Hallo Anja,
wir sind uns völlig einig - nur unsere Umwelt nicht *g* !
Ich verstehe schon, daß HB-Kinder zu haben nicht immer einfach
ist. Aber es ist nichts, was man ändern könnte. Es einfach zu
ignorieren oder gar entgegen zu wirken ist einfach nur
schädlich für das Kind.
Nun ja, ICH bin nicht unglücklich darüber, dass alle meine Kinder schon sehr früh beispielsweise wenigstens „Mensch-ärgere-dich-nicht“ gespielt haben, als Gleichaltrige noch mit den ganz schlichten und somit für die zwangsweise mitspielenden Eltern sterbenslangweiligen Kleinkinderspielen beschäftigt waren 
Ich finde es prima, dass sie Bücher lieben, und zwar schon immer und auch hier relativ schnell eher Stoff für Ältere.
Nur, und das wirst Du kennen - im Kontakt mit anderen Kindern ist es dann vor allem im Kindergartenalter manchmal etwas schwierig. In der Regel halten diese einfach kein längeres Spiel durch (ist auch völlig normal). Meine Kinder haben sich zwar immer angepasst (machen sie auch heute noch), aber der Preis einiger Freundschaften ist für sie leider auch, eine gewisse Langweile auszuhalten *seufz*.
Ich kann mir vorstellen, dass gerade für Eltern, die eher
„einfache“ Berufe ausüben oder sich in einem bildungsferneren
Umfeld bewegen, HB sehr bedrohlich sein muss. Wobei nicht
auszuschließen ist, dass diese Eltern selbst hb sind, aber es
niemals festgestellt wurde.
Mein Papa ist auch „nur“ Kraftfahrer und meine Mama PKA -
Pharmazeutisch Kaufmännische Angestellte. Also auch „einfache“
Berufe… Und ich selbst arbeite „nur“ im Sicherheitsdienst…
Ich könnte da jetzt ketzerisch fragen, ob Dein Beruf Dich auslastet
, aber weiter unten gibst Du indirekt eine Antwort.
Aber dann kommen sehr oft so Sprüche wie „Mein IQ ist NUR 100“
Das ist Durchschnitt, wird aber relativ oft schon abwertend
betrachtet. Was „darf“ man denn heutzutage haben um „normal“
zu sein? 
115 Minimum *läster*
Sobald die intellektuelle Seite eines Kindes „öffentlich“ aus
dem Rahmen fällt, so ab dem Kindergartenbesuch spätestens,
müssen Eltern sich warm anziehen. Der erste Verdacht lautet
meistens, dass die Kinder zu sehr gefördert werden. Dass man
ihnen die Kindheit raubt, sie mehr draußen spielen sollten,
konsequenter erzogen werden sollten und, und, und.
Gut, damit habe ich dann keine Erfahrung. Aber gibt es nicht
spezielle Fördereinrichtungen für HB-Kinder? Außerdem, was hat
man für eine Alternative? Man kann ja die Intelligenz nicht
wirklich unterdrücken.
Ab und zu erscheinen wunderbare Zeitungsartikel oder TV-Reportagen, nach deren Aussage es eine Fülle von Förderung gibt. Selbst die Lehrerin meiner ältesten Tochter ist darauf hereingefallen - da gibt es nämlich etliche „Haken“ - später mehr.
Im Kindergartenalter ist eine HB ja meistens noch nicht bekannt, es ist mit 3 Jahren (=Kigaeintritt bei uns) auch noch sehr früh für einen IQ-Test. Früher wurde hilfweise der Kaufmann-ABC gemacht, der geht ab 2,irgendwas Jahren, ist aber eigentlich nur ein Entwicklungstest.
Die ersten Jahre, in denen das Kind meistens auffällt, sind also meistens die Phase, in denen Eltern und evtl. Erzieherinnen nach Gründen suchen, warum das Kind anders ist. An allererster Stelle liegt es natürlich an der Erziehung, genauer übrigens an der Mutter - Väter werden nach meiner Erfahrung von Erzieherinnen und Lehrerinnen nicht angesprochen, wenn es Klagen gibt *grummel* - mein Mann ist durchaus oft vor Ort, man KÖNNTE ihn auch ansprechen…
Die Kinder erfahren sehr subtil, dass sie anders sind: Meiner
ältesten Tochter wurde im Kiga alles, was nicht für
Dreijährige vorgesehen war, weggenommen mit der Bemerkung „Das
ist noch viel zu schwer für dich!“.
Ist es nicht möglich, daß da die Eltern durch Gespräche
versuchen Verständnis zu wecken?
Siehe oben - das setzt voraus, dass Eltern von HB wissen, wenigstens allgemein - wir hatten damals absolut keine Ahnung, und selbst wenn, hätten wir ganz lange niemals HB mit UNS in Verbindung gebracht
Also diskutiert man vertrauensvoll mit der Erzieherin, was man besser machen könnte in der Erziehung *ggg*.
Klar ist das Puzzle-Problemchen meistens leicht zu lösen, aber etliche andere Dinge eben nicht.
Und Erklärungen, daß das Kind ganz ohne euer Zutun nunmal hoch
begabt ist fruchten nicht? Ich persönlich finde, Erzieher die
eine HB SO konsequent ignorieren haben ihren Beruf verfehlt…
Wenn sie wenigstens anerkennen, dass ein Kind eben „weiter“ ist, ist das schon toll - so ging, bzw. geht es uns im Kiga mit Kind Nr. 2 und Nr. 3 *erleichtertbin*. Da habe ich HB noch nie explizit erwähnt.
Das Erzieherteam unserer mittleren Tochter hat engagiert mit unterstützt, dass sie mit gerade 5 Jahren vorvorzeitig eingeschult werden konnte (damals noch absolut exotisch). Die Erzieherinnen brachten damals extra privates Material von den eigenen älteren Kindern mit, um Tochterherz zu beschäftigen *freu*. Der Vorteil damals war einfach, dass die ältere Schwester als HBchen bereits Türen geöffnet hatte für dieses Thema.
Klasse überspringen?
Unsere älteste Tochter hat eine Klasse übersprungen - ihre damalige Lehrerin hat das eingefädelt, war sehr kooperativ.
Die aufnehmende Lehrerin war eine Katastrophe, verleugnete HB total (Tochter war damals nicht getestet). Neue Miteltern, überwiegend Akademikerhaushalte mit großen Plänen für ihre Sprösslinge, waren superneidisch und gaben dies an ihre Kinder - die neuen Klassenkameraden - weiter.
Nach einigen Monaten verkündete unsere bisher superfröhliche Tochter, sie wolle nicht mehr leben.
Das war die Kurzform zum Thema „Überspringen“ 
Spezielle Förderschulen?
Gibt es zahlreiche - für lernschwache Kinder.
Wir haben übrigens ein HB-Internat in der Nähe. Nur - Aufnahme ab Klasse 7, nur in Internatsform. Dazu sind unsere Kinder noch zu jung und wir vermutlich auch nicht vermögend genug 
Aber es wird dennoch immer auffallen und es ist ja nichts, was
man ändern oder - ohne dem Kind zu schaden - beeinflussen
kann. Ich meine, ich erzähle es nun auch nicht gerade Gott und
der Welt. Und die einzigen, die meinen genauen IQ wissen, sind
meine Eltern und so wird es auch bleiben. Dennoch finde ich
auch ein kosequentes totschweigen nicht das richtige Mittel,
um auf die Bedürfnisse und (auch sozialen) Besonderheiten von
HB-Kindern hinzuweisen. Klar, wenn es jeder nur totschweigt,
dann bleibt es auch suspekt. Und das ist ja nicht nur bei HB
so…
Ja, es ist ein ziemlicher Zwiespalt und immer nur individuell zu entscheiden. Meine Älteste verleugnet ihre HB komplett, gibt ihr Alter meistens ein Jahr höher an, damit nicht auffällt, dass sie in der „falschen“ Klassenstufe ist, möchte unbedingt „normal“ sein *seufz*.
Tochter Nr. 2 ist da selbstbewußter und plappert bisher recht hemmungslos raus, dass sie Schule sooo langweilig findet, weil alles zu leicht ist. Das kommt zunehmend schlecht an bei Miteltern (wenn sie andere Mädchen besucht), weil diese mir sagen, dass sie eben mit ihren Kindern mühsam durch die Schulzeit gehen, und uns fliegt alles zu. Wenn die wüßten !
Der IQ-Wert ist außer uns niemandem bekannt, nicht einmal unseren Kindern.
Ich gebe zu, dass ich nicht unglücklich wäre, wenn bei meinem
Sohn, der gerade in der Testung ist (auf ADHS, aber die
Psychologin klärt auch HB mit ab), KEINE HB vorliegen würde.
Aber du kannst es trotzdem nicht ändern
Deine Kinder
haben, wenn ihnen die nötige Förderung zuteil wird, aber dafür
viel höhere Chancen, daß sie sich für einen gut bezahlten Job
qualifizieren können. Das ist gerade in der heutigen Zeit
alles andere als zu verachten.
Damit trösten wir uns auch.
Nur - wenn wir sie nicht mühsam durch unser Schulsystem schleusen, ist eine höhere Qualifikation schnell verspielt. Du kennst das ja scheinbar
, ich übrigens auch.
*räusper* *breitgrins* Hey, so war ich auch
Allerdings
habe ich das Gymnasium irgendwann einfach geschmissen. Daß
lernen sich lohnt - zumindest was die Berufschancen, und damit
den Verdienst, betrifft - habe ich „leider“ viel zu spät
begriffen.
Abi habe ich gemacht, meine Eltern waren superhart und hätten mich vermutlich im Keller gefesselt, hätte ich schlechte Noten gehabt
, aber ansonsten bin ich beruflich leider auch nicht so wirklich ausgelastet *seufz*.
Neid !
Sportliche Leistung ist für jeden leichter durchschaubar - wer
soundsoviele Sekunden schneller rennt, ist eben besser. Da
aber nicht jeder Leistungssport treibt, ist das dann auch
keine Konkurenz.
Ein IQ ist so etwas nebulöses, Intelligenz nicht greifbar,
aber irgendwie hat ja jeder einen IQ… somit fühlt sich ein
nicht-hochbegabter Gesprächspartner wohl sofort minderwertig.
Okay, Sport war ein doofes Beispiel, ich geb’s zu.
Finde ich überhaupt nicht. Es gibt etliche Sportkindergärten, und niemand regt sich darüber auf… Für HBchens gibt es nix, siehe oben.
Anderes
Beispiel: Warum wird Schönheit nicht mit soviel Skepsis
betrachtet?
Jemand der „schön“ ist, wird doch auch nicht
gleich geächtet, im Gegenteil.
Das glaube ich nicht, im Real Life haben sehr schöne Menschen es nicht leicht, weil jeder sie für schön, aber doof hält.
Ich finde es einfach so schade, daß so viele HB-Kinder nicht
ausreichend gefördert werden und sich dadurch leider eine
Vielzahl anderer Probleme einstellen. Nicht selten sind
unterforderte HB-Kinder schwierige und verhaltensauffällige
Kinder.
Wenn man Lehrern glaubt, ist momentan der Trend eher der, dass schwierige und auffällige Kinder schlecht erzogen sind und die Eltern sich wahlweise auf ADHS und/oder HB herausreden - OHNE Diagnose. Ob’s stimmt, weiß ich nicht, aber ich kenne auch unerträglich affige Eltern von Pseudo-HBchens, die nach einem angekündigten Test nie wieder darüber reden *g*.
Es mag sein, daß eine Hochbegabung gesellschaftlich
problematisch für die Kinder und Eltern ist, aber sie ist ja
trotzdem da, auch wenn man sie ignoriert oder nicht haben
möchte.
Stimmt. Aber es handelt sich schlicht um eine Randgruppe - 98 % der Bevölkerung haben damit nichts zu tun und werden daher immer misstrauisch diese komischen „Genies“ betrachten *seufz*.
Schönes Wochenende wünscht
Inselchen - deren Nachwuchs gerade ausnahmsweise friedlich spielt *aufHolzklopft*