Hochbegabung: Ab wann feststellbar?

Hai, Anja,

Was ich nicht verstehe ist, daß in der heutigen Gesellschaft
ein normaler Umgang mit dem Thema Intelligenz fast nicht
möglich ist. Warum kann ich nicht sagen, daß ich eine IQ
>130 habe, ohne daß ich gleich als überheblich gelte. Wenn
ein Sportler erzählt, daß er gestern einen Marathon gelaufen
ist rollt ja auch keiner mit den Augen.
Intelligenz ist die einzige Begabung, die sehr oft mit
Mißtrauen betrachtet wird - warum auch immer.

ein wahres Wort gelassen ausgesprochen…

Gruß
Sibylle

Ab wann, meint Ihr, sei eine Hochbegabung bei einem Kind
feststellbar? Wir diskutierten kürzlich darüber, und die
Meinungen gingen sehr weit auseinander. Klar mag es eindeutige
Fälle geben, wenn der junge Mozart mit 2 Jahren schon
Tonleitern auf dem Klavier klimpert. Aber HB ist doch nicht
immer so eindeutig festzustellen und einzugrenzen. Oder? Dann
gäbe es ja nicht so viele „verkannte“ hochbegabte Kinder.

Hallo Nike,

in unser Praxis gehört die Feststellung von Hochbegabung zum Alltag. Aber über das Wie wußte ich nicht genau Bescheid, und ich hatte erst heute Gelegenheit eine Psychologin zu fragen, angeregt durch dein Posting: Es gibt spezielle Tests für Kinder, wenn bei denen „Verdacht“ auf HB besteht, was voraussetzt, dass es lesen und schreiben kann. Wenn Kinder im Vorschulalter oder jünger sind, dann können Indizien z.B. wie Langsamkeit beim Erledigen von Aufgaben, Einzelgängertum, besonders intensive Wahrnehmung des Umfelds ein Hinweis auf Hochbegabung sein. Wie schon hier geschrieben gibt es unter den Hochbegabten meistens Spezialisten, weniger Allroundgenies.
Was mich jedesmal bei unseren Kindern überrascht, sind die schlechten Zeugnisnoten im Gegensatz zu den erbrachten Leistungen von den Tests, die die Psychologen mit ihnen gemacht haben.

viele Grüße
claren

Hallo claren,

Was mich jedesmal bei unseren Kindern überrascht, sind
die schlechten Zeugnisnoten im Gegensatz zu den erbrach-
ten Leistungen von den Tests, die die Psychologen mit
ihnen gemacht haben.

LOL. Irgendwie scheinst Du’s ja auch etwas zu ahnen,
dass diese ganze „Hochbegabtlerei“ vielleicht ein Life-
style-Phänomen (bzw. dessen Kehrseite!) der übersatten
und überregulierten modernen Gesellschaft sein könnte :wink:

Wieso sollte ein Kind auch „hoch begabt“ sein, wenn es
sich mit Vorliebe auf das Erlernen von eigenartigen
„Kunststückchen“ einlässt, die ein Teil seines Umfeldes
für „ganz toll“ oder „niedlich“ hält?

Und wenn dann alles oder vieles ausserhalb dieser „Kunst-
stückchen“ auf der Strecke bleibt …? Wie müsste man
das korrekterweise bezeichnen?

Hmmm.

Grüße

CMБ

Hallo,

LOL. Irgendwie scheinst Du’s ja auch etwas zu ahnen,
dass diese ganze „Hochbegabtlerei“ vielleicht ein Life-
style-Phänomen (bzw. dessen Kehrseite!) der übersatten
und überregulierten modernen Gesellschaft sein könnte :wink:

ich kann nicht behaupten, mich in der Materie auszukennen, aber diesen Gedanken hatte ich auch schon.

Das Problem scheint nicht an den Kindern zu liegen, sondern an den hiesigen Erziehungsprinzipien und -richtlinien. Es ist doch egal, welchen IQ ein Kind hat - wenn es im KiGa Puzzles zusammensetzen will, was soll daran schlimm sein? Und selbst wenn das Kind das mit den Eltern geübt hat, was ist daran schrecklich? Meiner Meinung nach zeigt das nur, dass sich die Eltern ernsthaft mit der Förderung ihres Kindes beschäftigen.

Wenn ein Kind durch das jahrelange Spielen in der Grundschule unterfordert ist, dann ist das meiner Ansicht nach normal. Ich kenne ein anderes Grundschulprinzip aus eigener Erfahrung, bei dem es von Anfang an ums Lernen und auch um Leistung (Noten) geht. Mir hat das nicht den Spaß am Lernen genommen, im Gegenteil, es hat mich angespornt, hat meinen Ehrgeiz angesprochen und mich gefordert. Spielen konnte ich dann immer noch zu Hause und in den Pausen.

Was ich hier von den HB-Beschreibungen so lese, trifft in vielen Punkten auf mich zu, dennoch würde ich mich nicht für anormal halten. Als Beispiel: Ja, mein Vater hat mir mit 2 das Lesen beigebracht und mit 3 las ich schon flüssig ganze Bücher. So what? Was ist schlimm daran, dass mein Vater mich gefördert hat?
Mit 4 habe ich meine Mutter bedrängt und faktisch dazu gezwungen, mich in einen Englisch-Kurs zu geben. Wiederum: so what? Ich hatte nun mal Spaß an Sprachen. Warum soll das gleich bedeuten, dass ein Kind „anormal“ (HB) ist oder dass ein Kind von seinen Eltern „gequält“ wird?

Ich würde mein Kind auch von Anfang an fördern. Wenn es nicht mit 3 lesen kann, sage ich wiederum: So what? Jedes Kind hat seinen eigenen Zeitplan, das bedeutet aber nicht, dass man mit den Kindern nicht schon früh anfangen kann zu lernen. Man stelle sich vor, dass das Kindern sogar Spaß macht. Und das hat nichts mit Normalität, Kinderquälerei und Überforderung zu tun.

Dass Erziehungsprobleme zwangsläufig mit HB zusammenhängen, würde ich auch bezweifeln. Sie sind höchstens Folgen einer Gesellschaft, die für alles Normwerte festlegt und jeden, der dem Mittelwert nicht entspricht, Normalität abspricht. Ansonsten muss ich sagen, dass es kein „einfaches“ Kind gibt. Jedes Kind macht in der einen oder anderen Weise seinen Eltern Probleme. Das gleich auf HB zu schieben… Na ja.

Insofern sehe ich das Problem nicht in den Kindern und halte die Diagnose für überflüssig. Als überfällig sehe ich hingegen einen gesellschaftlichen Meinungswandel an. Wir müssen wegkommen von Parolen à la: Ich will dem Kind seine Kindheit lassen, deswegen bringe ich ihm nichts bei. Das Lernen macht Kindern Spaß und hat ganz und gar nichts mit einem Wegnehmen der Kindheit zu tun, ganz im Gegenteil. Und wir müssen von diesem Normdenken wegkommen. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. :wink:

Grüße,
Anja

Kinder sind für die Schule da, nicht umgekehrt
Hallo Semjon,

unsere Praxis kann sich vor „Patienten“ kaum retten, dank unseres Schulsystems, das mit seiner Struktur so grob ist, dass es mit seinen Wissensvermittlungsangeboten zu wenigen Kindern gerecht wird. Alle anderen wursteln sich durch und werden vor lauter Frust krank, oder landen einen Level unter ihrem Niveau in eine andere Schule, und brauchen dafür fachärztliche Gutachten. Darunter leiden z.B. auch überforderte Professorenkinder (meist mit sehr hohem IQ), die sich in der Schule verweigern, weil sie als Menschen nicht mehr wahrgenommen werden, oder Sonderbegabte, die dann in einem anderen Fach so schlecht sind, dass sie ständig das Damokles-Schwert „Versetzung gefährdet“ über sich hängen haben. Und dafür braucht es dann einen „Nasa“-Test, um zu beweisen, dass diese Kinder dank ihrer Geistesleistung selbst fliegen können, denn die Gesellschaft will schon von Schulkindern wissen, ob sie sich später selbst ernähren können, und übersieht dabei, dass der Druck in der Schule so hoch und so rigide ist, dass die Kinder vorher schon schlapp machen (Eß-,Schlaf-, Verhaltensstörungen).
Kurzum: Schule und Ausbildung dient nicht uns, sondern umgekehrt: jeder von uns muss beweisen, dass er würdig ist ausgebildet zu werden - hauptsache Mensch ist meßbar!

pah, ein Thema, bei dem mir jedesmal das Grausen kommt.
viele Grüße
claren *keineLustaufPolemikzuverzichten*

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Mahlzeit,

Das Problem scheint nicht an den Kindern zu liegen, sondern an
den hiesigen Erziehungsprinzipien und -richtlinien. Es ist
doch egal, welchen IQ ein Kind hat - wenn es im KiGa Puzzles
zusammensetzen will, was soll daran schlimm sein? Und selbst
wenn das Kind das mit den Eltern geübt hat, was ist daran
schrecklich? Meiner Meinung nach zeigt das nur, dass sich die
Eltern ernsthaft mit der Förderung ihres Kindes beschäftigen.

du scheinst dich nur auf Dinge zu beziehen, die „normale“ Kinder betreffen. Da hast du sicherlich Recht: die Kinder sollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten (und im Rahmen der Möglichkeiten von Eltern und Erziehern) gefördert werden. Deine Beispiele betreffen aber nur „begabte“ Kinder.

Bei Hochbegabten ist das anders: sie sind nicht nur ein bißchen schlau, sondern haben in manchen Punkten eine wesentlich andere Wahrnehmung und Auffassungsgabe - sie sind eben „hoch“ begabt. Diese Begabung zu erkennen, ist deswegen wichtig, weil normale Erzieher oder auch Eltern nicht damit umgehen können; diesen Kindern ist dann eine ihrer Begabung entsprechende Förderung nicht gegeben. Damit bleiben bestenfalls ein paar Talente brachliegen, im schlimmeren Fall werden solche Kinder aufgrund ihrer Unterforderung sozial auffällig. Dann tritt der paradoxe Effekt auf, daß sie, obwohl sie sehr begabt sind, die Anforderungen aus ihrem normalen Umfeld nicht erfüllen.

Dass Erziehungsprobleme zwangsläufig mit HB zusammenhängen,
würde ich auch bezweifeln.

So ist es. Du sprichst das grundlegende Problem vieler Eltern, wenn ihre Kinder Schwierigkeiten machen. Viele haben Angst, zuwenig für ihre Kinder zu tun, indem sie diese auf konventionelle Ursachen zurückführen; es könnte ja theoretisch sein, daß die Auffälligkeit ihrer Kinder auch mit Hochbegabung zu tun hat.

Sie sind höchstens Folgen einer
Gesellschaft, die für alles Normwerte festlegt und jeden, der
dem Mittelwert nicht entspricht, Normalität abspricht.

Ich denke, das Gegenteil ist der Fall: man möchte auch anerkennen, daß Kinder abseits der Norm ihre Begabung haben könnten und sucht nach möglichen Auswegen.

Insofern sehe ich das Problem nicht in den Kindern und halte
die Diagnose für überflüssig.

Wenn die Diagnose zutreffend ist, ist sie keineswegs überflüssig: sie ist die Voraussetzung dafür, daß das Kind endlich einen Rahmen findet, in dem er entsprechend seiner Möglichkeiten gefördert werden kann. Und nicht zuletzt ist auch eine Negativfeststellung wichtig: wenn ich weiß, daß mein Kind nicht hochbegabt ist, kann ich mich seiner Probleme auf anderer Weise widmen.

Gruß

Sancho

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Hallo Sancho,

Bei Hochbegabten ist das anders: sie sind nicht nur ein
bißchen schlau, sondern haben in manchen Punkten eine
wesentlich andere Wahrnehmung und Auffassungsgabe - sie sind
eben „hoch“ begabt. Diese Begabung zu erkennen, ist deswegen
wichtig, weil normale Erzieher oder auch Eltern nicht damit
umgehen können; diesen Kindern ist dann eine ihrer Begabung
entsprechende Förderung nicht gegeben. Damit bleiben
bestenfalls ein paar Talente brachliegen, im schlimmeren Fall
werden solche Kinder aufgrund ihrer Unterforderung sozial
auffällig.

aus meiner Sicht sind in dem heutigen KiGa-Grundschul-System viele Kinder unterfordert, ungeachtet von ihrem IQ. Worauf ich abziele, ist ein Bildungssystem, das jedes Kind fördert - also keine Normen festsetzt à la „wenn das Kind mit 7 Jahren lesen kann, ist das ok“, sondern bei jedem Kind seine Begabung voll ausschöpft. Das setzt Erzieher voraus, die dem Kind nicht sagen: weil du mit 3 Jahren ein Puzzle zusammensetzen kannst, bist du sowieso schon viel besser als die anderen in deinem Alter, also brauchst du eh nicht weiter gefördert zu werden. Im Gegenteil, das Kind soll immer ein höheres Ziel vor Augen haben, immer wieder eine neue Herausforderung. Das vermisse ich am hiesigen Bildungssystem, das so viel aufs Spielen setzt und so wenig darauf, den natürlichen Ehrgeiz und die Neugier der Kinder herauszufordern. Da ist es klar, dass besonders intelligente Kinder wiederum auf der Strecke bleiben. Aber nach meiner Vorstellung ist es eben nicht so, dass diese Kinder einer speziellen Behandlung bedürfen, sondern - wie jedes andere Kind auch - bis zu ihrer Leistungsgrenze herausgefordert werden sollen. Ich sehe hier keinen Unterschied zwischen „nur begabten“ und „hochbegabten“ oder „unbegabten“ Kindern - das Ziel sollte sein, dass jedes Kind seine individuelle Höchstleistung erbringt, es sollte keine Grenzen nach oben geben.

Ok, zugegeben, das artet jetzt in eine Kritik am hiesigen Bildungssystem aus. Aber meiner Meinung nach liegt genau dort der Hund begraben und nicht im IQ des Kindes.

So ist es. Du sprichst das grundlegende Problem vieler Eltern,
wenn ihre Kinder Schwierigkeiten machen. Viele haben Angst,
zuwenig für ihre Kinder zu tun, indem sie diese auf
konventionelle Ursachen zurückführen; es könnte ja theoretisch
sein, daß die Auffälligkeit ihrer Kinder auch mit Hochbegabung
zu tun hat.

Ja, das ist doch immer eine elegante Begründung. :wink: Und wenn der Test was anderes anzeigt, könnte man sich auf ADS berufen - bis auch das vom Psychologen widerlegt wird und dieser einen auf die eigenen Erziehungsfehler hinweist. :wink: (ich will damit jetzt nicht ADS als Erkrankung bestreiten, sondern spiele nur darauf hin, dass es gewisse Modeerkrankungen gibt, die manchen Eltern als Ausrede dienen - solange von professioneller Seite das Vorliegen der Erkrankung nicht widerlegt wird)

Sie sind höchstens Folgen einer
Gesellschaft, die für alles Normwerte festlegt und jeden, der
dem Mittelwert nicht entspricht, Normalität abspricht.

Ich denke, das Gegenteil ist der Fall: man möchte auch
anerkennen, daß Kinder abseits der Norm ihre Begabung haben
könnten und sucht nach möglichen Auswegen.

Solange diese Kinder eine spezielle „Schublade“ benötigen (hochbegabt), kann von einer Normalisierung nicht die Rede sein. Erst wenn diese Kinder voll in die Gesellschaft integriert sind, sodass das Bildungssystem von sich aus auf ihre Bedürfnisse eingeht (indem es eben JEDES Kind maximal fördert), kann man von Anerkennung sprechen.

Insofern sehe ich das Problem nicht in den Kindern und halte
die Diagnose für überflüssig.

Wenn die Diagnose zutreffend ist, ist sie keineswegs
überflüssig: sie ist die Voraussetzung dafür, daß das Kind
endlich einen Rahmen findet, in dem er entsprechend seiner
Möglichkeiten gefördert werden kann. Und nicht zuletzt ist
auch eine Negativfeststellung wichtig: wenn ich weiß, daß mein
Kind nicht hochbegabt ist, kann ich mich seiner Probleme auf
anderer Weise widmen.

Wie gesagt, ich halte das für unnötig, wenn man das Kind soweit es geht fördert. Ein hochbegabtes Kind hat das „Problem“, im vergleichbaren Alter mehr lernen/leisten zu können. Ist das wirklich ein Problem?

Als Beispiel (hat jetzt nichts mit Hochbegabung zu tun): Meine Nichte (4 Jahre) besucht z.Z. wöchentlich 4 unterschiedliche Kinderkurse (Gymnastik, Zeichnen, musikalische Frühförderung und eine "Schul"gruppe). Das letzte ist eine „Schule“, in der die Kinder in ihrer Zweitsprache (sie wächst zweisprachig auf) lesen lernen, in dieser Sprache längere Gedichte und Lieder auswendig lernen, das Vortrage der Gedichte vor der Gruppe üben etc. Auch zu Hause wird immer mal wieder Zählen, Logik, Buchstaben erkennen etc. geübt. Nun würden viele Eltern aufschreien, das arme Kind sei doch überfordert. Nur - wie kann man so etwas behaupten, wenn man das Kind selbst nicht kennt und nicht sieht, ob es dem Kind Spaß macht oder ob das Kind wirklich wider Willen überall hingeschleppt und unter Druck gesetzt wird? Aber es heißt ja immer, Kinder in dem Alter sollten nur spielen und ihre Kindheit genießen… Dann ist es auch klar, dass HB-Kinder (und nicht nur die!) unterfordert werden. (Meine Nichte bettelt gerade übrigens um einen 5. Kurs, sie will unbedingt auch noch tanzen lernen, mal sehen, ob die Mama das noch mitmacht :wink: )

Ich finde eben, man soll dem Kind solange neue Herausforderungen bieten, bis es selbst signalisiert, dass es keine weiteren will. Dann kommt weder Über- noch Unterforderung auf. Nur muss da eben das staatliche System mitspielen und die Erzieher umdenken. Dann bräuchten Kinder mit hohem IQ keine Sonderbehandlung, sondern wären voll in das System integriert und die Diagnose wäre überflüssig.

Gruß,
Anja

Mahlzeit!

aus meiner Sicht sind in dem heutigen KiGa-Grundschul-System
viele Kinder unterfordert, ungeachtet von ihrem IQ. Worauf ich
abziele, ist ein Bildungssystem, das jedes Kind fördert - also
keine Normen festsetzt

Das ist aber ein ganz anderes Thema. Zu deiner Forderung für ein Bildungssystem rate ich dir mal, dich mit den Waldorfschulen und -kindergärten zu befassen.

Ich sehe hier keinen
Unterschied zwischen „nur begabten“ und „hochbegabten“ oder
„unbegabten“ Kindern - das Ziel sollte sein, dass jedes Kind
seine individuelle Höchstleistung erbringt, es sollte keine
Grenzen nach oben geben.

Dann hast du das Problem der Hochbegabung nicht erfaßt. Du gehst davon aus, daß eine durchschnittlich ausgebildete Erzieherin einfach nur ein bißchen mehr der von ihr erlernten Inhalte auf die Kinder loslassen könnte, und dann wäre alles in Ordnung. Dem ist nicht so.

Hochbegabte Kinder sind häufig nicht nur ihrer Altersstufe, sondern auch weit höheren Altersstufen überlegen. Da reicht das Wissen einer Erzieherin oder eines „normalen“ Elternteils einfach nicht aus. Um solche Kinder zu fördern, braucht es einer speziellen Ausbildung.

Ok, zugegeben, das artet jetzt in eine Kritik am hiesigen
Bildungssystem aus.

Eben :smile:

Ja, das ist doch immer eine elegante Begründung. :wink: Und wenn
der Test was anderes anzeigt, könnte man sich auf ADS berufen

  • bis auch das vom Psychologen widerlegt wird und dieser einen
    auf die eigenen Erziehungsfehler hinweist. :wink:

Das gibt es sicherlich alles. Nur sprichst du über Begleiterscheinungen, nicht über das Problem selbst.

Solange diese Kinder eine spezielle „Schublade“ benötigen
(hochbegabt), kann von einer Normalisierung nicht die Rede
sein.

Sie brauchen keine Schublade, sondern ausreichend ausgebildetes Personal.

Erst wenn diese Kinder voll in die Gesellschaft
integriert sind, sodass das Bildungssystem von sich aus auf
ihre Bedürfnisse eingeht (indem es eben JEDES Kind maximal
fördert), kann man von Anerkennung sprechen.

Entschuldigung, aber das ist erstens angesichts der Finanzlage der Gemeinden völlig utopisch, zweitens wäre es m.E. gar nicht realisierbar, drittens erscheint es mir fraglich, ob die Realisierung wünschenswert wäre. Willst du alle Erzieher zu Professoren ausbilden, um einer kleinen Minderheit gerecht zu werden? Der Weg der Hochbegabtenfeststellung erscheint mir wesentlich schlüssiger und durchführbar.

Wie gesagt, ich halte das für unnötig, wenn man das Kind
soweit es geht fördert. Ein hochbegabtes Kind hat das
„Problem“, im vergleichbaren Alter mehr lernen/leisten zu
können. Ist das wirklich ein Problem?

Ja, das ist es. Dessen Förderung kann nicht ohne spezielle Ausbildung gewährleistet werden.

Als Beispiel (hat jetzt nichts mit Hochbegabung zu tun):

genau - du sprichst über die Förderung eines normal begabten Kindes.

Nun würden viele Eltern aufschreien, das arme Kind sei
doch überfordert.

Auch ich zähle mich dazu.

Nur - wie
kann man so etwas behaupten, wenn man das Kind selbst nicht
kennt und nicht sieht, ob es dem Kind Spaß macht oder ob das
Kind wirklich wider Willen überall hingeschleppt und unter
Druck gesetzt wird?

Man kann das aus den Statistiken herauslesen. Das ist ein Problem vieler Wohlstands- und Bildungskindern, sie werden schon im frühen Alter programmatisch überfrachtet. Ihre kognitiven Fähigkeiten werden so ohne Frage optimal gefördert, aber ihre soziale Kompetenz wird vernachlässigt. Viele dieser Kinder haben später Probleme psychischer Art.

Ich finde eben, man soll dem Kind solange neue
Herausforderungen bieten, bis es selbst signalisiert, dass es
keine weiteren will.

Du bist ja noch jung, insofern mache ich mir erstmal keine Sorgen um deinen künftigen Nachwuchs :smile:

Gruß

Sancho

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Hi!

Kurze Vorgeschichte: Vor über einem Jahr wurden meine Frau und ich in den Kindergarten zitiert, da unser damals 2,5-jähriger Knilch „auffällig“ war, sprich: Er hörte absolut nicht auf seine „Haupt“-Kindergartentante und brachte sie ganz einfach zur Verzweiflung, da er ganz genau wußte, wie er sie zur Hochglut bringt.
Eine „mobile Kindergartenpsychologin“ stellte darauf eine „Wahrnehmungsstörung“ fest und zitierte uns zu einem Psychologen; dieser „testete“ unsere kleine Kröte und stellte damals fest, daß er geistig und körperlich auf dem Level eines 4jährigen war (im Kindergarten war er in der „Krabbelstube“), sozial jedoch „hinterher“ hinkt - teils aufgrund seiner Begabungen, teils aufgrund der Tatsache, daß er sehr hohe Anforderungen an sich selbst stellt(e) und dies natürlich auch von den anderen 2-jährigen erwartete - schloß eine Hochbegabung nicht aus, teilte uns jedoch mit, daß dies erst in ein paar Jahren (Volksschulalter) endgültig festgestellt werden könne, da er immer noch eine „kreative“ Pause einlegen könnte und so wieder mit den anderen gleichkommt.

Nun ist er 3 Jahre und 8 Monate, wird fallweise aufgrund seiner Artikulation und seiner Fragen an uns für ein Schulkind gehalten

Dann hast du das Problem der Hochbegabung nicht erfaßt. Du
gehst davon aus, daß eine durchschnittlich ausgebildete
Erzieherin einfach nur ein bißchen mehr der von ihr erlernten
Inhalte auf die Kinder loslassen könnte, und dann wäre alles
in Ordnung. Dem ist nicht so.
Hochbegabte Kinder sind häufig nicht nur ihrer Altersstufe,
sondern auch weit höheren Altersstufen überlegen. Da reicht
das Wissen einer Erzieherin oder eines „normalen“ Elternteils
einfach nicht aus. Um solche Kinder zu fördern, braucht es
einer speziellen Ausbildung.

Siehe „Vorgeschichte“ und Kindergartentante: Sie schaffte es nicht ihm Herr zu werden, auch als sie wußte, daß er das Level eines 4jährigen hat.
Im neuen Kindergarten sind die Erzieherinnen zwar auch nicht ausgebildeter, allerdings waren sie durch uns vorgewarnt, konnten sich darauf einstellen und unser Zwerg erlebte sie nie anders.
Das Gelbe vom Ei ist es jedoch noch immer nicht, allerdings hat sich seine „soziale“ Komponente beträchtlich gesteigert (was wohl auch am Umfeld liegt, da wir umgezogen sind und rundherum Kinder in seinem Alter +/- 3 Jahre in den Gärten herumtoben …

Solange diese Kinder eine spezielle „Schublade“ benötigen
(hochbegabt), kann von einer Normalisierung nicht die Rede
sein.

Sie brauchen keine Schublade, sondern ausreichend
ausgebildetes Personal.

Und das kostet bzw. sind die Einrichtungen voll oder befinden sich „außerhalb des Einzugsgebietes“ …

Entschuldigung, aber das ist erstens angesichts der Finanzlage
der Gemeinden völlig utopisch, zweitens wäre es m.E. gar nicht
realisierbar, drittens erscheint es mir fraglich, ob die
Realisierung wünschenswert wäre. Willst du alle Erzieher zu
Professoren ausbilden, um einer kleinen Minderheit gerecht zu
werden? Der Weg der Hochbegabtenfeststellung erscheint mir
wesentlich schlüssiger und durchführbar.

Nein, aber es würde schon reichen, wenn Deutschland UND Österreich mit dem Rest Europas gleichziehen würden und die Ausbildung auf Uni-Niveau stattfinden lassen würde.

Wie gesagt, ich halte das für unnötig, wenn man das Kind
soweit es geht fördert. Ein hochbegabtes Kind hat das
„Problem“, im vergleichbaren Alter mehr lernen/leisten zu
können. Ist das wirklich ein Problem?

Ja, das ist es. Dessen Förderung kann nicht ohne spezielle
Ausbildung gewährleistet werden.

Zuerst brachte man ihm Puzzles - ab einer gewissen Teileanzahl (lag vor einem Jahr bei ca. 50 Stück) schaffte er es nimmer und wurde aufgrund dessen aggressiv - das Kind gehört „gefördert“ und nicht „gefordert“ (weder unter- noch über-) - und ob das mit einer „normalen“ Ausbildung für „normale“ Kinder funktioniert?

Man kann das aus den Statistiken herauslesen. Das ist ein
Problem vieler Wohlstands- und Bildungskindern, sie werden
schon im frühen Alter programmatisch überfrachtet. Ihre
kognitiven Fähigkeiten werden so ohne Frage optimal gefördert,
aber ihre soziale Kompetenz wird vernachlässigt. Viele dieser
Kinder haben später Probleme psychischer Art.

Genau diese „soziale“ Komponente ist es, die vor allem am meisten gefördert gehört - der Rest ergibt sich - beinahe - nebenbei …

Grüße,
Tomh, der hofft, daß sein Zwerg zwar „begabt“ bleibt, jedoch hofft - auch aus egoistischen Gründen :wink: - daß das „hoch“ zwar nicht ganz wegfällt, jedoch zumindest „behandelt“ wird und ihm nicht das Leben eines Außenseiters erwartet …