Hallo Marion,
Ich bin Maya, die Freundin von Heidi und möchte Dir auf einige
Fragen antworten.
Du meinst, ihr würde es besser gehen, wenn du sie überzeugen
könntest, dass sie nicht an den Folgen von AIDS sterben muss,
auch wenn DAS eine Lüge ist ?
Lüge?: Auch wenn es eine Lüge ist, und es ist ein anderer Virus
oder was auch immer (Tatsache ist, dass ich nicht gesund bin -
wer ist wirklich gesund? - aber ich kann etwas dagegen tun, wenn
ich weiss, was es ist). Und bei der Diagnose HIV wird nicht gross
gefackelt. Es gibt da ja schon etliche Chemie, die „das Leben
verlängern“.
Mir geht es schon besser, wenn ich nicht immer daran denken muss,
dass ich in nächster Zeit an AIDS sterbe. Sterben muss jedes und
ich habe mich in dieser Zeit viel damit auseinandergesetzt. Dazu bin ich bereit. Aber in Wirklichkeit weiss niemand, wann seine Zeit gekommen ist und wie … Es geht mir dann besser, wenn ich
eine Zukunft sehen kann und mein Leben aktiv gestalten kann.
Es kann sein, dass ich trotz dieser HIV-Diagnose morgen ver-
unfalle und nicht an AIDS sterbe, das spielt keine Rolle. Aber
wenn ich denken muss, nächstens sterbe ich an diesem Virus, dann
habe ich nicht mehr viel Motivation, etwas aus meinem Leben zu
machen. Das ist für mich der Unterschied. Seit ich weiss, dass
es gar kein AIDS gibt, geht es mir viel besser. Ich bin sehr dank
bar für den Artikel von Michael Leitner, obwohl ich vieles nicht
verstanden habe, da ich medizinisch nicht sehr versiert bin.
Aber ich bin ein kritisch denkender Mensch und mir sind einfach
viele Ungereimtheiten und unlogische Zusammenhänge aufgefallen
in der Zeit, seit ich diese Diagnose erhielt. Als ich den Artikel
von Michael Leitner gelesen habe, ist es mir wie Schuppen von den
Augen gefallen.
Zum Beispiel war es für mich ein Stress, dass ich bis vor 3 Jah-
ren nicht darüber sprechen konnte. Und zwar, weil ich grosse
Angst hatte davor, abgewiesen oder verurteilt zu werden. Meinen
Kindern wollte ich das auch nicht aufbürden, damit sie auch noch
etwas länger Kinder sein können. Ausser Heidi hat mir bisher
niemand wirklich geholfen und ist auf diese Weise auf mich ein-
gegangen. Es gibt einen Weg für jeden. Es war auch für meine
Kinder ein Stress, als sie es erfahren haben. Und alle haben sich
auseinandergesetzt mit dem Tod. Das geht jedem so, nur will nicht jedes darüber sprechen. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzu-
setzen. Und ich möchte nicht nur immer verarscht werden von
Leuten, die uns alle manipulieren möchten, um sich selber noch
mehr zu bereichern. Menschen sind nicht viel wert bei einer sol-
chen Denkweise und ich kämpfe für die Menschenwürde. Es ist mir
nicht egal, w i e ich sterbe.
Es ist an dieser Stelle nicht möglich, auf alle Punkte ein-
zugehen, ein andermal mehr.
Ich bin auch immer sehr am schwanken, ob man Menschen, die
sehr schwer krank sind (wie schwer krank ist eigentlich deine
Freundin ?
Bin nicht schwer krank, aber Hepatitis B-Rückfälle und kleinere
Pilzinfektionen.
Ich meine, es ist auch sicher ein Unterschied, ob
man „nur“ HIV-Infiziert ist, oder ob man als Folge davon,
bereits schwere Krankheitssymptome zeigt) das „worst case“
Szenario offenbaren soll oder nicht. Ich glaube, ich für
meinen Teil würde schon die ganze Wahrheit wissen wollen. Wenn
deine Freundin noch nicht erkrankt ist, soll sie alles
menschenmögliche tun, um gesund zu bleiben.
Bin seit 1986 „HIV-positiv“ und habe 1996 erstmals Medikamente
erhalten, Chemie und habe diese Studie dann nach nicht ganz ei-
nem Jahr abgebrochen, weil es mir immer schlechter ging. Konnte
diese Tabletten kaum nehmen, weil sie mir den Magen verdarben und die ganze Freude am Leben. Hatte sehr viel damit zu tun, dass es
mir nicht schlecht wurde von den Medikamenten. Deshalb habe ich
diese dann einfach nicht mehr genommen. Versuche auf jeden Fall,
gesund zu bleiben. Mit der Ernährung, vor allem auch mit der
Einstellung zum Leben.
Ich möchte jeden Tag in Freude leben können. Die Qualität ist
mir sehr wichtig. Und Freunde mit einer positiven Einstellung und
Freude am Leben. Solche habe ich auch gefunden.
Falls sie aber
schwer krank ist, was willst du ihr dann sagen ? Ist es dann
wirklich noch so wichtig, woran sie sterben wird ? Oder ist es
nicht wichtiger, sich mit dem Sterben und dem Tod
auseinanderzusetzen ?
Nimmt deine Freundin psychotherapeutische Hilfe in Anspruch ?
Nein, ich habe in Heidi und René Freunde gefunden, mit denen ich
durch dick und dünn gehen kann.
Wenn ich immer daran denken muss, was ich habe (HIV), dann geht’s
mir grad schlechter. Die AIDS-Hilfe konnte mir nicht wirklich
helfen, nicht menschlich, z.T. aber finanziell. Es stehen meiner
Meinung nach viel zu wenige bis gar keine Mittel zur Verfügung oder an falscher Stelle (Kritische Informationen und aktive
Unterstützung). Diese HIV-Diagnose machte mich hoffnungslos und
meine Gedanken drehten sich nur noch um diese ganzen Horror-
Szenarien, die man überall lesen, sehen und hören kann. Ich habe
schon längst vermutet, dass das nicht alles stimmen kann, meine
Erfahrungen mit den Medizinern waren und sind für mich sehr
unbefriedigend. Niemand sagt genau etwas oder weiss genau etwas.
Und ich habe mich gefragt: Bin ich eine, die überlebt? Vielleicht
bin ich so eine, sonst wäre ich ja auch schon tot. Die wirklichen
Ursachen meiner Schlaffheit haben sich als Hepatits B-Rückfall
erwiesen. Ich frage mich: was ist AIDS und HIV-positiv? Wer weiss
das wirklich? Zum Glück gibt es solche Leute wie Michael Leitner.
Grüsse, Maya