Kirche im Dorf, oder: Der Staat als Versicherung
Hi,
Aber ist dir eigentlich klar, dass es hier um eine Katastrophe
geht, wie sie Deutschland seit dem WK 2 nicht erlebt hat??? Es
geht um Tausende, die alles oder das meiste verloren haben, es
sind hunderttausende, nach anderen Aussagen gar Millionen
Menschen betroffen, zehntausende auf der Flucht
vorab: „4 Millionen Menschen betroffen“ hab ich jetzt schon mehrfach gehört. Wenn ich mich recht entsinne, lebten in der DDR rund 16 Mio. Menschen. 4 Millionen Menschen wären also ein Viertel davon. Übrigens hat Sachsen an sich nur 4,3 Mio. Einwohner. Insofern wird da wieder ein bescheuerter Journalist grob geschätzt haben und bei der Gelegenheit einfach mal die Einwohnerzahlen der Stadt- und Landkreise addiert haben.
Wie auch immer.
Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, noch der Hinweis, daß es mir völlig egal ist, ob das Ding Soli, Doofi, Schrödi oder Stoibi heißt, zahlen werden wir so oder so, und wenn es über die Sozialversicherungsbeiträge ist.
Neulich las ich, daß die Deutschen überversichert seien und zwar jenseits von Sinn und Verstand. Komisch jedoch, daß man keine Elementarschädenversicherung hat, ja, besser noch: Seine alte DDR-Versicherung (die die Elementarschäden enthielt) kündigte, um sich dann die viel günstigere Wessi-Versicherung andrehen zu lassen.
Eine Elementarschädenversicherung kostet, so kam es eben im TV (ich kann die Zahl also nicht verifizieren), 80 Euro im Jahr. Kann es sein, daß man sich diese Versicherung erspart, wenn man in der Nähe eines Flusses wohnt, der durchaus schon mal über die Ufer tritt und im gleichen Atemzug bereitwillig eine Reisegepäckversicherung anschafft? Ich bin bereit, Wetten darüber abzuschließen, wieviele der Einwohner, deren Habe sich etwas verwässert hat, über eine Rechtschutzversicherung verfügen und diese verwenden werden, um Schadenersatz bei wemauchimmer einzuklagen.
Die Größe der Katastrophe spielt zur Beurteilung der Situation keine Rolle. Der Schaden pro Person/Familie ist der gleiche, als wenn das Haus mit einer Gasexplosion in die Luft geflogen wäre. Warum also jetzt ein Sonderfonds?
Und noch eins: Nach dem Hochwasser an der Oder vor ein paar Jahren kam durch Spenden soviel Geld zusammen, daß die Organisationen gar nicht wußten, wem sie damit noch helfen sollten.
Da hinken wirklich alle Vergleiche. Das hat mit Osten nix zu
tun, da ist Neid unangebracht.
Ich bin durchaus bereit, zuzugestehen, daß der Staat eine Fürsorgepflicht hat und in diesem Fall was bringen sollte. Nur: Das als Selbstverständlichkeit anzusehen und sogar dieses zu fordern, halte ich für einen typischen Auswuchs der deutschen Vollkaskomentalität.
Gruß
Christian
P.S.
Die beste Maßnahme, die der Staat jetzt durchführen kann, ist die von Raimund angesprochene Pflichtversicherung. Haftpflicht für Auto und Haus haben wir schon, da sollte diese Versicherung wohl auch noch drin sein, die man im übrigen als Vorsorgeaufwendung von der Steuer absetzen kann.