Hirndoping bzw. kognitives Enhancement

Hallo an alle,

In der Zeitschrift Gehirn&Geist 11/2009 fand ich einen Artikel zu diesem Thema, von 7 Autoren kontrovers diskutiert.

Doping im Sport ist ja verpönt. Aber wie seht Ihr das Doping des Gehirns unter Berücksichtigung der unten aufgeführten Fragen?

Da das Hirndoping aus den USA nun auch in Deutschland Einzug hält, stelle ich die Schlußfolgerungen der Autoren insoweit hier ein, als sie Interessenten an Hirndoping dazu auffordern, sich folgende Fragen zu stellen, bevor sie damit anfangen:

Zitat aus dem Artikel: Das optimierte Gehirn. Seiten 40-48.

-Was sind meine Motive?
-Geht es ausschließlich um persönliche Vorteile - und bestehen diese vor allem darin, Konkurrenten auszustechen?
-Sind die Vorteile es wert, das Risiko unterwünschter Nebenwirkungen einzugehen?
-Bin ich bereit, neben beabsichtigten auch unerwünschte Persönlichkeitsveränderungen in Kauf zu nehmen, die kaum vorhersagbar sind, weil sie außer von pharmakologischen noch von einer Vielzahl weiterer, individueller Faktoren bestimmt werden?
-Soll ich mein Wohlbefinden und meine kognitive Leistungsfähigkeit - auch nur teilweise - davon abhängig machen, ob ein kostspieliges Präparat verfügbar ist?
-Was hält mein soziales Umfeld von solchen NEP’s (meine Anm.: Neuro Enhancement Präparate)?
-Muss ich Regelverstöße begehen (und welche), um die Substanzen zu beschaffen? (Zit. Ende)

Hoffe auf eine rege Diskussion…

Gruß,
Cantate

Hi,

das wurde auch bei Spiegel Online thematisiert. Ist recht plastisch geschrieben. Ich finde die Frage interessant, ob Chefs das Doping von ihren Mitarbeitern verlangen werden.

Hier ist der Link:
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.ht…

Tychi

Hallo,

das wurde auch bei Spiegel Online thematisiert. Ist recht
plastisch geschrieben. Ich finde die Frage interessant, ob
Chefs das Doping von ihren Mitarbeitern verlangen werden.
Hier ist der Link:
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.ht…

Danke für den Link - war mir schon bekannt.
Bei meiner Fragestellung hatte ich auf persönliche Ansichten zu dem Thema gehofft, die sicherlich sehr unterschiedlich ausfallen können.

Gruß,
Cantate

Ich sehe das als ein Modetrend, der hoffentlich schnell wieder verschwindet. Wenn ich etwas als enhance-fähig ansehe, dann den Umgang miteinander, also das, was man „Beziehungspflege“ nennt.
Das Neuro-enhancement ist reduktionistisch angelegt und auf einer Ebene mit „Liver-enhancement“.

IMHO

Michael

Hallo,

Ich sehe das als ein Modetrend, der hoffentlich schnell wieder
verschwindet. Wenn ich etwas als enhance-fähig ansehe, dann
den Umgang miteinander, also das, was man „Beziehungspflege“
nennt.
Das Neuro-enhancement ist reduktionistisch angelegt und auf
einer Ebene mit „Liver-enhancement“.

Eine sehr erfreuliche Antwort und weil ich über „Liver-enhancement“ laut lachen mußte, dazu ein Stern!

Gruß,
Cantate

Hallo Cantate,

besten Dank für das Sternchen :wink:

Welche Meinung hast Du denn zum Neuro-Enhancement?

Grüße

Michael

Hallo Michael,

besten Dank für das Sternchen :wink:

Gern geschehen.

Welche Meinung hast Du denn zum Neuro-Enhancement?

Ich halte das für eine weitere neue Methode der Pharma ihre Umsätze und Gewinne zu steigern.

Gott sei Dank sind diese Mittel verschreibungspflichtig, wobei ich mich dennoch an den Kopf fasse, wenn ich Berichte darüber lese, wie leichtfertig Kindern mit dem sog. ADHS Ritalin verschrieben wird. Glaubt man den Berichten, macht man sie so zu regelrechten Zombies, ganz zu schweigen von den anderen Nebenwirkungen, die sich oft erst Jahre später zeigen. Das gesamte Seelenleben oder die Psyche wird dabei gründlich durcheinander gebracht. Die normale Entwicklung wird gestört. Einem Zappelphilip sollte man viel Gelegenheit geben sich physisch auszutoben, Kinder die sich im Unterricht langweilen besonders fördern usw. Das ist allerdings aufwendiger als einfach Ritalin zu verschreiben, um sie ruhig zu stellen.

Es ist nicht zu erwarten, daß es Mittel zum Enhancement ohne Nebenwirkungen geben wird, da sich die Forschung auf das Enhancement, also die kurzfristige Wirkung konzentriert, d.h. auf wenige Wirkfaktoren, die übrigen bleiben außen vor, auch weil sie großteils unbekannt bleiben. Die Mittel werden möglichst schnell auf den Markt gebracht. Langfristige Wirkungen fallen dabei unter den Tisch bzw. danach wird zunächst gar nicht gefragt. Erst wenn viel später Nebenwirkungen auftreten geht das Tauziehen darum los, ob sie vom Markt wieder verschwinden müssen oder nicht. Dann haben viele Menschen aber schon den Schaden erlitten.

Um sich für eine Prüfung fit zu machen gibt es gesündere Methoden: erstmal lernen, um sich sicherer zu fühlen, ausgeschlafen sein, gut frühstücken, ruhig auch etwas mehr Kaffee trinken, insgesamt körperlich fit sein u.ä.m.

Wenn alle Enhancement betreiben, ist auch der erzielte Vorteil anderen gegenüber schon wieder weg. In dem von mir zitierten Artikel wird ebenfalls darauf hingewiesen, daß die Wirkung bei jemandem mit einem IQ von 90 stärker ist als bei jemandem mit einem IQ von 110. Die derzeit verfügbaren Mittel bringen aber so gut wie garnichts. Die subjektiv empfundene Wirkung stimmt mit objektiven Messungen nicht überein. Der Betroffene meint mehr leisten zu können, wird aber tatsächlich langsamer, in seinen Reaktionen also gehemmt. Viele dieser Mittel machen darüber hinaus noch süchtig.

Man weiß über die zahlreichen Vorgänge, die im Gehirn stattfinden, die Interdependenzen von körpereigenen Stoffen, wie sie wirken, wofür sie zuständig sind usw. noch viel zu wenig und sobald wird sich das auch nicht ändern - die Vorgänge sind viel zu Komplex, die meisten gar nicht messbar.

Insoweit bedeutet Enhancement mit dem wichtigsten „Organ“ des Menschen zu spielen, ohne zu wissen, was man da tut… Kurzfristige Leistungserhöhung mit der Folge späterer geistiger Behinderung? Die Risiken sind einfach zu groß!

Als Lektüre kann man dazu empfehlen:
Triumph des Bewußtseins - Die Evolution des menschlichen Geistes von Merlin Donald
Wie wir entscheiden - Das erfolgreiche Zusammenspiel von Kopf und Bauch von Jonah Lehrer
Beide zeigen neuere Forschungsergebnisse auf, wobei sich gleichzeitig zeigt, wie wenig man über die Funktionen des Gehirns bisher weiß.

Herzlicher Gruß,
Cantate

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