bekam Antibiotika für 5 Tage verschrieben. Beim Bund habe ich dann aufgrund der mangelnden Klarheit bezüglich meiner Gesundheit die buchstäbliche Flinte ins Korn geschmissen. Danach habe ich lange, lange Zeit nichts mehr unternommen, bis ich letztes Jahr an einen neuen, jungen, enthusiastischen Hausarzt kam, der darauf brannte mir zu helfen. Nach einem EKG und Bluttest riet aber auch er mir davon ab, noch weiter nach organischen Ursachen zu suchen: Das Ganze sei einzig psychosomatisch bedingt. Auf eigene Faust habe ich dann in Hannover ein Borreliose-Zentrum aufgetrieben, wo ich mein Blut erneut habe testen lassen. Da hieß es, die Werte würden eindeutig eine vor langer Zeit überstandene Borreliose anzeigen, da sie aber abgeheilt sei, sei es nur schwer vorstellbar, dass sie mit meinen Beschwerden zusammenhänge.
Tja, und genau das ist der Stand der Dinge: Diese Diagnose ist nun ca. 1 Jahr her und seitdem ist es noch weiter bergab gegangen. Ich wohne im Erdgeschoss, bin inzwischen aber schon völlig fix und alle, wenn ich zum Wäschewaschen in den Keller und wieder in die Wohnung gehe (ca. 10 Stufen). Jetzt hat mich meine Freundin konfrontiert und darauf angesprochen, dass sie gemerkt habe, dass es in den letzten Wochen in ihren Augen noch einmal rapide schlimmer geworden sei. Daher ist das ganze Thema wieder sehr akut im Moment und ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich bereit bin für einen dritten und hoffentlich letzten Versuch in Eigenregie, Klarheit zu erlangen. Ich weiß, dass es gefährlich ist, sich selbst zu therapieren, gerade mit dem Internet. Aber immer, wenn ich im Netz irgendwelche Artikel oder Aufätze etwa zu dem Thema „Chronische Lyme-Borreliose“ finde, dann stimmen 9 von 10 geschilderten Symptomen exakt (!) mit dem überein, was ich vor Jahren einmal, bevor ich irgendetwas darüber gelesen hatte, selbst aufgeschrieben hatte, weil es mich damals so belastet hat. Das kann doch kein Zufall sein? Ehrlich, bei der Vorstellung, es könnte irgendeine Behandlung geben, die mich wieder joggen können lässt, möchte ich am liebsten weinen.
An dieser Stelle vielen Dank für jeden verständnisvollen Leser, der sich bis hierhin durch den ganzen Text gequält hat. Es tut mir Leid, kürzer kann ich mich nach 10 Jahren Ungewissheit einfach nicht fassen.
Gibt es jemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat? Kennt sich jemand mit dem Thema aus? Kann eine überstandene, alte Borreliose chronisch werden und meine beschriebenen Symptome auslösen, auch wenn der Befund für eine Neuroborreliose negativ ausgefallen ist?
Über Rückmeldungen jeder Art, Ratschläge und Hilfe würde ich mich riesig freuen.
Lieben Gruß, Daniel