Historische Krankheit gesucht - gelbe Augen, Haar

Hallo!

Ich arbeite grade an der Übersetzung einer Dämonologie aus dem alten China. Einige Einträg sind auf damals häufige Krankheiten zurückzuführen, die durch Hausmittelchen zu beseitigen waren.

Ich habe hier einen Eintrag bei dem ich eine Krankheit vermute, die ansteckend ist (denn das ganze Haus ist betroffen), Bart- und Kopfhaare fallen bei beiden Geschlechtern aus und sie haben gelbe Augen.
Dagegen sollen Mahlzeiten aus Eigelben, Hirse und Fleisch helfen (sehr reichhaltige, gesunde Kost für die Zeit vor Christus).

Ich hatte an Gelbfieber gedacht, aber ich fürchte, die Leute wären daran trotz energiereicher Ernährung gestorben :wink:

Da der Eintrag in die Anleitungen übernommen wurde, muss es aber irgendwie geholfen haben.

Hat jemand eine Idee, was für eine Krankheit oder Mangelerscheinung damit angedeutet sein könnte?

lg
Kate

Hepatitis?
Moin!

Vielleicht eine Hepatitis?

Angelika

bei hepatitis fallen keine Haare aus…

Eine Krankheitslehre im heutigen Sinne gab es vor 1850 noch nicht, sie kam erst mit virhows „Cellularpathologie“.
Insofern ist es müßig, sich darüber Gedanken zu machen, zum einen, weil 2 Symptome noch keie Krankheit definieren, zum anderen, weil man im alten China (und noch heute in der "berühmten chinesischen Medizin) von Anatomie und Physiologie keine Ahnung hatte.
In China galt u.a. die „Säftelehre“, was den medizinischen Fortschritt verhinderte und auch ein genaues Beschreiben von Symptomen unterließ.

1 „Gefällt mir“

Hi

Entschuldige, aber das kann ich jetzt nicht so stehen lassen.

Die Chinesen hatten sehr wohl Ahnung von Anatomie, und zwar schon VIEL, VIEL früher als die tollen Westeuropäer, die Leute, die auch nur versuchten sich Kenntnisse darüber zu beschaffen, lieber ins Gefängnissteckten oder umbrachten und generell den „Fortschritt verhinderten“.

Ob TCM jetzt wirksam ist oder nicht sei mal dahin gestellt, es ist ja nicht so, dass diese nur aus Froschschlucken besteht sondern auch aus Naturheilkunde.
Und wie dir als Profi ja bekannt sein dürfte stammen viele Medikamente aus Pflanzen, auch wenn sie heutzutage künstlich chemisch hergestellt werde.

Das ändert nichts an der Existenz von Krankheiten. Skorbut gabs auch schon vor 1850, vielleicht hat man es anders genannt und sehr wahrscheinlich auf falsche Dinge zurückgeführt.

Natürlich steht in einer *Dämonologie* nicht drin, ob jemand eine Endometriose hatte o.ä., aber manche Dämonenbesessenheiten oder „Wunderheilungen“ lassen sich auch gut auf Krankheiten oder (behobene) Mangelerscheinungen zurückführen.

lg
Kate

Entschuldige, aber das kann ich jetzt nicht so stehen lassen.

Die Chinesen hatten sehr wohl Ahnung von Anatomie, und zwar
schon VIEL, VIEL früher als die tollen Westeuropäer,

Da habe ich gleich einen Vorschlag für eine Doktorarbeit: Kenntnisse über Anatomie und Physiologie im alten China.

:die

Leute, die auch nur versuchten sich Kenntnisse darüber zu
beschaffen, lieber ins Gefängnissteckten oder umbrachten und
generell den „Fortschritt verhinderten“.

Weder Margagni noch Galen noch da Vinci waren im Gefängnis. Außerdem ist Westeuropa weit heterogener als China, oder sollte ih mich da irren?

Ob TCM jetzt wirksam ist oder nicht sei mal dahin gestellt, es
ist ja nicht so, dass diese nur aus Froschschlucken besteht
sondern auch aus Naturheilkunde.
Und wie dir als Profi ja bekannt sein dürfte stammen viele
Medikamente aus Pflanzen, auch wenn sie heutzutage künstlich
chemisch hergestellt werde.

Oder aus Tieren. Aber wohin soll dieses Argument führen?

Das ändert nichts an der Existenz von Krankheiten. Skorbut
gabs auch schon vor 1850, vielleicht hat man es anders genannt
und sehr wahrscheinlich auf falsche Dinge zurückgeführt.

Aber an der Beschreibung! Nehmen wir ein bekanntes Beispiel: Mozart starb an „hitzigem Frieselfieber“, eine Beschreibung dazu existiert. Aber bis heute weiß noch niemand, was er denn nun wirklich hatte.

1 „Gefällt mir“

Hi

Da habe ich gleich einen Vorschlag für eine Doktorarbeit:
Kenntnisse über Anatomie und Physiologie im alten China.

Die gibt es schon ^^

Weder Margagni noch Galen noch da Vinci waren im Gefängnis.
Außerdem ist Westeuropa weit heterogener als China, oder
sollte ih mich da irren?

Ich empfehle dir Lektüren zu London im 18. und 19. Jh.
Das mit dem Heterogen kommt nicht ganz hin. Schau dir das China von heute an: Es ist größer als unser Kontinent.
Außerdem hat sich die Lage von China natürlich verändert und heute sind Völker mit eingeschlossen die in der Geschichte mal mehr mal weniger Teil Chinas waren.

Heute hat China 56 offiziell anerkannt ethnische Minderheiten, die ihre Kultur ausüben und zahlenmäßig relevant sind. Dazu kommen unzählige andere Minderheiten aus umliegenden Ländern oder die zahlentechnisch weniger relevant sind. Früher waren das sogar noch mehr als heute, wir haben Zeugnisse von einigen ausgestorbenen Ethnien diverser Entwicklungsstände.
Viele Europäer haben leider ein sehr rückständiges Bild von China, weil sie immernoch durch den Eurozentrismus und das koloniale Weltbild der letzten zwei Jahrhunderte geprägt wurden.
Tatsächlich hat China erst recht spät und nur gegenüber Europa „zugemacht“ und war vorher kultur- und handelstechnisch nicht nur weit fortgeschritten, sondern auch offen.

Oder aus Tieren. Aber wohin soll dieses Argument führen?

Das bezog sich darauf, dass viele TCM sofort verdammen, wenn sie davo hören. Aber nur weil ein TC-Mediziner von diversen Flüssigkeiten redet, heißt es nicht, dass Teile der TCM unwirksam oder nur auf den Placeboeffekt zurückzuführen sind. Grade darum gibt es momentan ja einen Forschungstrend, um die Wirksamen Dinge an der TCM zu finden.

Das ändert nichts an der Existenz von Krankheiten. Skorbut
gabs auch schon vor 1850, vielleicht hat man es anders genannt
und sehr wahrscheinlich auf falsche Dinge zurückgeführt.

Aber an der Beschreibung! Nehmen wir ein bekanntes Beispiel:
Mozart starb an „hitzigem Frieselfieber“, eine Beschreibung
dazu existiert. Aber bis heute weiß noch niemand, was er denn
nun wirklich hatte.

Naja, wenn man nie nachforscht, wird es auch nie jemand wissen. Bei deinem Beispiel ist die Beschreibung jetzt wirklich dürftig, aber bei anderen nicht. Die Schweißkrankheit in England etwa kann man ja mittlerweile schon mit 1-2 modernen Krankheiten in Verbindung bringen.

Ich hatte bei meiner Frage auch eher auf eine Mangelerscheinung getippt, weil es durch Veränderung der Ernährung behebbar zu sein scheint.

Für mich ist die Erforschung solcher Praktiken schon wichtig, weil ich so trennen kann was eine völkische Reaktion auf direkte natürliche Einflüsse ist (z.B. Reaktionen auf Sonnenstich und Hitzeschlag: Erfindung der Mittagsfrau im sorbischen Bereich, Lähmungsdämonen und Tabutage in China) und was eine genuine religiöse Ansicht ist, die vielleicht einen Hinweis auf alte Volksreligion liefert, weil sie eben kein mehr oder weniger magisch belastetes „Hausmittelchen“ ist.

lg
Kate

3 „Gefällt mir“

Westliche Arroganz?!
Moin,

zum
anderen, weil man im alten China (und noch heute in der
"berühmten chinesischen Medizin) von Anatomie und Physiologie
keine Ahnung hatte.

auch ich muß Dir hier widersprechen.
Die Chinesischen Ärzte hatten sehr gute Kenntnisse, haben sie aber anders kodifiziert.

In China galt u.a. die „Säftelehre“, was den medizinischen
Fortschritt verhinderte und auch ein genaues Beschreiben von
Symptomen unterließ.

Wie lange galt die Säftelehre in Europa?

Du kämpfst auf einem längst aufgegebenen Schlachtfeld, die TCM ist mittlerweile ein stark beforschter aktueller Gegenstand, weil sie, im Gegensatz zur klassischen westlichen Medizin, die Symptome nicht isoliert betrachtet. Fast jede große Pharmafirma hat inzwischen eine (meist nicht kleine) Gruppe, die sich mit TCM beschäftigt. Auf purer Lust am Geldausgeben wird das nicht sein.
Ganzheitliche Betrachtungsweisen nehmen auch hier im Westen immer mehr Raum ein.

Natürlich möchte ich viele Dinge der klassischen Medizn nicht missen und einen entzündeten Appendix würde ich nicht mit TCM behandeln, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.
Sagen wir es mal so. Die westliche Medizin wird nicht schlechter, wenn man Teilaspekte anderer, sehr erfolgreicher Methoden einarbeitet.

Gandalf

1 „Gefällt mir“

Eisenmangel?
Hallo Kate,

vorweg: ich habe keine Ahnung, bin medizinisch kaum bewandert und würde auch nicht antworten, wenn die bisherigen Antworten irgendetwas mit der Beantwortung deiner Frage zu tun hätten…

Könnte es sich um Eisenmangel handeln?
Ist zwar nicht ansteckend, man kann aber wohl davon ausgehen, dass die ganze Familie von der Mangelernährung betroffen wäre. Eisenmangel kann mW sowohl zu Haarausfall als auch zu Leberschäden (gelbe Augen) führen. Und Hirse, Eier und Fleisch enthalten wohl viel Eisen, mMn könnte das also ganz gut passen.

Gruß
Sue

Hi!

Danke für den Hinweis, der war gut!

Es könnte tatsächlich sein, so habe ich jetzt herausgefunden dass der erste (verzeichnete) Befall jenes Dämons im selben Jahr festgehalten wurde, wie eine große Hungersnot. Das Hauptnahrungsmittel jener Zeit war Hirse, und Eier und Fleisch gabs natürlich noch seltener, den Zusammenhang habe ich vorher nicht gesehen, das heißt aber die Hauptquelle für Eisen war weg… das käme also hin.

Danke für die Anregung :smile:

lg
Kate

doch, das hat es schon gegeben.

Vielleicht nicht bei jedem Menschen und vielleicht auch nicht das ganze Haupthaar.
Mir sind einige Hepatitis-Patienten (hatten Mitte der 70er Jahre eine lebensbedrohliche Hepatitis) bekannt, die fast ihre gesamte Körperbehaarung verloren haben.

Aber schließlich können wir ja heutzutage auch effizienter behandeln und früher die Diagnose stellen.

Angelika

Hi

Das mag schon sein, aber du musst das so sehen: Diese Dämonologie enthält quasi „Rezepte“ zur Verteidigung gegen Betrunkene, Stalker, Krankheiten, Ängste, und eine Handvoll spiritueller Wesen.

Heute sind uns natürlich hauptsächlich staatliche Dokumente überliefert, da solche Rezepte also in die staatlichen Unterlagen aufgenommen wurden muss zumindest eine begrenzte Wirksamkeit oder Scheinwirksamkeit vorhanden sein.

Wenn jemand an einer schweren Hepatitis erkrankt ist, und nur Hirse/Ei/Fleisch aß, wäre er wohl dennoch sehr schnell gestorben und der „Dämon“ hätte gesiegt, es wäre kein effektives Mittel gegen ihn gewesen (in der chin. Religion dreht sich alles um „Effektivität“).

Daher denke ich, das mit dem Eisenmangel kommt ganz gut hin. Ich habe vorhin noch nachgelesen, dass es in schweren Fällen sogar zu Seh- und Hörstörungen kommen kann. Die begünstigen „geisterhafte Erscheinungen“ wahrscheinlich noch.

lg
Kate