Ich habe eine Cousine die jetzt 16 Jahre alt ist und unter Höhenangst leidet. Sie kann Treppen mehr oder weniger mühelos bewältigen aber wenn sie Treppen hochgehen muss hat sie schon ein mulmiges Gefühl. Beim Hinuntergehen hat sie gar keine Angst. Ihre Höhenangst ist auf wackeligen Ebenen am stäksten.
Das finde ich persönlich ziemlich merkwürdig. Sie hat die Höhenangst bereits seit sie 5 oder 6 Jahre alt ist. Vorher hatte sie überhaupt keine Angst - im Gegenteil! Sie ist die Treppen geradezu hinaufgestürmt ohne die geringsten Anzeichen von Angst. Sie war auch ein recht lebhaftes Kind aber irgendwie hat sich das ziemlich schnell geändert als sie fünf wurde. Sie kann es sich auch nicht erklären und ist sogar überrascht wenn ich ihr erzähle wie aufgeweckt sie früher war.
Ich weiß nur dass ihre Mutter es nicht mochte wenn sie die ganze Zeit die Treppen hinaufstieg. Sie hat ihr dann im Alter von vier jahren eine Horrorstory über einen Mann erzählt der die Treppen runtergefallen ist und dadurch völlig entstellt wurde. Die Geschichte hatte sich die Mutter ausgedacht damit sie endlich aufhörte die Treppen hochzugehen.
Wie kann ein Kind das vorher überhaupt keine Höhenangst hatte plötzlich so ängstlich werden? Hat es mit der Geschichte zutun die die Mutter ihr damals erzählt hatte oder liegt es an anderen Ereignissen?
Danke im voraus für die Antworten! =)
Hallo mrs.dumb,
ich hatte mit vier ein ähnliches Erlebnis. Bergbahnen imponierten mir besonders. Einmal fuhr uns ein befreundetes Mädchen alleine entgegen, und in seiner Kabine liess es die Tür einfach offen. In der Folge fing ich an, auch an unserer Kabinentür zu hantieren, was Vater sehr erschreckte. Von diesem Augeblick an hatte ich eine Höllenangst vor Bergbahnen, die sich aber mit der Zeit wieder einrenkte, weil Schwestern, Bruder, Mutter usw. einfach alle wie selbstverständlich überhaupt keine Angst hatten. Bis meine Angst aber wieder weg war, wurde ich rund 24 Jahre alt. Es kann also ganz schön dauern.
Gruss
Mike
Hallo,
die Horrorstory kann ebenso die Ursache gewesen sein, wie ein insgesamt überbehütendes, ängstliches (und damit angstförderndes) Verhalten der Mutter. Kann. Muss aber nicht.
Und mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es auch gar nicht wichtig, die Ursache zu finden. Viel wichtiger ist, jetzt sofort etwas dagegen zu tun. Sonst läuft deine Cousine Gefahr, dass sich ihre Ängste eher früher als später verstärken und ausweiten.
Das Mittel der Wahl bei Angsterkrankungen ist meist Konfrontation. Damit diese gelingt, bedarf es meist eines fachkundigen Therapeuten, der diese betreibt und begleitet.
Schöne Grüße,
Jule
Danke, Jule959 und Dahinden! =)
Es stimmt die Mutter war wirklich überbehütend und selbst ängstlich.
Aber so ganz würde ich das nicht als überbehütend bezeichnen denn die Mutter hat sie auch oft geschlagen (passt das zum überbehütendem Verhalten? Normalerweise packen die ihre Kinder doch mit Samthandschuhen an, oder?). Meine Eltern und auch ich fanden das nicht gut aber für sie war das normal. Wenn aber Fremde zu Besuch kamen machten sie natürlich einen auf heile Welt. Wenn sie schlechte Noten hatte oder ihr irgendein Missgeschick passierte gab es sofort ein theatralisches Gemecker und eine Tracht Prügel. Die Eltern haben auch nicht sonderlich viel mit ihr unternommen. Meistens saß sie zuhause vorm Fernseher und die Eltern hatten somit ihre Ruhe. Mein Vater hat sich auch bei meinem Onkel(also dem Vater meiner Cousine) deswegen ein wenig beschwert. Hat aber nichts gebracht.
Jetzt frage ich mich was eigentlich mit einem Kind passiert wenn es auf der einen Seite überbehütet aufgezogen wird (also Aufgaben werden dem Kind abgenommen die es selber bewältigen könnte, Gefahren werden gemieden, bei kleinen Verletzungen übertrieben ängstlich reagieren)aber auf der anderen Seite das Kind auch ziemlich fertig gemacht wird (wie oben beschrieben).
Also meine Cousine ist kein psychisches Wrack aber ich merke dass sie ihr Potenzial nicht ganz nutzen kann (Sie ist sehr intelligent und hat einige ausgeprägte Talente) und manchmal in Melancholie verfällt. Sie ist auch ein bisschen zu nett zu anderen und lässt sich viel gefallen. Ich habe (wie man sicher schon gemerkt hat! =)) ein sehr gutes Verhältnis zu ihr und möchte sie besser verstehen.
Die Frage was mit Kindern die in solch einem ambivalenten Umfeld aufwachsen passiert interessiert mich aber auch allgemein. Leider finde ich dazu nichts im Internet und hoffe dass ihr mir meine Frage beantworten könnt. Jetzt schweife ich vom eigentlichen Thema (Höhenangst) ab! Sorry! Hoffe aber trotzdem dass ihr mir weiterhelfen könnt!
Vielen Dank im voraus! =)
LG
Hallo mrs. childish,
das sind richtig erkannte, häufige Verhaltensweisen, sowohl bei den Eltern (die vielleicht überfordert waren) als auch beim Kind (das überhöflich reagiert). Es sind drei Wege denkbar:
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Sie bleibt noch viele Jahre auf diesem Level. Das geht der Mehrheit der Leute in ähnlichen Situationen so. D. h. nach dreissig oder sogar nach vierzig arbeiten sie die Probleme auf, normalisieren sie und bleiben mit leichter Unzufriedenheit, aber meistern ihr Leben.
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Sie erkennt das Problem (z. B. mit Deiner Hilfe) und beginnt daran zu arbeiten. Mit einzelnen Rückschlägen aber ausdauernder Kraft braucht sie etwa fünf bis zehn Jahre, und die Sache ist nachhaltig gebessert. Die wichtigsten Übungen sind für sie das Durchsetzen eigener Wünsche gegenüber Fremden, die Abgrenzung einer eigenen Sphäre von ihren Eltern und das Aushalten der eigenen Einsamkeit mit der eigenen Vergangenheit. Förderlich dazu sind insbesondere eine gewisse physische Distanz zu den Eltern und zwei oder drei verlässliche Mitmenschen.
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Sie beansprucht professionelle Hilfe. Das kostet wohl ein Stück Geld, kann aber den Prozess beschleunigen und ordnen. Dabei wird sich auch sehr wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen ihrer Unselbständigkeit und Ängsten wie etwa der Höhenangst herausstellen, den sie verarbeiten kann.
Gruss
Mike
Hallo,
Ich habe eine Cousine die jetzt 16 Jahre alt ist und unter
Höhenangst leidet.
Leidet sie wirklich darunter? Oder hat sie nur eine „normale“ Unsicherheit, die sie nicht wesentlich beeinträchtigt, du aber im Vergleich zu dir als übertrieben und besorgniserregend einschätzt?
Angst ist ein natürliches Gefühl, auch Höhenangst.
Fehlt daher deine Frage nach Möglichkeiten, ihre Angst zu mindern?
Grüße
Tommy
Sofern ein einmaliges Ereignis die Ursache für unangemessen große Angst ist, ist die Diskussion darüber müßig. Man kann die Ursache im Nachhinein nicht mehr abstellen.