Hören, Sprechen, Verstehen

Weiss nicht ganz, ob´s hierher gehört, aber ich versuch´s mal:

Hoi :smile:

Ich bin neugierig:
Wenn ein Mensch bis zu einem gewissen Alter nicht hören konnte (ich meine, da gab es so ein Zeitfenster…) und später zB durch eine OP hören kann, lernt er u.U. noch, Umgangssprache zu verstehen. Immer wieder wird allerdings darauf hingewiesen, dass man dann nicht mehr aufholen kann, was andere hören und verstehen, die Sprache nie wirklich komplett lernen kann.

Warum ist das so?

Wenn ich durch eine OP erst mit 5 Jahren meine Hand nutzen kann (mir fällt grad kein anderes Beispiel ein) kann ich doch auch durch gute Reha noch lernen, sie perfekt zu nutzen…!?

Kann mir jemand das erklären?

Liebe Grüsse,

Winter

hi,

wirklich beantworten kann ich dir deine frage nicht, aber wir haben in sozialwissenschaften gelernt, dass die sprachliche entwicklung schon im bauch beginnt und der eigentliche beginn von 1-4 ist?! ca.

„… Nach aktuellen Einsichten beginnt Sprachentwicklung nicht erst mit dem Sprechen der ersten verständlichen Wörter, sondern viel früher, bereits vor der Geburt mit der Differenzierung akustischer Wahrnehmungen bis hin zum Erkennen der mütterlichen Stimme. Im SÄuglingsalter schreitet diese Entwicklung unter Nutzung der nonverbalen Kommunikation, die schon komplexe Dialoge ermöglicht, rasch fort.
Die bereitschaft für Sprache muss angelegt sein. Es wurden neuerdings genetische Orte für Sprache identifiziert. Darüber, wie aus der Anlage Lautierungen werden und aus Lautierungen Sprache wird, gibt es Beobachtungen und Theorien. Der amerikanische Entwicklungspsychobiologe J. Bruner favorisisert ein Konzept, das die Anfänge der SPrachentwicklung als Prozeß kulturellen Lernens auffaßt, dessen Grundformen kurze Laut- und Wortausßerungen sind, die als „kleinster Dialog“ das Baumaterial für den Spracherwerb bilden. Vieles spricht dafür, dass SPrache so aufgebaut wird. Bilder anschauen und Vorlesen und darüber Dialoge zu führen entsprächen diesen Bausteinen kulturellen Lernens.
Es ist keine Frage mehr, dass Entwicklung sich im Wechselspiel zwischen Reifung und Lernen ereignet. Die erbanlagen steuern das Bereitstellen der reifen Struktur, Erfahrungen macht sie zu dem hochdifferenzierten Funktionssystem, als das sie sich vollendet. In dieser Weise braucht Sprache die im Gehirn genetsich angelegte Grundlage. Sprache entwickelt sich, wenn diese Struktur intensiv benutzt und auf einfachen Anfängen (Lautsprache des Säuglings)aufbauend immer komplexeres Denken und Sprechen realisiert. In gleichen Maße verfeinert sich die Feinstruktur des Gehirns. Mit Sicherheit bieten Vorlesedialoge vorzügliche Gelegenheiten, diese wechselseitigen VErstärkungen von Reifung und Lernen und Lernen und Reifung zu fördern.
Es gibt in der Biologie Beispiele dafür, dass Lernen zu bestimmten Zeiten stattfinden muss. Für den SPracherwerb beim Menschen stehen Beweiße noch aus. Man kann aber sagen, dass im Alter zwischen ein und vier Jahren die wesentlichen Schritte der Sprachentwicklung stattfinden und dass, wenn Sprachentwicklung sich in dieser Periode nicht ereignet, ein aufholen nur bedingt möglich ist. Kinder, so heißt es, denen in dieser zeit viel vorgelesen, lesen später mehr. Umgekehrt wird Kindern, deren Sprache sich verzögert oder nicht entwickelt, weniger oder garnicht vorgelesen. Weil sie nicht verstehen, nicht nicht in den erwarteten Dialog eintreten und kein Interesse fürs Vorlesen entwickeln, erzählen einem die Mütter. Da wird sicher etwas versäumt, was nur schwer wieder gut zumachen ist.“

Das ist ein Zeitungsartikel den wir von unserer Lehrerin bekommen haben. Quelle ist unbekannt, aber ich denke ein wenig weiter helfen wird er dir sicherlich.

Danke owt
(-:

Hi!

Kann mir jemand das erklären?

Nein. Es ist einfach so. Das hat mit der Reifung der Hörbahn und ihren übergeordneten Zentren zu tun. Zur vollständigen Ausreifung ist hier eben das Auftreten von akustischen Reizen erforderlich, zum vernünftigen Spracherwerb ist die akustische Rückkoppelung erforderlich.

Darum ist man ja so dahinter her, schwerhörig geborene frühzeitig zu erkennen, da mit der Versorgung durch ein sogenanntes Cochlear implant das Ohr als bislang einziges Sinnesorgan technisch zu ersetzen ist.
http://www.charite.de/hno-cvk/cvk_cochlear_implant.htm

Noch krasser ist es ja mit der Sehbahn, da ist das zeitliche Fenster noch enger, bei stark schielenden Kinder fehlt ohne Behandlung später oft das räumliche Sehen.

Wenn Du’s ganz genau wissen willst, kannst Du ja mal diesen Artikel hier lesen.
http://www.geers.de/stiftung/Foerderpreis2000.pdf

Gruß
Peter

Hallo Winter,

es ist sogar so, daß Schwerhörige, die (lange) nicht mit einem Hörgerät versorgt waren, das Hören verlernen, weil die entsprechenden Verbindungen im Hörzentrum zum Teil abgebaut werden.

Gandalf