Hilfe zu Diagnose

Hallo,

ich habe eine Bitte bzw. Frage.
Es geht um eine Person (weiblich) die ich kenne und um die ich mir grosse Sorgen mache, der ich einen konkreten Rat geben möchte bzw. die ich wenigstens verstehen will. Ich möchte allerdings nicht hier im WWW-Forum die ganze Geschichte runterrattern, vor allem aus Gründen der Anonymität (das ganze Brett wird ja unter anderem von Google gecrawled).

Ich kann nur meine kurze Vermutung als Laie angeben, es wird möglicherweise auf ein Borderline-Syndrom rauslaufen (die Beschreibung bei Wikipedia passt auf sehr viele Sachen, allerdings nicht auf alles).

Deswegen meine einfache Frage : Kennt sich jemand (wirklich) mit Borderline (bzw. verwandten Störungen aus), wäre bereit sich eine etwas längere E-Mail durchzulesen und mir zu bestätigen ob meine Laiendiagnose richtig ist oder nicht ?

Falls ja bitte eine E-Mail an mich. Danke.

Alex

keine Hilfe zu Diagnose
Hi Alex,

eine Hilfe zu einer „Diagnose“ wirst du hier leider nicht bekommen können (siehe Brettbeschreibung): Erstens kannst du selbst keine stellen (also ist „Hilfe“ dazu sinnlos) und zweitens kann selbst jemand, der mit den Phänomenen, die man heute unter dem Begriff „Boderline“ zusammenfaßt, gut vertraut ist, keine Ferndiagnose stellen. Abgesehen davon, daß das Diagnosestellen nur bestimmten Berufszweigen erlaubt ist.

Ich kann nur meine kurze Vermutung als Laie angeben, es wird
möglicherweise auf ein Borderline-Syndrom rauslaufen (die
Beschreibung bei Wikipedia passt auf sehr viele Sachen,
allerdings nicht auf alles).

Der Wikipedia-Artikel ist nicht schlecht gemacht. Die Frage ist, wozu er dir nützen kann. Selbst, wenn du viele Details wiedererkennen würdest (auf irgendeine Weise kriegt man fast jeden Menschen an irgendeiner Stelle der Diagnose-Manuale unter. Deshalb sollte man als Laie lieber die Finger davon lassen), wüßtest du immer noch nicht, wie ein Psychotherapeut mit einschlägigen Kenntnissen das Ganze beurteilen würde. Du hast wahrscheinlich an eine irgendwie ungewöhnlich komplizierte und undurchschaubare Verhaltensweise einer Frau vor dir und möchtest nun einen psychotherapeutischen Fachbegriff dafür finden? Warum? Was nützt dir das?

Außerdem - auch wenn man manchmal eine Persönlichkeit vom Borderline-Typ recht gut erkennen kann (was aber noch keine Diagnose ist!) - gibt es von den Phänomenen noch unterschiedliche Grade der Ausprägung. Menschen vom Borderline-Typ oder mit aktuellen, sitautionsabhänmgigen BL-ähnlichen Reaktionen findest du an jeder Straßenecke. Das heißt aber noch lange nicht, daß es sich um eine regelkrechte BL-Persönlichkeitsstörung handelt.

Das zu beurteilen wäre allein Sache eines kundigen Therapeuten, zu dem die Dame aus eigenem Interesse und eigenem Anlaß gehen würde (was Menschen mit wirklichen Persönlichkeitsstörungen selten genug tun, wenn ihre Konflikte mit der Unmgebung sie nicht dazu nötigen). Außerdem wäre es auch dann allein Sache dieser Frau.

…wäre bereit sich eine etwas längere E-Mail durchzulesen und mir zu bestätigen ob meine Laiendiagnose richtig ist oder nicht ?

Das ist nicht dein Ernst, oder? Du würdest tatsächlich eine derartig infame Indiskretion begehen und eine an dich gerichtete private Mail hinter ihrem Rücken an Fremde weitergeben, nur, um zu wissen, ob du ein aus dem Internet gefundenes Fremdwort dafür anwenden kannst?

Gruß

Metapher

Hallo, Alex,

für eine Diagnose ist eine gründliche medizinische und psychologische Untersuchung notwendig, die den persönlichen Kontakt zu der Person, um die es geht, einschließt. Das Lesen einer E-Mail reicht für eine Diagnosestellung bei Weitem nicht aus. So etwas kann nur Hinweise für oder (im Fall von wer-weiss-was-Anfragen meistens) gegen das Vorliegen einer psychischen Störungen jedweder Art geben.

Beste Grüße,

Oliver Walter


Dr. phil. Oliver Walter
Diplom-Psychologe, Kiel
http://www.verhaltenswissenschaft.de

eine Hilfe zu einer „Diagnose“ wirst du hier leider nicht
bekommen können (siehe Brettbeschreibung): Erstens kannst du
selbst keine stellen (also ist „Hilfe“ dazu sinnlos) und
zweitens kann selbst jemand, der mit den Phänomenen, die man
heute unter dem Begriff „Boderline“ zusammenfaßt, gut vertraut
ist, keine Ferndiagnose stellen. Abgesehen davon, daß das
Diagnosestellen nur bestimmten Berufszweigen erlaubt ist.

verstehe ich, darauf lief meine Anfrage eben auch hinaus. Jemanden zu finden aus diesem bestimmen Berufszweig.

Außerdem - auch wenn man manchmal eine Persönlichkeit vom
Borderline-Typ recht gut erkennen kann (was aber noch
keine Diagnose ist!) - gibt es von den Phänomenen noch
unterschiedliche Grade der Ausprägung. Menschen vom
Borderline-Typ oder mit aktuellen,
sitautionsabhänmgigen BL-ähnlichen Reaktionen findest du an
jeder Straßenecke. Das heißt aber noch lange nicht, daß es
sich um eine regelkrechte BL-Persönlichkeitsstörung handelt.

Ich war über vier Jahre mit der Frau zusammen und kenne sie sehr, sehr gut.(Das war auch die mit weitem Abstand längste Beziehung die sie je hatte). Es geht hier also nicht um jemanden den ich hin und wieder mal sehe oder seit ein paar Wochen kenne.
Was für mich frappierend ist : Die bei Wikipedia genannten Ursachen treffen komplett auf sie zu (Kindheit) und von den dort aufgeführten zehn Symptomen treffen acht zu, einige davon extrem, einer gar nicht und bei dem zehnten weiß ich mit Gewißheit das sie ihn sehr unterdrückt.
Dazu kommt das sie sich ihrer Symptome in guten Momenten sehr wohl bewußt war und wir öfter drüber gesprochen haben das sie sich einen Therapeuten suchen will. Nur wusste keiner von uns worum es eigentlich genau ging und an wen man sich genau wenden kann. Mit der Begründung „Ich bin irgendwie so aufbrausend“ wird man nicht so schnell einen Beratungstermin bekommen, denke ich.

Jetzt habe ich meine Vermutung, aber da unsere Beziehung vor vier Monaten sehr sehr häßlich in die Brüche ging und seitdem von ihrer Seite aus völlig verbrannte Erde hinterlassen wurde, konnte und wollte ich ihr nicht einfach so meine Vermutung reinwürgen.
Trotzdem empfinde ich ihr gegenüber noch genug Verantwortung um ihr das irgendwie mitteilen zu wollen.

Um es kurz zu machen, ich habe ihr gestern nach langem Grübeln eine Email geschrieben mit dem Link zu dem wikipedia artikel und meinem Angebot ihr zu helfen. Ich weiß nicht wie ob sie das überhaupt liest, ob sie drauf reagiert und wie lange das dauert.

Das zu beurteilen wäre allein Sache eines kundigen
Therapeuten, zu dem die Dame aus eigenem Interesse und eigenem
Anlaß gehen würde (was Menschen mit wirklichen
Persönlichkeitsstörungen selten genug tun, wenn ihre Konflikte
mit der Unmgebung sie nicht dazu nötigen). Außerdem wäre es
auch dann allein Sache dieser Frau.

Sehe ich leider nicht so, da unter anderem auch drei Kinder im Alter von 7-10 direkt und indirekt betroffen sind.

Das ist nicht dein Ernst, oder? Du würdest tatsächlich eine
derartig infame Indiskretion begehen und eine an dich
gerichtete private Mail hinter ihrem Rücken an Fremde
weitergeben, nur, um zu wissen, ob du ein aus dem Internet
gefundenes Fremdwort dafür anwenden kannst?

nein, das hast du falsch verstanden, es wäre eine email gewesen die ich geschrieben hätte, mit meinen Beobachtungen und Vermutungen.

Danke trotzdem.

für eine Diagnose ist eine gründliche medizinische und
psychologische Untersuchung notwendig, die den persönlichen
Kontakt zu der Person, um die es geht, einschließt. Das Lesen
einer E-Mail reicht für eine Diagnosestellung bei Weitem nicht
aus. So etwas kann nur Hinweise für oder (im Fall von
wer-weiss-was-Anfragen meistens) gegen das Vorliegen einer
psychischen Störungen jedweder Art geben.

Wie ich unten schon aufgeführt habe ging es mir nur darum einem Spezialisten kurz meine Beobachtungen darzulegen und mir einen Rat einzuholen ob die Möglichkeit zu einem BL überhaupt besteht.
Ich möchte der Person ungern mit solch einem sicherlich erstmal schwer verdaulichen Sache zu nahe treten wenn ich mir nicht sehr sicher bin das es wirklich so sein _könnte_.
Wenn es aber so sein _könnte_ musste ich es ihr sagen, egal was dabei oder danach passiert.

Noch ein Nachtrag :

Es geht mir nicht darum einen Menschen zu diffamieren oder ein besonders intelligent klingendes Schimpfwort zu lernen.
Sondern es geht darum einem Menschen zu helfen der mir zwar viel angetan hat, vor dem ich aber trotzdem große Achtung empfinde und dem ich jederzeit wieder (auch das habe ich schon mehrfach gemacht) meine Tür aufmachen würde wenn er mit einem Problem davor stehen würde.
Aus der Haltung heraus ist mein Posting zu verstehen.

Hallo,

Wenn es aber so sein _könnte_ musste ich es ihr sagen, egal
was dabei oder danach passiert.

hast du schon mal was von Verantwortlichkeit gehört???

Kopfschüttelnde Grüße

Bona

???

Entschuldige bitte, aber aus demselben Grund würde ich z.b. einen jemandem der mit Kopfhörern auf der Straße unterwegs ist, eine Straßenbahn nicht mitbekommt und Gefahr läuft überfahren zu werden zurückzerren, auch wenn dabei vielleicht seine Jacke kaputtgeht.

Oder was meinst du mit Verantwortlichkeit? Ich verstehs ehrlich grade nicht.

Ein allerletztes noch
sorry, bei mir dauert das oft länger.

Ich will auch kurz klarstellen das ich keineswegs auf der Wikipedia-Seite rumgesucht und mir zu den aufgeführten Symptomen irgendwelche Beispiele zusammengesucht habe um die dort angesprochene „Krankheit“ als erkannt anzusehen.

Es ist eher so das ich eben total baff war das die ganzen Probleme die sie und ich hatten und und teilweise auch getrennt angegangen sind mir dort auf einmal als Symptome *einer* Störung aufgezeigt werden.
Wir hatten Streit weil sie mit Tellern nach mir geworfen hat, wir haben uns wieder vertragen, eine Woche später hatten wir dann Streit weil sie nicht mit Geld umgehen konnte und ihr Konto eine Woche nach Beginn des Monats leer war, auch das haben wir geklärt usw.
Aber das diese und die anderen Sachen irgendwie zusammenhängen könnten ist mir nie in den Sinn gekommen, das dann aber alles so bei unter einer Überschrift bei Wikipedia zu lesen ist für mich eben der Augenöffner, noch dazu weil die dort am als am häufigsten genannte Ursache bei ihr einfach hundertprozent zutrifft.

Mehr sage ich jetzt nicht dazu, es ist mir schonmal eine große Hilfe gewesen von dir die Einschätzung zu bekommen das die Wikipedia Seite ernstzunehmend ist, das reicht mir im Endeffekt vollkommen.

Wer noch etwas konstruktives beizutragen hat, ich bin für alles offen.

Hallo, Alex,

ich kann verstehen, daß Dich die Sache mit Deiner Freundin belastet. Du findest ihr Verhalten auffällig und Du hast jetzt auf wikipedia etwas gelesen, daß für Dich so aussieht, als würde es sehr gut auf das Verhalten Deiner Freundin passen. Deshalb möchtest Du etwas tun, um ihr zu helfen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Stelle Dir vorher selbst die Frage: Könntest Du einen Leberschaden diagnostizieren, nachdem Du einen wikipedia-Artikel dazu gelesen hättest?

Bei psychischen Störungen ist es ähnlich: Ohne Untersuchung und nur aufgrund von Hörensagen kann noch nicht einmal ein Psychologe oder Arzt eine solche Störung diagnostizieren. Selbst mit Untersuchung ist es ziemlich schwierig, weil

a) verschiedene Störungen zu ähnlichen Symptomen führen können,
b) alle psychischen Symptome durch körperliche Krankheiten hervorgerufen werden können,
c) vieles in der Praxis oft nicht gut mit den idealisierten Beschreibungen in der Fachliteratur übereinstimmt. (Mit Fachliteratur meine ich aber gewiß nicht wikipedia.)

Deshalb ist es nicht möglich, was Du Dir vorstellst.

Es gibt aber eine Alternative dazu: Du könntest versuchen, Deine Freundin von einem, vielleicht gemeinsamen Termin bei einem Arzt oder Psychologen überzeugen. Psychiatrische Krankenhäuser haben oft Ambulanzen, zu denen man für ein Beratungsgespräch unverbindlich hingehen kann. Dort könnt ihr vor Ort mit jemanden über eure Schwierigkeiten sprechen. Ich bin sicher, daß sich in einem solchen Gespräch schon so manches klären wird. Du könntest Dir danach viel sicherer sein, als Du es Dir nach dem sein könntest, was Du von uns hier verlangst.

Denke darüber in Ruhe nach, wenn Du Deiner Freundin und Dir etwas Gutes tun möchtest.

Beste Grüße,

Oliver Walter

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Es gibt aber eine Alternative dazu: Du könntest versuchen,
Deine Freundin von einem, vielleicht gemeinsamen Termin bei
einem Arzt oder Psychologen überzeugen. Psychiatrische
Krankenhäuser haben oft Ambulanzen, zu denen man für ein
Beratungsgespräch unverbindlich hingehen kann. Dort könnt ihr
vor Ort mit jemanden über eure Schwierigkeiten sprechen. Ich
bin sicher, daß sich in einem solchen Gespräch schon so
manches klären wird. Du könntest Dir danach viel sicherer
sein, als Du es Dir nach dem sein könntest, was Du von uns
hier verlangst.

Das Fernziel oder der Grund für mein Posting hier ist auch mein Wunsch das sich meine Ex-Freundin zu einem Gespräch mit einem Therapeuten begibt, in die Hände eines Fachmanns, der das mit ihr bespricht und wirklich untersucht. Was da herauskommt oder unternommen wird ist im Moment zweitranging.

Das Wikipedia das in keinster Weise ersetzen kann ist mir klar, das keine Beratung über das WWW stattfinden kann und sollte ist mir auch völlig klar. Es ging mir eben wirklich nur darum meine Vermutung basierend auf meinen Beobachtungen jemandem nahezubringen von dem ich nichts mehr als eine „eher nicht“ oder „könnte sein“ Antwort erhalten wollte. Kein definitives „ja“ oder „nein“, keine Lösungsansätze oder dergleichen. Ich habe auch überhaupt nicht vor in irgendeiner Form als Therapeut zu agieren, weder kann noch will ich das.
Es ging hauptsächlich darum das mir jemand die Beschreibungen auf der Wikipedia Seite etwas genauer dechiffriert bzw. konkretisiert und mir ggf. sagt ob diese und jene Beobachtung von mir mit diesem und jenem Symptom übereinstimmen könnte oder eben nicht.

Bezogen auf deinen Leberschaden-Vergleich könnte ich jetzt etwas in der Art „Ich bin im Ausland im Urlaub, bin gestern die Treppe runtergefallen und heute tut mir immer noch der Rücken weh, soll ich den Urlaub abbrechen und zum Arzt fahren“ bringen, der Vergleich hinkt zwar extrem, ist aber zum einen eine legitime Frage auf die man auch nicht mehr als eine Antwort in der Art „naja, wenns morgen immer noch nicht besser ist solltest du das machen“ erwartet, macht aber ein ganz klein wenig Sinn wenn ich dazu sage das die Kontaktaufnahme von mir zu ihr im Moment extrem schwierig ist und ich ihr eben ungern etwas nahebringen will das sich dann relativ schnell als Humbug entpuppt.

(Sie hat mir extrem schnell mit extrem gezielten Verletzungen gezeigt das sie nichts mehr mit mir zu tun haben will, so das es mich auch Überwindung kostet mit ihr Kontakt aufzunehmen. Das passt nun gleich wieder herrlich in das Idealisierungs/Abwertungsschema, aber egal.
Abgesehen davon ist es eben wichtig und dringend für mich weil sie den Kontakt der Kinder untereinander rigoros und knallhart ablehnt, obwohl wir uns immer einig waren das sich die Kinder weiterhin sehen dürfen, auch wenn wir uns trennen, weil wir beide eigentlich aus Erfahrung wissen wie wichtig das ist, und diese früher getroffene Absprache auch einfach leugnet, was ich nicht nachvollziehen kann.)

Es ist einfach so das wir beide in unserer Beziehung sehr bewußt an uns gearbeitet haben und uns klar war war das wir jeweils Problematiken mit uns herumschleppen, während aber bei mir die Diagnose (mit therapeutischer Hilfe) relativ einfach war und ich mich sehr entwickelt habe, waren wir beide bei ihr eher ratlos und sind nicht weit gekommen (mit meinem neu angelesen Wissen vermutlich weil wir eben nicht das „ganze Bild“ gesehen haben bzw. bei den falschen Therapeuten waren (Paartherapie, und leider keine guten)). Dann sehe ich eben diese Beschreibung auf Wikipedia und auf einmal macht alles auf eine komische Art „Sinn“. Es ist für mich schwer dieses Wissen jetzt (so spät) zu bekommen, weil ich wie gesagt jetzt nicht oder nur schwer überhaupt an sie herankomme und deswegen wie gesagt soviel Gewißheit wie möglich haben wollte bevor ich das an sie herantrage.

Aber wie gesagt, der Stein ist sowieso ins Rollen gekommen und ich möchte euch trotz der Mißverständnisse erstmal für die Bereitschaft danken.

Alex

Hallo, Alex,

wie ich sehe, stimmen wir jetzt in vielen Punkten überein. Anscheinend war Dein erstes Posting etwas mißverständlich formuliert, weil Du dort gefragt hattest, ob Deine „Laiendiagnose richtig ist oder nicht“. In der Tat hinkt der Vergleich mit dem Urlaubsunfall, weil die Klagen in dieser Geschichte von dem Unfallopfer selbst ausgehen und nicht von einem Dritten und die Person keine Diagnose übers Internet möchte, sondern fragt, ob es sinnvoll wäre, zum Arzt zu gehen. In einem solchen Fall ist es trivial: „Ja, es wäre sinnvoll einen Arzt aufzusuchen“. Genau das habe ich Dir und Deiner Freundin vorgeschlagen, weil euer Verhalten (sich mit Tellern bewerfen) in der Tat auffällig ist. Für diese Empfehlung braucht es keine Diagnose und mit ihr ist nicht gesagt, daß einer von euch psychisch gestört ist.

Anscheinend handelt es sich bei eurer Krise um einen (Ex-)Partnerschaftskonflikt, in dem es auch um Kinder geht. In solchen Konflikten verhalten sich viele Menschen sehr emotional und auffällig anders als sonst - und zwar beide an einer (Ex-)Partnerschaft Beteiligten. Ich habe es schon hin und wieder erlebt, daß (Ex-)Partner voneinander denken und sagen, daß der jeweils andere deswegen psychisch gestört ist. So etwas ist sogar ziemlich häufig der Fall - man könnte bald sagen: „normal“. Wenn man als Psychologe deswegen gleich auf tatsächlich vorhandene psychische Störungen schließen würde, wäre es ein ziemlicher Fehlschluß.

Beste Grüße,

Oliver Walter

wie ich sehe, stimmen wir jetzt in vielen Punkten überein.
Anscheinend war Dein erstes Posting etwas mißverständlich
formuliert, weil Du dort gefragt hattest, ob Deine
„Laiendiagnose richtig ist oder nicht“.

das stimmt und tut mir leid, ich habe das sehr mißverständlich formuliert, allerdings eben auch getrieben von einer paranoia und dem vorsatz an so einem öffentlich ort nicht zu konkret zu werden. Habe das aber leider übertrieben.

Genau das habe ich Dir und Deiner
Freundin vorgeschlagen, weil euer Verhalten (sich mit Tellern
bewerfen) in der Tat auffällig ist. Für diese Empfehlung
braucht es keine Diagnose und mit ihr ist nicht gesagt, daß
einer von euch psychisch gestört ist.

Das ist richtig, wie ich schon angedeutet habe waren wir deswegen auch bei zwei Paartherapien, allerdings mit dem Ziel unsere Konfliktfähigkeit zu verbessen, und das hat (warum auch immer) nicht viel gebracht, leider.

Anscheinend handelt es sich bei eurer Krise um einen
(Ex-)Partnerschaftskonflikt, in dem es auch um Kinder geht. In
solchen Konflikten verhalten sich viele Menschen sehr
emotional und auffällig anders als sonst - und zwar beide an
einer (Ex-)Partnerschaft Beteiligten. Ich habe es schon hin
und wieder erlebt, daß (Ex-)Partner voneinander denken und
sagen, daß der jeweils andere deswegen psychisch gestört ist.
So etwas ist sogar ziemlich häufig der Fall - man könnte bald
sagen: „normal“. Wenn man als Psychologe deswegen gleich auf
tatsächlich vorhandene psychische Störungen schließen würde,
wäre es ein ziemlicher Fehlschluß.

Ich habe mich jetzt zusätzlich durchgerungen und mich einer gemeinsamen Bekannten anvertraut die ich sehr schätze (auch wenn ich nach der Trennung nichts mehr mit ihr zu tun habe, weil sie eben ihre Freundin ist), die Sozialpädagogik studiert hat und der ich genug Wissen und Einsicht zutraue um die richtigen Schlüsse zu ziehen (und die mir auch ein klares Stop-Signal geben würde), unter anderem weil sie meine Ex-Partnerin auch wesentlich länger kennt als ich.

Alex

Borderline?
Hi Looza,

ich habe deine Antworten jetzt alle gelesen. Ok, deine Vorsicht, nicht zuviel publik zu machen, hat einige Mißverständnisse verursacht, die jetzt behoben sind. Auch die Sache mit der Email ist verstanden.

Was für mich frappierend ist : Die bei Wikipedia genannten
Ursachen treffen komplett auf sie zu (Kindheit) und von den
dort aufgeführten zehn Symptomen treffen acht zu, einige davon
extrem, einer gar nicht und bei dem zehnten weiß ich mit
Gewißheit das sie ihn sehr unterdrückt.

Auch das sagt noch nichts. Jemand, der Persönlichkeitsstörungen nicht schon sonst gründlich kennt, wird bei den extrem abgespeckten und normierten Charakteristika der Manuale leicht in die Irre gehen.

Dazu kommt: Du willst ihr „helfen“ und hast zusätzlich wegen der Kinder (ich nehme an, es sind teils deine und teils ihre) ein Motiv, eine Beziehung irgendeiner Art machbar zu belassen. Fraglich ist aber, ob es eurer Kommunikation dienlich wäre, wenn du ihr soetwas sagen würdest wie: „ich habe berechtigten Verdacht, daß du Borderlinerin bist, ich empfehle dir daher, mal einen Therapeuten aufzusuchen“. Das geht sicherlich in einer von dir nicht gewünschten Richtung schief.

Mit der Begründung „Ich bin irgendwie so aufbrausend“ wird man nicht so schnell einen Beratungstermin bekommen, denke ich.

Ein Ersuchen um ein Vorgespräch bei einem Psychotherapeuten setzt bei der Anmeldung keine Begründung voraus und es ist in der Regel auch recht kurzfristig zu bekommen. Was sich dann daraus ergibt, ist eine andere Sache. Wesentlich ist nur, daß sie selbst von sich aus das Interesse daran haben mäßte.

…konnte und wollte ich ihr nicht einfach so meine Vermutung reinwürgen.

„Reinwürgen“ wäre auch nicht empfehlenswert, aber du meinst das sicher auch nicht so. Aber wenn du in der Wortwahl leicht danebengreifst, solltest du eh mit solchen Vermutungs"mitteilungen" vorsichtig sein. Und angenommen, sie wäre tatsächlich ein Borderline-Typus (was auch noch lange nicht BL-PSt bedeuten würde), dann könntest du mit einer solchen Verdachtsäußerung das Risiko eingehen, daß eure Kommunikation für alle Zeiten zerstört wird.

Trotzdem empfinde ich ihr gegenüber noch genug Verantwortung
um ihr das irgendwie mitteilen zu wollen.

Die Frage ist, was du ihr denn mitteilen willst. Wenn sie, wie du schreibst, selbst schon die Idee einer Therapie hat, dann ist es unnötig, sie wird schon wissen, wann es an der Zeit wäre. Und wenn nicht, dann laß doch bitte die Diagnoseversuche weg!

Borderline ist zudem ein Begriff, der ein ungeheuer komplexes und auch kompliziertes Erscheinungsbild zu umfassen versucht.

Es gab hier schon zahlreiche Threads über das Thema, unter anderem eine beeindruckende Selbstbeschreibung (wobei das Erscheinungsbild natürlich nicht immer so ausgeprägt ist!):
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und auch über daraus folgende Beziehungsprobleme:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und über die Frage der Einsicht in die Störung:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und vieles mehr.

Um es kurz zu machen, ich habe ihr gestern nach langem Grübeln
eine Email geschrieben mit dem Link zu dem wikipedia artikel
und meinem Angebot ihr zu helfen.

Ich weiß wirklich nicht, worin die Hilfe bestehen sollte.

Außerdem wäre es auch dann allein Sache dieser Frau.

Sehe ich leider nicht so, da unter anderem auch drei Kinder im
Alter von 7-10 direkt und indirekt betroffen sind.

Trotzdem. Für ein (möglicherweise) problematisches Verhalten einen diagnostischen Begriff zu finden, nützt da gar nichts. Schon gar nicht, weil viele mit solchen Begriffen leicht den Eindruck „Krankheit“ verbinden …

Gruß

Metapher

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