HIV bei einem Mal 'hin und her'?

Hallo Ihr grossen Medizinfrauen und -männer!

Ich hatte letztens eine Diskussion darüber, wie schnell
genau das HIV-Virus übertragen wird. Mein „Diskussionspartner“
war der Meinung, das beim GV bei - sagen wir mal - 1 mal
den Penis einführen und daraufhin gleich wieder rausziehen
das Virus noch nicht übertragen würde. Mich würde nun
interessieren, ob man das näher spezifizieren kann, wie
„schnell“ Virus übertragen wird. Liegt die Wahrscheinlichkeit
sich beim (ungeschützten) Geschlechtsverkehr anzustecken bei
100 Prozent? Oder nur bei 50? Hat das was mit der
zeitlichen Länge des Aktes zu tun?

Vielen Dank für Aufklärung!

Kai

Hallo,
100% Ansteckungswahrscheinlichkeit hast Du bei keiner
Krankheit. Verläßliche Statistiken bzgl. Deiner Frage
wird es ohnehin nicht geben, wer würde schon solche
Versuchsreihen mitmachen und ein HIV-positiver wird
im nachhinein den exakten Zeitpunkt und die Historie
an sexuellen Aktivitäten die zur Infektion führten
auch nicht bestimmen können. Im übrigen sagt dies nichts
über die Wahrscheinlichkeit aus, mit der Du dich infi-
zieren würdest, da hier Deine körperliche Verfassung,
die Sexualpraktiken und deren Intensität mitspielen
würden.

Gruss
Enno

Hallo Enno,

danke für die schnelle Antwort. Das leuchtet mir schon ein,
was du da schreibst. Aber dennoch muss es doch ein wenig
zu konkretisieren sein. Immerhin weiss man, dass ein
Condom die Ansteckungsgefahr sagen wir mal nahe an 0
bringt. Und weiterhin weiss man, das beim Oralverkehr
keine (grosse) Ansteckungsgefahr besteht. Letztendlich sagt
man doch, dass das Virus nur über das Blut übertragen wird
und demzufolge beim GV über kleine Hautrisse. Dann frage ich
mich schonwieder: Sind diese Hautrisse immer da? Reichen die
angeblich vorhandenen Hautrisse aus, die ja so klein sind, das kein Blut „durchpasst“, damit das Virus den Körper wechselt?

Man kann doch sicherlich behaupten, dass wenn ich eine
benutzte Kanüle eines HIV-Infizierten benutze, die Gefahr sich
anzustecken wesentlich grösser ist als beim normalen GV - oder??

Gibt hier vielleicht jemanden, der dazu Näheres weiss?

Gruss, Kai

Man kann doch sicherlich behaupten, dass wenn ich eine
benutzte Kanüle eines HIV-Infizierten benutze, die Gefahr sich
anzustecken wesentlich grösser ist als beim normalen GV -
oder??

Hallo Kai,
Mal vorausgesetzt, es würde so etwas, wie ein HIV-Virus geben (was durchaus auch bezweifelt wird, denn es gibt bis heute keinen eindeutigen wissenschaftlichen Nachweis).
dann kann dir niemand konkret sagen, welche Gefahr im Einzelfall gegeben ist. Die Schlagkraft deines Immunsystems ist hier ebenso von Bedeutung, wie evtl. Mikroverletzungen der Haut oder Schleimhaut.
Falls du selber Sexualkontakt mit einer HIV-positiven Person gehabt haben solltest, wirst du wohl abwarten müssen, was passiert.
Gruß
Crotalus

Hi Crotalus,

Falls du selber Sexualkontakt mit einer HIV-positiven Person
gehabt haben solltest, wirst du wohl abwarten müssen, was
passiert.

nein - das habe ich nicht! Es interessiert mich einfach, wie
genau der Vorgang der Infektion vonstatten geht.
Was kann denn aber das Immunsystem des Körpers ausrichten?
Ist es nicht so, dass das Immunsystem das Virus gar nicht
als solchen erkennt? Also angenommen, das Virus dringt in meinen
Körper ein und ich habe ein starkes Immunsystem. Was dann?
Habe ich dann immer noch eine Chance nicht infiziert zu sein?
Das würde ja die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung nochmals
senken!

Kai

hi kai,
es ist nicht wahr, daß es haarrisse benötigt, das virus wird auch über die schleimhaut(mundhöhle) aufgenommen, und auch keineswegs nur durch blut, sondern auch durch sperma und dem lusttropfen.
also beim blasen aufpassen, daß du nicht alles in den mund bekommst.

cu

strubbel
=:o)

Hallo Kai,

das Immunsystem kann deshalb nicht viel ausrichten, weil das Virus eben genau jenes befällt. Genauer sind es die CD4-positiven Lymphozyten, also die berühmten „Helferzellen“. Sie sind die Intelligenzträger im Immunsystem, da sie gut und böse voneinander unterscheiden können. Ohne ein positives Singal (also „Hilfe“) von ihrer Seite kann keine Antikörperbildung zustande kommen. Weder gegen HIV noch gegen andere Erreger - das ist ja auch der Grund, warum HIV überhaupt tödlich ist (die Patienten sterben ja nicht durch das HI-Virus sondern an banalen Infektionen).

Zur Infektionswahrscheinichkeit: Sie beträgt nach verschiedenen Schätzungen beim einmaligem ungeschützten Vaginalverkehr zwischen einem und fünf Prozent und ist damit niedriger als derjenige von anderen, langfristig tödlichen sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Hepatitis C. Es gibt dabei sicherlich Leute, die stärker für das Virus empfänglich sind als andere. Das hängt, so eine der Theorien, unter anderem davon ab, welchen genetwichen MHC-Rezeptorbesatz das Immunsystem besitzt - diese Rezeptoren entscheiden darüber, ob Fragmente des HI-Virus den Helferzellen präsentiert werden können oder nicht. Genauer: Die Rezeptoren müssen diese Fragmente binden können, der Rezeptorkomplex wird dann auf der Zelloberfläche den Helferzellen gezeigt, welche sich dann (sofern sie noch nicht allzu sehr durch das Virus lädiert sind) eine B-Zelle schnappe (welche das Erregerfragment ebenfalls erkennt). Diese wird dann die Antikörper gegen eben jenes Fragment produzieren.

Oliver

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Na das ist doch endlich mal eine Aussage! DANKE!
.

Wie warscheinlich ist es dann Hepatitis zu bekommen? Das ist doch auch eine Infektionskrankheit, also müsste es der andere schon haben!?

Wo gibts denn mehr infos dazu? Geben Hepatitis kann man sich doch implen lassen, gegen Hepatitis C aber noch nicht, richtig?

Vielen Dank,

GrüneRose

nein - das habe ich nicht! Es interessiert mich einfach, wie
genau der Vorgang der Infektion vonstatten geht.
Was kann denn aber das Immunsystem des Körpers ausrichten?
Ist es nicht so, dass das Immunsystem das Virus gar nicht
als solchen erkennt? Also angenommen, das Virus dringt in
meinen
Körper ein und ich habe ein starkes Immunsystem. Was dann?
Habe ich dann immer noch eine Chance nicht infiziert zu sein?
Das würde ja die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung nochmals
senken!

Hallo Kai,
Das Immunsystem wird das HIV-Virus (immer vorausgesetzt, dass es wirklich existiert)erkennen, denn sonst könnte es keine Antikörper dagegen bilden.
Ein schwaches Immunsystem erhöht auf jeden Fall die Gefahr einer Infektion. Ob ein starkes Immunsystem eine Infektion immer verhindern kann, weiss ich in diesem speziellen Fall auch nicht.
Schau doch mal bei einigen von den vielen Aids-Seiten im Internet nach.
Gruß
Crotalus

Hallo Rose,

ja, Hep C ist natürlich auch eine Infektionskrankheit, nur daß sie akut oft symptomlos bleibt, und chronisch binnen Jahrzehnten (wahrscheinlich immer) zu einen Leberzirrhose führt, wenn man nicht vorher aus ganz anderen Gründen stirbt (also sofen man alt genug wird, die Zirrhose zu erleben).

Das ganze ist noch Gegenstand der aktuellen Forschung, man vermutet allerdings , daß Hep C der Hauptverursacher der nichtalkoholischen Zirrhosen ist.

Hep B gibt es natürlich auch noch, der Verlauf ist akut stärker, dafür seltener chronisch, hier existiert eine Impfung, die spätestens dann sinnvoll ist, wenn man nicht zu 100% in einer festen (und treuen!) Partnerschaft lebt.

Quellen aus dem Net kann ich Dir so aus dem Stehgreif leider nicht nennen, müßtest vielleicht mal Googlen :wink:

Oliver

Die Infektionswahrscheinlichkeit bei Hepatitis ist übrigens verglichen mit HIV höher, hat man in Studien herausgefunden. Ausnehmend hässlich sind beide Erkankungen und ich würde sie daher keinem empfehlen, zumal die Vermeidung beider Krankheiten den gleichen Gesetzen unterliegt (beide über Blut- und Sexualflüssigkeiten hauptsächlich übertragbar). Das gleiche gilt für Hep. B, gegen die man sich (wie schon richtig gesagt) impfen lassen kann, nur ist hier die Wahrscheinlichkeit für eine chronische Erkrankung zwar auch noch gegeben, aber nicht so unglaublich hoch, wie bei Hep. C.

Claudia

Hallo Kai,

Und weiterhin weiss man, das beim Oralverkehr
keine (grosse) Ansteckungsgefahr besteht.

IRRTUM, wie Strubbel schon richtig gesagt hat. In Genitalflüssigkeiten ist die Virenkonzentration relativ hoch und so kann das Virus über Mundverletzungen oder auch über Schleimhäute aufgenommen werden. Das Virus (solange nicht nachgewiesen ist, was es denn eigentlich ist, bleibt es für mich der Einfachheit halber ein Virus) wird sich so bald wie möglich aus seiner Trägerflüssigkeit lösen und sich eine Zelle suchen, wo es sich mit Hilfe der Zellorgane reproduzieren kann. Wenn es in Flüssigkeit ist, kann es sich nicht reproduzieren und läuft Gefahr, vom Immunsystem erkannt zu werden. Das ist ja das Fiese an diesem Virus: Es versteckt sich so gut in Zellen, dass selbst die Zelle bei der Reproduktion nicht merkt, dass sie ein Virus produziert.

Man kann doch sicherlich behaupten, dass wenn ich eine
benutzte Kanüle eines HIV-Infizierten benutze, die Gefahr sich
anzustecken wesentlich grösser ist als beim normalen GV -
oder??

Wenn in der Kanüle noch flüssiges Blut drin ist, was ja bei Junkies meist der Fall ist, da sie a) natürlich Blut zurückziehen, bevor sie sich was spritzen, damit es nicht ins Gewebe sondern ins Gefäß geht und b) der Wechsel ja möglichst schnell gehen muss, weil die Kanüle sonst dicht ist durch geronnenes Blut, ist die Gefahr der Ansteckung, wenn Du Dich in den Reigen der Spritzrunde einfindest, keinesfalls gering. Der Weg ist absolut direkt.

Da Du jedoch häufiger mit Genitalflüssigkeiten in Kontakt kommst als mit benutzten Junkie-Kanülen, denke ich, dass für Dich persönlich wie für den durchschnittlichen Bürger der Kontakt mit einem (möglicherweise nicht wissenden) Infizierten wahrscheinlicher ist und Du Dich so aufgrund der guten Übertragbarkeit sowohl beim Oralsex wie auch bei anderen Verkehrspraktiken (insbesondere wenn Verletzungen dabei entstehen) anstecken kannst.

Claudia

Frauen und Maenner

Liegt die Wahrscheinlichkeit

sich beim (ungeschützten) Geschlechtsverkehr anzustecken bei
100 Prozent? Oder nur bei 50? Hat das was mit der
zeitlichen Länge des Aktes zu tun?

Hallo!

Ich glaube, es ist hier noch nicht erwaehnt worden: die Infektions-Chance ist naturgeamess fuer Frauen um ein Vielfaches hoeher als fuer Maenner - klar, bei HIV-haltigem Sperma, das dann noch fuer Tage in der Frau bleibt, wird das Virus irgendwo einen Eintrittsweg finden. Selbst in den „Glueckstropfen“, die oft schon kurz nach der Erektion ausgeschieden werden befindet sich potentiell Virus.
Maenner sind dann sicherlich einem groesseren Risiko mit einer HIV-positiven Frau ausgesetzt, die z.B. viele Partner hat oder hatte (Prostituierte und so), denn die Vaginalschleimhaut ist gereizt oder verletzt, d.h. neben dem Virusanteil im Sekret kann auch Blut bei sein. So also auch, wenn sie ihre Tage hat.
Und wenn es eine „Hardcore“-Prostituierte ist, dann koenntest Du Dich im Prinzip am Sperma eines anderen Typen anstecken (theoretisch sogar, wenn die Frau selbst HIV-negativ ist).

Igitt, aber das ist eine etwas eklige Vorstellung.

Vor einigen Jahren habe ich die Faustregel kennengelernt: wenn das Risiko fuer einen Mann 10% ist, sich bei einem einmaligen Verkehr mit einer HIV-positiven (nicht aidskranken!) Frau anzustecken, ist es fuer eine Frau mindestens 50-60%. Wie aber schon erwaehnt, einmal kann schon zuviel sein, es kann keine Teststudien dazu geben.
Sepp