Hochkarätiger Manager ohne PC-Kenntnisse?

Hallo ihr Lieben,
hier kommt eine Frage von der Toskana-Fraktion. Wir saßen gestern zu vier Frauen mit Chianti um einen Tisch und konnten uns über folgende Frage nicht einig werden:
Ein gemeinsamer Bekannter hatte einen hochkarätigen Job in einem bekannten Verlag. Und mit fast 60 war ihm gekündigt worden. Dessen Frau sieht das Problem, dass er über fast keine PC- und Internet-Kenntnisse verfügt und deshalb nur schwer einen vergleichbaren neuen Posten finden wird - unabhängig von seinem fortgeschrittenen Alter.
Eine andere Diskussionsteilnehmerin vertrat dagegen die Meinung, dass jemand in einer solchen Position keine Arbeit am PC leisten müsse und dass dessen Zeit und Kreativität auch viel zu kostbar seien für schnöde PC- und Internetarbeit. Und schließlich gäbe es ja auch einen Stab an Mitarbeitern, die das für ihn erledigen könnten.
Ich dagegen meine, dass heute jeder mit PC und Internet vertraut sein muss, egal in welcher Position.
Wie sehr ihr das?
Liebe sonnige Grüße
Nelly

Hallo Nelly

selber können muss ich nur, was ich selber mache. Wenn ich also eine
Schar eilfertiger und hilfsbereiter Lakaien um mich schare, brauche
ich nur noch das selber machen, was ich möchte.

Jemand, der mit 60 in einer solchen Position war, hat bestimmt
genügend Beziehungen um einen neuen Job auf dem Golfplatz zu finden
oder genügend Geld, um sich an der Cote d’Azur zur Ruhe zu setzen.

Sollte der Mann zum Sozialfall werden, ist er nicht „hochkarätig“,
sondern ein aufgeblasener Möchtegern, der sich mit viel Glück durchs
Leben gemogelt hat.

Gruss
Heinz

Hallo,

ich glaube nicht daß man das grundsätzlich beantworten kann.

In klassischen Bewerbungsverfahren kann es sich heute wohl niemand mehr leisten zu offenbaren daß er nicht weiß wie man das Internet bedient oder mit gängigen Officeprogrammen umgeht. Kommunikation läuft heute bevorzugt über diese Medien und wer sich damit nicht auskennt schließt sich wesentlich aus einem inzwischen enorm wichtigen Bereich des Lebens aus.
Man wird einem jungen Bewerber sicher auch unterstellen sich nicht ausreichend auf dem Laufenden zu halten, sich nicht an moderne Technik heranzuwagen, und sich unflexibel nicht mit im Grundde relativ einfachen Dingen vertraut machen zu wollen - denn besonders schwer ist es ja wirklich nicht zu verstehen wie man eine Email sendet und empfängt oder im Internet surft.

Vor allem kennt man ja auch die heutzutage üblich überkandidelten Stellenanzeigen, wo immer 1000 Qualifikationen zur Bedingung gemacht werden, obwohl man davon realistisch nur 10 braucht um den Job erledigen zu können - da hat man gleich verloren wenn man „Standards“ wie „Umgang mit Officeprogrammen“ nicht vorweisen kann, auch wenn das für den Job eigentlich gar nicht wirklich relevant wäre.

Andererseits: Wenn jemand wirklich in einer so hohen Liga spielt wie von Dir beschrieben muß der wahrscheinlich wirklich nie selber im Netz recherchieren, Briefe schreiben oder seine Termine alleine verwalten. Ich kann mir gut vorstellen daß man ab gewissen Etagen daran gemessen wird wieviele Arbeitsplätze man outgessourced hat oder wie sich die Aktien entwickeln, da fragt dann keiner mehr ob man sich im Internet zurechtfindet. Das sind dann aber wohl oft auch Jobs, die nicht über Bewerbungen im üblichen Stil vergeben werden, sondern in diesen Kreisen getreu dem Kölner Motto: „Man kennt sich, man hilft sich.“

Letztlich finde ich es immer wieder schade daß es hierzulande oft nicht wirklich darauf ankommt was jemand fachlich leistet, sondern daß in vielen Fällen nur Beziehungen oder erstklassige Zeugnisse zählen. Wirklich sinnvolle Qualifikationen scheinen oft nur nachrangig zu gelten.

Bei Deinem Manager frage ich mich übrigens warum der sich neu bewerben will. Ich denke mal daß er genug Geld gescheffelt hat und einem Arbeitslosen einen Gefallen tut wenn er seinen Posten zur Verfügung stellt. Wenn es ihn juckt weiterhin aktiv zu sein gibt es genügend gemeinnützige Vereine, die Unterstützung durch einen Spitzenmann gut brauchen könnten.

Gruß,

MecFleih

Kann mir gar nicht vorstellen, dass er damit ueberhaupt tagtaeglich zurecht kam! Habe selber mal bei Harcourt Brace (sehr bekannter US-Verlag) gearbeitet, und da sass selbst der hochkaraetigste Manager vor dem PC. Wie soll er denn seine E-Mails lesen und beantworten, sein Kalendar in Outlook zusammenstellen, einsehen, fuer andere oeffentlich machen, wenn er ueberhaupt nicht PC-tauglich ist? Es gibt auch Sachen, die die Lakaien nicht uebernehmen koennen & sollten, wenn es um verschiedene Berichtserstellungen etc. geht und, bei den Firmen, die ich kenne, wird doch eigentlich alles nur noch elektronisch abgwickelt. Wer heutzutage in den „white collar jobs“ keinerlei PC-Kenntnisse aufzuweisen hat, ist - meiner Meinung nach - dem Berufsleben nicht gewachsen.Und besonders im Verlagswesen nicht mit dem PC und den Grundprogrammen vertraut zu sein, hoert sich sehr merkwuerdig an!

Ohne nun den Einzelfall bewerten zu wollen, sollte doch auf eine relativ offen gestellte Frage keine Polemik aufkommen. Die letzten beiden Beiträge stellen den Mann nicht vorurteilsfrei in Bezug auf die Anfrage. Ob sich jemand mit 60 zur Ruhe setzt oder noch einmal seine Arbeitskraft einbringen möchte, hat nichts mit seinem bisher erworbenen Vermögen zu tun, sondern ist eine ganz persönliche Entscheidung, die sich aus seiner Lebensphilosophie begründet.

Hieraus solche Vermutungen oder Anmerkungen wie:

Sollte der Mann zum Sozialfall werden, ist er nicht
„hochkarätig“,
sondern ein aufgeblasener Möchtegern, der sich mit viel Glück
durchs
Leben gemogelt hat.

abzuleiten, finde ich ein wenig gewagt und dem Thema nicht zuträglich.

Generell zur Frage:

Nein, er braucht keine PC-Kenntnisse. Ein Linien-Manager hat sein Sekretariat, welches die eMail- und Terminverwaltung übernimmt. Für Fach- und Themenrecherchen hat ein gesundes Management seine Zuträger mit entsprechend fachlichem Ressourcen-Zugang (und hier ist sind PC-Kenntnisse erforderlich). Managen heißt vor allem „Delegieren“.

In Bewerbungsmappen von Führungskräften wird auch nicht erwartet, dass ein Bewerber explizit auf PC-Kenntnisse eingeht. Wichtiger sind seine bisherigen Positionsangaben und die Erfahrungen, die er hieraus einbringen kann.

z. B.:

Projektmanagement
Coaching und Mentoring
Überwachung und Steuerrung von Zielvereinbarungen
Controling und Skizzieren von Finanzanalysen
Beherrschung der facts im Human-Rossourcen-Management

Wenn es hier eine gesunde Balance im Persönlichkeitsprofil gibt und der Mann einen Mehrwert für das neue Unternehmen verspricht, dann wird er auch eine neue Aufgabe finden.

Zum Beitrag, dass er im übertragenen Sinne abdanken und einem anderen Arbeitslosen Platz machen soll…

…kann ich nur sagen, dass der „andere Arbeitslose“ für eine Management-Position im Direkten Vergleich geringer Qualifiziert ist. Geringer deshalb, weil Manager oftmals wegen ihrem umfassenden und excelenten persönlichen Netzwerk eingestellt werden. Einem seit längerm arbeitslos gemeldetem „Manager“ fehlt anscheinend dieses profunde Netzwerk. Dieser Mann kann kein Mehrwert anbieten, trotz eventueller PC-Kenntnisse. Kein Mehrwert deshalb, weil es im Betrieb sog. Admins gibt, die diese Aufgabe aus der Arbeitsplatzbeschreibung heraus besser erfüllen, als es ein Manager je kann. Im Ergebnis bedeudet dies, dass man auf der Management-Ebene nicht beliebig einen 60-jährigen gegen einen Arbeitslosen austauschen kann.

Fazit: Lasst die Kuh vom Eis und bleibt sachlich. Ich würde mir wünschen, dass in eine allgemein gestellte Frage, keine persönliche Verunglimpfungen eingebaut werden.

LG

Alfons

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

…und dass dessen Zeit und Kreativität auch
viel zu kostbar seien für schnöde PC- und Internetarbeit. Und
schließlich gäbe es ja auch einen Stab an Mitarbeitern, die
das für ihn erledigen könnten.

Das ist richtig und sehr klug für das Unternehmen,
aber u.U. ‚tödlich‘ für den Manager (wie man sieht).
Wie man weiß, machen PCs auch hin und wieder Fehler,
deswegen ist es oft gescheiter, sich um den Großen Rahmen zu kümmern,
als sich auf richtige? Daten eines Rechenknechtes zu verlassen.
Das Sekretariat liest ja nicht nur stupide die Zahlen,
sondern bewertet sie ja auch gleichzeitig auf Plausibilität.
Der Manager hält ‚nur‘ den Rahmen zu Verhandlungen im Kopf;
und da ist ein PC eher hinderlich.

Ich dagegen meine, dass heute jeder mit PC und Internet
vertraut sein muss, egal in welcher Position.

Nein, er muss nichts mit einem PC anzufangen wissen.
Das setzt aber excellente Kenntnisse in anderen Bereichen voraus.
Nehmen wir zB einen Bestatter;
der muss nicht mal einen PC gesehen haben,
sondern der muss seinen Job erstklassig ausführen.

In ‚höheren Etagen‘ kommt man in der Regel ohne PC gut
(wenn nicht sogar besser) aus. Es schadet allerdings nicht,
sich damit auch auszukennen.

Und das sollte mit 60 auch noch gut möglich sein,
sich da ‚mit links‘ in die gängigen Programme einzuarbeiten -
besonders da ja jetzt Zeit dazu ist.

Zu bedenken gebe ich aber den Spruch von Neckermann?:
Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.
Ergo war es wohl etwas kurzsichtig, sich keine PC Kenntnisse anzueignen.
Allerdings wird das wohl vermutlich nicht der Grund für die Demission sein.

Aloha - digi (aEg)

Anspruchsvolle Antworten

Hallo ihr Lieben,
hier meldet sich wieder die Toskana-Fraktion, und es sieht so aus, als hätte jede von uns vieren irgendwie Recht. Vielen Dank auf jeden Fall für die bisherigen ausführlichen Antworten. Vielleicht kommt ja auch noch mehr.

Nelly

Hallo Nelly

Nein, Alfons, ich bin nicht Nelly.
Trotzem: Hallo

Ohne nun den Einzelfall bewerten zu wollen, sollte doch auf
eine relativ offen gestellte Frage keine Polemik aufkommen.
Die letzten beiden Beiträge stellen den Mann nicht
vorurteilsfrei in Bezug auf die Anfrage.

Wenn Du zwei Beiträge meinst, wieso zitierst Du meinen vollständig
und dann noch einen Satz daraus erneut?
Meine Anmerkung betreffend „Sozialfall“ ist im Kontext klar als
Option ersichtlich.

Fazit: Lasst die Kuh vom Eis und bleibt sachlich.

Wenn Du in meiner Antwort Unsachlichkeit gefunden hast, darfst Du sie
gerne behalten.

Unpolemische Grüsse
Heinz

Unpolemische Grüsse
Heinz

Auch ich wünsche Dir im „Kontex“ liebe Grüße. Nimm es als Option von Ehrlichkeit an und lass uns alle unseren eigenen Reim auf die von mir zitierten Beiträge zu diesem Thema machen :smile:

LG

Alfons

Hallo,
ich persönlich denke ja auch eher, dass ohne PC-Kenntnisse viele Dinge nicht optimal durchführbar sind. Bei mir im Betrieb sind auch einige Chefs, die mit dem PC auf Kriegsfuß stehen. Da aber viele Informationen über E-Mail und Intranet verteilt werden und wichtige Entscheidungen auch mit Softwareeinsatz zu tun haben, besteht hier eine große Gefahr von Fehlentscheidungen aufgrund mangelnder Kenntnisse.

Natürlich hängt es immer von der konkreten Arbeitsaufgabe ab, es gibt durchaus Ausnahmen, wo der PC nicht wichtig ist, sondern Inhalte, Wissen und Erfahrungen.

Beatrix

Hi!

Ohne E-Mail, Excel und Word kann heute kein Mensch mehr effektiv arbeiten.

Es geht bei der Nutzung von PCs im Management meistens nicht um Tippsen-Jobs, sondern um professionelle Kommunikation, Präsentation und zeitsparende Generierung nachvollziehbarer und vernünftig archivierbarer Arbeitsleistung.

Generell können es sich wohl nur noch Geschäftsführer erfolgreicher Mittelständler leisten, auf den PC zu verzichten. Die leisten sich dann eben Leute, die für sie tippen und werden ja auch nicht hinterfragt…

Grüße,

Mathias