Hinweis Religionsunterricht im Abschlusszeugnis

Hallo zusammen,

Heute hatte ich ein unangenehmes Erlebnis:

Ich befand mich in einem Vorstellungsgespräch. Der Personalchef kam schnell zur Sache und begann, mein Zeugnis zu zitieren: „Der Schüler wurde auf eigenen Antrag vom Religionsunterricht befreit. Ethik- und Sportunterricht wurden nicht erteilt.“

Mein bayerisches Berufsschulzeugnis von 2002 enthält keinerlei Bewertung in Worten. Der einzige Satz ist der oben zitierte, der einen fast ins Auge springt. Auch wenn ich im Vorstellungsgespräch bekommen habe, was ich wollte, musste ich Dinge erklären, die in Vorstellungsgesprächen eigentlich nichts verloren haben. Ich musste mir auch die Frage gefallen lassen, ob dieser „eigene Antrag“ mit einer Vorliebe für Freistunden zu begründen sei.

Ich habe mich damals vom Religionsunterricht befreien lassen, da ich zu diesem Zeitpunkt aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Als Konfessionsloser ist es in Bayern rechtlich nicht einmal möglich, den kath. Religionsunterricht zu besuchen. Ich frage mich also inständig, warum diese Schule den Schülern durch solch ins Auge stechende Sätze Steine in den Weg der Zukunft legt. Wenn die Schule, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage ist, Ethikunterricht anzubieten, sollte das nicht durch solch negativ auslegbare Kommentare auf den Schultern der Schüler ausgetragen werden. Ein einfacher Strich bei Religion würde auch ausreichen. Die Gründe, warum ich den katholischen Religionsunterricht nicht besucht habe, gehen niemanden außer mir selbst etwas an.

Das ist meine Meinung, aber mich würde nun interessieren, wie ihr die Sache einschätzt? Ist der Satz berechtigt, oder einfach nur eine bodenlose Frechheit? Glaubt ihr, dass ich Chancen habe, dies nach fünf Jahren ändern zu lassen?

Danke.

Gespannt auf eure Antworten wartend,
Chris

Hallo Chris,

von der rechtlichen Seite her kenne ich mich ja nun so gar nicht aus, aber kann es nicht sein, dass dieser Satz

„Der Schüler wurde auf eigenen Antrag vom
Religionsunterricht befreit. Ethik- und Sportunterricht wurden
nicht erteilt.“

schlicht eine Erklärung für die fehlende Religionsnote ist?

Auch wenn ich im
Vorstellungsgespräch bekommen habe, was ich wollte,

na, das ist doch super :smile:

Ich musste mir auch die Frage gefallen
lassen, ob dieser „eigene Antrag“ mit einer Vorliebe für
Freistunden zu begründen sei.

Ich glaube das liegt weniger an diesem Satz sondern an der Philosophie mancher Personaler, den Bewerber durch „einen geeigneten Makel“ im Lebenslauf ein wenig zu provozieren und zu gucken, wie er reagiert. Ob das eine schlaue Idee ist und ob es insbesondere schlau ist für diese Provokation das Thema Religion zu verwenden ist natürlich ne andere Geschichte.

den Schülern durch solch ins Auge stechende Sätze Steine in
den Weg der Zukunft legt.

Wie gesagt, ich sehe das nicht als Stein sondern als Erklärung für die fehlende Note in Religion bzw. Ethik. Analügt gilt das wohl für die Sportnote, die aber wohl mit der Religion gar nix zu tun hat…

*wink*

Petzi

Hallo Chris,

Als Konfessionsloser ist es in Bayern
rechtlich nicht einmal möglich, den kath. Religionsunterricht
zu besuchen.

Echt? Ist das heutzutage nicht mehr möglich, oder ist das berufschulspezifisch?

Meine Tochter hat auf der gymnasialen Oberstufe vor 10 Jahren den katholischen Religionsunterricht besucht. Allerdings war sie ungetauft, nicht ausgetreten, und mein Argument als noch erziehungsberechtigte Mutter war: „Sie möchte die Grundsätze des katholischen Glaubens kennenlernen, um zu entscheiden, ob sie sich taufen lassen will“

Gruß, Karin

Hallo Chris,

ich denke nicht, dass dir der Satz in diesem Vorstellungsgespräch irgendwelche Chancen verbaut hat. Du hast ja selbst geschrieben, dass du bekommen hast, was du wolltest :smile: … also?

Ich denke vielmehr, dass derjenige, der dir gegenüber saß, diesen Satz als willkommene Gelegenheit nahm, um dich etwas unter Stress zu setzen, um zu prüfen, wie du darauf reagierst. Denn auch im Berufsleben wird es hin und wieder stressige Situationen geben. Deswegen kann ich es sehr gut verstehen, dass eine Firma sehen möchte, wie der „Kandidat“ darauf reagiert, wie er sich erklärt, wie er sich aus der Affäre zieht. Was macht er? Bleibt er ruhig? Bleibt er bei der Wahrheit? Wird er aggressiv?

Wenn in deinem Zeugnis nicht dieser Satz gestanden hätte, dann hätte man vielleicht einen anderen „Grund“ gefunden, um dich etwas zu kritisieren.

Sofern du keine Anstellung in einer kirchlichen Organisation bzw. Organisation mit kirchlichem Träger anstrebst (Schule, Krankenhaus, etc.) glaube ich nicht, dass du durch diesen Satz jemals ernsthafte Probleme bekommen wirst. Eine Erklärung für deine Entscheidung hast du ja? Die musst du nur souverän vortragen.

Schöne Grüße

Petra

Hallo,
ein Zeugnis weist die in der Stundentafel vorgesehenen Unterrichstfächer oder Lernfelder oder wie auch sonst das jeweils heißt auf.
Gibt es in einem der Fächer keine Note muss dies erklärt werden.

Wenn du allerdings, wie du es schilderst, im Abschlussjahr konfessionslos warst, dann ist dein Zeugnis fehlerhaft. In diesem Fall müsste auf deinem Zeugnis nur stehen, dass Ethik nicht erteilt wurde.

Du kannst ja versuchen dir ein neues Zeugnis ausstellen zu lassen. Wahrscheinlich wird man versuchen dich abzuwimmeln, aber du hast ein Recht auf ein korrektes Zeugnis.

Gruß
Werner

Hallo Werner,

vielen Dank für deinen Tipp. Deine Ausführungen hören sich absolut logisch an.

Ich habe mal ein wenig recherchiert:
Die BSO besagt in §12: „(1) 1 Der Religionsunterricht ist für die bekenntnisangehörigen Schüler Pflichtfach. 2 Die Abmeldung vom Religionsunterricht bedarf der Schriftform. …“

Da ich zu dieser Zeit konfessionslos wurde, war es also kein Pflichtfach mehr für mich und eine Abmeldung war nicht nötig. Der Satz „Der Schüler war auf eigenen Antrag vom Religionsunterricht befreit.“ ist demnach schlichtweg falsch. Ich habe damals nur mitgeteilt, dass sich meine Konfession geändert hat, woraus der Austritt aus Religion folgte.

Kann man das so sehen?

Ich werde auf jeden Fall versuchen, diesen Satz loszuwerden.

Noch einmal tausend Dank.

Gruß,
Chris

Hallo Karin,

das ist heute auch noch möglich, sofern man einen schriftlichen Antrag stellt und die Religionsgemeinschaft des Religionsunterrichts zustimmt.

Das ist mein neu hinzugewonnenes Wissen aus der Schulordnung für die Berufsschulen in Bayern :wink:

Gruß,
Chris

Hallo Chris,

ich denke nicht, dass dir der Satz in diesem
Vorstellungsgespräch irgendwelche Chancen verbaut hat. Du hast
ja selbst geschrieben, dass du bekommen hast, was du wolltest,…also?
Ich denke vielmehr, dass derjenige, der dir gegenüber saß,
diesen Satz als willkommene Gelegenheit nahm, um dich etwas
unter Stress zu setzen, um zu prüfen, wie du darauf reagierst.
Denn auch im Berufsleben wird es hin und wieder stressige
Situationen geben. Deswegen kann ich es sehr gut verstehen,
dass eine Firma sehen möchte, wie der „Kandidat“ darauf
reagiert, wie er sich erklärt, wie er sich aus der Affäre
zieht. Was macht er? Bleibt er ruhig? Bleibt er bei der
Wahrheit? Wird er aggressiv?

Wenn in deinem Zeugnis nicht dieser Satz gestanden hätte, dann
hätte man vielleicht einen anderen „Grund“ gefunden, um dich
etwas zu kritisieren.

Sofern du keine Anstellung in einer kirchlichen Organisation
bzw. Organisation mit kirchlichem Träger anstrebst (Schule,
Krankenhaus, etc.) glaube ich nicht, dass du durch diesen Satz
jemals ernsthafte Probleme bekommen wirst. Eine Erklärung für
deine Entscheidung hast du ja? Die musst du nur souverän
vortragen.

Schöne Grüße
Petra

Hallo!
Petra, schöner Artikel - würde Sternchen geben, wenn ich schon dürfte.
Ich denke auch, dass er/sie provozieren wollte, und so die Reaktionen abtesten. Er/Sie dürfte auch nicht wegen Religion oder auch bei nicht verhandenen Religion diskriminieren: wiederspricht den Gleichheitgrundsatz der Europäischen Union - man könnte dann sogar klagen. Nur bei kirchlichen Organisationen darf es eine „diskrimienierung“ in dieser Hinsicht geben - alles andere wäre auch nicht sehr sinnvoll: z.B. Christliche Kirche darf Mohammedaner oder Juden oder Hindu,… als Pfarrer nicht ablehen :wink:
Bei mir hat nicht teilgenommen drinnen gestanden (nicht getauft) hab aber weil ich die Lehrer gefragt habe, auch immer wann ich wollte teilgenommen. (natürlich nur bei guten Lehreren: weil mich Geschichte interressiert, die haben mir dann teilweise selbst eigenes kleines Teilgenommen -Schreiben mitgegeben: Volksschule - hab mich gefreut).
Wir hatten auch keinen Ethikunterricht, und da ich die Erlaubnis meiner Eltern hatte, konnte ich mich sogar selbst in der Oberstufe befreien.
Liebe Grüße
Sabine

Hallo Chris,

Dein Beitrag hat mich an das Erlebnis einer Bekannten erinnert. Sie besuchte in Bayern eine Realschule - sogar eine Klosterschule - und trat mit 14 aus der Kirche aus. Ethikunterricht wurde nicht angeboten.

Im nächsten Zeugnis stand ihre alte Religionsnote, worüber sie sich beschwert hat. Ihre Klassenleiterin, eine Nonne und nicht Religionslehrerin, riet ihr die Note drin stehen zu lassen und das auch in Zukunft weiterzuführen.

Sie könne gar nicht einschätzen, dass sie sich in Zukunft sonst Möglichkeiten verbauen würde. In Bayern sei es nun mal so, dass die Religonsnote oft bei potentiellen Arbeitgebern als eine Art zusätzliche Betragensnote gesehen würde. Sie könne ihr Zeugnis natürlich geändert haben, wenn sie das unbedingt wünsche.

Vielleicht wirft das noch ein etwas anderes Licht auf Dein Erlebnis.

Viele Grüße

Iris

Tja da sieht man eben mal wieder, dass die Trennung von Kirche und Staat eine Farce ist.
Traurig und vor allem ärgerlich zu gleich.

Hallo,
hier sieht man nur eines: Menschen machen Fehler.
Eine Formalie wurde falsch umgesetzt, weil der Zeugnisersteller nicht beachtete, dass in diesem Fall die Grundlage zur Teilnahem am Religionsunterricht nicht mehr vorlag, also eine Abmeldung weder notwendig noch überhaupt möglich ist. Darum setzte er einen falschen Textbaustein.

Aber wer ein stabiles Feindbild hat sieht den Feind halt überall (in ausgeprägten Fällen nennt man das vielleicht Paranoia?).

Gruß
Werner

2 „Gefällt mir“

Aber wer ein stabiles Feindbild hat sieht den Feind halt
überall (in ausgeprägten Fällen nennt man das vielleicht
Paranoia?).

Der Feind darf Kruzefixe in Klassenräumen hängen haben, eine Steuer erheben, erlaubt es, Minderjährige aufzunehmen und darf an staatlichen Schulen Unterricht in seiner Doktrin geben! Was soll ich daran gut finden?

1 „Gefällt mir“

Hallo,
nichts davon hatte hatte mit dem hier mehr als mittelbar etwas zu tun.
Das du das hier unbedingt unterbringen musstest, sollte dich zum Nachdenken anregen, aber über Dich selbst.
Gruß
Werner

Hallo Olaf,

Der Feind erlaubt es, Minderjährige aufzunehmen und darf
an staatlichen Schulen Unterricht in seiner Doktrin geben! Was
soll ich daran gut finden?

Frage: Sollten in Zukunft neugeborene staatenlos werden, wenn Du so vehement gegen die Aufnahme Minderjähriger in eine Gemeinschaft bist?

Gruß, Karin

Frage: Sollten in Zukunft neugeborene staatenlos werden, wenn
Du so vehement gegen die Aufnahme Minderjähriger in eine
Gemeinschaft bist?

Du vergleichst Staatsangehörigkeit mit Religionsangehörigkeit? *kopfschüttel*

Hallo,
ich denke er vergleicht das nicht, sondern weist damit darauf hin, dass Minderjährige weit verbreitet Mitglied von irgendwas sind.
Du sahst ja anscheinend ein großes Prblem darin Kirche

… erlaubt es, Minderjährige aufzunehmen …

Wo da die ausgesprochene Perfidie liegt Minderjährige aufzunehmen, bleibt hier genau so verborgen, wie bei der sogar zwangsweisen Staatsbürgerschaft oder der Mitgliedschaft im Fußballverein, oder einer genossenschaftlichen Versicherung.

Gruß
Werner

1 „Gefällt mir“

Wo da die ausgesprochene Perfidie liegt Minderjährige
aufzunehmen, bleibt hier genau so verborgen, wie bei der sogar
zwangsweisen Staatsbürgerschaft oder der Mitgliedschaft im
Fußballverein, oder einer genossenschaftlichen Versicherung.

Weil sie verdammt nochmal nicht gefragt werden und wenn doch, kaum in der Lage sind, darüber zu urteilen.

Hallo,
auch im dritten Anlauf verstehst du also immer noch nicht?!

Weil sie verdammt nochmal nicht gefragt werden und wenn doch,
kaum in der Lage sind, darüber zu urteilen.

Du bist also der Meinung, das kleine Kinder ständig selbst darüber entscheiden wo sie Mitglied werden oder mitmachen wollen nur bei der bösen Kirche nicht.
Wenn die Eltern bekennende Christen sind, und wollen das ihre Kinder dort auch Mitglied sind, soll die Kirche sich weigern die minderjährigen Kinder aufzunehmen!

Das ist nur darum eine Zumutung, weil es die Kirche macht, wenn es irgend ein anderer Verein auch macht … äh, ja wo ist das Problem, ist ja keine Kirche.

Ich sag ja, stabiles Feindbild.

Da erübrigt sich jedes weitere Wort.

Wenn die Eltern bekennende Christen sind, und wollen das ihre
Kinder dort auch Mitglied sind, soll die Kirche sich weigern
die minderjährigen Kinder aufzunehmen!

Ja sicher doch.

Weiß du eigentlich was diese Mitgliedschaft eigentlich ist und bedeutet?

Außerdem sprichst du damit den Eltern das Recht ab, die Erziehung ihrer Kinder zu gestalten, denn nicht die Kirche macht die Kindern zu Mitgliedern, sondern deren Eltern.

Wahrscheinlich bist du die geeignete Instanz um festzulegen welchen weltanschaulichen Enflüssen ein Kind ausgesetzt werden darf, im Zweifel gegen den Willen der Eltern.

Eigentlich müsste man wohl bekennenden Christen die Kinder von staatswegen entziehen. Denn selbst wenn man der Kirche verböte die Kinder zu taufen, dann wären sie mit ihren Eltern ja trotzdem bei all den indoktrinierenden Veranstaltungen dabei.

Also eigentlich müsste man doch für Kirchliche Veranstalungen so eine Jugendschutzfreigabe machen, wie bei Kinofilmen.
Ich weiß auch wer der vorsitzende der Kommission sein sollte…

erheitert
Werner