Historischer Ursprung?

Guten Morgen,

während ich mir eben so die Antworten auf die vorige Frage durchgelesen habe und feststellen konnte, dass es hier im Forum einige echt gut bewanderte Leute zu geben scheint :wink:, kam mir wieder einmal eine Frage in den Sinn, die mir bisher noch nie jemand wirklich zufriedenstellend (aus meiner Sicht) erklären konnte…

Und zwar würde mich mal der wahre historische Ursprung des „Judenhasses“ interessieren?! Ich habe schon mehrfach gehört, dass Adolf Hitler bei weitem nicht der Erste gewesen sein soll, der einen solch schrecklichen Hass auf die Juden gehabt haben soll. Stimmt das?
Bisher habe ich von verschiedenen Leuten so Erklärungen gehört wie z.B. das läge daran, dass „Judas“ Jesus verraten haben soll oder auch, der Judenhass sei daraus entstanden, dass die Juden Jesus Christus’ Hinrichtung forderten, während ein Mörder frei gelassen wurde, ferner wurde es auch noch mit der finanziellen Vormachtstellung der Juden in der gesamten Weltwirtschaft zu erklären versucht -und in der Tat eine gute Frage, wieso im Mittelalter ausserordentlich viele Menschen Jüdischer Abstammung durch Geld und hohe Positionen auffielen…?!

Kann jemand meine Verwirrung lichten? Das wäre schön…

Viele Grüsse

Marlene

Hi,
http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus
Gruß.Timo

Hallo,

es sind mehrere Faktoren, die hier wirken.

Einer der wichtigsten ist wohl, daß die Juden einfach anders waren. Denk bitte daran, welche MAcht die Kirche früher hatte, die Menschen waren im späten Mittelalter wirklich tief gläubig. Und da kamen dann welche und gingen nicht in die Kirche und hatten Gewohnheiten und Bräuche, die völlig anders waren - daß reicht, um die nicht zu mögen. Denk doch daran, wie vierorts heute noch Ausländer betrachtet werden - einfach, weil sie anders aussehen und eine andere Kultur haben und denk daran, mit welchem Argwohn selbst heute noch in manchen Dörfern Zugezigene betrachtet werden. Die sind erst mal fremd und gehören nicht dazu - und wenn einer einen Karnickel vermißt, dann gerat erst mal der der Fremde in Verdacht - nie der Nachbar, den man schon immer kennt.

Dazu kam die Argumentation der Kirche. Jesus würde auf betreiben der jüdischen Oberschicht gefangen genommen und gekreuzigt (daß er selber Jude war, spielt da komischerweise keine Rolle). Und dann noch die Sache mit der Begnadigung. Pontus Pilatus bietet den Juden an, einen der Verurteilten zu begnadigen und die wählen statt Jesus den Mörder. Jesus war Gottes Sohn und die Juden haben ihn gekreuzigt - das war in einer tief religiösen gesellschaft erst einmal ein sehr gutes Argument für Haß.

Weil aber die Juden eh nie gemocht wurden, bekamen sie auch nie die rechte anderer Bürger. Sie durften keinen grundbesitz erwerben und kein Handwerk ausüben und mußten oft in abgeteilten Stadtteilen wohnen. Ja was bleibt denn dann noch als Erwerbszweig? In einem Handwerksbetrieb durften sie nicht lernen, Ackerbau und Viehzucht konnten sie mnangels Eigentum an grund und Boden nicht betreiben - also wurden sie Händler. Und da der Handel, besonders der Fernhandel, damals eine Hauptquelle war, Geldkapital zu erwerben, wu8rden sie dann auch logischerweise zu Geldverleihern und Bankies. In diese Rolle wurden sie förmlich gedrängt.
Nun ja - kein Gläubiger mag seinen Schuldner. Schon gar nicht, wenn er kein geld hat, seine Schulkden zurückzuzahlen. Und neid war schon immer ein guter Grund, jemanden nicht zu mögen.
Zudem… naja… aslso auch Feudalherren und andere mächtige Leute und so waren wegen ihrer Verschwendungssucht oft vei Juden verschuldet. wenn man da ein wenig gegen die Juden hetzte und das aufgehetzte Volk die dann verjagte oder besser ganz totschlug - dann waren logischerweise auch die Schulden weg. Und eventuell konne man sich da auch noch ein wenig am übrig gebliebenen Reichtum des Toten bedienen - also wennd as kein grund war, Haß zu säen, dann weiß ich nciht, was einer war.

Gernot Geyer

Hallo Marlene,

ich empfehle einen Blick in die FAQ dieses Brettes:

[FAQ:1528]

gruß,

barbara

Marlene,

Was hältst Du von folgender Überlegung:

Mitteleuropa ist im ungefähr im 7. Jahrhundert christianisiert worden, hat die christliche Religion aber eigentlich nie so recht gemocht, weil sie gar nicht zu uns passt. Schließlich kommt sie aus dem Nahen Osten und ist ganz schön unfröhlich. Donar war zwar auch ziemlich deftig, aber der hat mit seinem Hammer nur Riesen erschlagen, die uns bedrohten; dafür liebten ihn die Leute.

Allerdings funktionierte die alte „heidnische“ Religion nicht mehr. Die wachsende Bevölkerungsdichte erforderte eine gesellschaftliche Neuordnung, dazu bildet die liebe-deinen-Nächsten-oder-du-kommst-in-die-Hölle-Botschaft des Christentums eine bessere Grundlage als die Sippen-Orientierung der alten Religion.

Aber, gemocht haben wir sie nie. Uns liegen viel mehr Grimms Märchen, in denen sich die Welt des alten Glauben am besten erhalten hat (obwohl die Grimms sie ebenfalls rigoros „gereinigt“ haben).

Manchmal flammte in der mitteleuropäischen Geschichte der alte Glaube wieder auf und wurde brutal niedergeschlagen: auf Hexenverehrung folgte Hexenverbrennung.

Man mochte die Christen also nicht, konnte sie aber nicht so recht bekämpfen, weil man ja eigentlich selbst Christ war.

Wenn der echte Feind zu stark ist, muss man sich eben einen schwächeren suchen. Na ja, dann hat man also stattdessen eine verwandte Religion aus dem Nahen Osten bekämpft, deren Mitglieder man auch nie so recht mochte. Minderheiten toleriert man eben nur dann, wenn man auf sie hinabblicken kann.

mfg
Klaus

Servus!

http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus
Gruß.Timo

Der Wikipedia-Artikel befasst sich leider erst ab dem Zeitpunkt 1789 mit dem Antisemitismus. Ansonsten ist Gernots Beitrag wahrscheinlich die bessere Antwort. Abgesehen davon, dass mir persönlich dabei zu kurz kommt, dass „die Juden“ während des ganzen Mittelalters während längerer Zeitspannen ganz komfortabel in Europa lebten. Alle paar Jahrzehnte wurden sie gepiesackt oder ganz vertrieben - aber das hing dann damit zusammen, dass es bei den Christen mal wieder einen Ausbruch von Religiosität gab (Stichwort Kreuzzüge, wozu dann auch die spanische Reconquista bzw. deren Abschluß zählt).
Davon abgesehen gab es aber z.B. in Frankfurt relatvi alte Judenghettos. „Die Juden“ unterlagen zwar - je näher zur Neuzeit desto mehr - verschiedenen demütigenden Repressalien, da aber insbesondere die Herrscher und der Adel auf Finanziers und Händler angewiesen waren, lag es schon allein deswegen in ihrem Interesse, dass Juden in ihrem Einflussbereich wohnten. (Papst Gregor d.Gr. will die Juden durch Vergünstigungen gewinnen und lehnt Zwangstaufen ab, schon der fränkischen König Ludwig der Fromme sieht die Juden per Gesetz als schutzlose Fremde, die deshalb unter „Königsmunt“ gestellt werden, d.h. unter dem Schutz des Königs stehen - mit allen Rechten und Pflichten die dazugehörten…spätere Erneuerungen dieser Gesetzgebung fanden z.B. unter Heinrich IV. und Friedrich II. statt)
Nicht zuletzt die Freien Reichsstädte waren an Ansiedlungen von Juden interessiert…
Wir erfahren halt von den mittelalterlichen Judenprogromen, die fallen dann auf und ergeben ein Bild der ständigen Verfolgung und Abschlachtung. Wenn du dir aber nur mal die Zeitdaten ansiehst, dann wird die auffallen, dass es zwar zeitliche und geografische Schwerpunkte von Progromen und Vertreibungen gibt (England/Nord- und Westfrankreich Ende 13. und Anfang 14.Jh., Hl.Röm.Reich zur Pestzeit Mitte 14.Jh., Spanien Ende 15.Jh.), dass es aber augenscheinlich dazwischen längere Zeiträume OHNE grössere Progrome gab, und da es immer Juden in Europa gab, kann auch die geografische Vertreibung nie wirklich restlos gewesen sein.
Womit ich aber (um Vorwürfen zuvor zu kommen) nicht gesagt haben will, dass es die Juden auch in den Zeiten zwischen den grossen Progromen wirklich leicht hatten. Aber zwischen „schief angeschaut und gemobbt werden“ und „vertrieben und getötet werden“ bzw. „Antisemitismus“ (der ja eine quasi wissenschaftliche „Begründung“ für den Judenhass darstellt) ist schon noch ein Unterschied…vor allem wenn es für die mittelalterliche Bevölkerung augenscheinlich ganz normal war, „zum Juden“ zu gehen, um Dinge zu kaufen, die´s halt nur beim Juden gab oder Geld zu leihen. Das lässt doch auf eine gewisse Normalität im täglichen Umgang miteinander schließen…

Und wenn du noch weiter zurückgehst, in die Antike: Da ist von generellem Judenhass noch weniger zu spüren (auch wenn er zweifellos vorhanden war!). In Rom gab´s florierende Judengemeinden (merke: Ohne Juden kein Judenhass…), und gar Babylon: Viele Juden wollten gar nicht aus der sog. „Babylonischen Gefangenschaft“ nach Israel zurückkehren - denen ging´s in Babylon viel zu gut! Da waren sie nachgewiesenermassen angesehene Bankiers, Kaufleute und ganz allgemein Bürger! Voll integriert in die Bevölkerung der Weltstadt Babylon. Dito später in Alexandria!
Dass die Juden auch in dieser Zeit unter Umständen Angst vor dem Mob haben mussten, lag dann daran, dass sie so eine ausserordentliche Religion hatten: Wenn sich der jeweilige Herrscher selbst in die Nähe der Götter bringt, dorthin gebracht wird oder gleich als Gott gilt, dann haben´s Leute mit einem kompromißlosen Eingott-Glauben natur gemäß schwer…

VG
Christian

ein Widerspruch

merke: Ohne Juden kein Judenhass…

Hallo Christian,

dieser Aussage muss ich entschieden widersprechen. Richtig wäre: „Antisemitismus braucht keine Juden.“ Soll heißen, er kommt überall vor. Auch da, wo es viele Juden gibt, aber eben auch woanders.
Das ist so ein verwandtes Phänomen zu der Tatsache, dass in den neuen Bundesländern sognifikant weniger Ausländer leben, aber dort der Ausländerhass am größten ist. Als erste Erklärung böte sich für beides die Sündebock-Theorie an.

Viele Grüße,
Andreas

was (zu) uns passt
Hallo Klaus,

Mitteleuropa ist im ungefähr im 7. Jahrhundert christianisiert
worden, hat die christliche Religion aber eigentlich nie so
recht gemocht, weil sie gar nicht zu uns passt.

Hier kann ich Dich nur bitten, nicht von Dir auf andere zu schließen. Abgesehen davon, hat sich die jeweilige Bevolkerung Mitteleuropas von Zeit zu Zeit doch sehr verändert.

Schließlich
kommt sie aus dem Nahen Osten und ist ganz schön unfröhlich.

Diese Frage möge man im Brett Religion diskutieren. In Oberbayern (nur als Beispiel) könnte die Antwort anders ausfallen als im pietistischen Schwaben.

Viele Grüße,
Andreas

Hallo,

also das halte ich nun echt für ein Gerücht.
Die Deutschen etwa ab der Jahrtausendwende waren gläugig - und wie. Für die stand die Frage nicht, ob sie das Christentum mögen oder nicht gar nicht, für die war das ihr reales tägliches Leben.
Im Übrigen solltest Du mal ein wenig daran denken, was diese Menschen tatsächlich wußten - die konnten nämlich in ihrer Mehrheit nicht einmal lesen und schreiben. Und die haben auch kein Theologiestudium betrieben. Für die war richtig, was der Pfarrer auf der Kanzel predigt - irgendwelche Studien, ob eventuell Juden und Christen den gleichen Ursprung haben, haben die doch nicht betrieben.
Und wenn es da hieß, die Juden wollten, daß Jesus gekreuzigt wird -dann war das für sie wahr. Und da jesus ja Gottes Sohn war, kam da auch gar keine Überlegung auf, daß Jesus eventuell ja selber Jude gewesen sein könnte.
Und die Inqusition haben ja nicht die Deutschen erfunden. Auch nicht, nur weil der derzeitige deutsche Papst Chef deren Nachfolgeinstitution war. Die Scheiterhaiufen brannten auch in Spanien und anderswo. Und es war die Kirche selber, die die Hexen erfunden hat und verfolgt hat - niemand sonst.

Gernot Geyer

1 „Gefällt mir“

Hallo Marlene,

zum Thema Antisemitismus gibt es ganze Bibliotheken.

Es gibt über 40 Theorien zu Antisemitismus und trotzdem bleibt ein irrationaler Rest.

Judenhass gab es schon vor Jesus und Judenfeindschaft gab und gibt es nicht nur in christlich geprägten Gesellschaften. Deshalb greifen für mich die bisherigen Antworten zu kurz.

Je nachdem, wie intensiv Du zu dem Thema Zugang suchst, findest Du reichlich Materialen und Diskussionsforen bei

http://www.antisemitismus.net

Viele Grüße

Iris

Hexen und Kirche
Hallo Gernot,

Und es war die Kirche selber, die die
Hexen erfunden hat und verfolgt hat - niemand sonst.

Das entspricht dem Stand der Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts, der außerhalb derselben auch heute noch für wahr gehalten wird. Das entspricht aber nicht dem, was wir heute wissen. Einschlägig dazu die Veröffentlichungen von Rainer Decker, Paderborn (auch zum Thema Inquisition, weil das oft mit Hexenprozessen in einen Topf geschmissen wird.)

Viele Grüße,
Andreas

Hallo,

ach so? Dann hat die Kirche also keine Hexen verbrennen lassen?
Natürlich ist Hexenjagd und Inquisition nicht gkeichzusetzen - die heilige Inquisition hat schließlich aúßer den Hexen auch noch ein paar Tausend ander Leute ins Feuer geschickt.
Aber die Hexen waren auf jeden Fall mit dabei.
Die Kirche hat alles verbrannt, was auch nur den Hauch des Zweifels hatte. Egal ob das Naturwissenschaftler waren oder andere angeblich Ungläubige. Und die Hexen hatten mehr als einen Hauch davon - schon weil sich die alten Kräuterweiblin auf Wisasen stützten, da nicht aus den Klöstern kam. Außerdem war es die helige Kirche, die grundsätzlich jeder Frau unterstellte, sündig und unrein zu sein. Die Versuchung des Weibes… das allein reichte.

Gernot Geyer

1 „Gefällt mir“

Servus!

ach so? Dann hat die Kirche also keine Hexen verbrennen
lassen?

Wurde doch nie behauptet! Aber schau dir doch mal die Literaturtipps an, dann lassen sich verschiedene Mißverständnisse wie die, die in diesem Mail noch folgen, sicher problemlos aufklären!

Natürlich ist Hexenjagd und Inquisition nicht gkeichzusetzen -
die heilige Inquisition hat schließlich aúßer den Hexen auch
noch ein paar Tausend ander Leute ins Feuer geschickt.
Aber die Hexen waren auf jeden Fall mit dabei.
Die Kirche hat alles verbrannt, was auch nur den Hauch des
Zweifels hatte. Egal ob das Naturwissenschaftler waren oder
andere angeblich Ungläubige. Und die Hexen hatten mehr als
einen Hauch davon - schon weil sich die alten Kräuterweiblin
auf Wisasen stützten, da nicht aus den Klöstern kam. Außerdem
war es die helige Kirche, die grundsätzlich jeder Frau
unterstellte, sündig und unrein zu sein. Die Versuchung des
Weibes… das allein reichte.

VG
Christian

Hallo,

ich lese gerade das Buch „Verfolgt und auserwählt - Die lange Geschichte des Antisemitismus“ von Gerals Messadié aus dem Piperverlag. Er beginnt mit der Schilderung eines vorchristlichen Antisemitismuses.

Gruß
Otto

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ursprung des Antisemitismus (für Archiv) owt.
hallo,

hab den Titelarchivtauglich gemacht. Artikel kann bei Umbenennung des ganen Threads kommentarlos gelöscht werden.

Ciao maxet.

begnadigen und die wählen statt Jesus den Mörder. Jesus war
Gottes Sohn und die Juden haben ihn gekreuzigt - das war in
einer tief religiösen gesellschaft erst einmal ein sehr gutes
Argument für Haß.

Hallo Gernot,

so habe ich es auch oft gelesen, dabei kam mir aber der
Gedanke, dass es doch eigentlich die Römer waren, die Jesus
gekreuzigt haben.
Das hat den Römern oder Italiener aber nie nachgehangen oder
hab ich da was verpasst?

Viele Grüsse
Merit

Hallo,

es kommt auf die genaue Darstellung an.

Die jüdische Priesterschicht htte Jesus bei der römischen Besatzungsmacht angezeigt - angeblich hätte er behauptet, er wäre der König der Juden. Das hat Jesus zwar so nie getan - aber so lautete die Anklage.
Damit war das Ganze auf der politischen Schiene gelandet, das wäre ja so gegen die Autorität des römischen Kaisers und des römischen Staates gewesen, also mußten die Römer reagieren.
Pantus Pilatus als römischer Statthalter hat das verfahren geführt und sich mit Jesus unterhalten. Das Ganze gibg irgendwie vor den Baum - die rdeten aneinander vorbei. Jesus konnte seinem Glauben nicht abschwören und süprach vom Reich Gottes, das Ganze war recht zweideutig, so daß er am Ende verurteilt wurde. Allerdings war Pontus Pilatus wohl nicht ganz wohl bei der Sache, er ahnte zumindest, daß Jesus unschuldig war.
Aber er war auch extrem in der Zweickmühle. Die Juden forderten eindeutig eine Verurteilung, im Falle eines Freispruches mußte der Statthalter mit einer Beschwerde in Rom rechnen. Dort aber hatte es einen Machtwechsel gegeben, in dessen Folge Anhänger des alten Kaisers (der ihn ja eingesetzt hatte) reihenweise geköpft wurden, es war für ihn also besser, da möglichst kein Aufsehen zu erregen.

Zudem tat der herr Statthalter noch etwas: Es gab 3 zum Tode Verurteilte und er stellte den Juden frei, einen davon zu begnadigen. Die Juden wählten nicht Jesus - sie begnadigden lieber einen Dieb und Mörder. Also ging Pontus Pilatus hin und wusch seine Hände mit den Worten „An meinen Händen klebt nicht das Blut dieses unschuldig Verurteilten“, womit er zum Urheber der Sprichwortes von dem „Hände in Unschuld waschen“ wurde.

Natürlich waren genau genommen also die Römer die Mörder - wen auch die Juden die Urheber waren.
Nun wurden aber anschließend die Römer irgendwann Christen und die Juden nicht, auch doe Päpste waren ja meist Römer. Da lag es nu nahe, die Geschichte endgültig umzudrehen und den Juden die Schukd zuzuweisen - schon um von einer möglichen eigenen Schuld abzulenken.

Gernot Geyer

Hallo Marlene,

nun, die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt.

Ich denke, dass alle „Begründungen“ wie z.B. die Juden hätten Christus getötet, ein wenig an den Haaren herbeigezogen sind. Christus war schließlich selber Jude. Er wurde beschnitten (aua!) und sogar an seinem Kreuz hing ein Schild mit der Aufschrift INRI = Jesus von Nazareth, Rex irgendwie, also König der Juden halt. (Ich kann kein Latein.)

Vielleicht hat man einfach immer, wenn irgendwas schief ging (Pest, Missernten, etc.) die Schuld bei jemandem gesucht, der anders war als man selber. Und so viel Auswahl hatte man da im Mittelalter wohl nicht.

Wenn die Juden in Finanzdingen erfolgreich waren, mag das daran liegen, dass ihnen zeitweise alle anderen Berufe verboten waren. Was blieb ihnen übrig?

Und wenn bis in die jüngste Zeit viele Juden sehr erfolgreich sind, könnte man sich das damit erklären, dass die anderen eben gar nicht erst überlebt haben.

Wenn du was für dein Englisch tun willst, schau mal unter www.belief.net, da ist irgendwo ein Board mit dem Titel „Learn about Judaism“ versteckt - finde ich sehr interessant. Da kannst du ja deine Frage auch noch mal stellen, vielleicht haben die eine Antwort. :wink:

Schöne Grüße

Petra

Eine Schilderung des Antisemitismus (religiös) findet sich bereits im Alten Testament, im Buch Daniel, 3, 5-27:
„Ihr sollt niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar hat aufrichten lassen. Wer aber dann nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den glühenden Ofen geworfen werden. […] Da kamen einige chaldäische Männer und verklagten die Juden: […] Nun sind da jüdische Männer, […] die verachten dein Gebot und ehren deinen Gott nicht und beten das goldene Bild nicht an. […] Nebukadnezar […] sprach zu ihnen: […] Werdet ihrʹs nicht anbeten, dann sollt ihr sofort in den glühenden Ofen geworfen werden. […] Da wurden diese Männer in ihren Mänteln, Hosen und Hüten, in ihrer ganzen Kleidung gebunden und in den glühenden Ofen geworfen. […] Nebukadnezar trat vor die Ofentür und sprach: […] Ihr Knechte des Höchsten, tretet heraus und kommt her. Da traten (sie) […] heraus aus dem Feuer […] und (sie) sahen, daß das Feuer den Leibern dieser Männer nichts hatte anhaben können und ihr Haupthaar nicht versengt und ihre Mäntel nicht versehrt waren; ja, man konnte keinen Brand an ihnen riechen“.

oder im 1. Makkabäer 1,12 (2. Jh. v.u.Z.)
Zu dieser Zeit waren in Israel böse Leute; die hielten an bei dem Volk und sprachen: Laßt uns einen Bund machen mit den Heiden umher, und ihre Gottesdienste annehmen; denn wir haben viel leiden müssen seit der Zeit, da wir uns von den Heiden abgesondert haben.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts verfaßt Philostratus das Leben des Apollonius von Tyana. In diesem Werk läßt er durch Euphrates die volkstümliche Sicht jener Zeit über die Juden zu Worte kommen:
„Schon vor langer Zeit haben die Juden sich nicht nur gegen die Römer, sondern gegen die gesamte Menschheit erhoben. Sie leben in undurchdringlicher Absonderung und verweigern der übrigen Welt die Tischgemeinschaft. Von den Trankopfern, Gebeten und Brandopfern schließen sie sich aus. Auf uns wirken sie fremder als Susa oder Bactra (in Persien) und selbst das ferne Indien.“
(Zitiert nach Gunnar Heinson „Was ist Antisemitismus?“)

Gruß
Armin

P.S.: Link
Hier gleich ein Link zu dem Board, von dem ich geschrieben habe:

http://www.belief.net/boards/discussion_list.asp?boa…

(Von der Startseite von belief.net aus ein bisschen schwierig zu finden: links „Judaism“ anklicken, dann „Judaism Home“, dann erscheint unten in der Mitte, in der linken Spalte das Board „learn about Judaism“.)