Neun und Sieben
Hallo Anne,
die „SIEBEN“ und die „NEUN“ spielen im Volks- und Aberglauben und in allen spekulativen Theorien, seien sie sonst wie sie wollen, eine hervorragende Rolle.
Dabei scheint die sieben mehr aus der orientalisch-griechischen, (Pythagoras), die neun eher dem nordisch-keltischen Kulturraum zu entstammen.
- Wir hatten dies hier schon mal bei den sieben bzw. neun Leben der Katzen. Man müsste im Archiv was finden. -
Dazu noch ausführlich der gute alte Röhrich:
_Der oberste, siebente Himmel war als Sitz Gottes gedacht, Im siebenten Himmel sein ist daher gleichbedeutend mit: in höchster Wonne schweben. Die Redensart wird vor allem als Ausdruck der Liebesseligkeit gebraucht (vgl. den Schlager: »Ich tanze mit dir in den Himmel hinein … in den siebenten Himmel der Liebe«) und ist auch französisch (‚être au septieme ciel‘) und englisch (‚to be in the seventh heaven‘) bekannt.
Erste nachweisbare Erwähnung fanden die sieben Himmel in dem zwischen 70 und 135 n. Chr. entstandenen apokryphen ‚Testament der 12 Patriarchen‘ Levi, Kapitel 3: »Höre nun von den sieben Himmeln«. Die Lehre von den sieben Himmeln entspricht rabbinischer Anschauung und wird im Talmud beschrieben. Von dort ging sie in den Koran über und fand durch ihn weite Verbreitung. Nach dem Talmud ist der siebente Himmel der oberste Himmel und heißt ‚Araboth‘. Es ist der Ort des Rechts, des Gerichts und der Gerechtigkeit. Dort befindet sich der Schatz des Lebens, des Friedens und des Segens. Dort weilt Gott selber mit den ihm dienenden Engeln.
Die Zahl Neun spielt in volkstümlichen Wendungen auch sonst eine wichtige Rolle, z. B. ‚Neunmalgescheit (-klug)‘. Das Gegenteil ist ‚Eine dumme Neune‘, ein albernes Frauenzimmer. Ein ‚Neunhäutiger Kerl‘ ist ein durchtriebener Bursche; H.J. Ch. Grimmelshausen schreibt im ‚Simplicissimus‘ (I,47): »ein viel erfahrener und durchtriebener neunhäutiger schlauer poeticus und kluger Weltmann«. Hessisch ‚ein neun mal Aas‘, eine bösartige Frau. Schweizerisch ‚e sechsi für nes nüni aluege‘, Wucherzinsen nehmen; rheinisch ‚mit fünf e neun betale‘, auf eine alte Schuld hin und wieder etwas abzahlen. Alle neun werfen (nämlich alle neun Kegel), auch: Alle neun neigen: ganze Sache machen.
Die christliche Zahlensymbolik betrachtet die Neun, die durch die Dreimaligkeit der heiligen Zahl drei entsteht, als Zahl der Vollendung (z. B. die neun Chöre der Engel). So versprach man sich im Volksglauben eine apotropäische Wirkung von Speisen oder Gegenständen, die aus neun verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt waren.
Neunerlei Kräuter müssen im Kräuterbüschel enthalten sein, das noch immer an Mariä Himmelfahrt (15.8.) in den Kirchen (Süddeutschland) geweiht wird. Sie bilden auch den Hauptbestandteil der ‚Neunstärke‘, wie das Gründonnerstagsgericht in Norddeutschland hieß; die Volksmedizin benutzte Abkochungen von neunerlei Kräutern sowie Räucherungen aus neunerlei Holz, das von neun verschiedenen Bäumen stammte, deren Namen nicht auf -baum enden. Hexen konnte man erkennen, indem man sich während der Christmette in der Kirche auf einen Schemel aus neunerlei Holz setzte. Man sah dann ‚richtige‘ Hexen mit dem Rücken zum Altar sitzen. Notfeuer zur Vertreibung von Katastrophen konnte nur wirken, wenn es aus neunerlei Holz entzündet wurde. Ein gewisser Frater Rudolfus schreibt um 1250, daß man frisch getauften Kindern neunerlei Kräuter ins Bad legte.
‚Verrückt und drei macht neun‘ ist ein Berliner Ausspruch für verrückte, unverständliche Erscheinungen und Personen. Literarisch belegt ist er öfters bei Heinrich Zille._
LITERATUR:
K. WEINHOLD: Die mystische Neunzahl bei den Deutschen,1897; Marzell: Artikel Neunerlei Holz, Körner, Kräuter, in: Handbuch des Aberglaubens VI, S. 1057-1066; L. KRETZENBACHER: Die heilige Rundzahl 72. Zur Zahlenmystik in Legende und Sakralbau, in Volksglaube und Redensart, in: Blätter für Heimatkunde, hg. von Historischer Verein für Steiermark 26 (Graz 1952), S. 11-18.
aus: [Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 3. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, © Verlag Herder]
Hallo Susi! Erster!