Aus Friedrich Hölderlin: „Hyperion“
http://www.lohengrin-verlag.de/Texte/Hoelderlin.htm
"So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden…
Barbaren von Alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark…]
in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit belaidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes - das, mein Bellarmin, waren meine Tröster.
Es ist ein hartes Wort, und dennoch sag’ ichs, weil es Wahrheit ist:
ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen.
Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesezte Leute, aber keine Menschen - ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstükelt untereinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?
…
Ich wollte nun aus Deutschland wieder fort. Ich suchte unter diesem Volke nichts mehr, ich war genug gekränkt, von unerbittlichen Belaidigungen, wollte nicht, daß meine Seele vollends unter solchen Menschen sich verblute…"
Tja - Fragen:
War sein Deutschlandbild tatsächlich s o negativ?
War es ein „Bild“, was andere Geistesgrößen seiner Zeit auch teilten?
Oder war es eben auch ein Beleg dafür, dass er zu romantisch dachte und letztlich verwirrt im „Turm“ landete?
Gruss
MultiVista