Hallo Karin,
ich kann mich aber an keine reizauslösende Situation erinnern.
wer sagt, daß Du Dich an diese Situation erinnern mußt? Vielleicht ist es schon sehr lange her. Es muß auch keine spektakuläre Situation gewesen sein:
„Die Entstehung von Angst auf der Grundlage von Konditionierungsmodellen sollte man sich keinesfalls als Resultat simpler dramatischer Bedingungen vorstellen (Schocks, Unfälle etc.)“ (Reinecker, H. [1996]. Spezifische und Soziale Phobie. In H. Reinecker [Hrsg.], Lehrbuch der Klinischen Psychologie [S.94]. Göttingen: Hogrefe).
Und: Wer sagt, daß es bei Dir so gewesen ist, wie der von mir beschriebene Erklärungsansatz sagt? Es ist doch nur ein Erklärungsansatz, allerdings ein bedeutender.
Ja, ich versuche bestimmte Situationen zu vermeiden, weil ich
mich nicht dem Kontrollverlust meiner körperlichen Funktionen
aussetzen möchte.
Hmhm.
Okay, ich kann feststellen, dass ich vor Spinnen, Ratten etc.
keine Angst habe, woher soll ich wissen, wovor meine Vorfahren
Angst hatten.
Wer sagt, daß Du wissen mußt, wovor unsere Vorfahren Angst hatten? Dieses „Wissen“ steckt in Deinen und meinen Genen und macht sich bemerkbar, ob wir es nun wissen oder nicht. Dein Körper ist gewachsen, hat Arme, Beine, Augen, Deine inneren Organe usw. entwickelt, ohne daß Du wissen mußt, wie das alles genau geschieht. Und doch ist das „Wissen“, wie es geschieht, in vielen Zellen Deines Körpers. Genauso wie es in Deinem Körper ein „Wissen“ gibt, wie Du Angst entwickelst und was dann zu tun ist.
Ich weiss (verstandesmässig), dass meine Angst unnötig ist -
ich empfinde sie aber trotzdem als sehr belastend und kann
mich gegen die körperlichen Symptome nicht wehren.
Genau das beschreiben auch Phobiker und das ist ein Teil des Problems.
Mein Vorbild (vielleicht der Therapeut), schafft es ohne
Probleme die Hängebrücke zu überqueren - ich - als Phobiker -
vibriere (vor Angst), wenn ich die Brücke überqueren soll.
Mir ist es also erschwert die Brücke zu überqueren.
Ein wichtiger Teil der Therapie ist es ja gerade, daß die Phobikerin immer und immer wieder über die Brücke geht, obwohl sie Angst hat. Damit schafft sie eine Situation, die geeignet ist, die Koppelung zwischen angstauslösenden Reizen und der Angstreaktion zu schwächen.
Grüße,
Oliver Walter