Borderline?
Hi Looza,
ich habe deine Antworten jetzt alle gelesen. Ok, deine Vorsicht, nicht zuviel publik zu machen, hat einige Mißverständnisse verursacht, die jetzt behoben sind. Auch die Sache mit der Email ist verstanden.
Was für mich frappierend ist : Die bei Wikipedia genannten
Ursachen treffen komplett auf sie zu (Kindheit) und von den
dort aufgeführten zehn Symptomen treffen acht zu, einige davon
extrem, einer gar nicht und bei dem zehnten weiß ich mit
Gewißheit das sie ihn sehr unterdrückt.
Auch das sagt noch nichts. Jemand, der Persönlichkeitsstörungen nicht schon sonst gründlich kennt, wird bei den extrem abgespeckten und normierten Charakteristika der Manuale leicht in die Irre gehen.
Dazu kommt: Du willst ihr „helfen“ und hast zusätzlich wegen der Kinder (ich nehme an, es sind teils deine und teils ihre) ein Motiv, eine Beziehung irgendeiner Art machbar zu belassen. Fraglich ist aber, ob es eurer Kommunikation dienlich wäre, wenn du ihr soetwas sagen würdest wie: „ich habe berechtigten Verdacht, daß du Borderlinerin bist, ich empfehle dir daher, mal einen Therapeuten aufzusuchen“. Das geht sicherlich in einer von dir nicht gewünschten Richtung schief.
Mit der Begründung „Ich bin irgendwie so aufbrausend“ wird man nicht so schnell einen Beratungstermin bekommen, denke ich.
Ein Ersuchen um ein Vorgespräch bei einem Psychotherapeuten setzt bei der Anmeldung keine Begründung voraus und es ist in der Regel auch recht kurzfristig zu bekommen. Was sich dann daraus ergibt, ist eine andere Sache. Wesentlich ist nur, daß sie selbst von sich aus das Interesse daran haben mäßte.
…konnte und wollte ich ihr nicht einfach so meine Vermutung reinwürgen.
„Reinwürgen“ wäre auch nicht empfehlenswert, aber du meinst das sicher auch nicht so. Aber wenn du in der Wortwahl leicht danebengreifst, solltest du eh mit solchen Vermutungs"mitteilungen" vorsichtig sein. Und angenommen, sie wäre tatsächlich ein Borderline-Typus (was auch noch lange nicht BL-PSt bedeuten würde), dann könntest du mit einer solchen Verdachtsäußerung das Risiko eingehen, daß eure Kommunikation für alle Zeiten zerstört wird.
Trotzdem empfinde ich ihr gegenüber noch genug Verantwortung
um ihr das irgendwie mitteilen zu wollen.
Die Frage ist, was du ihr denn mitteilen willst. Wenn sie, wie du schreibst, selbst schon die Idee einer Therapie hat, dann ist es unnötig, sie wird schon wissen, wann es an der Zeit wäre. Und wenn nicht, dann laß doch bitte die Diagnoseversuche weg!
Borderline ist zudem ein Begriff, der ein ungeheuer komplexes und auch kompliziertes Erscheinungsbild zu umfassen versucht.
Es gab hier schon zahlreiche Threads über das Thema, unter anderem eine beeindruckende Selbstbeschreibung (wobei das Erscheinungsbild natürlich nicht immer so ausgeprägt ist!):
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und auch über daraus folgende Beziehungsprobleme:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und über die Frage der Einsicht in die Störung:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und vieles mehr.
Um es kurz zu machen, ich habe ihr gestern nach langem Grübeln
eine Email geschrieben mit dem Link zu dem wikipedia artikel
und meinem Angebot ihr zu helfen.
Ich weiß wirklich nicht, worin die Hilfe bestehen sollte.
Außerdem wäre es auch dann allein Sache dieser Frau.
Sehe ich leider nicht so, da unter anderem auch drei Kinder im
Alter von 7-10 direkt und indirekt betroffen sind.
Trotzdem. Für ein (möglicherweise) problematisches Verhalten einen diagnostischen Begriff zu finden, nützt da gar nichts. Schon gar nicht, weil viele mit solchen Begriffen leicht den Eindruck „Krankheit“ verbinden …
Gruß
Metapher