Hallo!
Vielen dank, für Eure Antworten! Ja, dass ich mein Studium unterbrochen habe - ist wirklich sch…e. Fakt ist: Ich hatte 3 Monate meine Krankenversicherung nicht zahlen können, da hat mir die Kranken Versicherung gesagt: so geht das nicht!. Mein Konto war wegen der Studiengebühren (655,15 Euro pro Halbjahr) auch total im Minus! Mit einem Nebenjob funktionierte es leider auch nicht…ich war gezwungen zur Arge zu gehen, damit meine Krankenversicherung bezahlt wird. Die Arge zahlt aber nur, wenn ich arbeiten gehe - und nicht wenn ich studiere eine Unterstützung. Es ist auch finanziell für mich ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ging nicht anders. Das hört sich vielleicht für einige von Euch unvorstellbar an, aber das ist leider die Realität.
Ich hätte gerne weiterstudiert, mein Studium lief auch bestens (ich gehörte mit zu den Besten, einfach weil es mich sehr interessierte)… aber der finanzielle Druck war zu groß geworden.
Eine erfreuliche Nachricht:
Mein Freund hat jetzt entschieden, alles aufzulösen… und will seine Sachen veräußern. Es ist nicht so, dass er jede freie Minute in seiner Halle verbracht hätte, um dort zu schrauben. Er hatte im letzten Jahr gar keine Zeit für sein Hobby… und so richtig die Begeisterung ist auch nicht mehr da gewesen (früher ist er gerne selber zu Autotreffen gefahren, heute nicht mehr). Ich denke, er hat gemerkt, dass jetzt eine neue Zeit anbricht.
Wir beide lieben uns sehr, wir verstehen uns sehr gut (auch wenn es mal kracht… bleibt der Respekt vor dem anderen immer gewahrt). Wir wollen auch heiraten - und auch eine Familie gründen, das wäre schon ein sehr großer Herzenswunsch. Aber ohne Geld, ist dieser Wunsch nicht zu erfüllen. (mal ganz davon abgesehen, ob ich dann auch schwanger werden sollte).
Wir sind auch beide durch genügend Beziehungen gegagnen und haben gelernt, aufeinander acht zu geben und sich zu unterstützen. Will damit sagen, wir sind beide über 30 und noch unter 40 ;o)
Ich selber wollte gerne Lehrerin werden - habe zuvor eine Ausbildung als Sekretärin gemacht und mein Abi auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt. Ja, es ist sehr bitter kann ich euch sagen, jetzt aus finanziellen Bedingungen gezwungen zu sein alles erst mal liegen zu lassen. Klar, ich werde nicht jünger… und ob ich das Studium beende steht jetzt tatsächlich auf einem wackeligen Beinen.
Ich mache es einfach davon abhängig, wie sich alles ergibt: Was ich für einen Job finde (ob er mir so weit gefällt). Falls ich aber nach einem Jahr merke, oh nee… ich will mein Studium beenden, dann werde ich es machen. Dann wird aber hoffentlich mein Freund so viel Geld verdienen, dass ich in seinem Büro auf 400 Euro arbeiten kann und das Geld für meine Kosten beisammen habe.
Es ist nicht so, dass ich gerne diesen Schritt gegagen bin, aber es ist m. E. im Moment der einzig sinnvolle. Ohne Moos nix los!
Mein Freund arbeitet bisher nur als Subunternehmer - er darf keine Werbung machen - weil er nicht in die Handwerksrolle eingetragen werden kann. Ihm werden jede Menge Steine in den Weg gelegt - und wer selber aus einem zulassungsplichtigen Handwerk kommt, der weiß welche Diskriminierung unsere Handwerker in Deutschland erfahren. (Jeder aus dem Eu-Mittgliedsland darf ohne Eintrag in die Handwerksrolle sofort ein in Deutschland zulassungspflichtiges Handwerk ausüben, ohne Meisterbrief. Nur die Deutschen müssen die teure Ausbildung zum Meister machen, und das ist m. E. eine Diskriminierung. Wen dieses Thema betrifft oder interessiert, kann mal auf die Seite des www.buhev.de gehen. Die versuchen den Meisterzwang zu kippen.
Ich weis, dass mein Freund das Potential dazu hat selbständig zu sein. Er ist m. E. der gebohrene Unternehmer: Er hat viel Energie, langjährige Berufserfahrung, kann fachgerecht beraten und Kunden überzeugen, er ist fleißig, gewissenhaft und auch in seinem Job sehr von den Kollegen angesehen. Sonst würde er nicht so erfolgreich im Sub arbeiten können. Aber es ist auf Dauer einfach nicht genügend Arbeit, er kann ja nicht selber werben, um Kunden zu bekommen. Er muss immer persönlich nach Arbeit fragen… und das ist nicht effektiv genug.
Einer von uns beide muss jetzt in den sauren Apfel beißen. Ich oder er. Da seine Ausbildung nur ein Jahr beträgt, und ich ja später von seinem Verdienst mitprofitiere, sehe ich es nicht als ein zu großes Opfer an, mein Studium aufzuschieben. Ich denke, dass es so nur fair ist.
Ich denke, das Problem was ich habe, haben viele junge Leute. Ausbildung ist echt verdammt teuer geworden. Auch wenn man über eine Fernschule eine Ausbildung macht, dann kostet das viel Geld. Ich sehe hier ein riesiges politisches Problem: Das geeignete und motivierte Menschen keine Chancen haben, ihr Potential in unsere Wirtschaft voll einbringen zu können.
Klar, werde ich jetzt in meinem neuen Job alles geben - ich denke, dass mein Potential als Lehrerin am besten eingebracht wäre. Aber ich kriege kein Bafög, keinen Kredit bei der Bank… und den Rest kennt ihr ja.
Nichts desto trotz, denke ich, kann man auch so glücklich werden. Die Goldenen Zeiten sind eben nicht mehr da in Deutschland … und es geht nicht mehr um die „Berufung“ an sich, sondern ums Überleben.